Regentage

*Regentage*

Regen kennt ja viele Ausprägungen.

FB_IMG_1500793813677-1Wundervoll ist so ein richtiger Platzregen. Wenn es rauscht und prasselt wie bei einem Applaus, das ist auch klanglich ein Genuß. Natürlich ist es unter einem schützenden Dach noch schöner.

Nass wird man ja nicht unbedingt gern.

So richtig schön ist ein ‚Zwischenregen‘ eigentlich nie, so ein Regen wie eine „Übergangsjacke“, ein Nieselregen. Bei dem weiß man nie, ob man dem Schirm aufklappen soll oder nicht. Bei zu wenig Regen mit einem Schirm herumzulaufen, das finde ich stets etwas peinlich. Sozusagen wie Schirm mit Blumenmuster, den ein muskulöser junger Mann bei 10 Tropfen pro Minute trägt.

Das kostet optisch jeden Muskel und killt alle Tattoos.

Nieselregen ist weder beschützt noch unbeschützt schön, weil sich der Himmel nicht entscheiden kann.

„Zu wenig Wetter“ könnte man dazu sagen.

Nieselregen ist wie ein schwelender Streit, der nicht ausgetragen wird. Platzregen, der klärt wenigstens die Luft, auch bei einem Streit!

Wenn Arbeit über lange Zeit wie ein Nieselregen im Norden ist, dann ist das nur schwer mit guter Laune zu ertragen. Schirm passt ja nicht, aber nass wird man trotzdem nach einiger Zeit.

Politessinnen werden zum Beispiel auch bei Sonne symbolisch immer nass. Wie nennt man eigentlich einen Mann, der Politessin ist? Polit?

Kürzlich traf ich drei vom Nieselregen ihrer Arbeit nass gewordene junge Frauen, die es trotzdem schaffen, ihre gute Laune überwiegend zu behalten. Alle drei tragen ein Lächeln in den Augenwinkeln, das kein Regen wegbekommt!

Und alle drei hören oder lesen täglich irgendwelche Beschwerden.

Beschwerden sind ja total in Mode gekommen.

Die eine sitzt am Ende einer Beschwerdehotline und muss immer sagen, dass sie ‚das gut nachempfinden kann‘, was der Anrufer sagt, obwohl sie den Hörer gern oft an die Wand schleudern möchte. Ich habe sie auch mal spaßeshalber angerufen, um zu sagen, dass die Zapfsäule Nr. 3 an einer Tankstelle nicht so gut funktioniert wie die anderen fünf. Sie wollte sich des Problems ‚annehmen‘, hat aber nicht gesagt, dass ich wohl einen an der Waffel habe, deshalb in der Deutschlandzentrale von Esso anzurufen. Das wäre angemessen gewesen.

Die zweite hört sich geduldig die unsinnigen Klagen von Mietern über quietschende Schubladen ihrer Nachbarn an. Ein wenig Öl oder meinetwegen auch Gleitcreme hätte dem Nachbarn mehr geholfen. Aber darauf kommen die Leute nicht und sie kann das auch nicht empfehlen, weil es sonst ein Gewitter gäbe.

Die dritte ist noch neu im Nieselregen, sie ist die Tochter der jungen Frau mit den Schubladen. Sie betreut Schülerfahrten und hört sich Probleme von Eltern zwanzigjähriger junger Männer an, die sich seit zwei Tagen telefonisch nicht von der Algarve gemeldet haben. Sie muss dann im Hotel anrufen und fragen, ob die schon eine Leiche gefunden haben. Das können besorgte Eltern an sich auch selbst machen.

Aber so richtig anstrengend wird Nieselregen erst, wenn er tropfenweise auf eine „Beziehung“ regnet.

Da werden kleine Tropfen auf die Dauer zu vielen schweren Steinen. Das gibt es viel öfter als man denkt. Ich höre davon ziemlich oft.

Fast so oft wie es im Norden Nieselregen gibt.

–

„… and the rain sounds like a round of applause“, das ist -natürlich- von Tom Waits.

Auf der Hallig

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*Auf der Hallig

Wir leben jetzt auf einer Hallig!

Es bleibt nordisch, grün und windig.

Alles, alles ist plötzlich so weit weg, ein ganz neues Leben. Fast wie früher. Wir backen Kuchen, wir kniffeln und spielen Karten. Gern versuche ich zu gewinnen, aber oft hilft nicht einmal der vierte Wurf oder das Ziehen von zwei Karten zur Rettung der männlichen Ehre.

Das mit dem vierten Wurf ist natürlich lächerlich platt, aber beim Rommé vom Stapel eine Karte mit einem angefeuchteten Daumen von unten zu fassen ohne sie anzusehen, nur ganz kurz zu greifen und wieder zum weiteren Nachdenken auf den Stapel zurückzulegen um …. danach zwei zusammen pappende zu ziehen, …. das macht sogar Freude, wenn man verliert.

Ach, der „Umzug“.

Natürlich leben wir nur symbolisch auf einer Hallig, denn das Transportmittel in die andere Welt war nur ein defekter Router. Kein Telefon, kein TV, keine weltweite Vernetzung der Playstation, kein WLAN, nix.

