*Püree*
Vor knapp 50 Jahren lebte uns gegenüber der ehemalige Verleger mit seiner Haushälterin und dem Dackel. Der Herr des Hauses war bereits hoch in den 80ern, manchmal holte ihn der Chauffeur mit Anzug und schwarzer Mütze ab, …. natürlich mit einem schwarzen Mercedes 600. Der duftete extrem gut.
Seine Haushälterin kochte genauso wie der Daimler war, fett.
Leider musste sie ihm alles pürieren und wenn sie zuviel zubereitet hatte, dann kam sie mit ihrem rotem Haar herüber und brachte uns „Gelb“, „Braun“ und „Rot“. Fast die deutschen Farben.
Optisch konnte man Kartoffeln, Rinderfilet und Rote Beete vermuten, aber die Farbgebung waren nicht immer rein und ansprechend. Es war zwar schmackhaft, aber es blieb beim „Farbenessen“.
Oft war die Zusammensetzung gar nicht definierbar, blind jedoch durchaus zu goutieren, weil sie nie an Butter sparte. Rätselessen.
Eine pürierte Erbsen- oder Linsensuppe mit Fleischeinlage ist zum Beispiel kein Farbfest, das sieht aus wie schon einmal gegessen. Jedenfalls muss aus dieser Zeit das Sprichwort stammen, dass das Auge mitisst.
So manches wurde nur deshalb gar erst nicht gekostet. Die Dame der Küche war auch schon alt, vermutlich kochte sie sogar besser als sie sehen konnte. Wenn nur nicht der Pürierstab schon erfunden worden wäre!
Wobei wir wieder bei Helene Fischer landen könnten, das ist ja auch so ein Püree von Drum’n’Bass bis Country und daher kaum ernst zu nehmen, weil da jeder zahnlose Geschmack bedient werden soll.
Aber sie sieht besser aus als ein Püree, zugegeben.
Das wird jetzt eine richtige Püree-Geschichte, weil ich heute schon früh beim Küstenbäcker war. Da habe ich 20 Minuten in der Schlange gestanden. Und als ich dann eigentlich bei einer der beiden älteren Damen hinter dem Tresen „dran“ gewesen wäre, da wurde schon der Herr in Grau hinter mir bedient und nannte seine Brötchenwünsche.
Ich sage ja nichts, wenn ich an so etwas meinen Spaß habe. Jedenfalls füllten beide Damen große Brötchentüten bis sie wieder hochblickten.
Stumm schauten sie auf mich, dann sehen sie sich sekundenlang an, große Tüten in den linken Händen. Draußen bellt und jault mein Hund. Eine Szene wie aus einem Hitchcock, Spannung liegt in der Luft.
„Wen bedienst Du gerade?“, fragte die Blonde. Die Dunkle zeigte stumm und ergeben auf den Herrn in Grau.
„Ich auch!“, sagte die Blonde.
Jetzt hatten sie also zwei *identische* Tüten zusammengestellt. Die dachten jeweils, die *andere* würde mich bedienen.
Kommunikationspüree.
Donald Trump hätte an meiner Stelle vermutlich früh verbal brutal zugeschlagen. Weniger lustig.
Ich denke ja, dass ein Sesam-Brötchen vielleicht doch den höheren IQ hat, das bessere Benehmen allemal. Der kann dafür Wortpüree.