Ein neues Leben

Ein neues Leben

…. ist anders als das davor.

Es gibt ja Menschen, die mit Pflanzen und Bäumen sprechen.

Daran ist nichts ungewöhnlich, also solange es Mensch und Pflanze Gutes tut.

Der Unterschied, wenn man mit dem eigenen Hund spricht, besteht darin, dass der Hund alles versteht, was man sagt.

Automatisch erhöht sich auch der tägliche hörbare Wortoutput.

Ohne Hund denkt man, mit Hund spricht man, auch wenn man für Außenstehende allein zu sein scheint.

„Gleich, wir gehen ja gleich raus, ich muss mir noch die Zähne putzen“, ist so ein Satz im Bad am Morgen.

Oder etwas später:

„Wir trinken jetzt noch einen Cappuccino, dann gehen wir in den Park“.

Leider antwortet ein Hund nicht mit:
„Och nöööö, nicht schon wieder!“ …. aber das ist vielleicht auch ganz gut so, denn das würde die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte, auch sagen.

Praktisch ist ein Hund wegen der Hygiene, also im wörtlichen Sinn als auch psychisch.

Klar, die Leute gucken komisch, wenn man mit dem Hund in der Fußgängerzone redet und sagt, dass er der „beste Hund der Welt“ ist.

Aber auch Tiere brauchen Lob!

Der legt bei dem Satz immer die Ohren an und schaut zu mir auf. 🙂

Ach, Hygiene, genau.

Der leckt ja sogar hinter dem Tresen an der Tanke alle Krümel weg, die müssen da seit Monaten nicht fegen.

Und zuhause wechselt man die Bettwäsche jetzt alle drei Tage.

Das ist schon schön am ersten Tag.

Keine Ahnung wie der das immer heimlich an das Fußende schafft. Der liegt dann mit den Beinen nach oben auf dem Rücken und man bewegt sich nicht, weil der Hund dann aufwachen könnte.

Ich glaube, meine Frau hat sich für den Hund auch das Schnarchen abgewöhnt.

Davon habe ich auch etwas!

Es ist jetzt still, aber ich muss die Füße eben dafür still halten.

Das ist schwerer als man zunächst denkt, man schläft ja zwischendurch ein.

Unpraktisch ist hingegen das eigene „Verschwinden“ im Leben mit dem Tier.

Erscheint man irgendwo ohne Hund, so klingt der erste Satz meist so:

„Wo ist denn Dein Hund?“

Ein „Hallo“ bekommt man dann manchmal auch noch.

Meistens ist das Thema ja schon gewählt. Es hat vier Beine. 😉

Mit Hund hingegen sagen selbst fremde Frauen etwas wie:

„Oooooch, ist der süüüüüß!“

Dann kann man das auf sich selbst beziehen und sagen, dass „mir das schon lange keine mehr gesagt hat“.

Gerade die ganz alten Damen werden dann plötzlich 30 Jahre jünger.

Das hätte ich auch gern mal.

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“ … time is an ocean but it ends at the shore“

Daliah Lavi und das Stehlen

Daliah Lavi und das Stehlen

Kürzlich hatte ich bei Facebook mal wieder ein Rätsel. Das macht man so, wenn man sonst zu dieser Zeit mit der Zeitung oder dem Hund spricht.

An der Fleischtheke im Supermarkt kann man auch nicht jeden ansprechen, das macht man auf Friedhöfen auch nicht.

Die Lösung war ‚Daliah Lavi‘ und die Siegerin bemerkte am Rande, dass ich wohl ein „visueller Typ“ sei.

Das fand ich sehr interessant oder auch entlarvend.

Ja, ich telefoniere zum Beispiel nicht, aber das konnte die Rätselkönigin nicht wissen.

Mit Maschinen spreche ich auch nicht gern.

Daher mag ich die sogenannten „Anrufbeantworter“ auch nicht.

Die beantworten nämlich gar nichts und das Wort ist deshalb falsch:

„Anrufentgegennehmer“ würde schon besser passen.

Vermutlich kaufen diese ‚Beantworter‘ aber Menschen wie ich, die versuchen, Anrufe gerade nicht entgegennehmen zu müssen.

Zum Glück funktioniert unser Festnetztelefon seit 15 Monaten nicht mehr, weil ich den neuen Router nicht installiert habe.

Leider telefoniert meine Frau aber gern lange beim Bügeln.

Ein Interessenkonflikt.

Andererseits habe ich das Klingeln doch 24 Jahre ertragen.

Ich mache das mit dem Telefon nächste Woche, also im Herbst, sage ich mal.

„Visueller Typ“, also bei Daliah Lavi stimmt das wirklich, zugegeben.

Andererseits klauen ja alle Optisches unbewußt oder klaren Gedankens geschickt, was sie gern sehen oder sich zum Vorbild wählen.

Dylan zum Beispiel sah mal aus wie Woody Guthrie, das betrifft auch die Haltung. Oder dieses Vincent Price-Bärtchen, das scheint ihm 45 Jahre später auch gefallen zu haben.

Der ist zum Beispiel nicht nur beim Visuellen ein Dieb mit gutem Geschmack.

Er macht sich das Fremde oft so unmerklich zum Eigenen, dass Fachleute monatelang rätseln und nach den Quellen forschen müssen.

Der spricht auch nicht so gern öffentlich, der Bob. Aber wenn andere ihm auf der Bühne zuhören, findet er das trotzdem gut.

Vielleicht muss er das auch machen, weil er nicht anders kann.

Ich selbst habe auch schon oft geklaut.

Meistens bei Älteren, bei Kollegen zum Beispiel, die ich schätzte.

Der eine, der Germanist, schrieb alles mit Calligraphie-Stiften, 2mm breit. Die habe ich mir dann auch gekauft.

Und dann, „man weiß es ja nicht“, wird die eigene Schrift unmerklich aber langsam der anderen etwas ähnlich.

Oder liegt das nur am Stift?