Wunderbar.

Das kleine Kind hatte sich allerdings nach der morgendlichen, digitalen Hiobsbotschaft bereits auf dem Weg von der Schule das Passwort des Netzes der kleinen Nachbarin besorgt.

„Nach der – auf dem – von der – das – des – der“, sorry, das war mühsam, aber so ist eben das Deutsche. Kompliziert, aber beim zweiten Lesen halb verständlich.

Sie gibt es, das Wort, nicht weiter, sie hat offenbar ein Gelübde abgelegt und sie brauche es auch „nur für die Uploads bei Instagram“.

Das würde Oma überhaupt nicht verstehen und die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte, denkt auch zunächst an Instantkaffee. Das Netz ist jung und wir sind die Alten.

Ich lese auch wieder die ganze Tageszeitung, sogar die Traueranzeigen. Für den Router habe ich keine geschaltet, obwohl der ja heute schnell zu einem Familienmitglied wird.

Aber wenn der weg ist, bleiben die Augen trocken.
Erstmal.

 

 

 

 

Putzen am Seelenheil

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*Putzen am Seelenheil*

 

Es ist ganz einfach zu erkennen, wie es jemandem so geht. Man braucht einen Blick für die Schuhe und einen für das Auto, also zwei. Das gilt jetzt auch nur für Männer. Geht es um Frauen, muss man in ein Schuhgeschäft gehen. Da kommen sie oft selig lächelnd heraus, auch wenn das ein Klischee ist. Es ist so bis die am ersten Abend doch zu klein sind.

Geputzte Schuhe und ein sauberes Auto bedeuten bei einem Mann, dass der viel Nachdenkzeit braucht. Nirgendwo kann man besser denken als wenn man beschäftigt erscheint mit Dingen, die fast automatisch von der Hand gehen und in geringstem Maße körperliche „Anstrengung“ erfordern.

Männer denken meistens an Wochenenden nach, jedenfalls sehe ich zu 95% Männer an Waschanlagen. Fast liebevoll wienern sie gedanklich nach. Sie streicheln auch Kotflügel. Dabei sprechen wir nicht, also es ist jetzt kein Schweigen, aber eben keine Lust zum Sprechen. Wenn man im Supermarkt danach endlich doch sprechen muss, so etwas wie „Mit Karte, bitte!“, dann ist die Stimme richtig rauh und die Lippen kleben etwas.

Manchmal steht eine Frau beim Waschen daneben und sagt ihm, wohin er seinen Strahl richten soll. Der schaut dann oft unglücklich. Wir entscheiden gern selbst in Kleinigkeiten. Wir Männer. Wir würden auch kein Auto putzen, wenn unsere Frau sagt: „Mach‘ bitte mal das Auto sauber.“ Ich würde dann zu einer Tankstelle fahren und für 4,99€ einmal ohne Trocknen durchbürsten.

Ich kann gute Schuhe sogar zweimal am Tag putzen. Und „Waschanlage“ gilt nur, wenn man drin sitzen bleiben kann.

„Selbstwaschanlage“ ist als Wort irreführend, denn die wäscht ja nicht selbst. Aber die meine ich eigentlich, die „Selbstwaschanlage“.

Mann reinigt sich innerlich mit.
Insofern ist das wiederum nicht ganz falsch mit dem „Selbst“.

„Duwaschanlage“ ist vom Wort her schon besser.
Aber das ist anderweitig missverständlich.

Was könnte man zum Denken als Mann noch machen? Und wobei denken Frauen nach?

 

Eine Frage von Gewalt

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*Eine Frage von Gewalt*

Man ist heute weniger „draußen“ habe ich den Eindruck, Spielplätze sehe ich meist verwaist, ich würde auch nicht wissen, wo sich Jungs ohne Vereinsorganisation zum Kicken treffen. Früher gab es auch die eine oder andere harmlose Rauferei zur Klärung der Frage, ob der Ball nun „drin“ war oder nicht. Wir hatten oft nur zwei Jacken als Pfosten auf den Rasen gelegt. Da stellte sich die Torfrage schon ab und an.

 

Ich habe tatsächlich später, dennoch schon vor vielen Jahren, einmal geboxt. Zwar nur auf einen 70kg schweren Boxsack, aber das war die reine Freude. Heute ist mir das zu anstrengend. Die Bequemlichkeit hat Schuld, nicht ich.

Man tippt heute eben mehr auf dem Handy herum, mache ich ja auch, aber zum Abreagieren zu schreiben, das bringt es nicht so ganz.

Probleme werden friedlich im Gespräch geklärt, die Erziehung ist gewaltfrei, man meditiert, findet oder sucht die innere Mitte, liest Ratgeber bei Problemen, alles schön und gut, aber wohin mit dem, was auch mal „raus“ muss? Schon lautes Atmen ist heute mit schlechtem Ansehen behaftet.

Laufen macht müde, mehr nicht, das Stemmen von Gewichten ebenso, aber da geht es meiner Meinung nach hauptsächlich um den optischen Effekt. Zum Abreagieren begrenzt geeignet, dann doch lieber Holz hacken.

Gegen all dies habe ich natürlich nichts, kann man machen.

