„Das Getriebe des Mannes“, nicht lesen, bitte!

*Das Getriebe des Mannes*

…
Im Moment trainiere ich den jungen Hund für Silvester. Es soll Hunde geben, die sich nach den Raketen und Kanonenschlägen drei Tage nicht nach draußen trauen, die sind total verängstigt. Der Tierarzt verschreibt anderen Beruhigungsmittel, weil Hunde ja keinen Alkohol trinken.

Ich übe mit youtube.

Wir sehen uns gemeinsam Feuerwerk an und hören Kanonenschlägen über die Stereoanlage mit langsam steigender Lautstärke zu. Bei jedem Knall gibt es einen „Leckerdrops“. Ob das jetzt morgen auch klappt, weiß ich nicht, aber der Hund findet die Silvester-Vorbereitungen ganz offensichtlich super. Der schaut mich schon an, wenn’s rummst, weil er auf den Drops wartet.

Ja, das klingt so, als hätte ich Lust dazu, diesen Text zu schreiben, aber ich öde mich selbst schon vor dem an, was *jetzt* kommt. Am besten lest ihr ab *jetzt* nicht weiter.

Es ist ein Gelübde.

Ich muss das schnell runterschreiben.

–

Das ist praktisch nur für mich getippt, damit ich mich nach knapp 40 Jahren mit VW immer daran erinnere, das ich *nie* wieder meine Hände auf ein Lenkrad aus diesem Konzern lege.

Kein VW, kein Audi, kein Skoda, kein Seat. Never.

Die bauen ja hervorragende Autos, aber bei mir läuft das mit denen nicht mehr. Das sehen andere offenbar auch so, weil VW nämlich unter 20 Herstellern bei einer Umfrage der ‚Auto-Bild‘ zur Servicequalität gerade den 20sten Platz belegt hat.

 

Die ‚Bild‘ habe ich in meinem ganzen Leben noch nicht zitiert. Daran ist jetzt auch VW schuld.

*Du sollst nicht alles lesen! Das ist nicht lustig hier.*

Ich hatte Käfer, Golf, Audi 80, Passat, Sharan, und jetzt noch einen Passat. Sehr gutes Auto. Also, wenn es fährt.
Beim Sharan kam es vor, dass Dieselabgase bei bestimmten Bedingungen durch den Schacht der Zuführung des Sicherheitsgurtes des Fahrers in den Innenraum gelangen konnten. Für mich allein nicht so wild, weil ich ja eh im Auto rauche. Dann eben alle Fenster auf und lüften. Aber Kinder fangen dann an zu weinen und meine Frau, die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte, bekommt hektische Flecken.

Jedenfalls lag da ein Konstruktionsfehler bei der Abgasführung der Zusatzheizung vor und das haben die Ingenieure dann ein Jahr später oder so verändert. Darüber gibt es einen internen Bericht bei VW. Aber an den Kosten wollten die sich dann erst zur Hälfte beteiligen als ich denen den internen Bericht kopiert hatte. Blöd. Vorher hatten die in der Werkstatt gesagt, dass man da „nichts machen“ kann.
*Du solltest nicht alles lesen. Das ist nicht lustig hier.*

Mein Sohn hat gerade ein Praktikum dort gemacht, da war wieder so ein Innenraumverpester in der Werkstatt. Natürlich musste der Kunde das bezahlen. Garantie ist ja abgelaufen. Es gibt keine Garantie gegen Konstruktionsfehler.

Und jetzt bekommt mein Passat das dritte Getriebe nach 72000km.

Nummer 3!

Das erste hat VW nach drei Monaten und 20000km im Rahmen der Garantie ersetzt. Nach weiteren 52000km müsste ich denen jetzt theoretisch 4000€ zustecken, damit das Ding wieder läuft. Und der Vorbesitzer hieß Horst und war fast 70 Jahre alt und ich fahre auch wie ein Horst von 70 Jahren.

Dass die Arie der Kulanzanfrage sich über 4 Wochen hinzog: Schwamm drüber.

Ich sehe das ja auch locker, weil selbst 50% Kulanz bei VW bedeutet hätten, dass ich lieber 100% in einer anderen Werkstatt zahle, weil das der geringere Betrag ist.

Das Gespräch mit dem Kulanzbearbeiter in Wolfsburg war netter als der Passat zu mir.

*Du solltest nicht alles lesen. Das ist nicht lustig hier.*

„Ich bekomme ja Schmerzensgeld“, hat er gesagt als ich ihn als erstes fragte, wie er seine gute Laune bei diesem Job behalten kann, wenn er ständig mit verärgerten Leuten telefonieren muss.

Er muss das ja alles so machen, das wird ja mitgeschnitten.

Hier ein paar der Bonmots vom Telefon:

„Wir müssen uns daran gewöhnen, dass technische Defekte vorkommen.“

Das lasse ich mal so stehen.

„Wo würden *Sie* denn die Grenze als Hersteller ziehen?“

„Na, bei *mir*!“, habe ich gesagt und gelacht, weil diese Frage bestimmt in der Fortbildung oder so thematisiert worden ist.

Er hat das auch zugegeben, toller Typ.

Das mit dem Schummeln bei den Abgasen finde ich heute schon normal. Schwamm drüber.

