„Mit Verlaub, Herr Präsident, Sie sind ein Arschloch!“

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*„Mit Verlaub, Herr Präsident, Sie sind ein Arschloch!“*

Was sind es nur für schreckliche Zeiten! Diese Sprache, diese Wortwahl und das in unserem Bundestag! Furchtbar. In Turnschuhen zur Vereidigung als Minister! Skandalös.

Die Älteren wissen es natürlich.

Vor knapp 33 Jahren, am 18. Oktober 1984, war das ein Zwischenruf von Joschka Fischer an Bundestagsvizepräsident Richard Stücklen, nachdem dieser den Abgeordneten Jürgen Reents ausgeschlossen hatte, weil er Helmut Kohl als „von Flick freigekauft“ bezeichnet hatte.

Kaum zu fassen, dass derselbe Fischer verschlankt und im Maßanzug Jahre später den versierten und verbal geschliffenen Diplomaten im Ministerium für auswärtige Angelegenheiten ‚gab‘.

Aber Fischers 12 Ordnungsrufe sind nichts gegen den Rekordhalter Herbert Wehner, der deren 77 kassierte. Nach anderer Zählung waren es 78, aber wir sind ja nicht kleinlich.

https://www.welt.de/geschichte/article116403169/Glied-ab-Herbert-Wehners-beste-Zwischenrufe.html

Der „Niedergang“ der Sprache und der „unsägliche Ton“ in Internetpostings wird zu Recht beklagt. Aber als ich im Alter von 12 Jahren in einen Fußballverein eintrat, da habe ich auch schon Berge von Wörtern gelernt, die mir bis dahin völlig unbekannt waren.

Der „Ton“ im Netz ist vielleicht nur das Abbild des schon lange vorhandenen Sprechens im ‚Umgangston‘, der nun aber mehr Publikum findet, das sich auch noch unklug provozieren lässt.

Der Punkt ist nur:
Diejenigen, die heute lauthals im Internet herumpöbeln, die haben sich früher an ihren Nachbarn oder an einem Ball abreagiert, aber sie haben keine Leserbriefe verfasst. Das machten eher Oberstudienräte, Rechtsanwälte oder Rentner.

Also so gefühlt. 🙂

Und heute schreibt eben jeder.
Auch der, den man ungern liest.

Und zum Thema „Provokation“ ein kleines Beispiel aus einem früheren Leben. Ein Schüler beschimpfte den Lehrer, ob zu Recht oder nicht spielt keine Rolle, in wüsten Worten vor 30 Anwesenden. Nun kann man als Lehrer anfangen zu diskutieren und zu maßregeln, aber das bringt nichts. Jedenfalls ließ der Lehrer den Schüler schimpfen und lamentieren und begann sich nach 20 Sekunden seelenruhig und wortlos die Fingernägel zu feilen.

Irgendwann war dann Ruhe und die Mehrheit grinste.

„Nachdem wir das überstanden haben, können wir ja weitermachen“ sagte er lächelnd und griff nach der farbigen Kreide.

 

 

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