Ein anderer, ein richtig toller Lehrer, ein Naturwissenschaftler, den die Schüler nicht zu schätzen wussten, der sprach so gestenreich mit den Händen und seine Worte wählte er langsam und mit Bedacht, fast wie Helmut Schmidt, Pausenkönig.

Der Physiker war leider zu weit weg von mir mit seiner Ruhe. Den hätte ich gern gestohlen.

Nur die Jahre hätte ich ihm gelassen.

Der wiederum hätte wohl gern meine Jahre gestohlen, ich hatte ja nur halb so viele wie er.

Das ist zum Beispiel ein unlösbarer Interessenkonflikt.

Visuell finde ich auch saubere Autos einen Blick wert. Aber verdreckt schaue ich nicht mal einem Maserati hinterher.

Also einem verdreckten Maserati, ich dusche morgens.

Mir fällt jetzt kein Vergleich zu Frauen ein, aber wenn die beste Ehefrau von allen sagt:

„Hast Du den gesehen?“, dann meint sie irgendeinen Mann.

Aber die kommen bei mir oft gar nicht bis zur Netzhaut. Das schaffen aber fast alle Frauen.

Leider kann man bei denen nicht klauen.

Meine Frau schimpft des Öfteren über meine Kleidungswahl und deshalb müsste ich mir das visuelle Stehlen bei den Männern eigentlich mal angewöhnen.

Und da war da noch Gerald.

Gerald war immer ganz zurückhaltend und still nickte er mit dem Kopf. Und „Hmmm“ machte er auch oft.

Das war sehr angenehm.

Er hat mir mal erzählt, dass er Bob Dylan an einer Autobahnraststätte getroffen hat, als der in den Zeitschriften blätterte.

Der trägt ja privat keine Cowboyhüte sondern der kauft eher in der Sportabteilung ein.

Und wer den nicht kennt, der denkt, dass das ein uralter Mann ist, dessen alter, rostiger Renault 4 vor der Aral verreckt ist.

Da muss man auf die Schuhe achten!

Die kosten bei Bob so viel wie ein gebrauchter, rostfreier Opel Corsa!

Jedenfalls hat Gerald ihm die Hand gegeben und „Hello, Bob“ gesagt.

Und mir hat er erzählt, dass Bob einen ‚ganz sanften Händedruck‘ hat und dass ’seine Hand ganz warm und trocken‘ war.

Also ich wäre ja auch ziemlich erschrocken, wenn Dylan mit einer kalten, feuchten Hand fest zugepackt hätte.

Aber nun weiß ich immer noch nicht, ob das Sanfte in Gerald vielleicht doch …. ein wenig „dylanesk“ ist.

Wäre es irgendwie komisch, wenn ich Gerald mal frage, welche Handcreme er benutzt?

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„peace, tranquility and good will“

Die Anrede

Die Anrede

Also ich habe mal in der Grundschule zu meiner Klassenlehrerin im Unterricht in der 1. Klasse „Mama“ gesagt.

Da haben die anderen ziemlich gelacht und die Lehrerin, Frau Beckmann, hat auch kurz Pause gemacht.

Jedenfalls kommt einem das ja so vor, wenn die Zeit still steht. Ich bin nie zu den Klassentreffen aus der Grundschule gegangen.

Wegen „Mama“.

Als Lehrer im Unterricht hat man ja die täglichen Highlights, auch wenn das andere gar nicht mitbekommen.

Das Beste war an sich, wenn erwachsene Schüler mich an der Tafel versehentlich duzten.

„Kannst Du das bitte nochmal sagen?“

Dann gab es leises Getuschel.

„Er hat ‚Du‚ zu ihm gesagt!“

… aber man selbst grinst heimlich zur Tafel und freut sich. Kam natürlich selten vor, ich bin auch nicht der Typ, den alle duzen wollen.

Wobei man mit naturwissenschaftlichen Fächern gut daran tut, auch Abiturienten stets zu duzen, weil das Fachliche schon kalt genug ist.

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Bei der Bundeswehr muss man ja jeden Vorgesetzten siezen, früher jedenfalls war das so.

Aber auch da gibt es Wege, die, die man nicht mag, besonders deutlich zu siezen.

Es bietet sich zum Beispiel der „pluralis majestatis“ an.

„Jawohl, Herr Feldwebel, wenn es Euer Wunsch ist!“

Dagegen ist wenig einzuwenden.

Einer hat mal gesagt:

„Flieger, ich bin allein!“

Vorgesetzte sind ja meist ein wenig einsam.

Ihr könnt das bei einem Chef durchaus testen. Interessant sind dann die Fälle, in denen die das gar nicht merken und „normal“ finden.

Markus Söder merkt das nicht. Nur als Beispiel. Er ist ja König von Bayern, wenngleich auf Abruf.

Damals habe ich auch viel falsch gemacht.

Zum Beispiel war es keine richtig gute Idee, mit der Freundin im Mannschaftsheim am Wochenende zu duschen, weil der „Sektor“ in Sichtweite der Fehmarnsundbrücke lag und nur 500m vom Strand entfernt war.

Auf der anderen Seite hatte der ‚Spieß‘ auch keine Lust, einen Bericht zu schreiben, weil der uU hätte fragen müssen, wie man was schreibt. Und das passt nicht, wenn man ganz streng sein will.

Der ist auch ganz schnell wieder raus. Man kann ja als Hauptfeldwebel keine nackten Frauen ins ‚Achtung‘ stellen. Da hatte der vielleicht Sorge, dass meine Freundin einen Bericht schreiben könnte.

Das mit dem Kotflügel, der wochenlang auf der Spind lag, war auch doof.

Den sollte ich auch wegnehmen, aber es steht jedem ja ein Kunstgegenstand zu und so habe ich den damals genannt:

„Kunst“

Musste dann nur abstauben.

Reinhard hatte irgendwie den Lack nicht bekommen, der saß immer „in Kfz“ oder wie das hieß.

Der Blick über den Fehmarnsund, das war für 12 Monate der Arbeitsplatz mit der besten Aussicht meines Lebens.

