Reisen in Musik

*Reisen in Musik*

Meine Liebsten sind „Herzsprung“ und „Neindorf“.

Das sind Autobahnausfahrten, und in „Herzsprung“ würde ich ebenso gern wohnen wie in „Himmelreich“. „Neindorf“ klingt für mich zu negativ und ein Dorf wäre nichts für mich. In „Jastadt“ wäre das vielleicht anders.

Leider neige ich dazu, fast grundlos an diversen Ausfahrten eine Auszeit zu nehmen. Zum Beispiel gibt es bei „Fehrbellin“ eine wundervolle „greenline“-Tankstelle mit einem überragenden Cappucino für 1,60€. Das sind nur 400m von der Autobahn und man kann mehr als zwei für den Preis eines üblen Raststättencappucinos trinken, dauert natürlich länger. Selbstredend resultiert das Verfahren darin, dass ich für eine Stunde ‚Strecke‘ mindestens eineinhalb Stunden brauche.
Für 300km rechne ich schon im Vorwege mit 5 Stunden Anreise. Fast niemand will mit mir Auto fahren, es sei denn sie müssen. Und über 120km/h fahre ich auch kaum, das nervt sogar die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte.

„Wer an’s Ziel kommen will, kann mit dem Flugzeug fliegen, aber wer richtig reisen will, soll mit dem Auto fahren!“

So ähnlich hat das Rousseau einmal geschrieben, nur dass er lediglich Kutschen und Schuhe zur Fortbewegung kannte und in seinen Text einbaute. Flugzeuge braucht man in Europa nicht, sie nähmen mir den halben Spaß.

Und wenn man einige Tage Zeit hat zwischen den Konzerten, dann fällt eben in Berlin auf, dass ich so selten in Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt war und auch noch nie in Weimar. So strecken sich zwar 2000km ein wenig, aber es gibt viel zu schauen und zu staunen.

Was, das würde jetzt langweilen, aber selbst wenn die Shows von Khalid, Lorde, Lisa Hannigan & Aaron Dessler und Nick Cave sämtlich ausgefallen wären, es wäre dennoch nett gewesen so einsam auf den breiten oder holprigen Straßen.

„Froh schlägt das Herz im Reisekittel,
vorausgesetzt man hat die Mittel.“

Wilhelm Busch wusste vielleicht nicht, dass man kostenfrei im Auto schlafen kann, wenn man eine Matratze und eine fette Decke hat. Dass die Duschen für LKW-Fahrer für 2,50 fast so duften wie zuhause, erwähne ich nicht nochmal. Das Auto ist wie „Butler’s Farm“ für Old Shatterhand bei Karl May, nur ohne den Überfall und leichter zu finden.

„Was ist das erste, wenn Herr und Frau Müller in den Himmel kommen? Sie bitten um Ansichtskarten.“

So weit hat es mich nicht gebracht, aber immer wieder vergesse ich, Fotos zu machen, Ansichtskarten sind mir aber auch zu blöd. Dabei hat Morgenstern das schon treffend gesagt, auch sehr modern, wenn man heute Alt und Jung ständig mit dem Handy fotografieren sieht. Gibt es im Himmel ein Fotografierverbot? Da müssen sich später vermutlich ganz viele Menschen dran gewöhnen, das ist da nämlich so ….. obwohl man hier unten Blitze von oben sieht, täuscht Euch da nicht! Das sind keine Kameras.

„Reisen ist besonders schön, wenn man nicht weiß, wohin es geht. Aber am allerschönsten ist es, wenn man nicht mehr weiß, woher man kommt.“

Der Laotse ist auch ein Berg …. des Wortes.

Und so könnte es dann auf dem Weg zum Himmel auch sein. „Leben is‘ auch nur ’ne Reise“, wie mir der alte Kollege mal sagte als er die 80 überschritt.

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Leider weiß ich nicht mehr, wer welche Bilder bei den Konzerten gemacht hat. Die besten sind von Ron. Basta.

