Parkplatzprobleme

*Parkplatzprobleme*
Unter „Parkplatzproblemen“ kann man Unterschiedliches verstehen. Wenn man keinen finden kann, dann ist das manchmal nervig. Großstädter wissen davon ein Lied zu singen. So mancher fährt in Berlin oder Hamburg mit dem Bus oder mit der Bahn, weil er in der Nähe seiner Wohnung den „guten“ Parkplatz nicht aufgeben will.

Dort, in Städten, könnte man sich Parkplatzbörsen, so ähnlich wie Partnerbörsen, vorstellen. Man inseriert einen Parkplatz im öffentlichen Raum und tauscht diesen zu abgesprochenen Zeiten mit einem anderen Autobesitzer des anderen Geschlechts, eine Art privates Parkplatzsharing wäre das.

Das würde für viele zwischenmenschliche Kontakte sorgen, so dass man letztlich auf Partnerbörsen gänzlich verzichten könnte.

„M, 41, bietet F bis 45 Parkplatz im Karolinen-Viertel werktags ab 7:15 Uhr, Rücktausch nach Absprache“.

Außerdem ergeben sich diese Parkplatzkontakte ‚lokal‘. Das heißt, dass man nicht weit fahren muss, um den Parkplatzbörsenpartner zu treffen.

‚PPBP‘ wäre eine sinnvolle Abkürzung.

Andererseits kommt für private Verabredungen nach der ersten Woche nur eines der Fahrzeuge in Betracht. Oder Autokino. Oder eine Fahrt ins Grüne. Das ist aber immer noch deutlich preiswerter als Parship. Man hat so auch von Anfang an ein gemeinsames Problem.

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Hier an der Nordseeküste stellt sich ein Problem anderer Art. Hier muss man viel Entscheidungskraft aufbringen, um sich für einen der unzähligen freien Parkplätze zu entscheiden.

Das ist einem Großstädter vielleicht schwer zu vermitteln. Aber wenn vor einem Supermarkt oder am Deich in Wassernähe von 100 Parkplätzen nur 5 besetzt sind, dann muss man eine Entscheidung bei 95 „Freiheitsgraden“ treffen.

So viele Möglichkeiten hat man selten bei der Partnerwahl! Und wie schwer ‚die‘ schon sein kann, das besprechen wir hier nicht.

Die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte, „fühlt“ meine Unsicherheit bei der küstennahen Parkplatzwahl. Leider versucht sie mich nicht zu beraten sondern sie sagt etwas wie „Nimm‘ den da vorn, dicht am Eingang!“, kaum dass ich die Lage sondieren konnte.

Sie will immer ganz dicht ran ans Ziel obwohl sie seit fast 50 Jahren Ballett tanzt.

Natürlich kann ich dann nicht einfach „so“ in diese empfohlene bis befohlene Lücke steuern. Ich fahre dann erstmal eine bis zwei Runden über den Parkplatz und frage, ob sie Schatten wünscht oder wo ich vorwärts oder rückwärts parken könnte. Sie schlägt dann auch noch ständig neue Plätze vor, das ist sehr verwirrend.

Manchmal nehme ich auch den am weitesten vom Eingang entfernten Parkplatz, zugegeben. Das mache ich nur, wenn sie sich wieder in so eine Fluchphase hineinsteigert. Wenn man in einer derartigen Phase als Mann zu schnell nachgibt, dann hat man verloren, weil sich das zum Prinzip entwickeln kann!

Das hatten wir eben auch, fast 100 freie Plätze. Also bin ich erstmal weiter im Kreis gefahren, dann so in Schlangenlinie durch die Gassen über den Großparkplatz. Die beiden älteren Damen mit den Einkaufswagen haben uns bei der dritten Vorbeifahrt sogar gegrüßt!

Auch so lernt man Menschen kennen!

Dann wurde der einzige Schattenplatz frei, habe dann mittig in praller Sonne geparkt, weil sie vom Pöbeln schon so hektische Flecken bekam.

Ich sage seit 25 Jahren, dass ich keine Anleitung für die Auswahl eines freien Parkplatzes benötige, das ist für mich nämlich allein schon schwer genug.

Kuchen

*Kuchen*
Nach der „Püree“-Geschichte hat mir eine junge Frau geschrieben, dass sie Geschichten über Kuchen lieber mag. Ich verstehe das deshalb so gut, weil ich Kuchen auch deutlich einem Püree vorziehe. Torten mag ich auch nicht, jedenfalls nicht die aus Konditoreien. Ich sehe sie trotzdem recht gern.