Auch wenn man das Ganze kritisch betrachten sollte, hat es große Vorteile, wenn man unter den blauen Klamotten eine Badehose tragen kann und in der Mittagspause am Strand Beach-Ball spielen kann.

Die Vorgesetzten durften da nicht mittun. Das muss bitter gewesen sein, schließlich waren die echt jung, sahen aber teilweise schon verlebt aus.

–

Und in den letzten Tagen hat mich die bekannte Schlagersängerin aus den 60ern und 70ern im Café immer geduzt.

So ist Dänemark.

Ich sieze die natürlich, würde ja auch keine andere Frau von über 70 duzen. Die darf das.

Es wäre auch nicht nett, über die alten Lieder zu sprechen, glaube ich.

Hund, Wetter und die Besatzungszeit in Berlin sind reizvoller.

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Die „Anrede“ war auch in der Oberstufe nicht immer einfach.

Sicher regt man sich als Lehrer bei mathematischer „Faulheit“ auch mal auf und wird ’streng‘.

Da weiß man im Nachhinein selbst nicht, ob das berechtigt war oder ob man lediglich mehr ‚Aufmerksamkeit‘ brauchte.

Eine ist mir in besonderer Erinnerung geblieben in solchen ’strengen‘ Momenten.

Die ist jetzt selbst Lehrerin.

 

Die meldete sich genau dann, lächelte freundlich und sagte leise in die brennende Luft:

„Aber Sie sind doch unser Freund!“

Entwaffnend.

Brand gelöscht.

Mit einer „Anrede“.

Perfekt.

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„Time is an ocean, but it ends at the shore“

What’s App II

What’s App II

Sohn befindet sich auf einer Klassenfahrt und schreibt.

Mutter:
Hallo Stummi, wie war Dein Tag? Ich hoffe gut! Wie sind die Betten? Küßchen Mami 😘

Sohn, 85kg, 190cm:
Tag war mäßig, Planung komplett fürn Arsch, 8Std. im KZ verbracht. Gelände ist schon sick, das originale Tor von damals steht noch, sonst nur Steine auf dem Gelände. Aufstehzeiten zum kotzen: 0630. Keine Zeit abends mal richtig mit der Klasse abzuhängen. Morgen wieder ins KZ keine aus der Klasse hat da noch ansatzweise Bock drauf. Aber Betten sind in Ordnung ;)😘

Mutter:
Ach schade. Habt Ihr denn keine Führung und so? Aber jetzt könnt Ihr doch abhängen. Macht mal was nettes. 😍😘

Sohn:
Essen im KZ ist zu wenig, ein Stück Schweinefleisch mit bisschen Kartoffel usw. -> 7€😘

Mutter:
😳🙄 dann geht doch jetzt noch essen.

Sohn:
Habe für 5€ nen Döner gegessen gestern. Bekomme was gebracht 😉

Mutter:
Ah, gut 😉😃 viel Spaß noch 😍🙋🙆🤓

Kleine Tochter, übernimmt Handy von Mutter:
Mama ist gerade hochgegangen und muss noch telefonieren oder so. Ich schreibe jetzt für Mama. 😘😉

Sohn:
Ahja, jetzt schreibe ich also mit dem Kleingemüse ja?😄😘 Perfekt!❤ ja, die Geschäftsreisen hier und da gehören nunmal dazu 😘 bin ja bald zurück

Kleine Tochter:
❤ist voll langweilig ohne dich…😘
Bist ja nächste Woche zurück.

Sohn:
Diese Woche du Eumel😄😄 Freitag; )

Tochter:
Jap Bis nächste Woche👋😉
….
Upsi dann eben Freitag.
Ist auch besser so😘
muss jetzt duschen
Vaddern regt sich schon auf😂

Sohn:
Ja oder? ;* ja sieh zu mois

Tochter:
😂tschüss

Sohn:
Haustde;)😘

 

Die Kanzlerschaft

*Die Kanzlerschaft*
Wenn ich es mir genau überlege, will ich gar nicht Kanzler werden. So einfach ist das nämlich gar nicht. Meine Frau zum Beispiel, die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte, würde das unter Umständen so bewerten wie Franz-Josef Strauss. Der sagte auch mal, dass es ihm egal sei, „wer unter ihm Kanzler wird“.

Man merkt schon, … und das war jetzt nicht beabsichtigt, dass ich ausgerechnet vom „Merken“ schreibe …. also man merkt schon bei den alltäglichen Kleinigkeiten, wie schwierig es ist, verschiedene Interessen unter einen Hut zu bringen, wenn man nur zwei Hände und ein einfaches Gehirn hat. Andererseits bin ich nun mal keine Frau, das ist ein Nachteil im sozialen Zusammenleben.

Beim Fernsehprogramm geht es schon los:
Die Kleine will „Violetta“ sehen, der große Sohn den ‚Prügelfilm‘, meine Frau den ‚Bügelfilm‘ und ich, ach egal, ich nehme das, was ich vielleicht gesehen hätte, einfach auf und lösche das ein paar Tage später ungesehen. Das ist ein gutes, zeitsparendes Verfahren mit dem man keinen einzigen interessanten Film verpasst. Zumindest vermeidet man das Gefühl des Verpassens und Gefühle sollte man um keinen Preis unterschätzen.

Deutlich schwieriger wird es bei der morgendlichen Versorgung der Brut mit Brötchen. In Frage kommen der kleine Laden mit den Brötchen vom Dorf, der Bio-Bäcker am Kreisverkehr und „Tankstellenbrötchen“. Der Hund darf nur zur Tankstelle mit rein, bei den beiden anderen fehlen Möglichkeiten den schwarzen Vierbeiner neben dem Eingang zu parken. Da ruft man dann von der Ladentür die Bestellung zum Tresen, hat aber das Problem, dass man verbal einen Platz in der Schlange verteidigen muss. Unpraktisch, aber die Brötchen liegen einfach weiter vorn.