 

 

 

 

„Das müssen wir mal intim besprechen“

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*„Das müssen wir mal intim besprechen“*

Es gibt wundervolle Versprecher und Missverständnisse, die einem Menschen Tränen des Glücks in die Augen senden können. So auch der einer Referendarin kurz vor der Teamsitzung vor vielen Jahren, die sich dabei gar noch verstärkend langsam durchs lange Haar fuhr. So etwas haftet länger als jedes Haarspray.

Mit Robert hat man auch immer seinen Spaß. Er ist der fitteste Mann über 70 neben Mick Jagger.

„‚Männer tragen kein Pepita‘! Wunderbarer Film“ rief er kürzlich als ich ein Hahnentrittmuster mit Fischgrät verwechselte. „Ja, den fand ich auch lustig“, bekräftigte die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte, spontan.

Es war dann doch „Tote tragen keine Karos“, aber dafür braucht man einige Sekunden.

Ob der Robert das etwa mit Absicht ….. ?

„‚Der General der Königin‘ mit Marlon Brando!‘, das waren noch FILME!“, hatte er wenige Wochen zuvor verlautbart. Und ein „Ich liebe Filme mit Segelschiffen!“, schob er noch nach. Als ich zu bedenken gab, dass Generäle eher nicht auf dem Wasser arbeiten, sagte er wie üblich:

„Ist doch egal, aber so ähnlich! Kennst den nicht? Da hatte Brando noch so viele Haare wie ich! Und ganz dunkel! Du hast doch Google im Handy!“

Wir konnten uns dann noch auf „Des Königs Admiral“ mit Gregory Peck einigen. Aber er lächelte wieder so verschmitzt, der alte Schlingel. Ich traue es ihm zu, einer zu sein.

„Schnell noch mal ’n Rad geflickt“, das hatte ich dann kürzlich auch zunächst falsch verstanden, aber ich habe dann lieber leicht nervös nachgefragt.

Sie hatte wirklich nur das Hinterrad am Wickel.

Beruhigend.

 

 

 

„Was tun die Personen in einem Buch, wenn es gerade niemand liest?“

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„Was tun die Personen in einem Buch, wenn es gerade niemand liest?“

 

Also ich glaube ja, dass es denen sehr gut geht, sie verbringen die Zeit mit Warten und Nachdenken.

An sich wäre ich auch gern mal eine Person in einem Buch, das gerade niemand liest. Zumindest für ein paar Wochen.

Leider werden die meisten Bücher gar nicht gelesen.

Viele junge Menschen sind heutzutage vielleicht auch mal kurz in so einem Buch gewesen. Sie denken so viel nach und tun häufig Dinge viel bewusster als ich das je tat.

Clarissa zum Beispiel dachte darüber nach, wo sie wann ihren Milchkaffee trank. Einmal sagte sie „Nein, wir gehen heute in das Café in der Schützenstraße, in der Burgstraße war ich letzte Woche. Ich muss mein Geld gerecht verteilen.“

Es ging also weder um den Preis noch um die Qualität und auch nicht um die Gemütlichkeit einer ‚Location‘ sondern ausschließlich um Gerechtigkeit.

Ich fand das sehr bemerkenswert. Aber mir war das auch ein wenig fremd. Als etwas anstrengend empfand ich diese Denkweise zusätzlich, aber meine Neigung zur Faulheit könnte die Schuld tragen.

 

„Auf einem Dampfer, der in die falsche Richtung fährt, kann man nicht sehr weit in die richtige Richtung gehen.“

Das passt zu China.

Sie heißt natürlich nicht „China“, aber mir ist gerade kein anderes Pseudonym eingefallen.

China lebt nämlich schon lange vegetarisch und hat sich auch eine längere Zeit vegan ernährt. Mir rutschte dann einmal heraus, dass ich auch vor vielen Jahren über mehrere Jahre kein Fleisch gegessen habe, weil ich das schlicht nicht mehr mochte, bis dann der Tag kam, an dem ich einem blutigen Steak nicht widerstehen konnte.

„Das ist bei mir völlig anders! Ich liiiiebe Fleisch!“

Das irritierte mich dann erneut, aber es dämmerte mir schon, was jetzt kommen würde.