 

In Erinnerung geblieben ist mir zum Beispiel eine Gruppe von Jungs kurz vor dem Abitur. Die hatte ich gebeten, ein paar alte Schränke, Kommoden und Regale aus dem Physikraum zum Müllcontainer zu tragen und vorher „auseinanderzunehmen“. Ein wenig Werkzeug gab ich ihnen mit auf den Weg.

„Kein Ding!“, hieß es knapp.

Das Krachen war auch noch 50m entfernt zu hören, eine „Gewaltorgie“ ohne Gleichen war das. Was haben die klugen Jungs für eine Freude gehabt, die Dinger klein zu schlagen. Einen sehr schweren Hammer haben sie dabei sogar verbogen! Metall verbogen! So hatte ich mir das zwar nicht vorgestellt, aber dieses Strahlen dabei, etwas einfach kaputtschlagen zu dürfen, das habe ich nie vergessen. Kleinholz blieb übrig.

„He, lass‘ mich nochmal bei dem nächsten!“, so ging das ruhig, aber voller Spaß voran. Vielleicht hat sich einer auch vorgestellt, ich sei die Kommode, wenn es ein Pünktchen im letzten Zeugnis zu wenig war.

Eine gute Variante.

Man könnte gar provokativ fordern „Mehr Gewalt an die Schulen“ oder „Mehr Gewalt am Arbeitsplatz“.

Natürlich nicht gegen Menschen, doch so ein Raum mit Boxhandschuhen und einigen Boxsäcken wäre weder teuer noch gefährlich, wenn man mal „zuschlagen“ will. Rechnet sich bestimmt ab zwei Mitarbeitern. Könnte man auch privat im Keller machen.

Man muss ja nicht gleich das Gesicht vom Chef auf den Sack kleben. Ihr könnt ja meines nehmen.

Ein kleiner Autonomer wohnt vielleicht in jedem.

 

Mein Dreamteam

Mein Dreamteam

Wenn ein Team in der Summe sechs Beine hat, dann führt dies des Öfteren zu mehr Problemen als wenn zwei Menschen oder vier die „Gruppe“ bilden.

Alles darüber wird dann schnell zur Konferenz mit Einzelgesprächen. Nur beim Fußball ist es nicht so.

Das mit der Dreierkonstellation kennen auch die Kinder schon. Drei mit sechs Beinen, das kann eine explosive Zusammensetzung sein, eher als viele andere.

„Zwei gegen einen“, so lautet die Kinderklage.

Aber mein Sechs-Beine-Team ist das geheime ‚Dreamteam‘, trotz einiger Meinungsverschiedenheiten in Einzelfragen!

Allerdings sind wir auch nur zwei, weil meine Kollegin nämlich vier Beine hat. Meistens erledigen wir alle Arbeiten und Aufgaben gemeinsam.

Knapp 500 Tage ‚teamen‘ wir schon.

An 1% aller Vormittage war sie allein, nie mehr als zwei Stunden. Sie schaut dann DogTV, aber sie bellt, wenn die Klappe des Briefkastens scheppert und wenn Hunde an der Balkontür vorbeigeführt werden.

Meine Tochter, klug wie sie ist, hat das mit ihrem Flachcomputer einmal aufgenommen. „Tablet“, ich kann mir das Wort nicht merken, es ist auch dämlich, wenn man auf Deutsch denkt.

Nette, junge Nachbarn gibt es auch. Nett sind die immer. Also solange alles so läuft wie es ihnen gefällt.

In meinen rauchfreien Jahren mochte ich auch keinen Qualm, bis heute rauche ich höchst ungern in geschlossenen Räumen, das sogenannte Rauchverbot habe ich nur positiv wahrgenommen, in Restaurants oder in Konzerthallen besonders.

Und weil ich rücksichtsvoll sein wollte, rauchte ich vor dem Haus oder dahinter, je nachdem wo ein Fenster bei den Nachbarn offen stand.

Ich wählte die störungsfreie Variante.

Manchmal ging ich auch 20 Schritte auf die Straße und setzte mich auf eine Mauer. Aber als ich das einige Male vergaß, da wurden laut vernehmlich die Fenster zugeschlagen, lauter als sonst. Worte gab es nicht. Wenn ich rauche, werde ich auch nicht zurückgegrüßt.

Ich werde bestraft.

Seitdem rauche ich nach dem Sonnenstand oder der Regenrichtung. Zweimal am Tag.

Ich bin leider so.

Wir haben weiterhin immer Leiheier für die Nachbarn im Haus, wir gießen den Garten nebenan, die Blumen und Töpfe im Nachbarhaus während der häufigen Urlaubszeiten, …. also nun macht das nur noch die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte. Ich leere auch nebenan den Briefkasten nicht mehr.

Und die gelesene Zeitung werfe ich in den Papiermüll und nicht in den Kasten nebenan.

Zweitleser lesen ja preiswerter.

Zeitung und so, ich bin leider so.

Einen Schlüssel haben sie auch nicht von uns. Wir kennen recht viele verschiedene Menschen.

Und an den 5 Tagen in den letzten 500, an denen der Hund einsam bellte, bekam meine Frau jeweils Post.