Das ist ja nur das Organisatorische. Die Produktauswahl ist das eigentliche Problem. Das kleine Kind will das spezielle Schokobrötchen, das es nur an der Tankstelle gibt, der Sohn will ‚Russen‘ vom Bio-Bäcker, ich die weichen hellen ‚Einfachen‘ vom Dorfbäcker und meine Frau will Körnerbrötchen, aber knackig mit sehr vielen Körnern auch innen, aber umgeben von weichem Teig. Die gibt es in der ganzen Stadt … nicht. Da sind Unzufriedenheiten vorprogrammiert. Und so geht es Angela mit der CSU auch.

Ich würde die einfachen „Frischlinge“ vom Bio – Bäcker auch gut finden, aber die werden grundsätzlich zu lange gebacken und sind mir immer etwas zu dunkel und zu kross. Ich sage das natürlich jedes Mal, dass die ‚meinen Kindern zu dunkel‘ sind, damit die mich nicht als „schwierigen Kunden“ betrachten, der ich in Wirklichkeit bin.

Heute waren die wieder so dunkel, dass ich das besonders deutlich sagen musste. Immerhin hatten die beiden brötchenrunden Damen den Hund auf meinem Arm zugelassen. Die eine hat sogar gesagt, das ihr selbst die Frischlinge „auch zu dunkel“ sind. Dann hat die andere gesagt, dass die, die die so dunkel gebacken hat, sich gerade hinten in der Backstube versteckt.

Das hat die leider gehört und kam um die Ecke und hat gefragt, was mit den Brötchen los ist. Die war ganz neu und eine richtig schlanke Körnerstange mit einem Pferdeschwanz so hell wie ich das bei Frischlingen gern mag. Und dann hat mein Mund Worte geformt, die mit den Brötchen nichts mehr zu tun hatten.

„Ich habe gerade gesagt, dass Sie die Brötchen so schön dunkel und knackig backen, dass ich jetzt jeden Tag kommen werde.“

Da hat die sich gefreut, aber die beiden anderen haben die Köpfe geschüttelt und nur etwas wie „War ja klar!“ gesagt. Oder so ähnlich, denn ich habe das nicht so genau gehört, weil ich mich nur auf eine Person konzentrieren kann.

Da muss man Schwerpunkte setzen, die mit den Brötchen nichts zu tun haben. Und so geht es Angela auch gerade.

Aber ohne Pferdeschwänze.

Das Alter

*Das Alter*

Es ist noch nicht lange her, da habe ich Jenny gefragt, wie alt denn ihr Mathematik-Lehrer ist. Sie meinte dann „Boah, der ist schon ziemlich alt!“.

Dann habe ich nachfragen müssen, ob der bald pensioniert wird, aber sie meinte „Nein, noch nicht, aber 40 könnte der schon sein“.

Natürlich musste ich nachfragen, wie alt sie mich denn so schätzt, aber zum Glück hat sie dann nur gelacht und so eine wegwerfende Handbewegung gemacht. Dann sind wir lieber wieder zu den Hypothesentests übergegangen, die werden nie alt.

„Ältere Generation“ beginnt für angehende Abiturienten mittlerweile bei der Zahl 40.
„Ich denke viel an die Zukunft, weil das der Ort ist, wo ich den Rest meines Lebens verbringen werde.“

…. das hat Woody Allen mal gesagt, aber ich bin nicht ganz sicher, ob sein Verfahren so gut ist, so viel an die Zukunft zu denken.

Heute hat ‚Claudia Michelsen‘ so traurig und nachdenklich geschaut, weil sie bald 40 wird obwohl sie wirklich nicht so aussieht.

Und am Wochenende waren wir bei einem „49i“-Geburtstag. Ich dagegen wohne schon lieber in einer Hausnummer „38“ als in „29i“.

Dieses Jugendliche, dieses das Alter Kaschierende, davon halte ich rein gar nichts. Vor allem muss man ja bei „49i“ schon etwas rechnen damit das auch passt. Das ist viel zu mühsam.

Ich glaube, dass es auch ein völlig falscher Ansatz ist, wenn man das eigene Alter so realistisch betrachtet oder sich gar schön rechnet.

Macht man sich jedoch anders herum „älter“ als man ist, so hat man viel weniger Probleme und bekommt sogar mehr positive Rückmeldungen!

Zum Beispiel sage ich gern Sätze wie:

„Im übernächsten Jahr bin ich im sechzigsten Lebensjahr.“

Dazu muss man dann lächeln.

In der Realität bin ich dann zwar gerade erst 57 geworden, aber die Reaktionen hören sich dann immer eher an wie „Neiiiin, das hätte ich ja niiiie gedacht“.

Das liegt auch daran, dass viele Menschen nur „60“ hören und den Rest nicht. Zusätzlich spielt auch eine gewisse Rolle, dass man gar nicht 60 ist.

Sogar, wenn man gefragt wird, wie es einem geht und man sagt „Gut, … ich weine nur noch, wenn ich nicht esse“, dann sagen die Leute auch bloß „Freut mich zu hören“, weil sie nach dem „Gut“ schon gedanklich abgeschlossen hatten.

Das ist aber gar nicht der wesentliche Effekt, also das mit den Komplimenten, wenn man sich etwas älter macht:

Man muss dieses Verfahren vor allem für sich *selbst* nutzen. Spricht man oft von Lebensjahren im Zusammenhang mit dem nächsten oder übernächsten Jahr, ist man immer wieder postiv überrascht, wenn man beim Zahnarzt zufällig das eigene Geburtsdatum sieht und plötzlich merkt, dass man jünger ist … als man ständig sagt. Es tritt eine Art Gewöhnungseffekt an bestimmte Zahlen ein. Und dann sind die Nullerjahre auch nicht so überraschend. Und vermutlich kann man dem Tod auf diese Weise später auch noch ein paar Jahre abhandeln. Der ist auch bloß ein Mensch.