„Ich halte es nicht für richtig, Fleisch zu essen obwohl ich das wahnsinnig lecker finde. Und wenn das falsch ist, dann darf ich das nicht tun.“

Das klingt nach mehr Prinzipientreue, Pflichtgefühl und Verantwortungsbewusstsein als die meisten Älteren aufbringen.

Wenn Clarissa und China später an den Schnittstellen dieses Landes sitzen, muss man sich wenig um die Zukunft sorgen.

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Die Zitate sind von Michael Ende.

„Was tun die Personen in einem Buch, wenn es gerade niemand liest?“, das steht in Rons Buchhandlung hinter dem Tresen in großen Buchstaben an der weißen Wand.

Wunderbar.

 

 

 

Sexismus am Beispiel

*Sexismus am Beispiel*

Man stelle sich vor, es ginge um Christian Lindner von der FDP und eine ältere Botschafterin hätte ihn nicht gekannt und als sie ihn ankündigte gesagt:

„Ich habe keinen so jungen Mann erwartet. Und dann sehen Sie auch noch so gut aus!“

Ungeschickt, schlecht informiert und unklug würde man das nennen, kaum eine Meldung wäre es wert.
Ist das aber nicht weiblicher Sexismus einem Mann gegenüber?

Wenn eine Frau zu einem Mann sagt „Ich glaube, dass hier weibliche Intuition gefragt ist“, dann kann man das als sexistisch empfinden, weil hier eine Überlegenheit aufgrund eines Geschlechtes anheim gestellt wird. Ich empfinde das nicht so, erlaubt wäre es schon.

Ich bin nicht jung und gut aussehend und würde die Bemerkung der alten Botschafterin nicht einmal mit einem Ohr ernst nehmen selbst wenn ich es wäre, „jung und gut aussehend“.

Darf ich als Mann eine alte Botschafterin noch ‚alt‘ nennen?

Dürfte Lindner sich im fiktiven Beispiel darüber beklagen? Ja, er dürfte, aber man würde ihn vielleicht „mimosig“ nennen. Und das wäre dann männerfeindlich.

Aber genau das würde vermutlich passieren, wenn er den „Vorfall“ zum Thema machen würde.

„Die Staatssekretärin für Internationales und Bevollmächtigte Berlins beim Bund hatte Kiderlen nach einem Auftritt bei der Deutsch-Indischen Gesellschaft öffentlich und ohne Namensnennung vorgeworfen, sie als Frau herabgewürdigt zu haben. Als Kiderlen Chebli nicht erkannt habe, soll dieser geäußert haben: „Ich habe keine so junge Frau erwartet. Und dann sind Sie auch so schön.“ Chebli teilte darauf hin bei Facebook mit, sie sei „geschockt“ gewesen. Mit der Veröffentlichung des Vorgangs habe sie eine Debatte anstoßen wollen. In den sozialen Medien bekam sie dafür Zuspruch, vielfach ergossen sich aber auch Häme und Beleidigungen über sie.“
– aus ‚Der Tagesspiegel‘

Ungeschickt, schlecht informiert und unklug oder peinlich würde ich das nennen, was dem ehemaligen Botschafter dort entschlüpfte. Wäre er noch im aktiven Dienst, es hätte unter Umständen disziplinarische Konsequenzen gehabt.

Aber mehr, mehr als „peinlich“ ….. ist es mehr?
Ja, das ist es, er reduziert sie auf Äußerlichkeiten und mit ihrem Vortrag und ihrer Kompetenz hat weder ihre Jugend noch ihre Schönheit zu tun.

Und auch, wenn ihr mich jetzt löscht:
Sie ist wirklich schön. Und klug ist sie auch.

Die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte, nannte es ein „Kompliment“, aber eine „Herabwürdigung“ aller anderen Frauen, die weder jung noch schön sind. Ein Kompliment wäre es vielleicht bei einer Verabredung in der Oper gewesen und ein Kompliment für die Kleidung wäre uU auch dort besser gewesen.

Vielleicht hilft ein hypothetischer Blick in Cheblis Innenleben oder mögliche, noch verstärkende Ursachen ihres „Schocks“.

