Pause

Pause


„Wo ist eigentlich das Blei, das Du letztes Jahr besorgt hast?“, fragte die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte.
„Das habe ich im Bücherregal liegen lassen, im Flur.“
Und es liegt noch an *genau* der richtigen Stelle.
Guten Rutschhhhhh für Euch!
…. der Hund hat leider an der „Zeit“ genagt.

„Oma, Du bist hier nicht der Chef!“
….. das soll das kleine Kind im Alter von 4 Jahren bei einer Frage der Organisation im Urlaub bemerkt haben.
Mit dem Organisieren hat man Weihnachten auch gut zu tun gehabt, auch mit dem überreichlichen Essen, ich bin ja immer froh, wenn das vorbei ist und ich mal wieder Haferflocken mit Kaba, Zucker und Milch essen kann. Etwas Vollmilchschokostreusel dazu sind auch optisch eine feine Sache.
Kürzlich hat mir eine mir völlig unbekannte junge Frau geschrieben, dass sie „Ballast abwerfen“ wolle im neuen Jahr. Irgendwie musste ich sie als ‚friend‘ geadded haben obwohl wir gar keine gemeinsamen „Freunde“ haben. Natürlich hat sie die Anfrage nicht positiv beantwortet, aber wir haben ein wenig hin- und hergeschrieben, per „Sie“ natürlich.
Ballast kann wie ein Lächeln sein.
Ballast ist nicht notwendig, auch ein Lächeln bräuchte man ja im Prinzip nicht, wenn es nicht eine Art zwischenmenschlicher Klebstoff wäre …. ohne den alles auseinanderfällt. „Ballast“, die ‚bare Last‘, soll ein Schiff stabilisieren, also ist das dort mit dem „Abwerfen“ nur in begrenztem Umfang eine gute Sache.
Natürlich könnte man sich von schlechten CDs und mehr alten Büchern trennen, aber ich weiß nicht, ob mein Lebensschiff dadurch vielleicht „Schlagseite“ bekäme. Den „Ballast“ im Kopf loszuwerden, ist wohl schwerer, jedoch noch wichtiger.
Das Stichwort „Ballast“ findet sich nur selten in Zitaten, das schönste ist von Gottfried Keller.
„Es ist doch sonderbar, wie auch der vortrefflichste Mensch schlechte Eigenschaften haben muß, gleich einem stolz segelnden Schiffe, welches Ballast braucht, um zu seiner guten Fahrt gehörig schwer zu sein.“
Cathy hat für Silvester eine Holzkiste vorbereitet in die sie mit ihrer Freundin den ‚ganzen Ballast von 2017 gepackt‘ hat. Die wird vor Mitternacht am Strand angezündet oder vergraben, wenn es regnet. Feuer ist an sich die symbolträchtigere Variante.
Manchmal werden auch Kinderworte zu leichtem „Ballast“, aber das spiegelt nur eigene Worte aus der nahen Vergangenheit. Und alles kommt zurück, das ist wunderbar.
„Wer will Wasser trinken? Du? Du hast doch zwei gesunde Füße“, als ich eine Wasserflasche aus dem Keller erbitte. „Es gibt kein schlechtes Wetter“, als es die Inliner bei Regen schnürt. „Was soll ich mit Hilfestellung, ich kann das auch allein lernen“, als die ersten Versuche auf dem Einrad bevorstanden.
Auch schön die kurze Erklärung bei „Activity“ in neuerer Zeit: „Maccaroni ist es nicht, aber es klingt so ähnlich und Papas Lautsprecher ist daraus.“
Das ist nur dann Ballast, wenn man gegen die Kinder verliert.
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*Über Farben, Teil 2 – ‚Schwarz‘*
Der mit dem Vollbart und der hohen Stirn, bei dem ich häufig morgens die frischen Brötchen kaufe, trägt immer das für den Bäcker typische, rot-weiß karierte Hemd. Sehr freundlich und lustig ist er fast immer, nur am Sonntag ist er manchmal unausgeschlafen.