„Ich muss arbeiten, das geht so gar nicht.“

„Er hat jetzt 12mal gebellt. Wann hört er auf?“

„Mach‘ bitte etwas!“

Die Art so.

Und meine Frau ist 70km entfernt. Ich komme ja auch früher wieder, zur Not das Tier hat keine Fernbedienung.

Und 1% ist ein Prozent.

Etwas mehr Belastbarkeit wünsche ich mir schon, denn ich habe sie auch, wenn ’nachts‘ um 23:00 Uhr nebenan Löcher in Beton gebohrt werden.

Ich würde denen meine Mobilnummer niemals geben, meine Frau bedauert diesen Schritt schon länger.

Ihr Schutzschild sind ihre Jugend und das Schulkind. Die hemmen meinen verbalen Biss.

Aber sie haben auch geschäftliche Neigungen.

Zum Beispiel bekam meine Frau eine ‚doppelte‘ CD geschenkt, das klingt gut, nicht? Aber unsere verliehenen Arbeitshandschuhe waren eine Woche vorher zerlegt worden. Und als meine Frau nach den versprochenen neuen Handschuhen später nett fragte, da hieß es ‚dafür hast Du doch die CD bekommen‘.

Das hatte keiner gesagt.

Meine Frau findet Arbeitshandschuhe wichtiger und die CD hatte ich eh schon. Ihr fehlt da die Übersicht, die ich aber auch nicht habe.

Auch untereinander machen sie es so.
Will einer an einem Wochenende das Auto allein nutzen, so lautet der übliche Text:

„Das kostet Dich aber etwas! Was bekomme ich dafür?“

Und jetzt überlege ich, wie ich das seltene Gebell meiner Kollegin zielführend und adressatengerecht in eine Art von „Geschäft“ kleiden könnte.

Einmal Kläffen frei pro Blüte?

Ich bin noch nie von nebenan auf den Qualm, den Hund oder das Bellen angesprochen worden.

Keine Silbe.

Hummel, Hummel, Norah, Norah

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Hummel, Hummel, Norah, Norah

Es fing perfekt an.

Blauer Himmel, gefühlte 20°C und kein Stau auf der A1. Ich bin losgefahren als die Uhr 19:00 zeigte.

Das war die offizielle Showtime.

Für Hamburg ist das normal.

200m vom Stadtpark entfernt ein legaler Parkplatz, dann den Seiteneingang genommen, ein Wasser für 2€, mehr hatte ich nicht mit, und dann zwanzig Schritte und 5 Meter von den Rails war mein Platz als die Dame Norah den ersten Ton um Punkt 8 von sich gab.

Einschub.

Da, genau am Seiteneingang, hatte ich mich circa 10 Jahre zuvor mit einer sehr schlanken, älteren Frau auf Englisch unterhalten, geraucht haben wir und über Hamburg gesprochen und was man so machen könnte am Sonntag.

Erst als sie von „preparation“ sprach und fragte, ob sie meine Karte signieren soll, wurde mir klar, dass die ältere Dame Patti Smith hieß.

Ich hatte sie lange nicht gesehen.

Wie gut, dass wir ohne „VIP-Status“ sprechen konnten.

Meine Murmeln hat auch sie.

Ende Einschub.

Hach, die Jüngere, die Mildere:

In Hamburg bei Norah, da weiß man noch, was sich gehört. Da ist Luft in den Reihen, auch in Reihe 4. So zart wie Norah fühlte ich mich mit meinem 0,3er Becher.

Viereinhalb Stunden zu warten wie gestern in Berlin, das endet bei mir mit Übungen für die Knie und dem Strecken des Rückens.

Norah Jones.

Natürlich gibt es da Kritik, aber es ist immer so, wenn etwas massenkompatibel ist.

Ist mir „latte“, die Kritik.

Ich höre sie ganz gern, auf Landstraßen oder wenn ich mich auf der Autobahn nicht erregen möchte.

Ein wenig wie eine akustische Beruhigungstablette ist das. Eine böse Zunge nannte Sades Musik einmal die „in Noten gegossene gepflegte Langeweile“.

Ein Unding, solche Worte.

Aber es hat etwas Wahres.

Ja, ich war’s. Sorry.

Norah, sie wird auch von den HiFi-Freunden für den Boxen-Test geliebt.

Andere entkommen mit ihren Platten der Hektik nach der digitalen Revolution. Ohne die Zeiten der Eile im Heute, wer weiß, ob sie eine „Weltkarriere“ gemacht hätte!

15 Jahre lässt sie uns schon dem Alltag entfliehen!

Natürlich passt sie nicht immer, aber sie klingt wie der Regen auf dem halbgeöffeneten Dachfenster, dient als weibliche Begleiterin einsamer Rotweine oder als anspruchsvoller Background zum Kuscheln.

Norah hat diese Wärme in der Stimme, die uns so oft fehlt.

Sogar mein Hund fragt mich öfter, ob ich nicht eine Norah Jones auflegen könnte.

Bei Dylan hat er mal gebellt, bei „You’re A Big Girl Now“, das konnte ich verstehen, denn der Alte jaulte da vor Schmerzen.

Live klingt sie -Norah- noch besser als auf den Platten, das klingt in Teilen gepresst auf Vinyl oder CD steriler.