„Du bist Staatssekretärin?“, mag ein Bekannter zu ihr gesagt haben, „ja, Du bist auch ein Schmuck für das Auswärtige Amt. Vor allem in Deinem Alter.“

Vielleicht hatte die aktuelle Geschichte eine zusätzliche ….. Vorgeschichte.

Für Häme sehe ich keinen Grund.

 

 

 

„Die echte Geduld zeugt von großer Elastizität“

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„Die echte Geduld zeugt von großer Elastizität“

Auf dem Rückweg von dem Spiel mit Zahlen und Buchstaben wollte ich nur noch bei meiner Freundin vom Saturn hineinschauen. In der Stadt hatte die kleine Hündin bereits mehrfach ein kleines Rinnsal gelassen. „Also frisch an’s Werk“, so dachte der Rüde auf zwei Beinen als auch er sich befreien wollte. Vor Wasserfällen und Springbrunnen ist das auch so.

„Die echte Geduld zeugt von großer Elastizität“.

Die Tür im Parkhaus jedoch fest verriegelt, auch bei den Damen. Da braucht man Gelassenheit und viel Konzentration! Vor geschlossenen Türen wird der Mensch unruhig.

 

Also kurz in den Hauptbahnhof.

„Jo, wir schaffen das“, riet Baumeister Bob.

Da kostet es 1€ für wenige Sekunden. Kartenzahlung, Scheine, alles geht für den gehetzten Gast. Zum Glück wechselte der Automat, der zweite Euro kam zurück. Leider ließ sich die Barriere jedoch nicht öffnen, also warf ich nunmehr schon eilig den zweiten Euro mit einem Stoßgebet ein, der Hund in mir wurde ungeduldig. Meine Elastizität hat nämlich Grenzen.

Und es öffnete sich doch.

Zwanzig Sekunden später berichtete mir die ältere Dame, die dort reinigt, dass sie nur noch 45 Minuten für die Reinigung zweier Großbäder hat. Ich wollte nämlich die Nummer des Betreibers haben, die steht da nirgends. Ich gab ihr den dritten Euro obwohl sie die Nummer nicht kannte.

45 Minuten! Unfassbar.

Draußen war die Information nicht besetzt, kein Bahnmitarbeiter im weiten Rund zu sehen, vielleicht standen die jetzt vor der Barriere, man weiß es ja nicht. Mein Parkschein lief auch bald ab, das konnte ein teures Päuschen werden. 3,50€ waren bislang die Bilanz. Schließlich wurde die Information besetzt und nach weiteren 5 Minuten hatte ich die betreffende Nummer:

„Das wird nicht von der Bahn betrieben, hmmm, wo ist denn die Nummer?“

Ich gab ihm keinen Euro.

Der erste Versuch: Warteschleife!

„Die echte Geduld zeugt von großer Elastizität“.

Offenbar rufen da auch andere an, den Saturn hatten wir schon aufgegeben.

Mittlerweile saßen wir zur Risikominimierung im Auto. Nach weiteren Versuchen, endlich ein weiblicher Kontakt mit süddeutschen Dialekt: „Das schicke ich Ihnen gern per Post und einen Techniker schicke ich auch. Anschrift?“

Routiniert, so klang sie.

„Die echte Geduld zeugt von großer Elastizität“, Novalis wusste schon, was er damit meinte, er war auch nur ein Mann.

 

 

Klassentreffen

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*Klassentreffen*

Wie war eigentlich Euer letztes Klassentreffen?

Ich war zum 30jährigen Abitur das letzte Mal dabei, da waren 70% des Jahrgangs anwesend, unglaublich. Und länger her ist das auch schon. Ansonsten gibt es wohl fast jedes Jahr nach Weihnachten ein kleines Meeting in einer dunklen Kneipe dieser Stadt.

Zu Weihnachten treibt es viele dem Stall zu.