Früher fand ich mich auch mit 75kg zu schwer, aber wenn ich heute nach meinem Gewicht gefragt werde, haue ich verbal gern einen Sack Kartoffeln drauf, weil andere dann sagen, dass man das mit den angeblichen 85kg „gar nicht gedacht hätte“. Außerdem ist es nicht schlimm, wenn die Waage die 85 erreichen würde, weil man das ja schon seit Jahren erzählt hat.

Beim Arzt mache ich das natürlich nicht, sonst spricht der über Ernährungsfragen und Sport, das höre ich nicht gern und deshalb parke ich beim Gewicht verbal einen ganzen Sack Kartoffeln im Wartezimmer.

Manchmal messen die dann aber und ich bin total überrascht wie ungenau die heimische Waage ist.
Vermutlich kennen die das schon.

Bei den Zigaretten sage ich „8 bis 10“ und nuschele „… bis 16 Uhr“, damit ich mir nicht wie ein Lügner vorkomme. So gut hört der Arzt nämlich auch nicht mehr.

Ich würde auch nicht machen, was der Arzt sagt, wenn ich ehrlich wäre.

Ich werfe den Korken immer gleich weg

*Ich werfe den Korken immer gleich weg*
Wir waren wieder eingeladen, dieses Mal zu einer nächtlichen Geburtagsfeier weit ab von der großen Stadt. In letzter Zeit lasse ich die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte, knapp 50% der Strecken fahren, früher, also bis vor 2 Wochen, fuhr ich 25 Jahre lang 98,5% aller gemeinsam zurückgelegten Kilometer. Auch bei 6000km im Urlaub über drei Wochen.

Ich kann mich beim Fahren besser entspannen als auf dem Beifahrersitz obwohl sie jetzt sogar manchmal den Tempomaten verwendet. Meine Frau ist eine richtig gute, zu verbalen Aggressionen neigende Fahrerin.

Am meisten stört es mich allgemein, wenn jemand das Gaspedal verwendet wie einen Kugelschreiber und grundlos darauf herumdrückt. Ich mag es fließend, konstant und ruhig. Also im Auto. Toll ist, wenn man über 100km auf der Autobahn das Bremspedal gar nicht berührt oder wenn ein ebenso Empfindender 30 Minuten lang in gutem Abstand hinter einem selbst fährt. Die grüße ich dann auch gern mal.

Gestern hatte „Anna“ vom Navi wieder keine Ahnung und machte drei Fehler, die offenbar auch anderen Gästen widerfuhren. Da ist es dann schon schön, wenn man den alten Straßenatlas aufgehoben hätte. Ich habe ja den meinen noch in meinem vollen Kofferraum. Meine Frau hat es lieber ordentlich mit NaviAnna und ohne eine AtlasAnna.

Mit Stella, Anka und meiner Frau hatten wir einen netten Tisch und konnten verfolgen wie die Massen die Tanzflächen betanzten. Das ist ja über 50 oft mehr ein Phänomen einzelner Massen und nicht eines von sehr vielen Personen.

Die drei Damen wurden gut betreut von zwei Herren meines Alters aber etwas älterer Optik. Beide grau, beide mit Bärten auf der Oberlippe, etwas länger seitlich. Auch im Nacken. Sozusagen etwas „Magnum“.

Der eine brachte immer neue Sektflaschen, die waren aber so rosa, für Mädchen eben.

„Na, nächste Flasche, Püppis?“, hat der längere immer gesagt. Ist halt ein Dorf da. Mir hat der nie etwas eingeschenkt, mich auch nicht gefragt, aber ich hätte ja eh gedankt, weil ich kaum Alkohol trinke und die Damen noch in die große Stadt zurückbringen wollte.

Der kleinere der beiden trug ein schwarzes Muskel-T-Shirt, längeres graues Haar, etwas schütter oben, Sandalen und eine kurze, schwarze Lederhose mit Gürtel. Aber wirklich so kurz wie die Fußballer Ende der Achtziger die Hosen trugen. Nicht knalleng aber schon figurbetont, wo es von ihm erwünscht war.

Anka meinte „noch nicht“ als ich fragte, ob das nicht „etwas zu porno“ sei nachdem sie etwas mit ihm gesprochen hatte.

„Bis zum Nabel ist der nett, wenn man Bart und Shirt abzieht“, sagte sie da noch.

Jedenfalls liebte er die drei Damen und unterhielt sie gern. Wie auch die an anderen Tischen, dort jedoch zeitlich knapper. Ich kriege das automatisch mit, er mochte sie auch lieber blond als dunkel. Ich stehe dann auch auf, wenn so einer kommt und lasse ihn gewähren.

Da stand eine Torwand auf dem Rasen und ich konnte eine gute Quote beim oberen Loch mit einem kleinen Ball herausarbeiten während er drei schöne Frauen ‚bearbeitete‘ … mir fällt kein besseres Verb ein.

Sie haben ihn dann aber mit der „Ignoriertechnik“ nach 15 Minuten verscheucht. Das machen junge Frauen oft nicht mehr so geduldig. Anneli, mit der ich gerade mathematisch arbeitete, wurde auch mal von einem jungen Mann angesprochen in dem Café. Und nach 30 Sekunden grinste diese junge Frau ihn nur noch an und sagte schlicht:

„Und jetzt verfatz‘ Dich!“

Mir hat sie erklärt, dass das so einfach schneller geht. Würde mir ja schwerfallen. Aber die kann sich das leisten, weil es vermutlich täglich eine Fußballmannschaft bei ihr versucht.

Dieser Typ in Leder war in den 80ern modisch stehengeblieben. Es gibt zum Stehenbleiben keine schlechtere Zeit. Und die Figur war auch nicht ganz die, die in einen Ferrari paßt. Schließlich ist das 30 Jahre her. Der Ferrari …. bleibt derselbe, Menschen selten.

Ist schon richtig, das liest sich so wie der Abend war: Lang. Bis morgens um 3. Und dann spiele ich weiter Fußball. Trotzdem Kopfschmerzen am Morgen, hatte ich vor 30 Jahren auch noch nicht.