Auf Platz 1 aller Kuchen liegt der mit Mohn und Möhren von „Anto“ unter dieser quarkigen Schicht in der etwas Zitrone stecken muss. Leider verknappt sie das Angebot klug, weil sie den nur einmal in der Woche macht. Ich lege den wie alle Kuchen aus runden Formen immer flach und streue eine leichte Schicht braunen Zucker darüber. „Leicht“ ist ein dehnbarer Begriff und sie darf das nicht sehen, weil sie es eine „Sünde“ nennen würde.

Platz 2 bekommt der Apfelkuchen von der Nordseeküste, allerdings haben die nur weißen Zucker. Außerdem verkauft die schönste und netteste Bäckereifachverkäuferin der Welt jetzt Autos. Erstens kann ich nicht vier- oder fünfmal im Jahr ein Auto kaufen und zweitens bin ich mit Zucker im Auto etwas sensibel.

Platz 3 übrigens für den Möhrenkuchen ohne Mohn, aber mit dem braunen Dach.

Die junge Frau sieht mich des Öfteren, aber ich sah sie noch nie obwohl ich sie digital seit mehr als zwei Jahren kenne. Vielleicht ist sie ‚analog‘ auch anders als ‚digital‘. ‚Digital‘ mag ich Kuchen zum Beispiel gar nicht, das mit dem Zucker geht dann nicht.

Man ist ja auch nicht überall und zu allen Zeiten derselbe Mensch.

Zuhause habe ich noch nie einen Kaffee mit Zucker getrunken, dort trinke ich ihn sogar coffeinfrei!
Auswärts hingegen, egal in welchem Café, trinke ich ihn mit Zucker. Braun in meiner Stadt, mit weißem an anderen Orten.

Jedenfalls habe ich noch Grundsätze.

Aber Zucker streue ich auch zuhause auf den Kuchen, jedenfalls, wenn die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte, das nicht mitbekommt.

Ihr „Halt!“ kommt immer viel zu früh.

Püree

*Püree*

Vor knapp 50 Jahren lebte uns gegenüber der ehemalige Verleger mit seiner Haushälterin und dem Dackel. Der Herr des Hauses war bereits hoch in den 80ern, manchmal holte ihn der Chauffeur mit Anzug und schwarzer Mütze ab, …. natürlich mit einem schwarzen Mercedes 600. Der duftete extrem gut.

Seine Haushälterin kochte genauso wie der Daimler war, fett.

Leider musste sie ihm alles pürieren und wenn sie zuviel zubereitet hatte, dann kam sie mit ihrem rotem Haar herüber und brachte uns „Gelb“, „Braun“ und „Rot“. Fast die deutschen Farben.

Optisch konnte man Kartoffeln, Rinderfilet und Rote Beete vermuten, aber die Farbgebung waren nicht immer rein und ansprechend. Es war zwar schmackhaft, aber es blieb beim „Farbenessen“.

Oft war die Zusammensetzung gar nicht definierbar, blind jedoch durchaus zu goutieren, weil sie nie an Butter sparte. Rätselessen.

Eine pürierte Erbsen- oder Linsensuppe mit Fleischeinlage ist zum Beispiel kein Farbfest, das sieht aus wie schon einmal gegessen. Jedenfalls muss aus dieser Zeit das Sprichwort stammen, dass das Auge mitisst.

So manches wurde nur deshalb gar erst nicht gekostet. Die Dame der Küche war auch schon alt, vermutlich kochte sie sogar besser als sie sehen konnte. Wenn nur nicht der Pürierstab schon erfunden worden wäre!

Wobei wir wieder bei Helene Fischer landen könnten, das ist ja auch so ein Püree von Drum’n’Bass bis Country und daher kaum ernst zu nehmen, weil da jeder zahnlose Geschmack bedient werden soll.

Aber sie sieht besser aus als ein Püree, zugegeben.

Das wird jetzt eine richtige Püree-Geschichte, weil ich heute schon früh beim Küstenbäcker war. Da habe ich 20 Minuten in der Schlange gestanden. Und als ich dann eigentlich bei einer der beiden älteren Damen hinter dem Tresen „dran“ gewesen wäre, da wurde schon der Herr in Grau hinter mir bedient und nannte seine Brötchenwünsche.