Der, der mit mir eine Wette laufen hatte, dass er fünf Jahre nach dem Abitur Millionär sei, der war zum 30jährigen auch da. Er sei „eben aus New York zurück“ und es war praktisch, dass ich ihn einige Tage vorher vom Strand mit dem Auto zurückfahren konnte. Klar, sein Porsche blieb ja am Hudson River stehen.

Das ist im Prinzip keine lustige Geschichte, aber er kann das fast so darstellen, dass man Freude am Glaubenwollen entwickeln könnte. Zum Schlus reicht es für ein Schmunzeln. Jedenfalls haben ihm die schönen Frauen die Geschichten öfter abgenommen als ich. Die Modelkarriere, das Motorboot, den Porsche. Aber am Strand kein Geld für Kaffee und Zigaretten.

„Muss noch zur Bank, die Dollars wechseln“ und so.

Ryam, mit der waren wir zu Zeiten der schulischen Kurvendiskussionen oft unterwegs. Unvergessen der Moment als sie den Mantel ablegte und der rote Kaschmirpullover mit dem Ausschnitt von der Größe eines U-Bootes dabei ihren reizvollen Oberkörper komplett freilegte. Wir haben uns auch einige Male zu zweit getroffen.

Leider habe ich sie beim 30jährigen zunächst gar nicht erkannt. Der Pullover hätte für einen weiteren Tauchgang auch nicht mehr genug Raum geboten, zugegeben.

Mich stört auch, dass die mich dann immer noch viele „Kempes“ oder „Mario“ rufen. Das hatte mit dem argentinischen Weltmeistertitel von 1978 zu tun.

Auch die ganzen Scherze und Geschichten sind natürlich dieselben, alle 10 Jahre. Manche davon hätte ich vielleicht auch vergessen, wenn die nicht wiederholt aufgekocht worden wären.

Die Stillen von früher sind oft die Interessantesten in den späteren Jahren, die lauten Anführer von damals sind oft die Schweiger im Heute, was kein schlechtes Zeichen ist.

Und gegen Ende haben sie sich eigentlich gar nicht verändert. Außer mir natürlich. Und der Doris, die war früher über 100m immer die schnellste Läuferin. Aber das hatte ihr die Fotostrecke im Herrenmagazin nicht eingebracht. Es war etwas anderes, aber ich weiß nicht mehr, was. Die war genauso schön wie damals aber nicht mehr so entrückt wie zu Zeiten der Medaillen in Gold.

Ich muss da mal wieder hin.

 

 

 

„Youth is a costume ….“

„Youth is a costume ….“

Ach, ja.

„Ich habe überhaupt keine Hoffnung mehr in die Zukunft unseres Landes, wenn einmal unsere heutige Jugend die Männer von morgen stellt. Unsere Jugend ist unerträglich, unverantwortlich und entsetzlich anzusehen.“

Leider hat der das vor mehr als 2300 Jahren schon gedacht, der Aristoteles.

„Die jungen Leute leiden weniger unter ihren Fehlern als unter der Weisheit der Alten.“

Das hat ihm Luc de Clapiers, Marquis de Vauvenargues, 2000 Jahre später geantwortet.

 

Etwas pessimistischer bei der Weltsicht ist da Oscar Wilde gewesen, den kann man schon „modern“ nennen.

„Die jungen Leute glauben, Geld sei alles. Wenn sie groß sind, glauben sie nichts mehr: Sie sind sich dessen sicher.“

 

Für mich einer der weisesten Sätze zum Thema ist der hier, von Joseph Stanislaus Zauper:

„Um die Menschen zu verstehen, muss man ihre Jugend kennen.“

Aber was nur … ist das Thema?

 

„Take care of all your memories. For you cannot relive them.“

… und das hat Bob so hingelächelt.

 

 

Männer in Strumpfhosen

*Männer in Strumpfhosen*

Im Alter denkt man zurück an die Jahre der Jugend.

Damals, noch quasi in vorpubertären Jahren, die heute vollpubertäre Jahre wären, mussten wir auf vereisten oder mit Schnee bedeckten Plätzen Fußball spielen. Speziell auf leichtem Schnee spielte es sich überragend, fast wie auf nassem Rasen. Alles Stumpfe ist der Feind der Technik.