„Ich erzähle doch jedem, den es interessiert, von meinen drei Getrieben auf 72000km. Wenn jetzt nur ein *einziger* deshalb lieber keinen VW kauft, dann verlieren Sie doch mehr Geld als mein drittes Getriebe Sie kostet. Andererseits gibt es keinen Arbeitsplatz, der bei VW sicherer ist als Ihrer. Das ist ja auch etwas Schönes.“

Dann haben wir noch etwas über einen Hersteller gesprochen, der mit „V“ anfängt. Er liebt den alten 240er. Er hat nämlich auch einen, der mit ‚olvo‘ aufhört und nicht mit ‚olkswagen‘.

Und ich glaube, dass der besonders gut weiß … warum.

Mit dem Getrieberhythmus‘ meines 1.4TSI hätte er nämlich bald das fünfzehnte Getriebe in seinen Oldtimer-Zweitwagen einbauen müssen, das wären dann bei VW 60000€ für die ganzen Schaltgetriebe gewesen. Aber er hatte ja noch das erste.

Das Positive:

Ein Glück, dass meine VW-Karre im November schon grausame Geräusche machte. Wäre das jetzt erst passiert, hätte ich dem Hund beim Fahren ständig Drops zustecken müssen. 🙂

 

*Du solltest doch nicht alles lesen!

…. das war nicht lustig hier!*

„This Song Has Got No Title, Just Words And A Tune“

„This Song Has Got No Title, Just Words And A Tune“

Ich finde es nicht toll, wenn man aufwacht, weil man sich gerade verschluckt hat im Schlaf. Dann setzt man sich auf und röchelt, weil man keine Luft mehr bekommt.

Das ist auch der typische Moment, in dem man Panik aufsteigen lassen könnte, aber gleichzeitig genau weiß, dass nur Ruhe beim Erstickungsanfall hilft. So richtig ruhig bleibt man ja selten dabei.

Also jedenfalls so in der mentalen Grundausrichtung.

Freude habe ich erst wieder, wenn mir danach die tränenden Augen abwische.

Man fühlt sich hinterher manchmal sogar lebendiger als vorher. Gar nicht übel so ein nächtlicher Anfall, aber natürlich erst im Nachhinein!

Meine Frau, die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte, kennt das ja von mir, wenn ich dann so röchele.

„Es ist mitten in der Nacht!
Mach‘ doch mal das Licht aus!“

Das holt mich dann immer vom Erstickungstod zurück, weil ich mich über etwas anderes aufregen kann als über zu wenig Sauerstoff.

Das hilft also echt gut, das mit dem Lichtschalter. Ich mache danach auch das Licht wieder aus.

Aber Luftnot im Dunklen ist belastender als bei hellem Licht, das ist irgendwie etwas Psychisches.

Sie meint das nicht so, aber die Kinder könnten aufwachen oder der Hund sich grundlos Sorgen machen.

Ersticken ist generell trotzdem nicht so der Burner, aber es streckt eine Minute zu einer Ewigkeit.

Habe dann gleich mal nach Särgen gesucht. Aber wisst Ihr was?

Das ist etwas, was man gebraucht nicht findet! Und neu sind die richtig fett teuer. Das geht in die Tausende!

Das ist wie nach benutzten Streichhölzern suchen, findet man auch schwer. Aber die sind neu auch nicht so unverschämt teuer.

Das nennt man dann „würdevoll“, wenn so ein Sarg aus Palisander ist.

Aber Würde ist keine Frage des Geldes.

„Würde“, das ist eher eine Person, die immer dabei sein sollte wie der beste Freund Harvey.

Bob Dylan hat das in „Dignity“ ganz gut beschrieben, da weiß man beim Text auch am Ende nicht, ob „Dignity“ jetzt die „Würde“ ist oder ob das eine Person ist, die „Dignity“ heißt.

Und deshalb sollte man dem lieber öfter zuhören und sich weniger aufregen, weil der nicht so gern mit anderen im Frack beim Dinner sitzt.

Manchmal haben die im Frack nämlich weniger als die mit den gut erzogenen Hunden vor den Supermärkten.

Hach, die Särge:
Bei ebay war einer in Portsmouth für 275,55€ zu haben, aus Weidengeflecht, sogar neu. Versandkosten habe ich jetzt nicht zur Hand, aber wenn Ihr bestellen wollt, dann schreibt mir das bitte, was der Versand von der Insel kostet, ist ja nicht mehr Europa. Wenn man den gebraucht bekommt, ist der preiswerter als eine neue Levis.

Aber von einer Levis hat man auch mehr, das stimmt schon. Hätte ich keine Kinder und würde ich den aus Weide gebraucht günstig bekommen, dann würde ich den würdevoll als Vinyl-Regal nehmen.

Text in der Artikelbeschreibung:
„KORB / WEIDEN SARG
Aus natürlichen Weidengeflecht, Innenhöhe-6ft, Innenbreite Schulter-20 Zoll-HAND MADE-Ich kann Haben jedes Design und Größe, Gemäß Kunden Wünsche-Wir haben andere Holz-/Wicker Accesoriess erhältlich.“

„Innenhöhe 6ft„, das gilt, wenn man drin steht, aber „Liegelänge 6ft“ wäre auch blöd für den Interessenten, der für sich selbst sucht.

Matratzen zum Beispiel würde ich niemals gebraucht kaufen und Bettwäsche auch nicht. Also eigentlich alles, was mit dem Bett und dem Schlaf zu tun hat.