Ich sage ja nichts, wenn ich an so etwas meinen Spaß habe. Jedenfalls füllten beide Damen große Brötchentüten bis sie wieder hochblickten.

Stumm schauten sie auf mich, dann sehen sie sich sekundenlang an, große Tüten in den linken Händen. Draußen bellt und jault mein Hund. Eine Szene wie aus einem Hitchcock, Spannung liegt in der Luft.

„Wen bedienst Du gerade?“, fragte die Blonde. Die Dunkle zeigte stumm und ergeben auf den Herrn in Grau.

„Ich auch!“, sagte die Blonde.

Jetzt hatten sie also zwei *identische* Tüten zusammengestellt. Die dachten jeweils, die *andere* würde mich bedienen.

Kommunikationspüree.

Donald Trump hätte an meiner Stelle vermutlich früh verbal brutal zugeschlagen. Weniger lustig.

Ich denke ja, dass ein Sesam-Brötchen vielleicht doch den höheren IQ hat, das bessere Benehmen allemal. Der kann dafür Wortpüree.

Der Arzt, der zuviel spricht

*Der Arzt, der zuviel spricht*
Ich finde meine Ärzte für die seltenen Fälle, in denen ich einen brauche, ziemlich gut. Aber ich nehme nur welche mit gefärbten Haaren oder mit echtem Grau.

Nicht, dass jetzt die Jungen nicht gut wären, ich hatte nur schon öfter Pech in diesen Kliniken, in denen die Jungen oft ausgenutzt werden oder übermüdet sind.

Auch die guten, die erzählen ja gern alles, was sie wissen und tun wollen. Aber sie nennen gern auch Details, die ich gar nicht wissen will!

Zahnarzt:
„Hach, da ist noch ein Rest vom Nerv, den ziehe ich Ihnen jetzt gleich raus, kleinen Moment noch.“

Kieferchirurg:
„Nun eröffnen wir die Kieferhöhle mit einem Schnitt, das merken Sie gar nicht.“

Ich will Euch nicht mit mehr Beispielen malträtieren, Ihr kennt das ja vielleicht auch. Vermutlich sind die auch etwas einsam, die Ärzte. Und Politisches passt nicht in jeden Rachen.

Man muss ja immer diese Einwilligungserklärungen unterschreiben. Ich lese das nicht, ich schaue nichts bei Google nach, macht mich alles nur nervöser und kränker. Die Ärzte sind ja gut. Warum soll ich das extra studieren?

Also sage ich gern bei der Planung und der Verfahrensbeschreibung komplizierterer Art, wenn mir Sinn und Ziel klar sind:

„Machen Sie mal, müssen Sie gar nicht weiter erklären. Ich vertraue Ihnen, unterschreibe ich blanko.“

Der für die Augen vorgestern, der hörte vielleicht nicht so gut und hat mir den Ort der späteren Spitze ins Auge am Modell echt gut beschrieben, aber ich wollte das gar nicht wissen, weil es mir sonst vorher schlechter geht als hinterher. Da hatte ich ja zwei Tage vorher schon Perlen auf der Stirn.

Und heute auch so ähnlich, habe den speziellen Spritzen-Doc zwar nicht mehr scharf gesehen, doch der hat auch alles erklären wollen, „… jeden Schritt beschreibe ich Ihnen gaaaaanz genau vorher ….“. Er schwieg jedoch brav mir gegenüber als ich das ‚echt nicht so dringend brauchte‘.

Aber für den neuen Assistenzarzt hat er doch noch kurz gesagt: „Ja, ich betäube gleich nochmal, das ist eine recht dicke Kanüle bei so einer Depotspritze im Auge, …. nicht dass *er* das trotzdem merkt, wenn wir es einschießen.“

Eben.

Muss nicht. 😉

Meistens sind es die „Jungs“, glaube ich.
Weiblichen Ärztinnen musste ich das bislang immer nur einmal sagen. Kann aber Zufall sein.
Wenn Autos Gefühle hätten, würde auch kein Mechaniker beim Abschrauben des Zylinderkopfdeckels sagen: „Nun trennen wir mal den Kopf von Deinem Allerheiligsten.“

Ich sage der Banane auch nicht Minuten vorher:
„Gleich ziehe ich Dir die Haut ab, wirst Du nicht viel merken davon.“

Das ist zwar nur eine Banane, aber ich sage das trotzdem nicht, aus Rücksicht auf Bananengefühle und natürlich auch, weil Bananen nicht gut hören.