Treffe ich ihn aber draußen vor der Tür -wenn gerade keine Kunden da sind- im schwarzen Mantel mit seinem Espresso und der Zigarette, steht er hoch aufgerichtet und wirkt wie der Leiter der Kreditabteilung der Bank gegenüber.
Und das macht nur der Mantel!
Natürlich steht er dann auch nicht vor den Milchbrötchen.
Die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte, sieht in Schwarz immer umwerfend aus.
Sie ist aber nicht die typische „Frau in Schwarz“. Es gibt jedoch „Frauen und Männer in Schwarz“, ich war selbst auch mal so einer.
Und doch gibt es dabei große Unterschiede.
Es gibt zum Beispiel das „Heavy-Metal-Schwarz“ und es gibt das „Düsseldorf-Schwarz“, das sich durch ein schlichtes schwarzes Kleid auszeichnet, das aber durch eine goldene Handtasche, glitzernde Schuhe und zuviel Lametta seine Nichtfarbe vollständig verliert. Man hätte auch „Audrey-Hepburn-Schwarz“ sagen können, aber dafür sehe ich sie zu gern und liebe das neureiche Düsseldorf zu wenig.
Es geht eher um das Schwarz der Filmschaffenden, der Theaterintendanten, der Kabarettisten, der Architekten und der Philosophen, das sich aus der Schwärze der Lunge Sartres speist.
Da wird Kleidung zum Code, zum Statement, zu einer Art Entscheidung im Leben, es wird selten variiert.
Das sieht natürlich gut aus, aber eine Vernissage mit Dutzenden in Schwarz gewandeten Menschen bekommt auch leicht das Flair einer Beerdigung. Es dürfen nicht zu viele Schwarz tragen, sonst fällt das in der Masse nicht mehr auf und das soll es eigentlich. Zumindest war ich früher der einzige ’schwarze‘ Naturwissenschaftler.
Hätten alle Schwarzes getragen, hätte ich auch vor Weinrot keine Angst gehabt.
Weinrot ist furchtbar, sorry.
In Schwarz lächelt man verhalten und selten. Wissend sozusagen. Wer nur Schwarz trägt, hat etwas Wissendes, Oberschichtiges, sich Abgrenzendes.
Oder zumindest weckt es den Anschein.
Diese „Uniform“ könnte auf Friedrich Wilhelm III, den alten Preußen, zurückgehen.
Der hat Pfarrer, Richter und Professoren zu schwarzer Kleidung verpflichtet. Das waren alles „Akademiker“.
Andere glauben, dass später Sartre und seine Existentialisten, die Gréco und Co das Schwarz der Reformationszeit wieder aufleben ließen.
Kurz, Genaues weiß man halt nicht. „Europäisch“ ist dieser Look meiner Meinung nach jedoch fast immer.
Ich habe früher die praktischen Aspekte herausgestellt, wenn ich nach Gründen gefragt wurde, aber wie immer ist das nur die halbe Wahrheit.
„Positiv“ wahrgenommen wird Schwarz meines Wissens nur in Afrika als Farbe der fruchtbaren Erde und beim Schornsteinfeger als Glücksbringer.
Ansonsten ist es die Abwesenheit von Farbe, die Leere, die Trauer oder das Nichts.
Aber es betont den, der darin steckt.
„Physikalisch gesehen ist Schwarz die Farbe eines nichtleuchtenden Körpers, der alles Licht schluckt. Ein Schwarzes Loch im Universum ist ein Gravitationsfeld solcher Stärke, dass weder Materie noch Licht oder Information ihm entkommen können.“
Schwarzer Peter, schwarzes Schaf oder Schwarzmalerei, Schwarze Magie, positiv ist es kaum. Pessimisten sehen schwarz, Schwarzhandel, Schwarzfahren und die Schwarzarbeit sind verboten. Die schwarze Katze verheißt Unheil.
