Über Blockaden

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*Über Blockaden*

Wenn ich überhaupt keine Lust habe, irgendetwas zu tippen, dann könnte man, diese Unlust problematisierend, von einer Schreibblockade sprechen. Wenn ein bekannter Autor so eine Blockade hat, dann wird das ja als Problem betrachtet. Man vergisst dabei jedoch, dass das für seine Leser ein wahrer Segen sein kann.

Es ist sozusagen wie mit Ronaldo. Wenn der ein halbes Jahr keinen Ball trifft, dann leidet der ganz furchtbar, macht aber gleichzeitig Millionen von gegnerischen Fans in aller Welt durch sein Schußpech zu glücklichen Menschen.

Oder wie früher:
Die Biologielehrerin hatte nicht den leisesten Schimmer, welch große Glücksgefühle ihr grippaler Infekt bei riesigen Horden junger Menschen auslösen konnte. Vor der Tafel mit den Planänderungen und Stundenausfallsmeldungen waren laute Freudenausbrüche nicht üblich. Man freute sich erst drei Schritte weiter. Aber dann so richtig dolle.

Und wenn Ihr jetzt einen Schnupfen habt, dann macht Ihr damit bestimmt auch jemanden glücklich.

 

Über Schnee

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*Über Schnee*

Im Prinzip liebe ich den Winter. Dieser weiche, pudrige Schnee segelt so herrlich dahin. Heißer Tee und knackige Kekse am glühenden Kamin! Ein Traum! Und dieses Weiß! Jede Farbe fällt doppelt auf und diese Winterwelt beruhigt das Auge.

Schnee schippen, feuchte Hosenbeine, Salzränder auf Stiefeln, Schnee auf der Brille, Dunkelheit am Morgen, nun, das gehört dazu und ich könnte darauf verzichten.

Das Wichtigste am Winter bleibt aber der „Klang vom Schnee“. Also nicht eigentlich der ‚Klang‘ sondern, dass alles so still wird und der Schnee so viel motorisierten und verbalen Müll verschluckt.

Klanglich perfekt sind Konzerte nur im Schnee.

Über Abendroben

 

*Über Abendroben*

Es ist nun wahrlich nicht mein Metier, über Abendkleidung von Frauen zu schreiben. Aber wir sind hier ja ganz ‚privat‘ und ganz ‚unter uns‘.

Kürzlich stolperte ich über zwei Kurzmeldungen zum Thema:

Jennifer Lawrence, …. ich hätte die ja nicht einmal erkannt, aber es stand im Titel … posierte im schwarzen Kleid von Versace in eisiger Kälte neben Herren in Wintermänteln. Daran wurde Kritik geübt, welche weiß ich nicht mehr, es war schon schwierig genug, das Foto wiederzufinden.

Die zweite betraf das Kleid der Dame Lena bei der Berlinale. Erstens sei die Farbe ‚falsch‘ gewesen und der Ausschnitt zu tief, zweitens habe sie den Filmstars in Berlin „die Show gestohlen“ und drittens werde nun nur über ihr Kleid geschrieben statt über die Filme.

Mein Gott, bin ich froh, dass ich nicht jung, weiblich und bekannt bin und mir das so widerfährt.

So viele Regeln, die da für die Klamottenwahl aufgestellt werden, natürlich für ‚andere‘, das ist doch arg spießig bis puritanisch. Wenn ich das richtig verstanden habe, kam öffentliche Kritik auch noch schwerpunktmäßig von Frauen.

Muss ich das verstehen?

Nicht, dass das nun falsch ankommt, ich finde weder Kleid 1 noch Kleid 2 besonders toll, beide Frauen sehen im weniger auffälligen Dress viel besser aus.

 

Über Fliesen

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*Über Fliesen*

Also ‚gefühlt‘ kann sich die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte, seit Monaten nicht für eine Sorte Fliesen für Eingang, Gästebad und Küche entscheiden.

In Harrys Fliesenmarkt habe ich gestern gefragt …. nachdem ich wieder 5 andere Musterfliesen zum Mitnehmen im Arm hatte:

„Wie lange brauchen eigentlich andere Kunden für die Auswahl eines Bodenbelages? Auch so lange wie wir?“

„Das ist ganz unterschiedlich, Herr Bruno. Manche gehen nach 15 Minuten mit dem Bestellschein wieder …. und andere ….. *wohnen* quasi hier, die kenne ich dann schon mit Namen. Auch, wenn die noch nie etwas gekauft haben.“

Er kennt meinen Namen und wir wohnen bei Harry. Den Hund lassen wir da frei laufen, der kennt sich dort aus.

