Blue Monday

*Blue Monday*

Natürlich denke ich bei „Blue Monday“ zunächst an das Stück von ‚New Order‘. Und wenn ich an ‚New Order‘ denke, dann denke ich an Nicolette Krebitz, die mal auf einem Cover einer Platte von New Order zu sehen war. Und wenn ich an Nicolette Krebitz denke, dann denke ich daran, dass mir immer öfter Namen von Schauspielern und Schauspielerinnen entfallen und ich so oft „Das ist doch der Dings, der, wie heißt der nochmal?“ sage und frage.

Das ist ja kaum auszuhalten!
Mein Hirn schwächelt!

Der „Blue Monday“ ist nämlich der dritte Montag des Jahres und der gilt angeblich als der traurigste Tag des Jahres. Dagegen spricht schon mal, dass die Frau Krebitz eigentlich immer noch so aussieht wie auf dem Cover von 2001.

„Das Leben ist doch eigentlich ziemlich Scheiße.“

Dies hat mir kürzlich der Dirk geschrieben, den ich vom Schreiben seit knapp 20 Jahren kenne. Getroffen habe ich ihn ja nie, wir leben quasi in verschiedenen Sonnensystemen. Zwei Sätze später pries er jedoch enthusiastisch vier geniale Stunden von Bob Dylan in New York City aus dem Jahr 1993, die er mir empfahl und meinte ….

„Dafür lohnt es sich manchmal doch!“.

Heute, noch im Dunklen, kam mir dann ein ganz alter Mann mit grauem, sehr schütterem Haupthaar entgegen, der auf gleicher Höhe mit mir plötzlich „Hallo Martin“ sagte.

Und das war dann der Sebastian, der war mit mir vor weit über 40 Jahren in derselben Klasse. Nach 2 Sekunden sah der dann auch fast wieder so aus ‚wie immer‘. Fast. Schließlich hatte ich ihn zuletzt vor vielleicht 30 Jahren gesehen. Vermutlich sehe ich genauso aus wie er.

„Das Älterwerden finde ich total beknackt“, hat er noch gesagt bevor wir in unsere vorgegebenen Lebensrichtungen weitermarschierten. Wenn ich ihn in wiederum 30 Jahren nochmal sehe, dann können wie das ja beide sagen. Soweit bin ich nämlich noch nicht, also nicht heute. Gestern ganz kurz, aber das Morgen muss ja nicht wie das Gestern sein. Sebastian hatte unter Umständen heute so einen Tag wie ich gestern. Auf der anderen Seite klang sein Satz schon recht routiniert, fast wie an der Kasse der Tankstelle das „Beleg dazu?“

„Außer meiner Arbeit habe ich überhaupt keine Sozialkontakte!“

Das hat mich dann neulich als Satz einer Freundin sehr verwirrt, weil sie auf der Straße ganz viele Menschen kennt und grüßt und mit denen spricht. Zusätzlich sitzt sie mit mir seit fast zwei Jahren fast täglich beim Morgenkaffee. Dieser „Sozialkontakt“ am Morgen würde mir total fehlen, wenn sie jetzt plötzlich in einem anderen Laden ihren Milchkaffee trinken würde.

Oder was sind sonst ’soziale Kontakte‘?

Irgendwie habe ich das Gefühl als hätte ich das Cover von New Order schon einmal erwähnt. Aber wo, das kann ich mir nicht mehr merken.

So schlimm ist das doch alles gar nicht, oder? Es lohnt sich …. eben doch.

Alles.

 

 

 

Unter der Dusche

 

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*Unter der Dusche*

Stellt Euch mal vor, dass Ihr männlich seid und im Gefängnis einsitzt, sagen wir ruhig für eine längere Zeit. Und zweitens stellt Ihr Euch vor, dass Ihr zehn männlichen Insassen des Traktes gemeinsam nackt unter den Duschen steht.

Was darf man in dieser Situation sagen und was sollte man lieber nicht sagen?

