Eine Frage von Gewalt

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*Eine Frage von Gewalt*

Man ist heute weniger „draußen“ habe ich den Eindruck, Spielplätze sehe ich meist verwaist, ich würde auch nicht wissen, wo sich Jungs ohne Vereinsorganisation zum Kicken treffen. Früher gab es auch die eine oder andere harmlose Rauferei zur Klärung der Frage, ob der Ball nun „drin“ war oder nicht. Wir hatten oft nur zwei Jacken als Pfosten auf den Rasen gelegt. Da stellte sich die Torfrage schon ab und an.

 

Ich habe tatsächlich später, dennoch schon vor vielen Jahren, einmal geboxt. Zwar nur auf einen 70kg schweren Boxsack, aber das war die reine Freude. Heute ist mir das zu anstrengend. Die Bequemlichkeit hat Schuld, nicht ich.

Man tippt heute eben mehr auf dem Handy herum, mache ich ja auch, aber zum Abreagieren zu schreiben, das bringt es nicht so ganz.

Probleme werden friedlich im Gespräch geklärt, die Erziehung ist gewaltfrei, man meditiert, findet oder sucht die innere Mitte, liest Ratgeber bei Problemen, alles schön und gut, aber wohin mit dem, was auch mal „raus“ muss? Schon lautes Atmen ist heute mit schlechtem Ansehen behaftet.

Laufen macht müde, mehr nicht, das Stemmen von Gewichten ebenso, aber da geht es meiner Meinung nach hauptsächlich um den optischen Effekt. Zum Abreagieren begrenzt geeignet, dann doch lieber Holz hacken.

Gegen all dies habe ich natürlich nichts, kann man machen.

 

In Erinnerung geblieben ist mir zum Beispiel eine Gruppe von Jungs kurz vor dem Abitur. Die hatte ich gebeten, ein paar alte Schränke, Kommoden und Regale aus dem Physikraum zum Müllcontainer zu tragen und vorher „auseinanderzunehmen“. Ein wenig Werkzeug gab ich ihnen mit auf den Weg.

„Kein Ding!“, hieß es knapp.

Das Krachen war auch noch 50m entfernt zu hören, eine „Gewaltorgie“ ohne Gleichen war das. Was haben die klugen Jungs für eine Freude gehabt, die Dinger klein zu schlagen. Einen sehr schweren Hammer haben sie dabei sogar verbogen! Metall verbogen! So hatte ich mir das zwar nicht vorgestellt, aber dieses Strahlen dabei, etwas einfach kaputtschlagen zu dürfen, das habe ich nie vergessen. Kleinholz blieb übrig.

„He, lass‘ mich nochmal bei dem nächsten!“, so ging das ruhig, aber voller Spaß voran. Vielleicht hat sich einer auch vorgestellt, ich sei die Kommode, wenn es ein Pünktchen im letzten Zeugnis zu wenig war.

Eine gute Variante.

Man könnte gar provokativ fordern „Mehr Gewalt an die Schulen“ oder „Mehr Gewalt am Arbeitsplatz“.

Natürlich nicht gegen Menschen, doch so ein Raum mit Boxhandschuhen und einigen Boxsäcken wäre weder teuer noch gefährlich, wenn man mal „zuschlagen“ will. Rechnet sich bestimmt ab zwei Mitarbeitern. Könnte man auch privat im Keller machen.

Man muss ja nicht gleich das Gesicht vom Chef auf den Sack kleben. Ihr könnt ja meines nehmen.

Ein kleiner Autonomer wohnt vielleicht in jedem.

 

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