Andererseits wächst jeder bei Mutti ja zunächst im Schwarz auf, die Dunkelheit könnte man durchaus mit mehr Sternchen versehen.
Trotzdem leben wir in neuen schwarzen Zeiten, weg waren sie selten ganz.
Bei den Farben der Autos gab es Abwesenheit von Schwarz nur in der Zeit als die Taxen dunkel waren. Heute gehört ein Auto im unpraktischen Schwarz zum ‚Style‘, von Knutschkugel bis Oberklasse.
Ein Kanzler im grünen oder roten Auto ist undenkbar, das würde sofort für Spekulationen sorgen. Bei den Grünen passiert das bei schwarzen Autos jedoch nicht.
„Sprachlich verwandt ist Schwarz mit dem lateinischen Wort „sordidus“, es bedeutet schmutzig, gemein und niederträchtig“, das wusste ich nicht.
Der Sensenmann und der Henker kommen ja auch nie in Gelb.
Die Bevorzugung von Schwarz im Kulturbetrieb ist eigentlich kaum zu erklären.
In Italien wurde es zur faschistischen Farbe, vielleicht weil es Stärke und Härte ausdrücken kann. Unter Umständen drückte die Todesfarbe auch aus, dass man bereit war, für seine merkwürdigen Überzeugungen zu töten. Keine Ahnung, auch die Anhänger des sogenannten IS trugen ja bevorzugt Schwarz.
Aber warum auch im Kulturbetrieb?
Selbstdarstellung und Individualität kann man doch auch und gerade durch Farbe zeigen! Würden alle, die sich heute stets dunkel anziehen, plötzlich in Gelb auflaufen, dann hätten wir öfter ein sonniges Lächeln in den Mundwinkeln.
Aber vielleicht soll gerade das nicht sein.
Ernsthaftigkeit, Würde, Unnahbarkeit und Eleganz drückt die Sonnenfarbe nicht aus.
*Über Farben, Teil 1*
Eigentlich ist es sehr schön, sich mit sinnfreien Fragen zu beschäftigen, andererseits ist es interessant, nach Antworten zu suchen, die man nicht braucht. Diese Suche kostet Lebenszeit, aber sinnlos füllt man diese Zeit eher vor dem Fernsehgerät. Farben sind zum Beispiel ein reizvolles Thema, für mich jedenfalls.
Grün, Rot und Weiß, das ist Weihnachten, warum, das muss man ja keinem erklären.
Grün gilt als die Farbe der Hoffnung und des Lebens. Mit einem grünen Baum holt man sich diese Hoffnung ins Haus. Früher waren das in den Wintermonaten auch andere wie Buchsbaum, Eibe, Mistel, Wacholder oder Efeu.
Auf der anderen Seite steht das Grün auch für die Unreife. „Grün hinter den Ohren“, „Greenhorn“ oder „der ist noch zu grün“ sind Beispiele dafür.
Rot, das ist bei mir natürlich zuerst die Sünde, aber es ist auch die Farbe des Blutes und steht in der christlichen Farbenlehre für das Leiden und Sterben.
Rot und Grün sind also Symbole für Geburt und Tod. Das kommt auch in diesen Legenden vor, in denen die Krippe und das Kreuz aus demselben Stück Holz hergestellt wurden. Ist eben alles nur symbolisch.
Nach Weihnachten steht das Rot wieder für „Gefahr“ wie bei Verkehrsschildern oder bei kurzen roten Kleidern. Rot steht auch für die Korrektur in der Schule, es gibt den „Rotstift“, mit dem etwas gestrichen wird, „rote Zahlen“ sollte man nicht schreiben. Das bringt das Blut in Wallung und so müssen auch heftige Gefühle sein: Rot.
Weiß ist der Schnee, den wir selten haben, und rein. Irgendwo in der Bibel steht, dass die Sünde blutrot ist und wieder wie „Wolle“ werden soll, und vermutlich tragen die katholischen Geistlichen deshalb oft Weiß.