„Komm‘ kuscheln“, sage ich dem Hund, wenn da eine Zecke raus muss. Der wird total nervös, wenn ich mit der Zange sichtbar komme und die Entfernung mit ihm plane und bespreche. Der ist nicht blöd, auch wenn der nicht ‚googlet‘.

Also erstmal kuscheln, dann macht der Hund sich keine Sorgen.

Ich bin irgendwie ein Hund auf zwei Beinen und manche Ärzte sind King Louie.

„I’ll fix it for you.“

Keine Ahnung, wie ich auf King Louie gekommen bin.

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Der Mann mit der Schaufel

Der Mann mit der Schaufel

Vor fast zwanzig Jahren raste er immer durch unser kleines Wohngebiet, der ältere Herr mit seinem Daimler und den vielen Pferden.

Mit Brian, der auf dem Bau arbeitete, habe ich darüber einmal gesprochen, als mein Großer noch so klein war. Brian wurde von seiner Mutter nach Bryan Ferry benannt.

Er hat das immer wieder erzählt, aber ich kann auch mal etwas stehen lassen.

Brian wohnte drei Häuser weiter neben uns.

Jedenfalls hat der Brian mit seinen 110kg-Muskelbergen dann gesagt, dass er den mal anspricht.

Das fand ich gut, weil ich das sonst gemacht hätte.

Wenige Tage später schlich der schwarze Daimler nur noch vorbei wie eine schwarze Wolke im Herbst.

Natürlich habe ich Brian gefragt, wie das Gespräch gelaufen ist.

„Welches Gespräch?“, hat er zurückgefragt, „ich habe eine Schaufel genommen und mich auf die Straße gestellt. Und dann habe ich ihm gesagt, dass ich ihm alle Scheiben einschlage, wenn er hier nochmal schneller fährt als mein Kind laufen kann. Was soll da ein ‚Gespräch‘, der hat nix gesagt.“

Eine klare Lösung.

Obwohl der Brian ein Jahr später auszog, ist der Daimler nicht wieder schnell gefahren.

Bis gestern, da war er plötzlich in Silber und wieder neu und schnell.

Ich habe heute früh meine Schaufel schon mal an den Bürgersteig gestellt.

„Bitte stehen lassen“, steht auf dem Schild an der Schaufel.

Ich rede nicht gern viel.

Ballroom Blitz

*Ballroom Blitz*
Ich bin kein Freund dieser Blitzer an den Straßen obwohl ich wirklich selten mehr als 5km/h zu schnell bin. Trotzdem scanne ich routinemäßig den Straßenrand ab, ob ‚da einer steht‘. Die Stellen kennt man ja in der Regel. Es sind immer Kombis ohne Aufkleber mit dunkler Heckscheibe, immer ohne Leichtmetallfelgen, das wäre zu teuer. Die vorderen Fenster stehen immer einen Spalt offen. Farblich zurückhaltend, hier bevorzugt Skoda oder Seat, das spart auch. Die sollen ja Geld einsammeln, deshalb stehen sie meist da, wo selten etwas passiert und die Straßen breit sind.

Wenn die gerade einen erwischt haben, dann bremst der immer, ist aber natürlich zu spät.

Noch schlimmer sind die Verbalblitzer im normalem Leben. Kaum sagt man „Negerkuss“, gibt es ein Strafmandat verbaler Art. Auch beliebt, wenn man gerade Salat mit Putenstreifen isst:

„Weißt Du eigentlich, wie die gezüchtet werden?“

Da gibt es ja unzählige Beispiele, die mich innerlich stöhnen lassen. Das mag ja alles stimmen, aber es wirkt doch ein wenig wie das „Hands Up!“ von John Wayne in seiner besten Phase.

Auch Frauen tragen verbale Revolver.
Aber kürzlich hat mir einer berichtet, dass er 10 Jahre lang einen der ersten Bio-Läden hatte, schon in den Neunzigern. Und er war auch sehr für Waldorfschulen, recht energisch in der Diskussion, was mich nicht stört, selbst wenn jemand eine Überzeugung hat, die nicht die meine ist.

Es ist ja teilweise schon gut, wenn jemand überhaupt von etwas wirklich überzeugt ist.

Jedenfalls sah ich denselben Mann einige Tage später in einem roten Mustang, in der bekannten 400 PS-Version.