Aber dann kamen wir vier darauf, wie man unsere jeweiligen Autobiographien betiteln sollte oder könnte. Bei Stella war das eh klar, weil sie schon immer meinte, dass eine Flasche leer sein muss oder voll. Deshalb wirft sie jeden Korken nach dem Öffnen gleich weg.

Also: „Ich werfe den Korken immer gleich weg“

Für meine Frau habe ich dann „Alles muss seinen festen Platz haben“ vorgeschlagen. Die anderen haben darüber sehr gelacht, aber meiner Frau war der Witz daran nicht so ganz nachvollziehbar.

Für mich hatte sie dafür „Ich fülle jede Leere“

Damit meinte sie vermutlich meine Bücher und die paar CDs und Lautsprecher, die sie von der Anzahl her als etwas zu reichlich empfindet. Die anderen fanden das auch lustig, also muss sie denen davon erzählt haben. Oder die dachten anders, habe lieber nicht gefragt.
„Wie wäscht man eigentlich ….. Lederhosen?“, hat dann Anka mittendrin gefragt und wir fanden sofort, dass das für sie ein sehr guter Buchtitel wäre.

Er kam dann doch nochmal zu ihr, recht nah, aber ich weiß nicht, ob sie ihn danach gefragt hat. Habe dafür noch dreimal oben links getroffen, mit Effet.

Wie würdet Ihr Eure Autobiographie betiteln?

Worte zu Wörtern

*Worte zu Wörtern*
Es stand ja auch in der Zeitung als das neue „ZEITmagazin Mann“ erstmals erschien:

Männer sprechen täglich durchschnittlich 12000 Wörter, Frauen hingegen 24000.

Das sind 1000 Wörter pro Stunde, wenn die Frau nicht schläft. Wenn die jedoch beispielsweise lange schläft, dann muss sie am Tag sogar recht schnell sprechen!

Das ist zunächst alles schockierend, doch das ist ja alles nur der *Durchschnitt*. Mein Sohn zum Beispiel kann, wenn es nur eine lange Tagesdiskussion gegeben hat, auch deutlich unter 1000 Wörtern bleiben, sogar, wenn man die unverständlichen Wörter mitzählt. Meine Frau, die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte, würde jetzt sagen, dass ich auch noch weitere Söhne mit meinen Tageswörtern auf einen Schnitt von 12000 hochziehen könnte.

Das stimmt nicht.

Selten gibt es auch für einen Tag eine ganz schweigsame Frau, dann muss aber eine andere schon auf 48000 kommen. Wie sprechen die das ab? Das ist schon zeitlich schwer. 48000! Da muss beim Duschen gesungen werden, sonst ist das Vollstress.

Barbara Schöneberger braucht zum Beispiel sehr viel Schlaf. Sonst würde die nicht tagsüber so viel und so schnell reden. Oder ist die nach ihren ca 50000 so fertig, dass sie schlafen muss? Dann geht das ein Leben lang so weiter.

Ich glaube, dass Barbara einen geheimen Vertrag mit Angela hat, die ist nämlich eine 10000er Frau und die Barbara lässt sich die zusätzlichen 14000 bezahlen! Und so entstand auch dieses amerikanisch griffige „Wir schaffen das.“ Angela hatte schon 9997 und mehr durfte sie an dem Tag nicht.

Warum sprechen Frauen so viel und Männer scheinbar so wenig?

Erstens sprechen Frauen untereinander auch *gleichzeitig*. Daher liegen Wörter regelrecht aufeinander und man darf dann nur ein Wort zählen, jedenfalls als Mann. Wir hören nie beide Wörter. Zweitens machen sie das mit der „Gleichzeitigkeit“, also meine speziell, auch bei Männern, die aber dann verstummen und die 13000er Marke nicht erreichen. Ich komme bei übereinander liegenden Wörtern gedanklich sofort vom Weg ab, weil mein Wort immer unten liegt.

Meine Frau aber kommt durch jeden Wort-Dschungel bei sieben sprechenden Frauen an einem Tisch. Es ist wie Hexerei, die ja auch eher von Frauen betrieben wurde. Hexen kennt jeder, den Hexer gab es nur einmal bei Edgar Wallace.

Drittens erfordern Kundenkontakte, Kindergärten und Schulen wesentlich mehr gesprochene Wörter als vorwiegend männliche Tätigkeiten wie zum Beispiel im automobilen Bereich. Im Erziehungssektor arbeiten ja heute mehrheitlich Frauen. Da fragt man sich dann schon mal, wer denn als Lehrer mal bei den Jungs beim Fußball mitspielt. Schon Grundschüler lernen ja, dass man machen soll, was die Frau an der Tafel sagt. Klar, dass die irgendwann rebellisch werden und auch mal Vorstandsvorsitzender sein wollen.

Und heute tunneln ja sogar Erdkunde-Lehrerinnen ihre männlichen Schüler, was denen auch nicht viel Selbstbewußtsein einimpft. Die sitzen danach schweigend an der Playstation. Deshalb müssen sie von Männern ausgespielt werden, das motiviert.

Vielleicht suchen sich Männer auch zu Erholungszwecken Berufe, die wenig gesprochene Worte erfordern. Therapeuten sind meistens männlich. Andererseits hören die ja zu Hause auch viel zu, ich weiß gar nicht, wie die mit diesem Wortstau umgehen. Manche schreiben dann Bücher. Aber vielleicht reden die auch manchmal miteinander. Zahnärzte sagen ja bei der Arbeit nur, was sie gerade machen obwohl das keiner genau wissen will. Das sind auch überwiegend Männer, Frauen schminken hingegen andere um den Mund herum bei Douglas, aber selten innen. Das sieht auch besser aus. Und der Mund, der kann sprechen, beim Zahnarzt gurgelt es dann nur so.

Einen 12000er schaffen männliche Zahnärzte nicht mal. Aber wenn die später oder abends Versicherungen verkaufen würden, könnten die das ausgleichen. Andererseits sagen V-Vertreter ja oft dieselben Texte, fast wie früher Fahrstuhlführer. Ganze wiederholte Sätze darf man an sich nur einmal zählen, wenn es um die Tagesbilanz geht.