„Verdammt, Heinrich, Du bist in den Jahren hier echt voll fett geworden!“

„Mensch, Herr Graf, etwas Sport würde Ihnen nicht schaden, Ihr Alter sieht man Ihnen auch an.“

„Gib‘ mir mal Dein Duschgel, Horst!“

So oder so ähnlich, das ginge, vermute ich.

Vermutlich könnten wir noch darüber sprechen, ob Özil nun ein Genie ist oder nicht oder ob die Gefängnisleitung jetzt ein anderes Waschmittel für die Bettwäsche verwenden lässt.

„François, Du hast die schönsten Beine der Welt!“
„Deine Körperbehaarung ist wirklich beeindruckend, Paolo!“
„Du bist so toll gebaut, Muhammad!“
„Mit Dir, Pep, würde ich gern mal allein duschen.“
„Du siehst heute wieder aus wie ein Weltstar, Rudi!“
„Du hast einen Knackarsch, Bernd.“
„Mit Deinem Körper kannst Du Geld verdienen, Gustav!“

Eben, das würdet Ihr vermutlich auch nicht sagen.

Es ist nämlich so, dass Ann, meine junge Englisch-Lehrerin, immer gute Ideen hat, wie man sich bestimmte Regeln auf einfache Weise merken kann. Irgendwie kamen wir dann wieder auf diese #metoo-Debatte und ich habe sie gefragt, wie ich mir einprägen könnte, was ich noch zu Frauen sagen darf und was ich lieber nicht sagen sollte.

Und dafür gab sie mir das „Gefängnisduschenbeispiel“.

„Stell‘ Dir vor, Du bist mit zehn anderen männlichen Gefangenen im Gefängnis und Ihr steht unter der Dusche. Wenn Du da etwas nicht sagen würdest, sag‘ es auch nicht zu einer Frau.“

„Alexander, mit Dir trinke ich morgens meinen Kaffee am liebsten“ …. das würde ich auch nicht sagen.

Vermutlich würde ich überhaupt nichts Nettes unter der Dusche sagen.

 

Mein Platz

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Mein Platz

Im „Stammcafe“ hatte ich eben meinen Lieblingsplatz am Fenster, da stehen zwei Sessel am kleinen runden Tisch. Und eben bin ich 5 Minuten raus zu den „Jungs“, um über Fußball zu sprechen und eine Zigarette zu rauchen.

Zwei ältere, elegante Damen gehen ins Café, legen meine Handschuhe vom Tisch, das Handy und mein Italienisch-Buch.

Sie nehmen Platz.

Das ist nicht so schlimm, ich bin ja recht flexibel und es gab 7 leere Tische, da suche ich eben einen anderen. Ich habe auch noch mehr Zeit, vielleicht.

Aber als ich meine Sachen hole, sagt die eine:
„Oh, war das Ihr Tisch?“
„Ja, das *war* mein Tisch.“
„Sie können sich ja dazusetzen!“
„Nun ja, erstens sind hier nur zwei Stühle und zweitens …. wäre das doch eher mein Angebot gewesen, oder?“

Uns trennten nicht nur 20 Jahre.

Aber angenommen ich wäre jetzt 25 und weiblich und zwei 20 Jahre ältere Männer hätten sich auf meinen Platz gesetzt.

Ändert das etwas?

 

Hard Times

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*Hard Times*

Es ist bestimmt nicht leicht, heute jung zu sein.

Das fängt schon bei einem großen Teil der Musik an, denn „Popsongs werden heute gebaut wie Hauptstadtflughäfen“, so stand es gerade in ‚Die Zeit‘ über den Produzenten Antonoff, der Taylor Swift, Lorde und anderen Frauen zu Erfolgen verhalf. Der arbeitet offenbar nur mit weiblichen Stars, ich kann den Mann gut verstehen. Ich würde auch nicht so gern eine männliche Heavy Metal-Combo betreuen.

Hugh Grant wieder Vater!