 

 

 

 

Gestern beim Mathetraining

 

*Gestern beim Mathetraining*

Da waren wieder einige, die etwas ‚trainieren‘ wollten. Auch so eine ganz junge, die kam mir sogar irgendwie bekannt vor und ich fragte:

„Ach, Du warst doch schon mal hier, oder?“

„Martin, ….. ich bin doch Jenny! Ich bin doch ganz oft hier, meistens mit Lilli und Jonny!“

Dann hob sich mein geistiger Vorhang. Natürlich war Sie ganz oft da, aber stark geschminkt sah sie immer aus wie ein Vamp von 25. Und gestern ungeschminkt war Jenny reale 17. Was sagt man denn in so einer Situation?

Voll peinlich.

–

Heute am Morgen musste ich noch Schnee fegen und hatte den kleinen, schwarzen Hund kurz im Schatten an der Tür angeleint. Als ich dann 8 Meter entfernt den Nachbarn gegrüßt hatte und er seine Autotür aufschloss, sagte ich noch:

„Geht gleich los, Dickie!“

„Bitte?????“ ….. fragte der junge, leicht runde Nachbar zurück.

„Ups, sorry, ich spreche mit dem Hund!“

Voll peinlich.

 

Ein Buch im Winter

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*Ein Buch im Winter*

Alles, wirklich alles, hat Vor- und Nachteile.

Winter ist zum Beispiel schön, Schnee und Eis, ich liebe das bis zu einem gewissen Grade. Tee trinken, ins Kaminfeuer blicken, einen warmen Hund auf die Füße legen, wunderbar. Ehrlich gesagt endet dieses wohlige Gefühl aber oft an der Schwelle der Haustür. Und das speziell dann, wenn die Nachbarn „geräumt“ haben und mit Salz und Sand die Wege rutschsicher machten. Wer geht über Splitt, Sand und Salz? Also ich nicht, ich weiche dem aus, ich gehe auf dem festgefahrenen Schnee auf der Straße! Salz ist schlecht für Lederschuhe und den Sand trägt man im Profil nach Hause. Höchst unpraktisch. Natürlich würde ich mich auch über Leute beklagen, die überhaupt nicht räumen.

Auf Deutsch:
Alle sollen es genau so machen wie ich selbst. Schnee räumen und dann fegen, bis es rutschsicher ist.

„Alle sollen so sein wie ich“ ist auch so eine Krankheit unserer Zeit.

Und gestern wollte ich mir das 500seitige Buch vom kleinen Kind ausleihen. Die hatte das regelrecht verschlungen und ich wollte gern die ersten 20 Seiten lesen.

„Ja, ok“, sagte das kleine Kind und legte mir das dicke Taschenbuch in die Hände.

„Es wird nicht ‚aufgebogen‘! Du benutzt ein Lesezeichen, bitte! Keine Knicke in den Seiten! Du lässt es nicht aufgeschlagen umgedreht liegen! Beim Lesen wird kein Kaffee getrunken! Auch nicht essen, ich will keine Kekskrümel in meinen Büchern! Und wenn Du es mitnimmst, steckst Du es in eine Tüte!“

„Würdest Du mir erlauben, Dir lieber gleich dasselbe Buch nochmal zu kaufen?“

„Nein, dann sieht das ja ‚ungelesen‘ aus!“

Es ist etwas schwierig, wenn man erkennt, dass man gewisse Grundhaltungen auf folgende Generationen überträgt.

 

Medien

 

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*Medien*

Wusstet Ihr, dass es links- und rechtsdrehende Milchsäure gibt? Vermutlich, aber so wichtig ist das auch nicht. Es gibt aber auch links- und rechtsdrehende Bücher! Wenn ein deutsches Buch im Regal steht, muss man den Kopf nach links neigen, wenn man den Buchrücken lesen will. Dann spricht man von einem „linksdrehenden“ Buch. Das gilt für knapp 90% aller deutschen Bücher.

Englischsprachige Bücher hingegen sind fast ausschließlich „rechtsdrehend“. Das ist auch viel praktischer, denn wenn man Bücher liegend stapelt, dann kann man so den Rücken ohne Kopfstand lesen und hat trotzdem den Titel oben liegen.

