*Ich werfe den Korken immer gleich weg*
Wir waren wieder eingeladen, dieses Mal zu einer nächtlichen Geburtagsfeier weit ab von der großen Stadt. In letzter Zeit lasse ich die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte, knapp 50% der Strecken fahren, früher, also bis vor 2 Wochen, fuhr ich 25 Jahre lang 98,5% aller gemeinsam zurückgelegten Kilometer. Auch bei 6000km im Urlaub über drei Wochen.
Ich kann mich beim Fahren besser entspannen als auf dem Beifahrersitz obwohl sie jetzt sogar manchmal den Tempomaten verwendet. Meine Frau ist eine richtig gute, zu verbalen Aggressionen neigende Fahrerin.
Am meisten stört es mich allgemein, wenn jemand das Gaspedal verwendet wie einen Kugelschreiber und grundlos darauf herumdrückt. Ich mag es fließend, konstant und ruhig. Also im Auto. Toll ist, wenn man über 100km auf der Autobahn das Bremspedal gar nicht berührt oder wenn ein ebenso Empfindender 30 Minuten lang in gutem Abstand hinter einem selbst fährt. Die grüße ich dann auch gern mal.
Gestern hatte „Anna“ vom Navi wieder keine Ahnung und machte drei Fehler, die offenbar auch anderen Gästen widerfuhren. Da ist es dann schon schön, wenn man den alten Straßenatlas aufgehoben hätte. Ich habe ja den meinen noch in meinem vollen Kofferraum. Meine Frau hat es lieber ordentlich mit NaviAnna und ohne eine AtlasAnna.
Mit Stella, Anka und meiner Frau hatten wir einen netten Tisch und konnten verfolgen wie die Massen die Tanzflächen betanzten. Das ist ja über 50 oft mehr ein Phänomen einzelner Massen und nicht eines von sehr vielen Personen.
Die drei Damen wurden gut betreut von zwei Herren meines Alters aber etwas älterer Optik. Beide grau, beide mit Bärten auf der Oberlippe, etwas länger seitlich. Auch im Nacken. Sozusagen etwas „Magnum“.
Der eine brachte immer neue Sektflaschen, die waren aber so rosa, für Mädchen eben.
„Na, nächste Flasche, Püppis?“, hat der längere immer gesagt. Ist halt ein Dorf da. Mir hat der nie etwas eingeschenkt, mich auch nicht gefragt, aber ich hätte ja eh gedankt, weil ich kaum Alkohol trinke und die Damen noch in die große Stadt zurückbringen wollte.
Der kleinere der beiden trug ein schwarzes Muskel-T-Shirt, längeres graues Haar, etwas schütter oben, Sandalen und eine kurze, schwarze Lederhose mit Gürtel. Aber wirklich so kurz wie die Fußballer Ende der Achtziger die Hosen trugen. Nicht knalleng aber schon figurbetont, wo es von ihm erwünscht war.
Anka meinte „noch nicht“ als ich fragte, ob das nicht „etwas zu porno“ sei nachdem sie etwas mit ihm gesprochen hatte.
„Bis zum Nabel ist der nett, wenn man Bart und Shirt abzieht“, sagte sie da noch.
Jedenfalls liebte er die drei Damen und unterhielt sie gern. Wie auch die an anderen Tischen, dort jedoch zeitlich knapper. Ich kriege das automatisch mit, er mochte sie auch lieber blond als dunkel. Ich stehe dann auch auf, wenn so einer kommt und lasse ihn gewähren.
Da stand eine Torwand auf dem Rasen und ich konnte eine gute Quote beim oberen Loch mit einem kleinen Ball herausarbeiten während er drei schöne Frauen ‚bearbeitete‘ … mir fällt kein besseres Verb ein.
Sie haben ihn dann aber mit der „Ignoriertechnik“ nach 15 Minuten verscheucht. Das machen junge Frauen oft nicht mehr so geduldig. Anneli, mit der ich gerade mathematisch arbeitete, wurde auch mal von einem jungen Mann angesprochen in dem Café. Und nach 30 Sekunden grinste diese junge Frau ihn nur noch an und sagte schlicht:
„Und jetzt verfatz‘ Dich!“
Mir hat sie erklärt, dass das so einfach schneller geht. Würde mir ja schwerfallen. Aber die kann sich das leisten, weil es vermutlich täglich eine Fußballmannschaft bei ihr versucht.
Dieser Typ in Leder war in den 80ern modisch stehengeblieben. Es gibt zum Stehenbleiben keine schlechtere Zeit. Und die Figur war auch nicht ganz die, die in einen Ferrari paßt. Schließlich ist das 30 Jahre her. Der Ferrari …. bleibt derselbe, Menschen selten.
Ist schon richtig, das liest sich so wie der Abend war: Lang. Bis morgens um 3. Und dann spiele ich weiter Fußball. Trotzdem Kopfschmerzen am Morgen, hatte ich vor 30 Jahren auch noch nicht.
Aber dann kamen wir vier darauf, wie man unsere jeweiligen Autobiographien betiteln sollte oder könnte. Bei Stella war das eh klar, weil sie schon immer meinte, dass eine Flasche leer sein muss oder voll. Deshalb wirft sie jeden Korken nach dem Öffnen gleich weg.
Also: „Ich werfe den Korken immer gleich weg“
Für meine Frau habe ich dann „Alles muss seinen festen Platz haben“ vorgeschlagen. Die anderen haben darüber sehr gelacht, aber meiner Frau war der Witz daran nicht so ganz nachvollziehbar.
Für mich hatte sie dafür „Ich fülle jede Leere“
Damit meinte sie vermutlich meine Bücher und die paar CDs und Lautsprecher, die sie von der Anzahl her als etwas zu reichlich empfindet. Die anderen fanden das auch lustig, also muss sie denen davon erzählt haben. Oder die dachten anders, habe lieber nicht gefragt.
„Wie wäscht man eigentlich ….. Lederhosen?“, hat dann Anka mittendrin gefragt und wir fanden sofort, dass das für sie ein sehr guter Buchtitel wäre.
Er kam dann doch nochmal zu ihr, recht nah, aber ich weiß nicht, ob sie ihn danach gefragt hat. Habe dafür noch dreimal oben links getroffen, mit Effet.
Wie würdet Ihr Eure Autobiographie betiteln?