Erstaunlich ist ja auch sonst der gefühlte Wertverlust beim Kauf neuer Dinge.

Wenn man zum Beispiel ein Sofa für 1000€ kauft und die das liefern und im Wohnzimmer aufstellen, dann ist es, wenn die Jungs draußen den Diesel wieder anlassen, nur noch knappe 400€ wert.

Mehr bekommt man nämlich nicht, wenn man versucht, das wieder abzugeben.

Das ist nämlich gebraucht, auch wenn Du Dich das erste Mal draufsetzen willst und Dein Hintern die Sitzfläche noch nicht berührt hat.

Trotzdem 600€ Verlust!

Es gibt ja richtig breite, fette Ärsche, da erscheint mir ein Verlust von 600€ aber dennoch zuviel.

Also auch nach dem ersten Sitzen des fetten Hintern auf dem 1000€-Sofa.

Sigmar Gabriel zum Beispiel würde ich für sein einmal genutztes Sofa nur 199€ im ersten Schritt anbieten. Das ist leider so.

Helene Fischer würde ich freiwillig 500€ geben, weil ich denke, dass die gar keine Zeit zum Rumsitzen hat.

500€, aber nur, wenn sie nachweisen kann, dass der Silbereisen da nicht drauf rumgelümmelt hat.

Das denkt man aber bei Gabriel immer, also dass der rumlümmelt, wenn die Kamera aus ist!

Und das ist nicht gut und deshalb wird der auch nie Kanzler.

Der redet immer wie ein Schüler, der verheimlichen will, dass er die Hausaufgaben nicht gemacht hat.

Ich kenne die Technik:
Lehrer vor dem Unterricht gezielt auf etwas ansprechen, viel reden, wenig fragen, dann nehmen die einen im Unterricht später nicht dran, weil sie ja wissen, dass sie mit einem am selben Tag schon gesprochen haben.

So etwas, auch wie man schummelt, das habe ich immer erst kurz nach dem schriftlichen Abitur im Unterricht unter dem Mantel der Verschwiegenheit besprochen.

Ich war meistens enttäuscht, dass die nicht viele neuen Ideen hatten.

Es kann nicht sein, dass meine Techniken 40 Jahre lang nicht überholt werden!

Aber ich halte es für ganz sinnvoll, wenn man kreativ ist, auch beim Schummeln. Das ist nämlich auch eine Form der Lebenstüchtigkeit!

Stellt Euch mal einen 34PS Käfer von 1970 neben einem 150PS Turbo-Golf von 2016 vor!

So ist das mit mehr als 40 Jahren Unterschied! Und so muss das auch sein.

Andererseits verbrauchen beide immer noch acht Liter auf 100km in der Stadt.

Fortschritt ist auch relativ.

Genau wie „Würde“.

Genscher ist auch 2016 gestorben, hoffentlich hat er einen gelben Pullunder mitgenommen. Der hat einmal sinngemäß gesagt:

„Wenn einer mir erzählt, er habe als Kind niemals etwas gestohlen, dann würde ich ihn nicht wegen seiner Ehrlichkeit bewundern, sondern wegen seiner traurigen Kindheit bedauern.“

Klar, man kann das kritisieren, aber Genscher hat eben vermutlich als Kind geklaut, was soll er da etwas anderes erzählen.

Wieder ein Schlingel weniger, schade.

Neben dem Satz, dessen Ende man nach dem Wort „Ausreise“ nie gehört hat, ist das der einzige Genscher-Satz, an den ich mich erinnere.

Das ist ein gutes Zeichen.

Man sollte Politiker nicht immer schwerpunktmäßig danach beurteilen, was sie sagen, sondern eher danach, wie sie handeln.

Außer beim Bundespräsidenten.

Was das Letzte jetzt mit dem Gebrauchten zu tun hat, weiß ich auch nicht. Ihr könnt mir ja 3 Punkte bei der Endnote abziehen.

Aber meine gefütterten Bugatti-Stiefel für 15€, praktisch ungetragen, die sind wirklich wunderbar.

Leider habe ich vergessen, die Schuhgrößen von Gabriel und Silbereisen zu googlen.

Sonst hätte ich die auf 10€ runtergehandelt.

–

„To me, the award is like pinning a medal on Mount Everest for being the highest mountain.“

Leonard Cohen about Bob Dylan’s Nobel Prize for Literature

Winnetou und Silvester

Winnetou und Silvester

„Was machst Du Silvester?“, das ist keine angenehme Frage, weil ich nichts mache, was man so machen soll zu Silvester.

Erstens trinke ich nicht mehr als ein Glas, zweitens ist Sekt für „Backfische, nur damit die sagen ‚Huch, wie das prickelt‘ …“, drittens mag ich den ganzen Lärm nicht und viertens finde ich es fürchterlich, wenn die ersten, frischen Tage eines Jahres mit total schmutzigen Seitenstraßen beginnen.

Sorry.

Kurz und positiv gesagt:
Der Hund braucht mich jetzt und „das ist auch gut so“.

Natürlich esse ich gern Raclette, liebe Bleigießen, auch wenn man jetzt schon drei Teile auf dem Löffel braucht.

Ich spiele auch gern kurze Spiele, bis „es“ soweit ist und so feierlich besonders sein soll wie es dann doch nicht wird.

