Die Kanzlerschaft

*Die Kanzlerschaft*
Wenn ich es mir genau überlege, will ich gar nicht Kanzler werden. So einfach ist das nämlich gar nicht. Meine Frau zum Beispiel, die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte, würde das unter Umständen so bewerten wie Franz-Josef Strauss. Der sagte auch mal, dass es ihm egal sei, „wer unter ihm Kanzler wird“.

Man merkt schon, … und das war jetzt nicht beabsichtigt, dass ich ausgerechnet vom „Merken“ schreibe …. also man merkt schon bei den alltäglichen Kleinigkeiten, wie schwierig es ist, verschiedene Interessen unter einen Hut zu bringen, wenn man nur zwei Hände und ein einfaches Gehirn hat. Andererseits bin ich nun mal keine Frau, das ist ein Nachteil im sozialen Zusammenleben.

Beim Fernsehprogramm geht es schon los:
Die Kleine will „Violetta“ sehen, der große Sohn den ‚Prügelfilm‘, meine Frau den ‚Bügelfilm‘ und ich, ach egal, ich nehme das, was ich vielleicht gesehen hätte, einfach auf und lösche das ein paar Tage später ungesehen. Das ist ein gutes, zeitsparendes Verfahren mit dem man keinen einzigen interessanten Film verpasst. Zumindest vermeidet man das Gefühl des Verpassens und Gefühle sollte man um keinen Preis unterschätzen.

Deutlich schwieriger wird es bei der morgendlichen Versorgung der Brut mit Brötchen. In Frage kommen der kleine Laden mit den Brötchen vom Dorf, der Bio-Bäcker am Kreisverkehr und „Tankstellenbrötchen“. Der Hund darf nur zur Tankstelle mit rein, bei den beiden anderen fehlen Möglichkeiten den schwarzen Vierbeiner neben dem Eingang zu parken. Da ruft man dann von der Ladentür die Bestellung zum Tresen, hat aber das Problem, dass man verbal einen Platz in der Schlange verteidigen muss. Unpraktisch, aber die Brötchen liegen einfach weiter vorn.

Das ist ja nur das Organisatorische. Die Produktauswahl ist das eigentliche Problem. Das kleine Kind will das spezielle Schokobrötchen, das es nur an der Tankstelle gibt, der Sohn will ‚Russen‘ vom Bio-Bäcker, ich die weichen hellen ‚Einfachen‘ vom Dorfbäcker und meine Frau will Körnerbrötchen, aber knackig mit sehr vielen Körnern auch innen, aber umgeben von weichem Teig. Die gibt es in der ganzen Stadt … nicht. Da sind Unzufriedenheiten vorprogrammiert. Und so geht es Angela mit der CSU auch.

Ich würde die einfachen „Frischlinge“ vom Bio – Bäcker auch gut finden, aber die werden grundsätzlich zu lange gebacken und sind mir immer etwas zu dunkel und zu kross. Ich sage das natürlich jedes Mal, dass die ‚meinen Kindern zu dunkel‘ sind, damit die mich nicht als „schwierigen Kunden“ betrachten, der ich in Wirklichkeit bin.

Heute waren die wieder so dunkel, dass ich das besonders deutlich sagen musste. Immerhin hatten die beiden brötchenrunden Damen den Hund auf meinem Arm zugelassen. Die eine hat sogar gesagt, das ihr selbst die Frischlinge „auch zu dunkel“ sind. Dann hat die andere gesagt, dass die, die die so dunkel gebacken hat, sich gerade hinten in der Backstube versteckt.

Das hat die leider gehört und kam um die Ecke und hat gefragt, was mit den Brötchen los ist. Die war ganz neu und eine richtig schlanke Körnerstange mit einem Pferdeschwanz so hell wie ich das bei Frischlingen gern mag. Und dann hat mein Mund Worte geformt, die mit den Brötchen nichts mehr zu tun hatten.

„Ich habe gerade gesagt, dass Sie die Brötchen so schön dunkel und knackig backen, dass ich jetzt jeden Tag kommen werde.“

Da hat die sich gefreut, aber die beiden anderen haben die Köpfe geschüttelt und nur etwas wie „War ja klar!“ gesagt. Oder so ähnlich, denn ich habe das nicht so genau gehört, weil ich mich nur auf eine Person konzentrieren kann.

Da muss man Schwerpunkte setzen, die mit den Brötchen nichts zu tun haben. Und so geht es Angela auch gerade.

Aber ohne Pferdeschwänze.

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