Und das, obwohl die ja auch nur Sünder sind.
Die Idee ist trotzdem hübsch. Die Unschuldslämmer sind auch immer weiß.
Blaue Lichterketten zu Weihnachten finde ich schrecklich, aber auch das Blau gehört eigentlich zu Weihnachten, das Blau gehört nämlich auf Bildern immer Maria und ihren Kleidern. Das geht schon Hunderte von Jahren so.
Blau empfinden die meisten Menschen als „kalt“, weil Eis und Schnee bläulich scheinen, die Haut wird in der Kälte auch blau. Dass Maria immer Blau bekommt, liegt vermutlich nur an den Kosten für „Blau“.
Das kostbarste Blau, Ultramarinblau, hatten die Künstler aus dem Edelstein Lapislazuli, also hat Maria das wohl nur bekommen, weil es am teuersten war. Der Stein kam aus Persien oder vom Hindukusch, schon deshalb war das nicht billig. Allerdings gilt Blau auch als „himmlische Farbe“.
Egal, bitte hängt keine blauen Lichterketten auf, kauft Euch lieber einen blauen Mantel.
So, jetzt könnten wir eigentlich weihnachtlich und oberflächlich „durch“ sein, aber leider findet sich das Interessanteste immer abseits des geraden Weges.
Pink, Rosa, Einhörner, das ist nämlich die nächste Frage.
Junge Mädchen lieben Pink, vermutlich auch weil es kaum andere farbige Angebote in Geschäften gibt. Werden sie etwas älter, dann fängt manche erwachsene Frau an, sich für Einhörner zu begeistern. Deren Farbgebung küsst vielleicht die Jugend wach.
Und warum machen sie das?
Weil sie sich aufregen!
Worüber regen sie sich auf?
Über uns, über die Männer!
Vielleicht hoffe ich das auch nur, aber möglich ist es, denn Pink beruhigt. Das sagt jedenfalls der Wissenschaftler Alexander G. Schauss.
Mir ist zwar nicht klar, was der so forscht, aber er hat ein „G-Punkt“ im Namen, deshalb habe ich mir das durchgelesen.
„Sind Sie gereizt? Nervös und angespannt? Spüren Sie Aggressionen in sich brodeln? Dann sollten Sie eine Viertelstunde auf Pink blicken!“
Schauss hat das bei Häftlingen in mehreren Gefängnissen herausgefunden.
„Der Direktor des American Institute für Biosocial Research hatte im Jahr 1979 eine Forschungsarbeit veröffentlicht, in der er von seinen Erfahrungen mit Gefängniszellen berichtet, die in leuchtendem Pink gestrichen waren. Wurden Häftlinge gleich bei ihrer Aufnahme ins Gefängnis nur eine Viertelstunde in diesen Raum gesteckt, verloren sie ihr häufig aggressives Verhalten, berichtete Schauss. Hatte es zuvor mit den Neuankömmlingen regelmäßig Ärger gegeben, herrschte nun Ruhe.“
Wer heute in Pfäffikon in der Schweiz einsitzt und sich aggressiv zeigt, kommt in Zelle 301.
Da gibt es keine beweglichen Teile, aber die Zelle ist in „Cool Down Pink“ gestrichen, komplett. Die Farbe wurde von einer Frau angerührt, die heißt Daniela Späth.
„Ich hier rein? Ich bin doch kein Mädchen und auch nicht schwul“, stöhnen viele der Gefangenen angesichts der Farbe, so berichtet es ein Magazin aus der Schweiz.
Trotzdem beruhigen sich da die schweren Jungs. Es kann aber auch sein, dass sie unter der Farbe so leiden, dass sie lieber schlafen.
Ich weiß auch nicht, ob man solche Farben Strafgefangenen zumuten darf.
