Meckerei in Zeiten von Leckerei

*Meckerei in Zeiten von Leckerei*
Natürlich sind es gute Zeiten, wenn die vielen Lichter leuchten und die gebrannten Mandeln duften. Dazu Mutzen, auf die und Poffertjes kann ich kaum verzichten. Bratwürste unter Baumnadeln könnte ich gut umgehen, weil diese fettigen Dämpfe mich eher zu kleinen Umwegen zwingen als zu Besuchen zum Essen im Stehen. Essen im Stehen ist sowieso eine Unsitte der To-Go und To-Stand-Generation.

Das Beste in der Weihnachtszeit sind weder Lebkuchen noch Spekulatius und Stollen sondern der Pannettone aus Italien! Der hält sich bis zum April und dann sind nur noch 6 Monate zu überbrücken …. wenn der nicht vor dem Jahreswechsel unter Puderzucker-Schnee begraben und anschließend weggeschleckt wird.

Dunkel wird es hingegen im öffentlichen Raum immer öfter trotz der vielen Lichter zum Fest der großen Liebe und der teuren Geschenke.

Läßt man jemanden abbiegen, ermöglicht den Spurwechsel oder verzichtet auf die Vorfahrt, um einen reibungsfreien Ablauf im Verkehr zu fördern, so bedankt sich heute deutlich seltener jemand als vor 10 oder 20 Jahren.

Ein Lächeln, ein kurzes Heben der Hand, ein Klick am Warnblinklicht oder ein kurz gereckter Daumen, …. ist das nicht nett, um das Freundliche zu betonen?

Busfahrer, Taxifahrer und die Jungs im Führerhaus von Lastkraftwagen, *die* kennen das noch, die haben die höchsten Quoten beim kleinen Dank der wortlosen Art.

Danke, dass es Euch noch gibt.

Aber sonst …. kein Kommentar.

Kein Lächeln, kein Blinken, keine Hand, kein Daumen.

Oder sind das schon die ersten selbstfahrenden Autos in denen die sitzen?

Haben die Leute keine Zeit, keine Wahrnehmung oder ist es ihnen nur zu anstrengend?

Oder „bringt Ihnen das nichts“?

Man braucht den Dank ja nicht, aber es freut einen schon. Oder brauche ich nur den Wink, der mich kurz lobt? Jeder braucht etwas Lob.

Mittlerweile versuche ich ja, Quoten zu messen, das heißt, dass ich immer eine Kerbe ins Lenkrad beißen möchte, wenn kein Dank kommt und am Schalthebel lecke, wenn „es“ mal funktioniert.

Da wäre das Lenkrad schnell hinüber und der Knüppel bliebe furztrocken.

Aber mir fehlt es auch an Beweglichkeit in der Umsetzung, zugegeben.
Auch das Leben im Digitalen hat sich verändert. Bedenkt man 10 ‚Freunde‘ im Netz mit für sie vielleicht interessanten Noten, so erhalten das alle, das sieht man ja, aber der unpersönliche Schenkungsweg scheint auch dazu zu führen, dass maximal zwei ein kurzes „Nett, danke!“ senden.

An der Stelle merke ich dann, dass ich das nicht mehr mache. Es kommt meist nichts zurück. Nein, ich meine keineswegs ein Gegengeschenk, ich meine die eine …. Zeile.

Eben ein kurzes Blinken, das Zeichen, das sagt:

„Ich weiß, dass Du das nicht musst und es ist nett, dass Du das trotzdem machst.“

… mal wieder Automobile

*… mal wieder Automobile*

Das sind ja die Pferde der Cowboys von heute, anders kann ich mir das nicht vorstellen, warum die fahrbaren Untersätze speziell auf Männer eine gewisse Faszination ausüben.

Frauen, zumindest aber die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte, betrachten das moderne Pferd ja lediglich als Arbeitstiere oder „Gebrauchsgegenstände“ und nicht als Mittel zur Ausdehnung der eigenen Persönlichkeit.

Man weiß es ja nicht.

Anfang der 70er Jahre hatte mein Tante einen neuen Mercedes, einen W128er in dunklem Grün und ohne Typenschild. Das war damals neu, denke ich, dass man ein Auto gegen Aufpreis auch ohne Typenschild bekam. Man nennt den Fahrzeugtyp auch „Strich-Achter“.

In den 70ern waren Autos eher hell, ‚Ganz in Weiß‘, wie Roy auch sang oder auch in Orange, wenn es ein kleines Auto war. Große Limousinen in Farbtönen gab es damals auch, furchtbar.