Sie wechselt von Instrument zu Instrument, aber sie steht niemals „hands open“ vor dem Publikum.

Am Flügel bekommt der Rotwein ihrer Stimme eine freche Note roter Johannisbeere von den Tasten.

War ‚es‘ heute gut oder nicht?

Keine Ahnung.

Nach 70 Minuten war der „offizielle Teil“ vorbei, kurze Pause, dann die Zugabe ohne Nachspielzeit.

83 Minuten brachte sie insgesamt auf die zeitliche Waage, die andere lassen wir weg.

Zweieinhalb Songs, die man ‚uptempo‘ nennen könnte, erzeugten fast Jubel, ansonsten artig wie ein Hamburger Nieselregen auf einem Zeltdach, so klang der Beifall.

Man kann auch „müde“ sagen, aber vielleicht war es nur meine eigene kurze Nacht im Kombi.

Ihr Lächeln nach dem schnellen, countryesken Stück mit neckischer Gitarre starb auf ihren Lippen einen kleinen Tod, es kam zu gut an, das Bewegtere.

„Wir“ waren auch schon etwas älter heute, kein Gedränge wie gestern bei Bono, keine Wildpinkler, keine Angetrunkenen, kaum Leute, die Filmchen drehen.

Ich habe auch kaum einen Raucher gesehen.

Meine lagen im Auto und ich hätte gern eine geschnorrt.

Aber bei wem denn?

Nichtrauchermusik?

Paarmusik!

Also jetzt nicht direkt für die Paarung im engeren Sinn, aber Norah vereint Frauen und Männer, jedenfalls im Konzert.

Man hält die Hand, es wird mehr geküsst als bei „With Or Without You“.

Romantik ist zu zweit schön.

Ich war ja allein, schade, ich hätte die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte, fragen sollen, ob sie mittäte.

Vielleicht passt ein Vergleich:
Der Chef denkt über die Arbeit seines Mitarbeiters meist, sie laufe ab wie eine nächtliche Rundfahrt durch das leere Hamburg in einem Mercedes mit Automatik.

Leider ist der Job jedoch eher so, dass es ständig Staus gibt, rote Ampeln, andere wie die Irren fahren und Baustellen mit Umleitungen einem den letzten Nerv rauben.

Und zusätzlich hast Du ein handgeschaltetes Auto bei dem der zweite Gang total schwer reingeht.

So ist die „Realität der Arbeit“ nämlich.

Norah Jones klingt wie die Illusion, dass es morgen früh um 9 so wird wie mit dem Mercedes mit 6 Zylindern und der weichen Automatik.

Und deshalb brauchen wir sie.

Aber live nur einmal.

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„U2 in Berlin“ oder „Vogelkot im Haar“

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„U2 in Berlin“ oder „Vogelkot im Haar“

Vogelkot im Haar, das soll Glück bringen.

Vermutlich ist das so, weil es so selten passiert, seltener, als man das berühmte Kleeblatt mit vier Blättern findet.

Außerdem kommt Vogelkacke in der Regel von oben und „oben“, da wohnen die Götter!

Jetzt könnte man eine Parallele von Vogelkot und U2 ziehen, weil beide irgendwie mit den Göttern zu tun haben, aber so blöd bin ich auch nicht, mir deshalb Klagen von Vogelkotfreunden oder von U2-Verehrern anzuhören.

Neulich habe ich U2 schon mal live gesehen, also präziser circa 1984.

Und nach 33 Jahren und zwei Generationen später darf man „nochmal“.

Es waren dieselben Leute da wie 1984, also die waren im gleichen Alter wie damals.

Nur Bono und ich, wir sind älter geworden.

Ich traue mich aber nicht mehr, vor 70000 Leuten die Jeansjacke halb auszuziehen.

Nein, ich mag keine Stadionkonzerte, ich mag auch keine Videoleinwände und keine 60m breiten Bühnen, auch wenn die sonstige Ausstattung von Zurückhaltung geprägt ist.

Ich mag nicht viele Worte auf Leinwänden, auch nicht zu viele gesprochene am Mikrophon, auch nicht für eine bessere Welt.

Ich mag auch die großen Gesten nicht, ich habe von all dem lieber den Kinderteller.

Aber bei U2 gibt es eben den XXL-Teller, das weiß man vorher und sollte nicht klagen.

Noel Gallagher als erster ‚Act‘.

Der sieht beim Singen immer so aus,  als würde er gleich losheulen.

Klingt besser als es aussieht, ich war erstaunt, denn Oasis und die Gallaghers habe ich nie richtig kennengelernt. Aus Gründen.

Seine Frisur war modisch und ich kann das beurteilen, weil die Entfernung wie beim Elfmeter war.

Anders ist „Stadion“ furchtbar.

 

Kurz gesagt und zusammengefasst:

Es war einfach großartig.

Sogar einen Schauer im Rücken bei „Where The Streets Have No Name“ hatte ich. So kurz vor dem siebten Jahrzehnt ist das selten.

Andererseits waren die Klamotten vom vierstündigen Warten schon vor der Show ‚durch‘.