400 Pferde!
Eine der letzten frei lebenden Herden in Europa! Bio!

Da hätte ich dann trotzdem auch gern mal verbal geblitzt. Man hat’s ja selbst, das „Blitzer-Gen“.

Hitparade

*Hitparade*
Irgendwie fing alles mit den Briefmarken an und danach folgten Karl May-Bände. Als ich mir von denen knapp 50 Bände vom Taschengeld abgespart hatte und sich so manches wiederholte, da habe ich in meiner Erinnerung dicke Bücher durch flaches Vinyl ersetzt.

Zwei Plattenläden gab es in einer Entfernung von knapp 150 Metern von der Schule, deren „Primanerfünfkampf“ einst Graf Luckner im 19. Jahrhundert für sich entschied. Es gab noch drei oder vier weitere, aber dorthin schaffte man es in der Pause nicht. In dem einen, nahe gelegenen, lagen immer der ‚Melody Maker‘ und die ‚Billboard‘ aus. Die ausgelesenen Exemplare wurden unter dem Ladentisch für mich aufgehoben und der Papiermüllljunge lernte daraus deutlich mehr als der Englisch-Unterricht je bot. Man lernt unmerklich, wenn’s einen interessiert.

Das muss die Zeit gewesen sein, in der Wolf-Dieter Stubel so oft bei der ‚Internationalen Hitparade‘ in die Songs quatschte und meine Tonbandaufnahmen erdrückte, Günter Fink war als Vertretung noch schlimmer. Zuerst hatte ich ja nur ein altes Telefunken-Tonbandgerät in Mono und dazu die alte Graetz-Musiktruhe aus den Fünfzigern, danach schon einen 8200er Cassettenrecorder von BASF.

„Mit Stereo“ und Pegelanzeige!

Es gab auch „Musik für junge Leute“ und „Der Club“ im Radio! Ohne Werbung! Da wurden neue Platten besprochen, und Peter Urban gehörte zu den Helden des Abends und der Nacht, schon weil der nicht dazwischen redete. Etwas später hat Peter mich auch mit Warren Zevon bekannt gemacht als er seine erste Platte herausbrachte.

Übrigens gibt es Peters Doktorarbeit nicht mehr zu kaufen, ein Jammer. „Rollende Worte-Die Poesie des Rock“ heißt die und ich Idiot habe sie einmal verliehen und vergessen, wer die hatte. Ist damals bei ‚Fischer‘ oder ‚Rowohlt‘ als Taschenbuch erschienen, ich glaube mich an Fische auf dem schwarzen Rücken zu erinnern. Peter ist ein Held!

In der ‚Internationalen Hitparade‘ wurden immer die Top 5 aus UK und den USA genannt. Die habe ich immer schnell mitgeschrieben, sonst würde ich heute nicht mehr wissen, dass B.J. Thomas für mehrere Wochen einen Nummer 1-Hit in den USA hatte mit „Hey, Won’t You Play ….“.

Der Titel ist sehr lang und endet mit „… Wrong Song“.

Tony Orlando & Dawn kennt heute auch kaum noch einer, vermute ich, ihr hättet einfach die Top 5 mitschreiben sollen.

„Meine“ erste Nummer 1 war übrigens „Goodbye Yellow Brick Road“, jedenfalls in meiner eigenen ‚Hitparade‘. Für die brauchte ich nämlich auch die Top 5 aus dem angelsächsischen Raum. Jedenfalls habe ich jeden Sonntag am Morgen meine 100 besten Lieder gelistet, sozusagen als private ‚Hitparade‘. Später auch für LPs, das war in der Billboard auch so, allerdings nach Verkaufszahlen.

Und das sah recht gut aus so getippt mit der alten Schreibmaschine nach dem Saugen des Fußbodens. Ich hätte eher die Hausaufgaben abgeschrieben als eine Woche keine ‚Hitparade‘ zu tippen. Wurde in Klarsichtfolie abgeheftet, klar. Irgendwo müssen die noch sein.

Sonntags habe ich danach Fußball bis zum Abwinken gespielt. Hausaufgaben kann man besser abschreiben als Siege und Tore.

Helene und ich

*Helene und ich*

Schwierig …. ist es zum Beispiel, wenn fast ausnahmslos alle derselben Meinung sind. Keiner mag den Trump, den Erdogan nur Ausgewählte, speziell und mehrheitlich Männer, und vor allem mag keiner Helene Fischer.