Blöd ist es vor allem, wenn man deutsch- und englischsprachige Bücher nebeneinander im Regal stehen hat, dann bekommt man schnell Kopfschmerzen von der ständigen Kopfbewegung. Davon lebten früher einige Physiotherapeuten und die Produzenten von Schmerztabletten. Vermutlich gab es deshalb früher auch mehr Apotheken.

Bei CDs hat sich meines Wissens die rechtsdrehende Variante weitgehend durchgesetzt.
Aber wer hat heute noch viele CDs im Regal? Die jüngeren nicht. Wer steht noch vor Regalwänden mit Büchern? Wer liest sie noch?

Ich glaube nämlich, dass die Apotheker und die Physiotherapeuten das Handy erfunden haben! Alle sitzen immer mit geneigtem Hals, das erzeugt Verspannungen und auf die Dauer Schmerzen! Viel schlimmer ist vielleicht noch, dass das Hirn dadurch schlechter durchblutet werden könnte.

Das ist ein weltweites Phänomen:
Geringere Durchblutung im Hirn!
Durch’s Handy?

Bei mir ist das so.

 

80

 

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*80*

So ein 80. Geburtstag ist eine feine Sache, Reden, Musik, Gedichte für den Jubilar und natürlich viele Erinnerungen.

Leider wird oft das Essen zu einem weiteren Schwerpunkt, jedoch zu einem der weniger beschwingten Art.

Und so gab es vier sahnige Torten, von „Marzipan-Nuss“ über „Friesen“ bis zu „Herren“, dazu Blechkuchen, eine große Platte, und separat Fruchttörtchen, davon aber nur ein Dutzend. Unter den Früchten leider ein verborgener Sahnehaufen, der war zunächst unsichtbar geblieben. Dazu noch ein wenig Schokogebäck. Nach dem ersten Blick auf die Offerte war ich satt.

Das waren also rund 70 Stück Torte/Törtchen beziehungsweise Kuchen.

Drei Stunden später dann die kalten Platten von Lachs bis Käse. Reichlich. Für „danach“ hatte die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte, 60 Nachspeisen vorbereitet. 30mal „mousse au chocolat“, 30mal „Quark-Mascarpone-Creme“ mit „Mango-Maracuja-Topping“.

Also zusammen eben 60 Stück.

Insgesamt waren ca 60% übrig und mussten dann mal wieder eingepackt werden.

Wir waren übrigens 12 Personen, dazu 2 Kinder und ein kleiner Hund. 🙂

 

Früher gab es mehr Apotheken

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*Früher gab es mehr Apotheken*

Jedenfalls habe ich als Kind und Jugendlicher gedacht, dass die Leute offenbar ziemlich oft krank sind und dass Apotheker damit ihr Geld verdienen.

Heute sind die Apotheken rarer geworden, ebenso wie Tankstellen, Plattengeschäfte und Buchhandlungen.

Das Wort ‚Plattengeschäft‘ versteht das kleine Kind nicht einmal.

Und auf meinem 800m langen Fußweg in die Innenstadt glotzten mich die Schaufenster von elf Frisören, vier Thai-Massage-Salons und drei Nagelstudios an.

Dazu kommen Legionen von Fitness-Studios am Rande der Stadt, die körperliche Schönheit und ein ewiges Leben verheißen.

Dazu passen dann wieder die vielen Parship-Werbeplakate, vor denen ich oft überlege, welche Schauspieler das wohl sein mögen bevor mir der Schriftzug auffällt.

Vielleicht ‚bringt‘ es auch mehr, weniger die Nägel zu machen, weniger den Body zu optimieren und dafür etwas mehr mit anderen herumzuhängen als den Partner bei Agenturen zu suchen.

Jedenfalls habe ich bislang niemanden getroffen, der seinen Partner beim Coffee-to-go auf der Straße kennengelernt hat. Da helfen auch keine Werbefotos in sozialen Netzwerken.

Und wenn ich jetzt so denken würde wie früher über die Vielzahl an Apotheken, dann könnte ich denken, das Selbstoptimierung das Thema der Zeit ist.

Oder dass viele Menschen mit sich selbst nicht so richtig zufrieden sind. Aber das tue ich nicht.

Wachsen Haare heute eigentlich schneller als früher?

–

Foto vom Ron. 🙂