Frauen sagen nie denselben Satz zweimal, wenn wir jetzt das Inhaltliche mal weglassen.

Und Frauen denken beim Sprechen sogar weiter, vorher oder auch mal danach. Das habe ich etwas zurückhaltend ausgedrückt, weil ich nur eine Frau gut kenne und ihr zuhöre.

Männer hingegen machen beides nicht gleichzeitig. Sie denken in der Stille und sprechen dann. Das konnte man bei Helmut Schmidt regelrecht sehen, weil er das Denken mit Mentholzigaretten machte. Also nicht richtig aber fast. Und man kann beim Saugen oder Einatmen nicht sprechen.

Ich weiß nicht, wie Frauen das machen.

Manche Männer sprechen gar nicht. Das sind die ganz weisen. Oder die erholen sich gerade akustisch.

Irgendwann kommt dann plötzlich ein Satz, der einen *richtig* umhaut, auch oft ganz kurz nur und regelrecht eruptiv.
Bei mir sagen die manchmal …. „Halt’s Maul“.

Winnetou und Streichholzschachteln

* Winnetou und Streichholzschachteln*

Es fing eigentlich mit Winnetou I an:
Christoph, der Sohn von unserem Hausarzt und der Mann, den ich im Fußballverein vorn mit Bällen füttern sollte, hat mir das erste Karl-May-Buch geschenkt. Er war das, was Old Firehand bei Winnetou ist: Groß, breit, ein Vollblutbrecher, jedenfalls in meiner Erinnerung. Im Training gegen ihn zu spielen, war meist schmerzhaft wie die Zeit am Marterpfahl. Jetzt ist der Arzt, na ja.

Das mit dem Buchgeschenk müsste an meinem 11ten oder 12ten Geburtstag gewesen sein. Das war die Originalausgabe und dann folgten ungefähr 50 weitere, die meisten kann ich fast mitsprechen, so oft habe ich die gelesen. Wenn das Taschengeld nicht für ein neues reichte, musste ein altes nochmal gelesen werden. Manchmal selbst noch mit 18 …. dann konnte man sich nämlich in „gute alte Zeiten“ zurücklesen.

Das funktioniert auch heute noch, aber mit anderen Büchern oder mit alten Musikaufnahmen, mit denen sich unauslöschbare Erinnerungen verbinden. Da weiß man manchmal nicht, ob die Musik die Erinnerung wach hält oder ob die eigentliche Erinnerung die Musik selbst ist.

„Man weiß es ja nicht“, sagt die Kurze ja gern.

Später folgte dann das Sammeln von Streichholzschachteln, Zuckertütchen oder eingepacktem Würfelzucker aus Cafés. Steine und Bleistifte sammele ich heute noch. Bleistifte sind seit Urzeiten das beste Schreibgerät, weil sie mit dem Gebrauch verschwinden. Zusätzlich gibt es schöne Ergänzungsprodukte wie Kappen für die Spitzen und Bleistiftverlängerungen für die Reststifte. Ich verabscheue Kugelschreiber. In der Schule habe ich Kugelschreiber aus teilweise fadenscheinigen Gründen verboten. In der ersten Stunde habe ich erstmal ein großes Kreuz an die Tafel gemalt und „Der Kugelschreiber“ drauf geschrieben. Mit Todesdatum. Die meisten haben das gleich verstanden, weil man ja so eine Art „Ruf“ für jeden kleinen Irrsinn bekommt.

Die Wahrheit war, dass mich das ständige Geklicker mit der Mine gestört hat. Die merkten das ja nicht mal, also das mit dem Klickern, das mit dem Verbot war fühlbarer. Aber wenn man täglich acht Stunden lang klickende Kugelschreiber hört, dann weiß man die Stille von Füllfederhaltern, ’stabilos‘ und Bleistiften erst richtig zu schätzen. Und das bessere Schriftbild auch.

Frauen sammeln vielleicht eher Katzen, Eulen, Glocken, Porzellan oder Plüschtiere in der ersten Phase. Oder eben Schuhe, aber die werden nur als einzelnes Paar präsentiert, aber nicht ausgestellt. Zugegeben haben Schuhe ohne Füße auch immer etwas Leeres, das nach Füllung verlangt. Oder nach Schuhcreme.

Jedenfalls kenne ich wenige Frauen, die beispielsweise zum Sammeln von Musik in gegenständlicher Form neigen.

Karl May ist endlich, Musik ist das nicht.

Das ist ein großer Vorteil für das Sammeln, denn eine vollständige Sammlung verliert jeden Reiz. Unvollständigkeit ist wie Reisen. Ankommen ist oft gar nicht das beste, weil man sich den Gardasee zum Beispiel selten bevölkert vorstellt. Er sieht in der Vorstellung aus wie der Rio Pecos aus Winnetou I im TV. Aber der lag ja meines Wissens in Kroatien. Ob dort jetzt Hochhäuser stehen, wo vor 55 Jahren das Pueblo der Apachen stand? Vielleicht will man auch das gar nicht wissen.

Irgendwann kommt dann der sogenannte „Rappel“ und man wirft fast alles weg. Streichholzschachteln, Zucker, sogar einen Berg Konzerttickets aus den 70ern bis zum Ende der 90er habe ich einmal weggeworfen. Und ca 8000 CDRs ohne Hüllen in 5 IKEA-Beuteln an eine Kunstschule zum Basteln abzugeben, war zwar sinnvoll, aber wenn man sich ansieht, was da drauf war an seltenen Aufnahmen, kommt man ja auch nicht weiter als bis zur Hundersten. Trotzdem schade. Irgendwie.

Die ganz schlimmen Männer ‚machen ja Länder‘ bei ihren Freundinnen. Aber seitdem es durch die ganzen separatistischen Bewegungen ständig Neuland gibt, kommen die auch nicht weiter.

Manche ‚machen auch Vornamen nach ABC‘, aber bei ‚X‘ und ‚Y‘ haben die dann immer Lücken.