Fünf Kinder in sechs Jahren. Wieviele Mütter das jetzt ergibt, das weiß ich nicht, ist ja auch nicht so wichtig. Jedenfalls hat der offenbar noch Sex, was ja in der heutigen Zeit auch nicht mehr so ganz normal ist. Wir seien ja medial „oversexed“ aber „underfucked“, jedenfalls habe ich das auch irgendwo gelesen.

Natürlich sagen das die, die das schreiben, immer nur über die anderen. Das ist ja auch einfacher. Andererseits gab es einige Artikel zum Thema „Sexroboter“, auch in ‚Die Zeit‘. Entweder ist das tatsächlich ein kommendes Thema oder die halbe Redaktion der guten Wochenzeitung ist ‚underfucked‘, aber das wäre jetzt eine bösartige Unterstellung.

Hugh Grant braucht jedenfalls noch keinen Roboter, hoffentlich kann er die Namen der Kinder in 5 Jahren noch auseinanderhalten, denn so extrem jung bleiben ja auch Briten nicht für alle Zeit.

So ein Roboter ist an sich die logische Fortsetzung von pay-per-view und dem einsamen Spielen am Computer, nur eben mit dem unteren Teil. Wenn das in 30 Jahren zur Normalität gehören sollte, verlege ich meine Wiedergeburt auf einen anderen Planeten.

 

 

„Ilsebill salzte nach“

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„Ilsebill salzte nach“

Laut einer aktuellen Abstimmung unter Beteiligung vieler Experten ist das der ‚brillianteste Anfang deutschsprachiger Romane und Erzählungen‘, „Der Butt“, klar.

Allerdings bin ich auch nicht viel weiter gekommen.

Früher hatte ich den Butt links und rechts „Hitler“ von Fest, damit konnte man die Schallplatten gut fixieren.

Aber Fest habe ich wenigstens gelesen.

Dass Grass links stand und Fest rechts, das fällt mir erst jetzt auf.

„Schwarzenbeck setzt nach“ von Rudi Michels als Sportreporter beim Länderspiel ist nicht ausgezeichnet worden.

Und in New York gibt es jetzt Hundeboxen mit Kamera und Heizung, damit der Kunde in Ruhe einkaufen oder essen gehen kann.

Die kosten dort 20 Cent pro Minute, also 12$ pro Stunde, aber mir fehlen die Vergleichswerte mit Parkplätzen und den öffentlichen Toiletten der Millionenstadt.

Es könnte sein, dass es für diese sogenannten Tierfreunde preiswerter wäre, das Tier in einer Toilette einzuschließen.

Das sind schon anspruchsvollere Meldungen aus dem täglichen Nachrichtengestrüpp.

Dann habe ich noch eine Diskussion über den Philosophen Precht in einer facebook-Gruppe verfolgt.

Ich stelle mir Philosophen optisch immer anders vor, mit kürzerem Haar, dickerem Bauch und eigentlich ganz ohne Gesicht, das liegt an mir, könnte aber einer der Gründe sein, weshalb er fast so oft in Talkshows erscheint wie Sahra Wagenknecht, allerdings unrasiert und ohne Kleid.

Precht natürlich, nicht Sahra.

Diese Diskussion im Forum war derart angereichert mit eklatanten Rechtschreibfehlern, dass ich mir gar nicht vorstellen kann, dass die alle ein Buch von ihm gelesen haben.

„Mengel“, das kann man eben beispielsweise auch falsch verstehen.

Und dann war da noch ein Bericht über posttraumatische Belastungsstörungen, dessen wesentliche Aussage war, dass „manchmal“ das Spielen von Tetris am Computer mehr hilft als das therapeutische Reden über Erinnerungen.

„Manchmal“ könnte in der BILD dann sinnentstellend gefehlt haben, aber wenn man als Computerspiel Tetris wählt, dann kann man sich vorstellen, seit wann die an der Studie gearbeitet haben.

Also, wenn man mal richtig böse sein möchte.

Wobei es durchaus nicht falsch ist, „manchmal“ lieber zu schweigen als zu reden, das haben die bei den Sondierungsgesprächen ja nun auch verstanden.

„Sie kennen mich“ wird trotzdem keinen Preis mehr gewinnen.