Mein Feind waren aber Temperaturen von -10°C. Natürlich spielen echte Kerle dann trotzdem in kurzen Hosen. Das war für einen Mittelfeldstehgeiger wie mich kaum zu ertragen. Zudem hatte meine Mutter mir Strumpfhosen in dunklem Blau geschenkt, passend zu den Vereinsfarben. „Fleischfarben“ wäre aber noch schlimmer gewesen.

Strumpfhosen!

„Vollschwul“ nannte man das. Andererseits kamen in den folgenden Wochen des kalten Winters auch andere Mütter auf dieselbe Idee wie meine. Wir wurden zum ‚Tuckenteam‘. So waren die 70er.

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Der Große hat sich ein neues, altes Auto gekauft, nur 92000 auf der Uhr, ein Opa schonte es mehr als zwei Jahrzehnte. Zuerst erwarb der Große ein „Extra“: Einen neuen, schwarzen „Schaltsack“. So heißt das Ding um den Knüppel zum Schalten.

Der Opa hatte nämlich den Originalschaltsack durch einen in knallrotem Leder ersetzt.

Mein „… ist doch nicht nötig, dafür 30€ auszugeben, der ist doch wie neu“ fand kein Gehör.

„Meinst Du denn, ich lasse mich den ‚Typen mit dem roten Sack‘ nennen? Never ever!“

 

 

„Mit Verlaub, Herr Präsident, Sie sind ein Arschloch!“

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*„Mit Verlaub, Herr Präsident, Sie sind ein Arschloch!“*

Was sind es nur für schreckliche Zeiten! Diese Sprache, diese Wortwahl und das in unserem Bundestag! Furchtbar. In Turnschuhen zur Vereidigung als Minister! Skandalös.

Die Älteren wissen es natürlich.

Vor knapp 33 Jahren, am 18. Oktober 1984, war das ein Zwischenruf von Joschka Fischer an Bundestagsvizepräsident Richard Stücklen, nachdem dieser den Abgeordneten Jürgen Reents ausgeschlossen hatte, weil er Helmut Kohl als „von Flick freigekauft“ bezeichnet hatte.

Kaum zu fassen, dass derselbe Fischer verschlankt und im Maßanzug Jahre später den versierten und verbal geschliffenen Diplomaten im Ministerium für auswärtige Angelegenheiten ‚gab‘.

Aber Fischers 12 Ordnungsrufe sind nichts gegen den Rekordhalter Herbert Wehner, der deren 77 kassierte. Nach anderer Zählung waren es 78, aber wir sind ja nicht kleinlich.

https://www.welt.de/geschichte/article116403169/Glied-ab-Herbert-Wehners-beste-Zwischenrufe.html

Der „Niedergang“ der Sprache und der „unsägliche Ton“ in Internetpostings wird zu Recht beklagt. Aber als ich im Alter von 12 Jahren in einen Fußballverein eintrat, da habe ich auch schon Berge von Wörtern gelernt, die mir bis dahin völlig unbekannt waren.

Der „Ton“ im Netz ist vielleicht nur das Abbild des schon lange vorhandenen Sprechens im ‚Umgangston‘, der nun aber mehr Publikum findet, das sich auch noch unklug provozieren lässt.

Der Punkt ist nur:
Diejenigen, die heute lauthals im Internet herumpöbeln, die haben sich früher an ihren Nachbarn oder an einem Ball abreagiert, aber sie haben keine Leserbriefe verfasst. Das machten eher Oberstudienräte, Rechtsanwälte oder Rentner.

Also so gefühlt. 🙂

Und heute schreibt eben jeder.
Auch der, den man ungern liest.

Und zum Thema „Provokation“ ein kleines Beispiel aus einem früheren Leben. Ein Schüler beschimpfte den Lehrer, ob zu Recht oder nicht spielt keine Rolle, in wüsten Worten vor 30 Anwesenden. Nun kann man als Lehrer anfangen zu diskutieren und zu maßregeln, aber das bringt nichts. Jedenfalls ließ der Lehrer den Schüler schimpfen und lamentieren und begann sich nach 20 Sekunden seelenruhig und wortlos die Fingernägel zu feilen.