Regen macht generell weniger mitteilsam, das steht schon bei Karl May, aber bei mir ist das nicht so, ich trockne beim Sprechen von innen.

Hoffentlich hatte mein „Rob“ seinen Gehörschutz schon vorher fest eingestöpselt. Der musste das nämlich neben mir alles wegfiltern bevor es losging.

Ich mag Regen gern, aber ich werde ungern nass.

Regenklamotten liebe ich noch weniger als Nässe.

Bono mag auch keinen Regen obwohl er so viel Haarspray drin hatte, dass die Fönfrisur unfassbare 60 Minuten gehalten hat.

Dann hat er einen breitkrempigen Hut vorsichtig auf- und später wieder gefühlvoll abgesetzt.

Auch mit 3-Wetter-Taft geht das nicht gut, weil das Wasser ja trotzdem da ist. Und dann wird das flach wie das Land, in dem der Joshua Tree wuchs und das sieht besser aus als weiche, fluffige Türme im Alter.

Bei Catherine neben uns aber war Vogelschiss im Haar, sonst wäre das musikalisch und optisch niemals so gut geworden.

Sie war mit Freunden aus Tübingen gekommen, sie ist auch nicht herumgehüpft wie die meisten anderen vorn vor der Bühne der U2-Kirche und sie hat auch keine Fotos gemacht.

Ich glaube, dass sie eine Künstlerin war.

Schon weil ich in fast dreimal so viel Jahren noch nie Vogeldreck im Haar hatte!

So ein Vogel überlegt nämlich, wen er beglücken will. Meistens lieben die nur mein frisch gewaschenes Auto. Catherine hat es in jungen Jahren geschafft.

Vögel sind klug.

Sobald das Wort „Tübingen“ fällt, wird es aber feucht!

Vor zwei Jahren musste ich mich auf einem verlassenen Parkplatz nachts nackt ausziehen, so nass war ich bei Bob Dylan geworden.

Und kaum kommt jemand aus Tübingen nach Berlin, so regnet es auch dort zwar schwach aber höchst ausdauernd.

Ich wusste nicht, dass eine kleine Stadt soviel Wasser für eine riesige Metropole hat.

Ich habe sogar einen südlichen Hundekotbeutel von ihr geschenkt bekommen, leider hatte ich die norddeutschen im Auto gelassen, ich konnte ihr nichts schenken.

Bei Konzerten sammele ich ja keinen Hundedreck. Aber der rote Beutel mit dem lächelnden Hund erinnert mich jetzt für immer an U2 in Berlin.

Und an die Künstlerin mit dekorativem Vogeldreck im dunklen Haar.

Das lässt man nämlich erstmal drin, hat sie gesagt.

Es war auch nur von einer Meise.

Wenn so eine Möve richtig trifft, dann denkt keiner, dass da jemand Glück hatte, sondern, dass dem die weiße Mütze nicht gut steht.

Zuviel Glück ist nämlich auch nicht gut.

 

 

Über Anfänge

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Über Anfänge

Es ist immer anders gewesen, das Kennenlernen und das heute sogenannte ‚erste Date‘.

Darüber ließen sich ganze Bücher schreiben, das kennt ja jeder.

Es muss Mitte der 80er gewesen sein, da habe ich zwei Anhalterinnen zum Strand mitgenommen, die eine blond, der Typ Kim Wilde, ganz in Weiß und die andere ganz in Schwarz, heute würde man sie mit der Tautou vergleichen.

Damals gab es keine Vergleiche für sie!

Die Tautou ist auch nur 1,60m groß, da würden Beine mit 103cm Länge nicht so gut aussehen.

Als ich fragte, wohin die wollen, sagten sie:

„Travemünde, zum Strand, vor’s Casino“.

Das war mir dann doch zu präzise, schließlich bin ich kein Taxi, dachte ich.

Also sagte ich:

„Ich fahre bis Brodten an den Freistrand, die 2000 Schritte schafft Ihr auch auf hohen Schuhen.“

Kein Gemaule, immerhin.

Am Steilufer stiegen sie aus, kamen aber irgendwie mit an den Freistrand.

Dann suchten die beiden einen Platz aus und ich sagte:

„Genau hier wollte ich hin. Casino ist da hinten.“

Keine Rede mehr jedoch vom Casino, es wurde stattdessen bereits um einen Platz am leeren Strand gestritten.

Mir war das durchaus recht.

Schwarz und Weiß, dagegen ist wenig einzuwenden.

Und gegen humorvolle Kabbeleien habe ich schon damals nichts gehabt.

Ich bin sie über Jahre nicht losgeworden.

Auch das war mir nicht unrecht.

Das andere Vorkommnis, Tage später auf der überfüllten Promenade, habe ich das schon einmal beschrieben?

Jedenfalls gingen sie, wieder sehr dunkel und sehr hell neben mir.

Aus heiterem Himmel schrie mich die Blonde an:

„Ins Hotelllll? 200 Mark? Unverschämtheit!“

Die Dunkle sofort hinterher, ebenso laut:

„Wüstling! Wofür halten Sie uns?“

Da steht man dann in Unschuld, zieht hunderte Blicke auf sich.

Mein Rot war nicht von der Sonne.

Löcher graben dauerte auch zu lange.