Und „Dinner For One“, klar.

Es fehlt eben der Überraschungseffekt und die Erwartungen an neue Jahre sind meist überhöht.

Ich rauche jedenfalls weiter.

Und Silvester dauert einfach immer zu lange.

Und um Mitternacht ist es schnell vorbei.

Das ist wie drei Stunden kochen und in 5 Minuten alles reinschaufeln!

Die Uhren müssten vor Mitternacht ’schneller‘ gehen und danach ‚langsamer‘.

Also das Anstoßen so gegen 22:30 wäre jetzt auch eine praktikable Lösung! Das ist aber gesellschaftlich ungefähr so schlecht angesehen wie „Sommerzeit? Mach‘ ich nicht mit“.

Feierliche Momente hingegen, die immer funktionieren, sind zum Beispiel:

– Wenn „O Du Fröhliche“ am Heiligabend in der Kirche dem Höhepunkt zustrebt

– Wenn Van Morrison auf der Live-Platte von 1973
„… it’s too late to stop now“ ruft

– Wenn Winnetou in Bad Segeberg seinen ersten Auftritt auf Iltschi mit der Musik von Martin Böttcher hat und kein Wort sagt und das ganze Stadion ergriffen ist von der Schönheit dieses Momentes – obwohl der sich jedes Jahr auch wiederholt.

Das ist sozusagen mein Silvester!

Winnetou halte ich an sich für die einfachste aller Rollen bei den Karl-May-Festspielen.

Aber der „Typ“ und seine „Stimme“ müssen passen, sonst geht das nicht „auf“.

Und die neue Winnetou-Reihe im TV geht leider insgesamt nicht „auf“.

Ich habe weder die erste noch die zweite Folge bis zum Schluss angesehen.

Daher nur Stichworte:

Was gut ist …

– Wotan Wilke Möhring als Lex Barker-Upgrade mit Pomade

– Jürgen Vogel als Ratte Rattler

– Langsamkeit, das heißt der Schuss „Der mit dem Wolf tanzt“, wie die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte, meinte.

– Naturaufnahmen, Musik, Kameraführung

… und mehr.

Was ich nicht mag …

– Das ist nicht Winnetou!

Das ist optisch zuviel Tarzan mit langen Haaren und zu wenig roter Jesus beim Sprechen, er lacht und spricht zuviel.

„Bitte, Erol Sander, übernehmen Sie!“

– Das ist nicht Nscho-Tschi!

– Wo ist das Pueblo der Apachen?

– Wo ist der „feierliche Moment“?

Der muss erhalten bleiben!

Bei den Karl-May-Festspielen geht es schon ‚vorher‘ feierlich los, weil immer, aber auch immer genau dieselbe Musik gespielt wird:

John Denver, The Eagles und Johnny Cash und mehr.

Leider kann ich mir die feierliche Reihenfolge nicht merken, aber bei Cash gehe ich nochmal einen Kaffee trinken, rauche noch eine, die Knie werden breiter und beim Blick über den Kalkberg ist der erste feierliche Moment schon der weiße Stein.

Warum klappt das dann Silvester nicht?

Das verstörende Lied

*Das verstörende Lied*

Kennt Ihr das? Klar, Ihr kennt das!

Beispielsweise „Mamma Mia“ von Abba, das Original von 1975.

Es gibt einen Moment in dem „Pizzalied“, so nannten wir das früher, da höre ich meinen Vater im Treppenhaus rufen und drehe die Musik leiser.

Ganz deutlich: „Martiiiin!“

Es ist bei 2:29 und sogar nochmal bei 2:36.

Wenn ich das in den 70ern vielleicht 20mal laut gehört habe, dann bin ich davon 19mal zur Treppe gelaufen und habe „Ja, father?“ gefragt aber nie eine Antwort bekommen. Er stand bei „Mamma Mia“ grundsätzlich nicht rufend im Treppenhaus. Eher bei Led Zeppelin, aber da hörte ich ihn ja nicht. Mein Vater war in den 70ern nämlich auch schon in den 70ern. Ich habe ihn als Kind mal gefragt, welche Haarfarbe er früher hatte, aber er konnte sich nicht erinnern. Das war erstaunlich. „Dunkler“, hat er noch genuschelt.

„Father“ spricht man hier „Vaser“ aus. Mein Vater war ein richtig toller Lehrer, sogar Männer im Alter von 50 Jahren haben ihn in der Stadt noch angesprochen! Dann haben sie auf Nachfrage von ihren drei fast erwachsenen Kindern und ihrem Beruf berichtet und mein Vater wusste jeden Schülernamen. Jeden. Das hat mich damals gar nicht beeindruckt, fällt mir gerade auf.

Einmal hat er aber ohne zu nuscheln gesagt:
„Da ist ja doch noch etwas aus Dir geworden, Horst!“

Das war die Zeit, in der Männer noch „Horst“ hießen und Frauen „Gerhild“.

Horst Hrubesch ist einer der letzten Horsts. Bei dem anderen, da breiten wir still den Mantel des Schweigens aus. Man macht ja sonst noch ungewollt Werbung für diesen … anderen … „Horst“.

Dann haben beide gelacht, also die beiden für mich damals alten Männer von denen einer mal der Schüler des anderen alten Mannes war.
Horst Hrubesch hätte auch gelacht, aber der andere Horst ganz bestimmt nicht so. Der wäre ja so gern mehr als er ist.