B. hat nämlich mal zu Anastasia gesagt:

„Du, bei ‚A‘ bin ich fertig und Ukraine auch, sorry.“ Das hat sie mir mal erzählt.

Solche Sammler mag ich nicht so, dann lieber Winnetou und Kara Ben Nemsi. Ich weiß auch nicht, was A. jetzt an B. fand. Und Ukraine ist gar nicht uninteressant als Thema, paßt jetzt aber nicht.

Briefmarken! Die habe ich total vergessen!

Klar, denn nachdem ich die zusenden ließ und nicht mehr bei der Post am Erscheinungstag holte, war zwar alles komplett, aber der Spaß bekam ein Kreuz wie der Kugelschreiber. Irgendwann bekommt Dylan auch eines.

Dann weiß ich noch nicht, was ich dann machen soll.

Alles wegen der Frauen

*Alles wegen der Frauen*

Irgendein kluger Mensch hat mal gesagt, dass der Mann alles, oder zumindest das meiste im Leben, der Frauen wegen tut. Ihr könnt das ja mal googlen, denn ich gehe davon aus, dass Leser hier überwiegend männlich sind und dann mache ich das mit Google nicht extra.

Jedenfalls habe ich in der 4. Klasse Stephanie aus der Dritten oft den Ranzen nach Hause getragen, damit sie unbelastet Sumpfdotterblumen vom Waldrand pflücken konnte. Leider hat sie mir nie welche gegeben. Die hat Markus aus der anderen Siedlung vermutlich bekommen, obwohl der mit dem Rad fuhr und trotzdem ihr Zeug nicht mitnahm.

In der Fünften habe ich dann Regina immer einen Platz in der Linie 5 freigehalten. Hat nicht immer geklappt und geredet haben wir auch nicht viel, aber ich konnte wenigstens neben ihr sitzen. Jahre später, in der Neunten, hat sie mich ja kurz vor der Schultür nach der letzten Stunde gefragt „ob wir zusammen gehen wollen“. Während ich noch drei Schritte zur Tür machte, um die zu öffnen, schob sie dann „…. durch die Tür?“ nach.

Ihren Geburtstag weiß ich nicht zuletzt deshalb bis heute. Das mit dem Bus, das hat sich im Nachhinein nicht so gelohnt. Also bei Regina. Blöde Kuh.

Und weil Urike in der Dritten mal gegen mich im Kopfrechnen gewonnen hat, habe ich dann später Mathematik studiert. Leider ist jetzt meine Tochter schneller als ich.

Viel schlimmer ist ja dieses Warten und Nichtstun im Schwebezustand einer „Beziehung“, die noch keine ist oder keine wird. Das ist ja einerseits ganz gut, weil die Hoffnung nicht stirbt, andererseits macht diese Verliebtheit auch nicht komplett glücklich. Hätte ich das früher mal angesprochen, wäre es jedoch einfacher gewesen, sich anderswo umzusehen. Macht man ja nicht so konsequent.

Und das perfektioniert man ja gern später, dieses Leben im …. Schwebezustand.

Zum Beispiel denkt man als Oberstufenschüler immer daran, dass man für eine Arbeit lernen muss, aber dann saugt man lieber erstmal Staub und sortiert die Bücher neu, um eine arbeitsfähige Umgebung zu haben. Danach ist man müde und muss den Anfang auf den nächsten Tag verschieben. Mit etwas Glück ruft dann jemand an, den man lange nicht gesehen hat, und man kann den nächsten Tag mit ganz üblem Gewissen auch noch um die Ecke bringen. Natürlich geht das auch über Wochen so. Das ist Übungssache.

Jedenfalls musste ich später beide Examensarbeiten jeweils innerhalb von drei Wochen schreiben und abgeben. Das ist natürlich voll stressig, aber mit einem Horizont von fünf Monaten kann man sich auch 20 Wochen total mit der Schreiberei versauen. Ich hatte dafür 17 Wochen lang ein schlechtes Gewissen, das auch nicht so der größte Hit war. Leider hat das mit dieser Technik schon beim Abitur geklappt. Da haben manche im Januar angefangen zu lernen und ich startete dann drei Tage vor dem Mathe-Abi voll durch. Danach habe ich dann für die anderen Arbeiten gelernt. Das ist etwas anstrengend. Hätte ich dann eine richtig schlechte Note irgendwo bekommen, dann hätte ich das bestimmt gelassen.
So hatte ich aber Zeit für Karina und Susanne, die noch nicht mit den Prüfungen dran waren. Ich glaube, ich mache das beim nächsten Abitur wieder genauso, aber nicht wieder mit Karina und Susanne.

Ich gebe auch immer zwei Steuererklärungen auf einmal ab. Dann hat man diesen Mist nur alle zwei Jahre. Andererseits dauert das nur zwei Stunden. Da denke ich dann *jedesmal*, dass das ja „halb so wild war“ und nehme mir vor, das „beim nächsten Mal ganz schnell“ zu erledigen. Aber dann will jemand gerade etwas in Mathe wissen oder ich muss mich mit den Dylan-Konzerten von 1991 dringend beschäftigen, weil das ein sehr interessantes, total unterschätztes Jahr ist.

Oder das Wetter ist zu gut, um es nicht zu nutzen … zum Sitzen.

Natürlich mache ich den Ölwechsel beim Auto immer pünktlich und ich lasse auch den Hund im vorgegebenen Zeitrahmen impfen. Das sind ja ganz andere Aufgaben.

Bei der Steuererklärung fragt die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte, immer nach, „wie weit“ ich denn so sei. Und ich glaube, dass ich wegen der Nachfragen keine Lust dazu habe. Ich selbst hätte das längst fertig. Also vielleicht.

„Man weiß es ja nicht“, so sagt das die Kurze.

Auto und Hund, die haken da nie so energisch nach. Und dann mache ich das auch alles. Na, fast.

„Alles nur wegen der Frauen“, hab‘ ich doch gesagt.