Das finde ich immer wieder sehr erstaunlich, weil irgendjemand ja diese Millionen von Platten kaufen muss. Sie allein schafft das nicht. Ich liebe Helene als Thema, weil das so herrlich deutsch ist.

Und, kurz gestanden, ich habe aus der Grabbelkiste „Farbenspiel“ auch gekauft, das Cover war farblich ansprechend und ihr Bild ist nicht unsympathisch. Manche Platten sind so prägend für eine Zeit, dass man sie schon deshalb braucht.

Klar, ich überlegte dann schon, wie ich damit bei Claudia Michelsen II ungesehen am Tresen vorbei komme. Ich will ja nicht beim nächsten Versuch Empfehlungen für Wolfgang Petry und Beatrice Egli bekommen.

An der Kasse bei der Dame, die denselben Nachnamen trägt wie ich, habe ich genuschelt:

„Ganz schnell und eine blickdichte Tüte dazu!“

Die finde ich jetzt nicht mehr so nett, die Sonja, die hat nämlich ganz laut gesagt, und so, dass alle das hören konnten:

„Hach, einmal „Farbenspiel“ von der Fischer für Herrn X.! 5,99€? Stimmt das, Katja?“

Katja, ihre Kollegin, hat nur kurz genickt.

Aus der Schlange hinter mir mitleidige Blicke, mittlerweile war ich noch 28cm groß.

Helene kaufen, das ist wie „Playboy“ kaufen früher. Da nahmen viele zusätzlich noch eine Tageszeitung mit, um das Hochglanzheft darin zu schützen.

Meine Kinder waren auch zunächst völlig von der Rolle, also von ‚Farbenspiel‘, nicht vom ‚Playboy‘. Die konnten aber beide im Urlaub den Text von „Atemlos“ wortgetreu mitsingen.

Meinem Sohn hatte ich ja die Playboy-Ausgabe zur Fußball-WM gekauft. Natürlich hatte ich alles, was nackt war, sauber herausgeschnitten und das Cover mit ‚Elefantenband‘ jugendfrei gestaltet. Meine Frau, die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte, fand das trotzdem nicht so gut.

Und jetzt ist die neue Helene-Platte schlicht in Schwarz und Weiß gehalten, ohne Titel. „Nutella“ kann man auch weglassen auf den Gläsern. Einen Auftritt ganz in Schwarz sah ich auch irgendwo. Andere Bewegungen, neue Haltungen, die Haare nicht frisch frisiert … sondern so wie …. „ach, habe ich heute vergessen“.

Das ist natürlich alles ebenso „gewollt“ wie das weiße Rüschenkleid von Nicole damals bei „Ein bisschen Frieden“, aber Schwamm drüber. Was habe ich das gehasst, dieses absichtsvoll kalkulierende Aufgreifen der „Frage der Zeit“ zur Gewinnmaximierung.

„Sie weckt die Sehnsüchte, die sie anschließend selbst befriedigt“, stand in einem angesehenen Tagesblatt über die Helene. Hat bei mir nur bis zum Relativsatz geklappt, aber 50% ist ja auch nicht übel.

Holger

*Holger*
Holger Badstuber ist einer der großen „Durchhalter“ und „Kämpfer“, fast wie Johannes Paul II. Aber es gibt auch viele Unbekannte, denen es ähnlich ergeht.

Rund 1200 Tage, also 3,3 Jahre von 3,5 Jahren, war der Holger verletzt, in der Zeit von Dezember 2012 bis Sommer 2016. „Weltmeister“ hätte er sich für den Rest des Lebens nennen können und vielleicht bleibt ihm nur der „Pechweltmeister“ als Titel. Mehr als 100 Länderspiele hätte er heute haben können.
„Du liegst in mancher Nacht wach in deinem Bett … im Dschungel dieses Lebens hat sich das Glück vor Dir versteckt“, hach, die Helene hat jetzt sogar ein Lied über den Holger eingesungen.

Und da ist zum Beispiel die Ines, die viele verschiedene Dinge im Leben gelernt und gemacht hat, bis sie im Theater das Glück fand. An verschiedenen Theatern, um genau zu sein. Und weil die Arbeit in einer Maßschneiderei so würdelos war vor 20 Jahren hat sie dann direkt zu einem Bestattungsunternehmen gewechselt. So richtig kreativ ging es dort aber auch nicht zu. Und lustig ist es da ja auch nur, wenn der Kunde gegangen ist, sonst könnte das nämlich kein Mensch ertragen.