Er, also mein Vater, nicht jener andere Horst, hat mir mal das britsche „th“ versucht beizubringen und daraus ist dann der „Vaser“ geworden. Vermutlich hat er gedacht, dass aus mir auch nichts wird, wenn meine Aussprache so schlecht ist. Von Vätern kann man viel lernen aber Englisch geht anderswo sicher besser.

„Jack Sprat could eat no fat
His wife could eat no lean
So all between them both
They left the table …. clean.“

Dreimal „th“, erstaunlich.

Hätte fast wieder eines der „th“ übersehen.

Mist, Faden verloren:
Natürlich würde ich jetzt nicht halböffentlich zugeben, dass ich „Mamma Mia“ wahnsinnig beeindruckend finde. Das könnte man eher von „Mama Lou“ sagen oder von „Philadelphia Freedom“. Auf das Zweite bin ich jetzt nur durch die Gedankenkette von Pizza via Mutti zu Frischkäse gekommen, aber das ist auch egal.

Aber da ruft doch wirklich jemand bei „Mamma Mia“!

Hört Euch das bitte mal an. 🙂

–

Und bei „Desire“ von Anna Calvi, da sehe ich beim Fahren mit dem Auto an einer bestimmten Stelle immer in den Rückspiegel und drehe Anna ganz leise, weil ich denke, ein Blaulicht kommt von hinten.

Ein Martinshorn! Das Wort verstehe ich zwar, aber eben habe ich das erste Mal in meinem Leben „Martinshorn“ geschrieben.

Das Horn heißt wie ich!

Horstshorn … das wäre richtig blöd, wenn es so heißen würde.

–

Kennt Ihr auch „verstörende Lieder“?

Komme gerade nicht auf das Lied bei dem ein Hund bellt.

Es gibt mehrere, bei Tom Waits gibt es das sowieso. Es kann aber auch Tom himself sein, das ist immer ein unsicherer tipp.

Bei einer der letzten Platten von Joe Henry hört man auch einen Hund bellen. Joe Henry ist auch viel zu unbekannt.

Aber das andere Lied mit dem Bellen eines Hundes, das ich eigentlich meine, das sieht gerade so aus wie wenn man ein Fernglas falsch herum hält.

Und dann kommt die Erinnerung nicht zurück.

Aber vielleicht kennt Ihr ja andere … „verstörende Momente“.

„Hallo, Ronja!“

„Hallo, Ronja!“

…
Kurz: Es war wie immer.

Die Gans war super, die Geschenke auch.
Also für die Kinder, ich habe das erste Mal keine bekommen, „wir schenken uns ja nichts“ und das war recht angenehm, vor allem vor Weihnachten.

Und ich habe nach 25 Jahren Gans zum ersten Mal ein Bein bekommen! Ich habe nämlich einfach gefragt. Das war viel einfacher als ich zunächst dachte, weil es immer zwei Zusatzbeine für 8 Personen gibt. Die Kinder bekommen sowieso Beine und daher hatte ich 25mal zugunsten anwesender Damen verzichtet. So ein schlankes Bein auf dem Teller einer Dame sieht besser aus als ein massiges Stück Brust. Ein Bein verschlankt ungemein, fast wie hohe Schuhe.

Ein Bein, das schmeckt noch besser, wenn es das erste ist. Ich will 2017 wieder eines, vielleicht wieder das Linke, weil heute alles politisch betrachtet wird.

Also war schon durch das Bein doch nicht alles ‚wie immer‘! Noch mehr, denn am Tag davor, beim Krippenspiel in der Kirche, hat Melina einmal „Hallo, Ronja!“ gesagt und einmal „Ja, komm, Ronja!“

Richtig wäre jedoch gewesen
„Hallo, Maria!“ und „Ja, komm, Maria!“

Das waren die schönsten Momente ‚an‘ Weihnachten, weil bei ersten Mal leise gelacht wurde und beim zweiten Mal schon etwas mehr.

Danach habe ich dann still bis zu „O Du Fröhliche“ durchgeschlafen. Dazwischen passten keine Höhepunkte.

„An Weihnachten“, wer hat damit nur angefangen?
„An Ostern“, „an Pfingsten“ …?

Das steht sogar in der Zeitung!
„Zu“ heißt das! Basta!

Da könnte man sich glatt aufregen, wenn es nicht das Fest der Liebe wäre. „An Fronleichnam“ würde mich nämlich weniger stören. „Happy Kadaver“ haben wir als Kinder gern gesagt. Dass 2016 nicht gerade ganz oben in der Hitparade stehen wird, das liegt schon am Fehlen von Bowie, Willemsen und Cohen.

Und weil der junge Pastor gestern aussah wie James Bond in dessen Phase der Defloration aber so sprach wie James kurz vor dem Abdrücken, habe ich beschlossen, dass ich nur sechs Minuten „Restless Farewell“ von Dylans Sinatra-Tribute zu dessen 80stem will. Das reicht.

„Abdrücken“ mit dem Revolver natürlich.