Andererseits hat man einen „signifikanten Verlust an Muskelkraft“ beim Armdrücken festgestellt, wenn man einem Probanden ein rosafarbenes Papier vor die Augen hält. Diese Erkenntnis stammt schon aus den 70er Jahren.
Und deshalb mögen viele Frauen Einhörner. Es gibt dafür eine richtige Beruhigungsindustrie.
Die gegnerische Umkleidekabine in Rosa anzumalen, das könnte im Stadion durchaus etwas bringen, weil der Gegner dann weniger aggressiv einläuft.
Das wäre auch etwas für den HSV.

*West und Ost*
So kurz vor dem Fest ist es wichtig, gut geruht zu haben. Andererseits sind die Zeiten unruhig und hektisch. Schnee mildert das ja nicht nur akustisch wunderbar ab sondern auch mental. Aber hier liegt kein Schnee.
Angeblich mache ich beim Einschlafen leichte Geräusche, die die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte, „wahnsinnig“ machen. Man behauptet, dass ich nach dem Ausatmen ein leichtes ‚Pop‘-Geräusch mache, wenn sich meine Lippen minimal öffnen. Ich halte sie vermutlich aus Rücksicht geschlossen um nicht zu schnarchen.
„Wenn Du einfach mal gleichmäßig schnarchen würdest, wäre das besser zu ertragen“, das sagt sie manchmal. Und meine Liebste behauptet, dass sie mich im Fall dieses Falles ganz leicht antickt. Ob das stimmt, das weiß ich nicht, will es jedoch auch nicht anzweifeln, weil ich erst aufwache, wenn sie wie ein Pferd nach hinten austritt. Leicht ist es mit mir bestimmt nicht, mein Schlaf kommt schnell und geht in die Tiefe.
Ich selbst würde mich darüber freuen, über diese kleinen Rücksichtsgeräusche mit einem ‚Pop‘ oder ‚Plopp‘.
In geringer Entfernung führe ich mitten in der Nacht nämlich eine Art stillen Zweifrontenkrieg. Links, im Westen, träumt meine Frau von Kanada und betätigt sich als Rafterin, sie macht Holz, Ebenholz, wie es ihr geziemt. Ihre Säge ist klein und elegant wie ein Florett, aber durchaus wahrnehmbar. Ich würde sie während der Arbeit niemals wecken, ticken oder treten, ich stehe auf und warte bis sie danach ein Lagerfeuer entzündet. Das Knistern ahmt sie auch nach, dabei kann man gut ruhen. Rechts liegt aber der kleine Hund schräg unter meinem Bett in Höhe des Kopfkissens. Die Ostfront sozusagen. An sich ist es mir lieber, wenn er weiter entfernt am Fußende in meinem Bett ruht und mich an den Rand drängt. Das ist immer noch besser als seine Flatulenzen. Dass man davon aufwacht, ist erstaunlich. Ob ich Bauch- und Rollmassagen versuchen sollte?
Ich habe schon versucht mit Gehörschutz ‚gegen Kanada‘ zu schlafen. Eine Nasenklemme hilft ‚gegen das Tier‘ und verhindert mein „Pop“ zuverlässig, aber ich kann damit nicht erholsam schlafen. Sollte ich dann auch noch im Schlaf sprechen, könnte der Hund denken, sein Herrchen mutiere nachts zum Franzosen.
„Enttäuschung“
Man sagt, man „entflust“ einen Pullover, also entfernt man Flusen. Man „entfeuchtet“ den Keller oder irgendetwas, also wird die Feuchtigkeit entfernt.
Und heute habe ich gelernt, dass man auch eine „Enttäuschung“ in diesem Sinn *positiv* verstehen kann, weil nämlich eine ‚Täuschung‘ entfernt wird. So hatte ich noch nie gedacht.