Es ist gar nicht so einfach, einen unsachlichen, richtig arroganten, besserwisserischen Text zu verfassen.

Andererseits kann das ja heute jeder Idiot öffentlich tun und das ist auch einer der Gründe, weshalb man denkt, die Welt werde immer schlechter.

Sie war nie anders, nur habe zum Beispiel ich das früher nur einem Betrunkenen am Tresen der Kneipe sagen können.

 

 

Atemlos

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*Atemlos*

Endlich.

Jetzt hat 2018 den ersten, richtigen „Scheißtag“ hingelegt. Das hat auch sein Gutes, denn erstens wollte ich erstmal gar nichts mehr schreiben und zweitens fiel mir sowieso nichts auf oder ein. Aber nun ist das ja schon um die Mittagszeit ein blöder Tag und darüber schreibt es sich besser als über die ersten drei noch guten ‚2018er‘.

Zuerst hatte es in der Nacht geregnet, nicht schlimm aber ausdauernd, eben nördlich, und das Fenster der Fahrertür sollte da doch lieber geschlossen sein. Alles mal wieder nass: Sitz, Boden, Teppich, Parkscheiben und die ganze Ablage in der Tür mit den 20 Stiften und dem Eau de Toilette gegen den Zigarettengeruch.

Zu dämlich. Das Alter.

Meine Hose war dann durch das aufgelegte Handtuch auf dem Sitz auch noch feucht geworden. Bin beim Kaffee nicht aufgestanden, um Gerüchten vorzubeugen. „Kaffee“ kommt vor „Putzen“, ich gehe gern alphabetisch vor, so weit reicht mein Ordnungssinn. Zum Glück liegen Putzen, Saugen und Wischen weit hinten. Bett, Frau, Frühstück, Hund, Kind und Kaffee hingegen nicht.

Also danach wischen, Essig gegen drohende Ränder, alles ausräumen … ein wundervoller Anfang. Jetzt verstehe ich auch, was Sabrina neulich meinte als sie sagte

„…. das muss Du ja alles zum Putzen wegnehmen!“

Dann wollte ich neue Scheibenwischer kaufen, berichte beim Händler vom VW, lege den Schein hin, und sage, dass der ja nicht neu sei. Der hat im Lager lange gesucht und kam mit den ‚richtigen‘ Wischern zurück.

„Volvo meinten Sie, nicht VW, oder?“

Der hatte tatsächlich zugehört aber nichts gesagt, denn ich gab ihm den falschen Fahrzeugschein, die Kennzeichen sind quasi fast identisch. Beim folgenden Anbau habe ich mich dann ungeschickt am Daumen geschnitten, sodass es frisch tropfte. Herrlich so ein 2018er im vierten Aufzug.

Danach mit dem Kind noch ’nach‘ IKEA und ’nach‘ Saturn – so sprechen manche hier – , Kameras testen, das wollte das Kind. Zwar nichts gekauft, aber an der Kasse das typische Piepen zwischen meinen schnellen Schritten, an der Kasse stehen mindestens 20 Kunden.

„Ein Dieb!“

„Dann komm‘ mal mit ins Büro!“ sagt der mächtige Sicherheitsmann im über der Brust gespannten Anzug in coolem Schwarz mit tödlichem Blick. Also mit Kind und Hund ins Büro. Die piepten nicht, die waren etwas befremdet.

Es war dann nur ein Sicherheitsetikett am noch neuen Pullover, aber vor der Piepbarriere musste ich wegen des Kindes eine Schere verlangen, um das vor 20 Kunden zu entfernen. Man steht ja selbst als echter Dieb nicht gern als solcher da.

Als Irrtum aber auch nicht.

„Und beim nächsten Mal bitte ‚Sie‘, der Herr“, habe ich ihm beim Abschied zugelächelt. Immer noch viel Luft in der Brust, als auch er kurz lachte.

An sich bin ich gar nicht so, aber die Pfütze im Auto kann einen ganzen Tag versauen, wenn man ein Sensibelchen ist.

–

Foto vom Ron. 🙂