Gut war auch, dass ich gestern mehr Punkte bei „Make ’n‘ Break“ geholt habe als unsere Kurze. Ich habe seit 7 Jahren nicht mehr bei Memory gewinnen können. Leider habe ich bei „Make ’n‘ Break“ den hellblauen Holzstab einmal mit dem dunkelblauen verwechselt. Oma hatte schon dazwischen gerufen:

„Falsch, falsch, Du musst den schwarzen nehmen!“

Es gibt aber gar kein Schwarz. Das hat mich trotzdem einen Punkt gekostet. Der Anwalt wollte dann nicht mehr mitspielen, weil ich nicht hätte weiterbauen dürfen. Hach, „gnadenbringende Weihnachtszeit“, wenn er doch ein Gnädchen davon mitnehmen könnte.

Die Kurze hat das dann hinterher wieder gerettet:
„Er ärgert sich bestimmt nur, weil er langsamer ist als Du.“

„Du …. auch?“

„Nein, ist ja Weihnachten, da lasse ich Dich gewinnen.“

Das beste Lied der Welt ist von 1973 oder so

*Das beste Lied der Welt ist von 1973 oder so*

….

Musik höre ziemlich gern.
Ich kenne auch relativ viele verschiedene Lieder. Leider suche ich aber das beste Lied der Welt und ich kann es nicht finden.

Schwierig wird es, wenn man merkt, dass man nichts merkt, … weil man Fehler macht, die man an sich nicht liebt.

Das Wort ’schwierig‘ mag ich nicht. Es klingt so ähnlich wie ’schmierig‘, was auch ein fast häßliches Wort ist, rein klanglich.

Mir fällt auch gerade kein Lied ein in dem das Wort ’schwierig‘ vorkommt.

Also ohne Google. 🙂

Oder sind mehr Fehler so kurz vor dem Fest in der unruhigsten Zeit des Jahres eine Normalität?

Es fängt ja immer harmlos an.

Mich hat nämlich eine junge schöne Frau gegrüßt. Also die ging jetzt auch nicht mehr zur Schule, aber vor knapp 10 Jahren vielleicht schon. So würde ich das jedenfalls zu ihr sagen. Und ich wusste nicht, woher ich die kennen könnte, Schule war es nicht, weil sie ja mit denen vom Theater zusammen saß.

„Ich weiß genau, dass ich Sie von einer Bühne kenne, aber woher kennen Sie …. mich?“

Wir hatten uns vor 5 Jahren nach einer Premiere sogar unterhalten! Unverzeihlich, dass ich das nicht mehr wusste. Natürlich erinnere ich mich an das Gespräch am Ecktisch des Restaurants aber unverzeihlich ist, dass ich sie nicht sofort erkannt habe.

Zwei Tage später im Geschäft mit den gebrauchten Büchern und den preiswerten Kleidungsstücken fragt mich ein nicht sevhr großer Mann recht laut, ob ihm der Pullover steht.

„Nein, ‚Der ist zu groß!‘, würde meine Frau sagen“, sagte ich.

Bei der Jacke danach waren die Ärmel zu lang. Die Damen an der Kasse sahen das auch so, ich bin ein unsicherer Berater solange es nicht um Zahlen und Variablen geht.

Aber dann sagte er noch:
„Ich kenne Sie! Sie waren auch bei der Ausstellung! Und sie waren auch in der Kirche! Ich habe Sie gesehen!“

Das waren beides Veranstaltungen, die zwischen 2011 und 2013 stattgefunden haben müssen und bei beiden waren recht viele Menschen anwesend.

„Das ist aber erstaunlich, dass Sie das noch wissen, ich hätte das fast vergessen.“

„Ja, ich habe eine ‚Einschränkung‘ …. aber *Gesichter*, die vergesse ich nicht. Namen kann ich mir nicht merken. Ich habe nämlich eine Einschränkung.“

Jetzt fand ich das noch erstaunlicher, weil ich nämlich dachte, dass die Einschränkung auch auf meiner Seite liegen könnte, weil ich so viel vergesse.

Vergessen, das ist schwierig, aber es ist auch gut, wenn man das kann. Also manchmal.

Zum Beispiel habe ich 1973 oder 1974 mit meinem Tonbandgerät von Telefunken aus dem Radio ein Lied aufgenommen und ich habe lange gedacht, dass das von den Beatles ist.

Das war es aber nicht, ich habe nämlich alle Platten von den Beatles durchgehört, um genau dieses Lied zu finden. Es gibt von den Beatles weniger Lieder als man gemeinhin denkt. Das dauert gar nicht lange.

Ist es ’normal‘, wenn man seit 43 Jahren immer wieder daran denkt, dass man noch herausfinden muss, von wem ‚das Lied‘ war?

Ich habe das Tonband nämlich nicht mehr.

Das war ein „Shamrock“ für 4,90 DM. Habe ich bei Lehmensiek gekauft und es war die Blonde mit dem Seitenscheitel an der Kasse. Das Band war das im dunkelgrünen Karton. Es gab auch welche in hellem Grün, die waren rückseitig aber anders beschichtet und ließen sich noch schlechter spulen und wickeln. Fast wie die von Agfa. Die von Scotch und BASF waren deutlich besser.

Kauft also bitte keine Bänder von „Shamrock“, die machen wirklich nur Ärger. Das Lied war das vierte auf dem bespielten Band. Da war später auch „All I Want Is You“ von Roxy Music drauf und etwas von Lobo.

Dass ich den zweiten Teil des Shamrock mal überspielt habe, das ist fast ebenso schlimm wie dass ich nicht weiß, von wem das Lied ist.