Und das sagt auch Wikipedia, habe das extra nachgelesen:
„Eine Enttäuschung bezeichnet das Gefühl, einem sei eine Hoffnung zerstört oder auch unerwartet ein Kummer bereitet worden. Das zugrundeliegende Verb enttäuschen wurde im 19. Jahrhundert als erfolgreiches Ersatzwort für die aus der französischen Sprache entlehnten Fremdwörter „detrompieren“ (détromper) und „desabusieren“ (désabuser) gebildet. Es hatte zunächst die positive Bedeutung „aus einer Täuschung herausreißen“, „eines Besseren belehren“. Der negativen Bedeutung von „täuschen“ folgend, entwickelte sich der negative Sinngehalt als „einer Erwartung nicht entsprechen“.“
Das zählt nicht richtig, das ist nur aus Speicherungsgründen hier, damit ich mir das für den Fall des Falles merken kann.

„An Weihnachten“
…. es heißt „an der Wand“, aber ‚zu Weihnachten‘. Das schreibe ich jedes Jahr …. aber es wird trotzdem schlimmer.
Jedenfalls haben wir kürzlich mit Sylvia aus Kalifornien über das „typische deutsche Weihnachtsfest“ gesprochen. In ihrer Wahrnehmung ist das komplett durchstrukturiert und folgt Traditionen, die sich durch eine deutsche ‚Strenge‘ auszeichnen. Es gab einen Spielfilm, der dieses Gefühl bei ihr verstärkte. Da wurde alles „zackig“ gemacht. Kompletter Unsinn! Amerikanische Weihnachtsbäume sehen viel unpassender aus. Jedenfalls die in Filmen, wie im Zirkus.
Heute bin ich über einen Artikel über Zwangsehen gestolpert, weil ich nämlich „Zwang-sehen“ gelesen habe. Und so ist Weihnachten zum Teil auch, mit leichtem Zwang überpudert.
Die besten Momente sind:
Wenn die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte bei der fünften Nachfrage ’so, gut‘ sagt, weil der Baum dann gerade steht, wenn man in der Kirche kein Wort versteht, wenn ich bei irgendeinem Lied das erste Mal „weihnachtliche Stimmung“ in der Kirche bekomme, wenn die Kinder mit der Glocke ins Wohnzimmer gerufen werden, wenn ich den Papiermüll in die Tonne gebracht habe, wenn Kinder sich über irgendein Kleinteil mehr freuen als über ein großes Geschenk und wenn am nächsten Tag auf dem Tisch die Gans mit einem elektrischen Messer zerlegt wird und meine Tochter sagt, es sei „wie bei Börne“.
Wenn etwas davon fehlt, fehlt was.
Passiert aber nie.

*Horoskope*
Mit Horoskopen, Wahrsagerei und Graphologie kann ich leider relativ wenig anfangen. Das geht vermutlich recht vielen Menschen ebenso, aber trotzdem lesen sie das Horoskop in der „Gala“, der „Grazia“ oder in der Tageszeitung. Es wird nicht mehr lange dauern und die Presseerzeugnisse werden vor Jahreshoroskopen überquellen.
Und weil ich gern etwas Fundiertes lese, habe ich jetzt eine ‚Persönlichkeitsanalyse‘ in Auftrag gegeben, um mich besser kennen zu lernen.