Man lernt ja gern, vor allem von manchen Eltern oder Großeltern, dass das Durchhalten und Aushalten so wichtig sei und dass alles im Lebenslauf gut ausschauen solle. Vielleicht hat der Holger das auch so gelernt, denn ich hätte das nicht 3 Jahre durchgehalten mit Operationen, Reha und neuem Pech nach kurzer Zeit. Da hätte ich lieber einen Kiosk aufgemacht oder wäre Fahrlehrer geworden. Es gibt viel zu wenig Kioske und auch zu wenige Fahrlehrer, vermutlich wegen der späten Arbeitszeiten.

Das „Durchstehen“ finden andere oft ‚gut‘ oder ‚bewundernswert‘, auch bei ungeliebten Ausbildungen oder Studiengängen, die sich nicht als das Erwartete herausstellen. Ich bin eher für den Mut zum Abbruch, zum nächsten Versuch. Aber ich muss ja meine eigenen Brüche auch schönschreiben, stimmt schon.

Wem ist denn damit geholfen, wenn ein junger Mensch sein Studium *nicht* abbricht, wenn es ihn nicht interessiert, er 10 oder 12 Semester „durchhält“ und zum Schluß am eigenen ungeliebten Rechtsanwaltsberuf sein Leben lang leidet, obwohl er als Künstler glücklicher mit finanziellen Sorgen und einem rostigen Kleinwagen gewesen wäre?

Darunter leiden die Mitmenschen oft auch noch mit, wenn einer so unzufrieden mit sich und seinen durchgehaltenen Wegen ist. Manche verteilen das eigene Unglück ja in jede Himmelsrichtung.

„Du liegst in mancher Nacht wach in deinem Bett … im Dschungel dieses Lebens hat sich das Glück vor Dir versteckt“.

„Brecht ab“, möchte man rufen, nach einem halben Jahr, wenn die Paragraphen oder Wirtschaftsfragen Euch langweilen, „Sucht das Neue!“ und riskiert, dass die Eisernen aus früheren Generationen Euch kritisieren für Eure verschlungenen, wechselnden Wege.

Das war jetzt nur ein Lesebeispiel für das spaßfreie Leiden am Durchhalten.

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„Without music all we’d have is noise.“

Das Amüsante

*Das Amüsante*
Nachdem ich gestern fast einen Radfahrer umgenietet habe, habe ich erstmal im Fremdcafe ein Stück Kuchen gegessen und einen ungewohnten Cappucino getrunken.

Der fuhr mit geschätzten 45km/h in den Kreisverkehr und ich hatte den Vogel erst gesehen als er vor dem Kühler herumwischte. Kein Autofahrer fährt derart schnell in einen kleinen Kreisverkehr. Und ich hatte vorher den rechten Spiegel gecheckt und mich über die Schulter umgesehen. Aber der erschien wie ein Blitz aus blauem Himmel. Da war ich wieder froh, dass meine Reflexe noch halbwegs intakt sind, dachte ich. Jedenfalls habe ich beim Cassettenwechsel auf dem Weg vom Strand zuletzt ein Auto an der Leitplanke entlang streifen lassen. Das war vor 40 Jahren und der Opel war wirklich Mist, vor allem der Lack danach. Mehr war auch nicht.

Was ich ja gar nicht verstehen kann, sind Fahrer, die an den Rückspiegel irgendwelches Gebamsel hängen. Das tötet jeden Reflex ab, weil man sich daran gewöhnt, dass sich am Rande des Gesichtsfeldes etwas bewegt. Sollte man verbieten so etwas. Blumen hingegen wirken beruhigend, jedenfalls solange sie nicht solar in Bewegung versetzt werden.
Angesichts der selbsterleuchten Trumps, Erdogans, Kims usw in dieser Welt, muss man manchmal schon suchen, wenn man mal wieder lächeln will.

Und weil das gerade so schlimm ist, habe ich jetzt die App „Schlager Welt“ installiert und als meine Favoriten Helene, Andrea, Beatrice, Michael, Michelle und Wolfgang eingegeben. Daliah ist leider nicht in der Liste gewesen. Das ist jedenfalls fast wie „Freizeit Woche“.

„Lass uns vergeben, vergessen und wieder vertrau’n“.