Aber das wirklich Wichtige, das kann ich mir eben nicht merken, nur solchen Mist.

Ach so, es geht so:

„Tschacker, Tschacker, Hrum, Hrum.“

Also klanglich, ich habe den Text natürlich vergessen. Das lief in der Internationalen Hitparade mit Wolf-Dieter Stubel. Er hat vergessen zu sagen, wie das heißt oder ich habe zu spät auf ‚Aufnahme‘ gedrückt.

Jedenfalls weiß ich nicht, von wem das ist und wie es heißt. Das habe ich nicht vergessen, ich habe das nie gewusst.

„Mann, …. wie Beatles, eben“.

Auf Englisch. Tolle Melodie mit schönem Refrain. Dauert ungefähr drei Minuten.

Kennt Ihr das?

Leider wird das Lied ja immer besser, wenn man danach seit 40 Jahren sucht. Rückblickend denke ich, dass es das beste Lied der Welt ist.

Und ausgerechnet von dem suche ich jetzt seit 43 Jahren den Titel und den Namen der Gruppe oder dem Sänger.

Tolles Lied.

Solange ich das nicht finde.

.

Weihnachten #2

*Weihnachten*

…
„Music is the healer“, schreibt Sigmund von Zeit zu Zeit und damit hat er jedesmal recht.

Wenn ich Van Morrisons „Cleaning Windows“ von 1982 höre, dann denke ich zum Beispiel niemals daran, dass ich die Fenster putzen muss. Das ist eher wie nach einer langen Autofahrt zuhause anzukommen. Also so anzukommen, dass man noch drei Minuten im Auto vor der Haustür stehen bleibt bevor man aussteigt. Nicht so wie wenn man ganz schnell ins Bad muss. So ist das nicht mit Van.

Das geht sogar so weit, dass man manchmal Musik gern hört, die man vor 30 oder 40 Jahren ganz, ganz furchtbar fand. Heute erinnern die alten Lieder an früher und das ist dann gut so. Muss man aber heimlich machen, wenn man mal wieder Heilung braucht.

Meine Frau, die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte, würde auch am Bild ihres Gatten verzweifeln, wenn er nun plötzlich „Sugar Baby Love“ von den Rubettes von 1974 oder so laut mitsingen würde. Oder sogar etwas von Mud. ‚Mud‘, das heißt ‚Dreck‘ oder so. „Tiger Feet“ zum Beispiel.

Oder „Hell Raiser“ von Sweet. Die brauchten zum Schminken schon damals länger als zum Stimmen der Instrumente. Die waren moderner als ich damals dachte. Man lernt ja nie aus.

Andererseits gibt es heute viel mehr schlechte Musik als früher, sodass das Radio meistens stumm bleibt. Vor allem gibt es immer dieselbe schlechte Musik. Die könnten ja auch mal andere schlechte Musik abspielen.

Es könnte aber sein, das die beim Radio denken, dass die Leute zum Nachhausekommen immer dieselbe schlechte Musik brauchen.

Die haben keine Ahnung.
Und bei „O Du Fröhliche“, da singe ich auch immer ganz laut und ganz neben den richtigen Tönen mit.

Das ist sogar dann gut, wenn es ein ganz blödes Jahr war, weil man ja bei „O Du Fröhliche“ auch auf dem Weg nach Hause ist.

…. wie im Western

*… wie im Western*

Im Western gibt es meist eine böse, dunkle Gestalt, von der man zu Beginn der fiktiven Geschichte schon beim Ritt durch die Prärie ahnt, dass sie die folgenden Spätnachrichten im TV verpassen wird.

Diese Menschen gibt es im  Ansatz auch in der Realität, dort aber, so glaube ich manchmal, bis in alle Ewigkeit unter verschiedenen Namen.

Das mit dem Parkplatz von heute lasse ich mal weg.
Eine richtig böse, böse Frau war das.
Der Mund war so klein und so verkniffen, das war eher ein Loch.
Ihren Mann kannte ich ja schon, der ist auch so.
Auch etwas kurz.

Man kann auch sagen, dass es Leute gibt, die sich durchsetzen wollen, egal ob sie im Recht sind oder nicht, egal wer ihnen gegenübersteht, egal wo und wann, im Straßenverkehr oder bei Lidl an der Kasse. Die brauchen häufig Anwälte.

Und um sich durchzusetzen oder im ihr Leben mit Leben zu erfüllen suchen sie … Streit.

„Dees ist ja, sag‘ ich mal, die höggschte Herausforderung für einen Spieler“, würde Jogi im Interview wieder sagen.

Im einem alten Western würde der Sheriff im Saloon zu seinem Hilfssheriff beim Whisky am hölzernen Tresen hingegen über den Gesetzlosen sagen:

„Der sucht nach dem einen Mann, der das eine Mal schneller zieht als er selbst, …. bis er ihn gefunden hat.“

Und auch, wenn der Sheriff alt und krank ist und John Wayne heißt, so ahnt man doch, dass er, der Alte, noch ein letztes Mal derjenige sein wird, der dieses eine Mal gegen Ende des Films …. schneller ist.

Bis das Gute siegt, dauert das meistens um die 90 Minuten.

