*Das Alter*
Es ist noch nicht lange her, da habe ich Jenny gefragt, wie alt denn ihr Mathematik-Lehrer ist. Sie meinte dann „Boah, der ist schon ziemlich alt!“.
Dann habe ich nachfragen müssen, ob der bald pensioniert wird, aber sie meinte „Nein, noch nicht, aber 40 könnte der schon sein“.
Natürlich musste ich nachfragen, wie alt sie mich denn so schätzt, aber zum Glück hat sie dann nur gelacht und so eine wegwerfende Handbewegung gemacht. Dann sind wir lieber wieder zu den Hypothesentests übergegangen, die werden nie alt.
„Ältere Generation“ beginnt für angehende Abiturienten mittlerweile bei der Zahl 40.
„Ich denke viel an die Zukunft, weil das der Ort ist, wo ich den Rest meines Lebens verbringen werde.“
…. das hat Woody Allen mal gesagt, aber ich bin nicht ganz sicher, ob sein Verfahren so gut ist, so viel an die Zukunft zu denken.
Heute hat ‚Claudia Michelsen‘ so traurig und nachdenklich geschaut, weil sie bald 40 wird obwohl sie wirklich nicht so aussieht.
Und am Wochenende waren wir bei einem „49i“-Geburtstag. Ich dagegen wohne schon lieber in einer Hausnummer „38“ als in „29i“.
Dieses Jugendliche, dieses das Alter Kaschierende, davon halte ich rein gar nichts. Vor allem muss man ja bei „49i“ schon etwas rechnen damit das auch passt. Das ist viel zu mühsam.
Ich glaube, dass es auch ein völlig falscher Ansatz ist, wenn man das eigene Alter so realistisch betrachtet oder sich gar schön rechnet.
Macht man sich jedoch anders herum „älter“ als man ist, so hat man viel weniger Probleme und bekommt sogar mehr positive Rückmeldungen!
Zum Beispiel sage ich gern Sätze wie:
„Im übernächsten Jahr bin ich im sechzigsten Lebensjahr.“
Dazu muss man dann lächeln.
In der Realität bin ich dann zwar gerade erst 57 geworden, aber die Reaktionen hören sich dann immer eher an wie „Neiiiin, das hätte ich ja niiiie gedacht“.
Das liegt auch daran, dass viele Menschen nur „60“ hören und den Rest nicht. Zusätzlich spielt auch eine gewisse Rolle, dass man gar nicht 60 ist.
Sogar, wenn man gefragt wird, wie es einem geht und man sagt „Gut, … ich weine nur noch, wenn ich nicht esse“, dann sagen die Leute auch bloß „Freut mich zu hören“, weil sie nach dem „Gut“ schon gedanklich abgeschlossen hatten.
Das ist aber gar nicht der wesentliche Effekt, also das mit den Komplimenten, wenn man sich etwas älter macht:
Man muss dieses Verfahren vor allem für sich *selbst* nutzen. Spricht man oft von Lebensjahren im Zusammenhang mit dem nächsten oder übernächsten Jahr, ist man immer wieder postiv überrascht, wenn man beim Zahnarzt zufällig das eigene Geburtsdatum sieht und plötzlich merkt, dass man jünger ist … als man ständig sagt. Es tritt eine Art Gewöhnungseffekt an bestimmte Zahlen ein. Und dann sind die Nullerjahre auch nicht so überraschend. Und vermutlich kann man dem Tod auf diese Weise später auch noch ein paar Jahre abhandeln. Der ist auch bloß ein Mensch.
Früher fand ich mich auch mit 75kg zu schwer, aber wenn ich heute nach meinem Gewicht gefragt werde, haue ich verbal gern einen Sack Kartoffeln drauf, weil andere dann sagen, dass man das mit den angeblichen 85kg „gar nicht gedacht hätte“. Außerdem ist es nicht schlimm, wenn die Waage die 85 erreichen würde, weil man das ja schon seit Jahren erzählt hat.
Beim Arzt mache ich das natürlich nicht, sonst spricht der über Ernährungsfragen und Sport, das höre ich nicht gern und deshalb parke ich beim Gewicht verbal einen ganzen Sack Kartoffeln im Wartezimmer.
Manchmal messen die dann aber und ich bin total überrascht wie ungenau die heimische Waage ist.
Vermutlich kennen die das schon.
Bei den Zigaretten sage ich „8 bis 10“ und nuschele „… bis 16 Uhr“, damit ich mir nicht wie ein Lügner vorkomme. So gut hört der Arzt nämlich auch nicht mehr.
Ich würde auch nicht machen, was der Arzt sagt, wenn ich ehrlich wäre.