Was haben sie gelacht.

Mann muss gönnen können.

Jedenfalls 35 Jahre später.

 

 

Das erste „Date“

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*Die richtige Kleidung für das erste „Date“*

Das war kürzlich eine Frage einer jungen Frau auf Facebook. Eine diffizile Frage, sicher. „Too much“ ist nämlich problematischer als „echt zu nachlässig“.

Zumindest erinnert mich das an das erste Treffen mit ihr vor mehr als 35 Jahren. Zugeben sollte ich vielleicht, dass ich zum Ende der Studienzeiten mehr im Schanzenviertel, in der Marktstraße oder in Altona war als an der Universität oder an einem Teilchenbeschleiniger mit weiblich klingendem Namen. „Petra“, „Hera“, „Desy“ … Physiker nennen ihre Speicherringe gern weiblich anmutend.

Weiß der Himmel, weshalb.

Ich war damals gerade kurzfristig erblondet. Da muss man beim Tippen sehr aufpassen, weil da schnell ‚erblindet‘ herauskommt. Aber so hätte ich sie ja vielleicht nicht entdeckt. Ich hatte auch rotes Haar oder Streifen, ganz schrecklich, auch mal etwas Grau, aber dafür musste ich als „Model“- Student nie für den Schnitt bezahlen. Nur die Färbung in Natur danach, die kostete dann 5,95DM.

Ich wollte auch nur sagen, dass ich fürchterlich ausgesehen haben muss. Bis auf die ganzen schwarzen Klamotten, die ich immer trug, weiße Hemden aus den 50ern aus reiner Baumwolle, in der Waschmaschine auf tiefschwarz gefärbt, schwarze Jeans, die Steifel, Ihr ahnt es, schwarz, ein schwarzes altes Jackett, je nach Jahreszeit ein grauer oder schwarzer Mantel dazu. Grau, das fand ich schon ein wenig verwegen, zu farbenfroh, so positiv, an sich nicht mein Fall. Blond, das kommt mir da jetzt gar nicht mehr so schlimm vor, wenn ich darüber nachdenke. Die anderen Physiker und Mathematiker trugen oft einen grünen Parka, ich kann mich in diesen Dingen einfach nicht anpassen. Niemals hätte ich so etwas angezogen, niemals. Obwohl das Schwarz ja ebenso eine Art Uniform ist wie der Parka, aber das war mir in der ausgehenden Jugend vielleicht gar nicht bewusst. Aber zurück zu ihr, der …. Erscheinung, die ich erwartete.

Und sie erschien in meinem Hamburger Stammcafe „Backwahn“ in der Grindelallee groß wie vorher, schlank wie vorher, natürlich blond, ungekämmt, ungeschminkt und in einer hellgrünen, kurzen Lederjacke, alter, unmodischer Jeans, vermutlich von C&A oder von ihrer Tante und einem T-Shirt, das die Studentenunruhen der 60er miterlebt zu haben schien. Das wurde ihr natürlich nicht gerecht, aber einen Scherz zu der grausamen Farbgebung der Jacke habe ich trotzdem gemacht, irgendetwas mit „Erbsenpürree mit viel Milch“, glaube ich.

„Kommt drauf an, was drin ist“, hat sie sinngemäß geantwortet und vielsagend das Grün weggelächelt. Man glaubt manchmal gar nicht, was so ein Lächeln bewirken kann und wie sehr es optische Beeinträchtigungen zu Randerscheinungen machen kann.

Jedenfalls sprach ich sie Monate später auf dieses „erste“ Outfit an, das ich niemals wieder gesehen habe und sie gestand:

„Ach, das war doch Absicht. Wenn man mich in *den* Klamotten mag, dann kann das was werden.“

Das fand ich ganz gut. Auch den dem zugrunde liegenden Gedanken.

Es ist so allemal besser als beim ersten Date ein optisches Feuerwerk abzubrennen, dem man als Frau oder Mann dann ein Jahrzehnt hinterherrennt.

Ich war am nächsten Tag auch nicht mehr blond.

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*Die richtige Setting für das erste „Date“*

Nun war damals das Cafe Backwahn *mein* Cafe, nicht ihres. Es lag aber nah an ihrer Arbeitsstelle und war daher unverfänglich, weil eine kurzfristige Flucht einfach und nachvollziehbar gewesen wäre. Das gilt sowohl für mich als auch für sie, eine praktische Konstruktion ohne Aufwand.

Ein Vorurteil von mir besagt, dass Frauen gern das erste Date oder eine erste Verabredung „gestalten“ wollen, zum Beispiel ein Essen (zu lang, zu viele Probleme, wer zahlt … ach, keine gute Idee!), ein hübsches Cafe, ein angenehmes Ambiente soll es sein, nichts soll eine sich anbahnende Beziehung gleich welcher Art stören, am besten noch Sonne, die mit ihrem Haar spielt. Jede Frau sieht in der Sonne noch besser aus als in strömendem Regen. Es soll sogar welche geben, die vorher zum Frisör gehen, aber auf eine gute Kleidungswahl legen sie alle Wert, so mein weiteres Vorurteil, Ausnahmen bestätigen die Regel, siehe oben. Ich wette, dass viele zuhause mehrere Kleidungsvarianten vor dem Spiegel ausprobieren.