Hier das Ergebnis:
„Sie sind auf die Zuneigung und Bewunderung anderer angewiesen, neigen aber dennoch zu Selbstkritik. Ihre Persönlichkeit weist einige Schwächen auf, die Sie aber im Allgemeinen ausgleichen können. Beträchtliche Fähigkeiten lassen Sie brachliegen, statt sie zu Ihrem Vorteil zu nutzen. Äußerlich diszipliniert und selbstbeherrscht, neigen Sie dazu, sich innerlich ängstlich und unsicher zu fühlen. Mitunter zweifeln Sie stark an der Richtigkeit Ihres Tuns und Ihrer Entscheidungen. Sie bevorzugen ein gewisses Maß an Abwechslung und Veränderung und sind unzufrieden, wenn Sie von Verboten und Beschränkungen eingeengt werden. Sie sind stolz auf Ihr unabhängiges Denken und nehmen anderer Leute Aussagen nicht unbewiesen hin. Doch finden Sie es unklug, sich anderen allzu bereitwillig zu öffnen. Manchmal verhalten Sie sich extrovertiert, leutselig und aufgeschlossen, dann aber auch wieder introvertiert, skeptisch und zurückhaltend. Manche Ihrer Erwartungen sind ziemlich unrealistisch.“
Ich fand mich ziemlich gut getroffen. 🙂
Vielleicht denkt Ihr jetzt, dass das auch zu einem guten Teil auf Euch selbst zutrifft. Das wäre ziemlich normal, denn das geht vielen Menschen so. Zugegeben, es ist auch gar nicht die Analyse meiner „Persönlichkeit“. Das ist nämlich nur ein Text aus dem Internet, mehr nicht.
Bertram R. Forer hat 1948 ein Experiment gemacht, in dem er seine Studenten einen angeblichen „Persönlichkeitstest“ machen ließ. Danach gab er jedem Probanden den obigen Text und bat sie auf einer Skala von 0 bis 5 einzuschätzen, inwieweit der Text auf sie zutrifft. Der Durchschnitt lag bei knapp 4,3 Punkten, die ‚Auswertung‘ wurde also mehrheitlich als zutreffend bewertet obwohl jeder Student exakt dieselbe Analyse erhalten hatte. Den Text hatte Forer aus Zeitungshoroskopen zusammengestellt, seinen Text habt Ihr oben gerade gelesen. Der Test ist später oft wiederholt worden und immer lag das Durchschnittsergebnis über 4!
Solche Werte würde eine Beschreibung vom eigenen Lebenspartner übrigens kaum erzielen.
Es handelt sich um den „Barnum-Effekt“:
„Er bezeichnet die Neigung von Menschen, vage und allgemeingültige Aussagen über die eigene Person so zu interpretieren, dass sie als zutreffende Beschreibung empfunden werden.“
Psychologen sprechen von „persönlicher Validierung“, damit hier ein Fremdwort die Glaubwürdigkeit erhöht. Benannt wurde der Effekt nach dem Zirkusgründer Phineas Taylor Barnum, der mit seinem Zirkus „jedem Geschmack“ etwas bieten wollte. Den Phineas habe ich kürzlich entdeckt, weil er mit seinen letzten Worten vor dem Tod fragte, wie die Tageseinnahmen waren.
„Allen Barnum-Aussagen ist gemeinsam, dass es ihnen an Objektivität und Falsifizierbarkeit mangelt. Sie betonen vor allem Aspekte, die allen Menschen gemeinsam sind, oder Eigenschaften, die alle Menschen gerne besitzen würden.“
Dabei sind die Interpretationen natürlich subjektiv. „Sie gehen nicht gern große Risiken ein“ wird von ‚ängstlichen‘ wie auch von ‚mutigen‘ Personen als ‚passend‘ empfunden. „Großes Risiko“, damit ist unklar, was gemeint ist und vermutlich deutet es der Leser als „Risiko, das ich meiden würde“. Dann passt das irgendwie immer.
Also, wie wird ‚es‘ noch gemacht?
Jeder sucht Sicherheit, also hat jeder Ängste. Weit verbreiteten Wunschvorstellungen wie „mehr Geld“, „große Liebe“ oder „gute Arbeit“ wird zusätzlich meistens zugestimmt.
„Sie sind manchmal etwas unsicher, finden aber zum Schluss gute Lösungen“, das verbindet dann noch die Bandbreite von „unsicher“ bis „lösungsorientiert“ und jeder findet da einen Ort im Satz, an dem er sich wohlfühlt.
Und weil das Ganze einen ‚Wohlfühleffekt‘ haben kann, werde ich das neue Jahreshoroskop jetzt doch lesen.

„Do jit et nix ze kriische“
…. so waren jedenfalls Adenauers letzte Worte.
