Winnetou und Silvester
„Was machst Du Silvester?“, das ist keine angenehme Frage, weil ich nichts mache, was man so machen soll zu Silvester.
Erstens trinke ich nicht mehr als ein Glas, zweitens ist Sekt für „Backfische, nur damit die sagen ‚Huch, wie das prickelt‘ …“, drittens mag ich den ganzen Lärm nicht und viertens finde ich es fürchterlich, wenn die ersten, frischen Tage eines Jahres mit total schmutzigen Seitenstraßen beginnen.
Sorry.
Kurz und positiv gesagt:
Der Hund braucht mich jetzt und „das ist auch gut so“.
Natürlich esse ich gern Raclette, liebe Bleigießen, auch wenn man jetzt schon drei Teile auf dem Löffel braucht.
Ich spiele auch gern kurze Spiele, bis „es“ soweit ist und so feierlich besonders sein soll wie es dann doch nicht wird.
Und „Dinner For One“, klar.
Es fehlt eben der Überraschungseffekt und die Erwartungen an neue Jahre sind meist überhöht.
Ich rauche jedenfalls weiter.
Und Silvester dauert einfach immer zu lange.
Und um Mitternacht ist es schnell vorbei.
Das ist wie drei Stunden kochen und in 5 Minuten alles reinschaufeln!
Die Uhren müssten vor Mitternacht ’schneller‘ gehen und danach ‚langsamer‘.
Also das Anstoßen so gegen 22:30 wäre jetzt auch eine praktikable Lösung! Das ist aber gesellschaftlich ungefähr so schlecht angesehen wie „Sommerzeit? Mach‘ ich nicht mit“.
Feierliche Momente hingegen, die immer funktionieren, sind zum Beispiel:
– Wenn „O Du Fröhliche“ am Heiligabend in der Kirche dem Höhepunkt zustrebt
– Wenn Van Morrison auf der Live-Platte von 1973
„… it’s too late to stop now“ ruft
– Wenn Winnetou in Bad Segeberg seinen ersten Auftritt auf Iltschi mit der Musik von Martin Böttcher hat und kein Wort sagt und das ganze Stadion ergriffen ist von der Schönheit dieses Momentes – obwohl der sich jedes Jahr auch wiederholt.
Das ist sozusagen mein Silvester!
Winnetou halte ich an sich für die einfachste aller Rollen bei den Karl-May-Festspielen.
Aber der „Typ“ und seine „Stimme“ müssen passen, sonst geht das nicht „auf“.
Und die neue Winnetou-Reihe im TV geht leider insgesamt nicht „auf“.
Ich habe weder die erste noch die zweite Folge bis zum Schluss angesehen.
Daher nur Stichworte:
Was gut ist …
– Wotan Wilke Möhring als Lex Barker-Upgrade mit Pomade
– Jürgen Vogel als Ratte Rattler
– Langsamkeit, das heißt der Schuss „Der mit dem Wolf tanzt“, wie die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte, meinte.
– Naturaufnahmen, Musik, Kameraführung
… und mehr.
Was ich nicht mag …
– Das ist nicht Winnetou!
Das ist optisch zuviel Tarzan mit langen Haaren und zu wenig roter Jesus beim Sprechen, er lacht und spricht zuviel.
„Bitte, Erol Sander, übernehmen Sie!“
– Das ist nicht Nscho-Tschi!
– Wo ist das Pueblo der Apachen?
– Wo ist der „feierliche Moment“?
Der muss erhalten bleiben!
Bei den Karl-May-Festspielen geht es schon ‚vorher‘ feierlich los, weil immer, aber auch immer genau dieselbe Musik gespielt wird:
John Denver, The Eagles und Johnny Cash und mehr.
Leider kann ich mir die feierliche Reihenfolge nicht merken, aber bei Cash gehe ich nochmal einen Kaffee trinken, rauche noch eine, die Knie werden breiter und beim Blick über den Kalkberg ist der erste feierliche Moment schon der weiße Stein.
Warum klappt das dann Silvester nicht?