Leider klappt das alles nur im Film. In der Realität hat der Mann dann gerade Zahnschmerzen, redet ohne Punkt und Komma, um seine Unsicherheit zu überspielen oder um sich als großen Hecht darzustellen. Und so kann er ihre Bemühungen um ein perfektes Äußeres nicht goutieren, dann wirft er auch noch die Kaffeetasse um und ihr helles, kurzes Kleid bekommt einen Fleck, klar, die sehen sich nie wieder. Das Setting war perfekt. Aber die Realität ist es nie.

Es gibt kein perfektes Setting, man sollte sich das ganze komplett „abschminken“, es ist eine schlechte Idee. Eine ebenso „schlechte Idee“ ist es, wenn eine Frau sich mit einem Mann „zum Reden“ treffen will, das geht gar nicht. „Zum Reden“ treffen sich Frauen, aber nur Frauen, so glaube ich, Widerspruch ist hier gern gesehen, aber natürlich …. falsch.

„Du, Matthias, lass uns mal zum Reden treffen.“

Hat das schon mal ein Mann zu einem anderen Mann gesagt? „Zum Reden“?

„Zum Reden“ treffen, das ist für jeden Mann eine Art „Drohung“, es könnten Probleme gewälzt werden. Jede Frau sollte sich diese Formulierung dreimal überlegen, bevor sie diese einem Mann gegenüber wählt. Für den Mann klingt das so wie früher, wenn Mutti sagte „ich möchte etwas Wichtiges mit Dir besprechen, mein Sohn“. War man ein halbes Kind, ging es sicher um Fragen der Aufklärung bzw Verhütung. Finden alle Jungs furchtbar, die wissen alles, was sie wissen müssen und wenn sie etwas mehr wissen wollen, dann wirklich als Letztes von „Mutti“. Mutti kommt nämlich immer zu spät, immer.

Also, ein Beispiel.

Mit einem Mann kann man das als Frau so machen:

„Ich muss noch einkaufen, kannst ja mitkommen, danach irgendwo einen Kaffee? Mehr Zeit habe ich nicht.“

Dann redet man bei Edeka über Backpulver oder ob Fleischsalat besser ist als Geflügelsalat. Das interessiert den Mann kaum, aber er kann sich wenigstens entspannen oder ihr großherzig das Spülmaschinensalz holen. Weiß er sich in so einem Markt gar nicht zu orientieren: Finger weg von dem Typen, der wurde zu sehr verwöhnt, von Mutti und ihren Nachfolgerinnen. Jeder Ausstieg ist möglich, der Kaffee kann ganz kurz sein, kann sich aber auch ausdehnen, wenn sie die Einkäufe nicht allein tragen kann. Es soll Frauen geben, die dann absichtlich so viel kaufen, damit sie es nicht allein nach Hause bringen können.

Das ist eine andere Art von Plan, aber kein Filmsetting. Ganz ohne Plan geht es auch nicht.

„Gewalt ist das Analphabetentum der Seele“

*„Gewalt ist das Analphabetentum der Seele“*

 

Das hat Rita mal gesagt!

Hier einige Zitate aus dem TV und aus dem ‚privaten Bereich‘ der letzten Tage.

„Haha, war wohl nichts mit ‚Hafengeburtstag‘.“

Ein Lachen über das, was geschah? Dazu zähle ich auch Anfeuerungsrufe nicht gewalttätiger Demonstranten für Kriminelle, ‚klammheimliche Freude‘ könnte man das teilweise nennen …. die Liste wäre lang.

„Das macht man nicht im eigenen Viertel, hier auf der Schanze, das kann man in Pöseldorf oder Uhlenhorst machen.“ (Zitat sinngemäß von einem Anwalt aus dem Schanzenviertel)

„Die Autonomen gehören dazu, aber wir sind natürlich gegen Gewalt.“ (Organisatorin von ‚Die Linke‘)

„Auch der schwarze Block gehört dazu.“
(Organisator von ‚Welcome To Hell‘, ein Argument an anderer Stelle dafür war sinngemäß ‚die lachen uns ja sonst aus‘)

„Man muss es den Mächtigen zeigen und Widerstand leisten.“

„Trump und Kim Jong Un stehen auf einer Stufe.“

„Die Polizei hat das provoziert.“

„Also auch noch mal an ein großes Lob an alle Organisationen, die von vornherein Gewalt NICHT ausgeschlossen haben! Habt ihr prima gemacht!“
(von Facebook, Begründung war mir unverständlich)

„So einen Gipfel sollen die auf der ‚Aida‘ machen.“

„Die Presse im Westen ist gesteuert.“

Meine Frage, wo die Presse denn ‚freier‘ sei, konnte nicht beantwortet werden. Allerdings informiert man sich stattdessen bei einem deutschsprachigen Ableger russischer Organe.

Mich treibt eine „dumme“ Frage um:

„Wie würde die Bewertung der gewalttätigen Ausschreitungen aussehen, wenn genau dasselbe Rechtsradikale angerichtet hätten?“

Würde da teilweise etwa mit anderem Maß gemessen?