„Wie waren die Einnahmen heute im Madison Square Garden?“ fragte hingegen Phineas Taylor vor seinem letzten Atemzug.
„Wer ist da? Wer ist da?“ ist von Billy The Kid überliefert. „Ich wünschte, ich hätte die Zeit für wenigstens einen weiteren Teller Chili“, so Kit Carson.
„Schade, schade, zu spät!“, sagte Beethoven, weil er die letzte Lieferung Wein nicht mehr genießen konnte. Johannes Brahms war da glücklicher als er „O, das schmeckt gut. Danke!“ zu seiner Krankenschwester sagte, die ihm ein Glas Wein gegeben hatte und verschied. Also er. Tschechow kam nicht mehr zum Trinken „Ich habe so lange keinen Champagner mehr getrunken.“
Oscar Wilde blieb auch am Ende bei Fragen des Stils: „Meine Tapete und ich kämpfen ein Todesduell. Entweder sie muss gehen oder ich.“
Langeweile wird von einigen anderen beklagt.
Feynman, Richard, der große Physiker, sagte „Mir würde es gar nicht gefallen, zweimal zu sterben. Es ist so langweilig.“ Ebenso erging es Churchill: „Alles langweilt mich.“
Einsteins letzte Worte auf Deutsch konnte die ihn pflegende amerikanische Krankenschwester leider nicht verstehen.
Unter Königen und Königinnen bleibt man auch zum Schluß adelig: „Kleiner Mann, kleiner Mann, das Wort »müssen« ziemt sich nicht, wenn man mit Fürsten spricht.“ Das sagte Elisabeth I. zu Robert Cecil, nachdem er zu ihr sagte, sie müsse sich nun ins Bett begeben. Karl II. von England dachte zuletzt an seine Mätresse „Lass die arme Nelly nicht verhungern.“
Goethe ist ein schwieriger Fall, die Quellen widersprechen sich teilweise.
„Macht doch den zweiten Fensterladen auf, damit mehr Licht hereinkomme.“ Oder nur „Mehr Licht!“ … das weiß man nicht. In seiner Heimatstadt Frankfurt erzählt man sich jedoch, dass Goethe eigentlich sagen wollte: „Mer lischt hier so schlescht.“ Das kann man für einen Hochdeutschen als „Man liegt hier so schlecht“ deuten.
Große und kleine Worte von Hinrichtungen.
Marie Antoinette zu ihrem Henker, dem sie auf den Fuß getreten hatte: „Mein Herr, ich bitte Sie um Verzeihung, ich tat es nicht mit Absicht.“
„Danke, mein Herr!“ sprach Robespierre vor seiner Guillotinierung ein Jahr später nachdem man ihm ein Tuch reichte, um das Blut aus seiner Schusswunde am Kiefer aufzufangen. Kurios ist das deshalb, weil man während der Revolution „Bürger“ sagte und nicht „Herr“.
Mata Hari ließ sich vom Offizier des Exekutionskommandos einen Spiegel reichen, puderte sich und sagte höflich die letzten Worte: „Danke, Monsieur.“
„Störe meine Kreise nicht!“
Das soll Archimedes einem römischen Soldaten zugeraunt haben, als der ihn bei der Eroberung von Syrakus in einem Garten entdeckte und erstach. Archimedes grübelte gerade über geometrischen Figuren, die er in den Sand gezeichnet hatte.
Auch ärgerlich klingende Abschiedworte sind verbürgt.
„Laßt mich in Ruhe!“ – Bertolt Brecht
„Pfui Teufel!“ – Karl Kraus
„Scheiße auf die ganze Gesellschaft. Scheiße auf alles, was unwichtig ist.“ – Jean Miró
Bewusst Versöhnliches und Schönes ist eher selten
„Du bist wunderbar“, so Arthur Conan Doyle zu seiner Frau Jean.
Steve Jobs: „Oh wow. Oh wow. Oh wow.“