Irgendwann war dann Ruhe und die Mehrheit grinste.

„Nachdem wir das überstanden haben, können wir ja weitermachen“ sagte er lächelnd und griff nach der farbigen Kreide.

 

 

Stormy Weather

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*Stormy Weather*

Irgendwie ist der Wurm drin und man könnte sich ärgern, wenn man so richtig Lust dazu hätte.

Vorgestern bin ich auf dem Rückweg von der Nordsee in einen einstündigen Standstau geraten, toll, wenn man eigentlich nur 3km auf der Autobahn gehabt hätte. Zuerst ist das ein Problem, wenn man eigentlich gerade pinkeln wollte, zweitens ist das eigentlich nett, weil ich sonst die 5er-Packung Pick-Up nicht im Handschuhfach entdeckt hätte und drittens ist das eigentlich gut, weil ich unter dem Beifahrersitz Jon Krakauers „In eisigen Höhen“ über eine Mount Everest-Besteigung sonst nicht gefunden hätte. Das ist eigentlich ein recht langer Satz, der aber zu einem Stau passt. Jedenfalls habe ich dann solange gegessen und gelesen bis der hinter mir gehupt hat.

Einen Tag später durfte ich die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte, aus dem Venedig des Nordens abholen, weil die Bahn gegen den Sturm verloren hatte. Hach, das war eine wundervolle Fahrt mit vielen Straßen, die nur mit fast unsichtbarem Flatterband gesperrt waren. Meine schöne Gattin ’not amused‘.

Einen hübschen Wasserschaden hatte dann Giselle, das habe ich heute am Morgen beim ersten Kaffee erfahren. Sie trägt das mit stoischer Ruhe und einem Lächeln, das allerdings auch Hilfe von einem roten Lippenstift hatte.

„Ganz schön viel los heute beim Kaffee auf dieser vielbefahrenen Straße vor dem Cafe“ habe ich zwischendurch gedacht, weil Giselle von an Wänden fließendem Wasser berichtete.

Auf der Straße floss nix.

Dann rief mich noch irgendein Idiot auf dem Handy an, den ich nicht kannte. „Ich muss unbedingt die Handynummer aus der Heckscheibe nehmen“ kam mir noch in den Sinn. Die liegt nur für den Fall da, dass ich mal kurz auf einem privaten Parkplatz anhalten muss. „Bitte SMS schicken, kann nicht telefonieren“ habe ich sicherheitshalber zurückgeschrieben.

Beim zweiten Cappuccino mit Sabrina habe ich gar nicht mehr genauer zur Straße sehen können, weil sie wieder Spannendes zu erzählen hatte, ein Traum zum Nachdenken. „Richtig fett, der Innenstadtstau heute“ hat Sabrina gesagt. Zum Glück stand mein Auto nur 30 Schritte weiter. Der Parkplatz war etwas klein für die Limousine, aber vorn hatte ich noch Platz für den Daumen von Sigmar Gabriel gelassen, damit der hinter mir gut rausflutschen kann. Also nicht Sigmar sondern der mit der Karre hinter mir. Einem Mercedes muss man immer etwas mehr Platz lassen.

Was müssen diese Spinner auch alle mitten durch die kleine Stadt fahren! Jetzt stehen sie hier herum.

Dann mussten wir uns trennen, Sabrina zum Shoppen, ich zu den anderen unlösbaren Gleichungen.

Da hatten die mir doch ein Verkehrsschild vor den rechten Vorderreifen gestellt, einfach so, aber falsch herum, das war vorher nicht da. Aber manche Menschen sind auch manchmal genau da, wo man sie gerade nicht so gut braucht. Meistens Männer.

Im Auto habe ich dann noch eine SMS gelesen:

„Ihr Fahrzeug ist aus der Parklücke raus gerollt und stand quer auf der strasse. Wir haben es wieder zurück geschoben und etwas vor den Reifen gelegt.
Mfg akelbein möbelspedition“

Ich sage nie wieder Schlechtes über Männer.