Diese Hoffnung trägt den Film und wehe dem Film, wenn sie enttäuscht wird! Dann sieht man sich den kein zweites Mal an. Man will doch, dass das Gute siegt …. bevor man in den ‚Tagesthemen‘ danach wieder daran zweifelt!

In der Politik scheint es auch immer mehr Menschen zu geben, die derart denken und empfinden, also … auf der eher bösen Seite. Die ersten drei Plätze sind gerade fest vergeben.

 

Revolverhelden sind vieles, nur eines sind sie nicht:

Helden.

Ahnt man es nur?
Die Ahnung neuer vagabundierender neuer Revolverhelden auf Seite 1 der Tagespresse schleicht sich in dunklen Gassen von hinten … in den ‚Tagesthemen‘ an.

Und während sich das tippt, denke ich an einen, der die Steine auf dem Backgammon-Brett heimlich verschiebt, wenn seine Frau sich einen Tee aus der Küche holt …. während er über seinen nächsten Zug nur „nachdenken“ wollte.

Das Böse ist überall.

Warum nur nimmt sie das Brett nicht mit in die Küche?
Kann man doch!

–
„To me, the award is like pinning a medal on Mount Everest for being the highest mountain.“ Leonard Cohen about Dylan getting the Nobel Prize for literature

… mischen oder wischen …

*… mischen oder wischen …*
Man kennt das ja bei größeren Geburtstagen oder anderen Veranstaltungen, dass man gern das Heimspiel mit denen sucht, die man schon kennt.

Silvester ist ja auch so ein Fall.

„Was macht Ihr Silvester?“ ist so eine Frage, die man ebenso gern hört wie „Du, ist Deine Hose offen?“.

Sobald später das Tanzgeschäft beginnt, was für mich speziell zu Beginn stets etwas Aufgesetztes hat, versammeln sich die mit dem Haarwuchs im Gesicht in der Küche, am Buffet oder draußen zum Rauchen. Tanzen, das ist für Männer verbal oft besser als körperlich. Und das, obwohl man sagt, dass die oft nicht so gern sprechen!

Das sagt ja noch mehr über das Tanzen.

Tanzen, das sieht bei den meisten Männern etwas abgehackt aus, jedenfalls solange sie weiß sind wie ich.

Abgehackt, so ist das oft auch an den Tischen, die Kollegen sammeln sich am ersten, die Nachbarn am zweiten, die Freunde und Freundinnen der Frau am dritten.

„Three in one“ sozusagen.

Da liegt die Überlegung vorher in der Luft, ob man die nicht alle getrennt einlädt, weil die Kontakte ja doch nicht so richtig geknüpft werden. Aber dann muss man dreimal die Wohnung vorher putzen und morgens aufräumen, total unpraktisch.

Übrigens habe ich noch nie bei anderen in der Küche nachgesehen, ob in den Ecken frisch gewischt wurde. Meistens macht das Putzen nach einem Besuch vieler Freunde doch mehr Sinn als davor!

Die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte, putzt sogar, wenn die Tochter der Verwandten uns zum Kaffee besucht!

Für mich sind sehr aufgeräumte, saubere Wohnungen, in denen nichts herumliegt, ein Grund mich schon zu schämen, dass ich lebe. Speziell, wenn alles hell und weiß ist. Dann kann ich gar nichts entspannt tun, weil ich Angst habe zu kleckern. Und wenn ich Angst habe zu kleckern, dann kleckere ich immer.

Zusätzlich kann es beim eigenen Einladen sein, dass der korrekte Mitarbeiter mit den sauberen Akten privat mit seinen Freunden kifft und unerkannt in den dunklen Ecken einer Stadt herumlungert. Das wird dann richtig schwierig ohne abgesprochenen Verhaltenscodex auf einer Party.

Sonst sagen die vom Amt hinterher vielleicht:
„Der ist ja fast wie ich!“

Uns die kiffenden Freunde sagen:
„Mein Gott, der ist ja ganz anders als ich dachte“ und wischen selbst beim nächsten Mal vorher.

Dann hat man keine coolen Freunde mehr!

Also:
Soll man Freundeskreise „mischen“?

Wichtiger noch:
Soll man vorher „wischen“?

Das große Gedeck

*Das große Gedeck*
Mein Gott, da hat man gerade eine Idee und eine Überschrift und schon denkt man an *die* große Gedeck. Die ist nie dieselbe, vermutlich fällt es mir deshalb so schwer, mir ihren Namen zu merken.

„Weihnachten“, das bleibt hingegen im Kopf.

Klar, ist ja auch immer genauso.
Und wenn es mal anders ist, dann ist etwas angebrannt oder die Geschenke waren falsch oder man hätte Mutti doch nicht einladen sollen.

Kurz:
Wenn Weihnachten nicht so ist wie immer, dann ist wirklich etwas „vorgefallen“.
Weihnachten ist nur *das* große Gedeck.
Es ist eigentlich genauso wie Lasagne selbst herstellen. Ewig viel einkaufen, mehrere Töpfe benutzen, oben richtig fett was drauf und dann lange warten. Und wenn man dann anfängt, ist es schon wieder vorbei und man will nur noch sitzen. Aber man hat ja noch den Abwasch.

Und obwohl das alles anstrengt, …. man will es ja trotzdem. Und so ist das Leben irgendwie auch.

Ist das jetzt besinnlich genug?
Oder muss das fetter?