Dunkelgrün, das war „Understatement“, denn die schwarze Farbe gehörte den Taxiunternehmern und den Bestattungsunternehmern.

Obwohl ich ja noch jung war, ein Kind, das aber schon mit 5 alle der wenigen Modelle kannte, machte mich das mit der Zurückhaltung und dem ‚Understatement‘ minimal mißtrauisch.

Ich habe nämlich meine Tante gefragt, welcher Motor vorn werkelt und ob das Getriebe automatisch schaltet. Das war in den 70ern, ich pubertierte mit Fragen.

„Das ist der Kleinste“, hat sie gesagt.

Das wäre der 200er gewesen.

Wir hatten ja nur 45PS im Kadett B LS Coupe im modisch hellen Blau. Da war selbst ein 200er von Daimler schon fetter. Ich selbst schwärmte von der BMW 02-Reihe oder einer Guilia von Alfa Romeo.

Aber der Tachometer des Benz ging bis 240km/h und der verbale „200er“ hatte zwei Endrohre am Auspuff.

Ein 280er oder schon der 280E!

Understatement ist nicht immer einfach.

–

Auch Namen von Autos haben Traditionen. Man darf sie nicht bedenkenlos abschneiden, die alten Zöpfe. Opel hat mal mehr Autos verkauft als Volkswagen, daran erinnert man sich heute selten.

Kadett, Olympia, Ascona, Manta, Rekord, Commodore, Admiral und Diplomat!

So muss ein Opel heißen!

Astra, Omega, Calibra, Monza und Co., damit begann der Abstieg, nicht mit den qualitativen Mängeln.

Noch schlimmer lief das ja bei den Japanern von Mitsubishi, die haben einen Geländewagen für den kernigen Mann mal „Pajero“ genannt, natürlich weltweit. Ich glaube, den Pajero gibt es schon mehr als 30 Jahre.

In Ländern in denen Spanisch gesprochen wird, haben die echt wenige davon abgesetzt.

„Pajero“ heißt im Spanischen nämlich „Wichser“.

Aber vielleicht gibt es die in Spanien ja dann ohne Typenschild mit geringerem Aufpreis.

Hemingway

*Hemingway*
Nach dem heute kurzen Verbal-Yoga mit Sabrina habe ich draußen vor dem Café noch schnell „Kopfschmerztabletten“ in das Mobiltelefon gehackt.

Ja, üble Sprache heute.

Wenn alles schnell gehen soll, dann wird alles schneller fertig aber nie besser.

Dann habe ich noch den weißen Steingutbecher zurückgetragen nachdem ich den süßen Rest Milchschaum rausgelöffelt hatte.

Und bei der Kaffeeausgabe standen zwei Handwerker und weil die mich so angesehen haben mit meinem Damenkörbchen im Arm und meinem blöden Hut wegen der wilden Haare und der Kälte, habe ich mir die beiden eben auch angesehen.

Der eine sah wie ein junger Handwerker aus. Die wirken manchmal wie die Guten in einem alten Western.

Der andere, der hatte so eine moderne Wollmütze auf und einen kunstvoll gezwirbelten Ziegenbart trug er. Die Hose voll mit Farbe.

Ein Maler, mit blauen, wachen Augen.

Jemand der im Sägewerk arbeitet, trägt den Bart eher kurz, aus Sicherheitsgründen. Farbe kann man ja auswaschen.

Und als ich eben durch die Tür rausgehe, da ruft einer ganz laut:

„Meine Damen und Herren!
Hemingway hat das Gebäude verlassen!“

Herrlich, ich habe noch auf einer Strecke von 100 Schritten gelacht. Das muss aus dem Ziegenbart gekommen sein. Genialer Typ.

Natürlich dreht man sich dann nicht um, man fürchtet ja, dass der Spruch von dem braven Cowboy war und man will, dass es der Ziegenbart war, weil man den cool fand. So kann man sich die Realität nämlich auch hinbiegen, man darf nicht zu genau hinschauen.

Nicht umdrehen, dann war es der mit dem Bart!

Mit so einem Satz rechnet man ja nicht und das ist das Schöne daran.
„Elvis has left the building.“

Das hat der zitiert und kreativ variiert.

Ein Künstler!
Warum ist der Maler geworden, also kein Kunstmaler, sondern einer, der Wände anstreicht?

Und „Hemingway“, toll, oder?

Der Maler war keine 30 Jahre alt.
Natürlich fühlt man sich bei so einem Spruch auch etwas verarscht, aber das ist sehr schön.
So richtig schön verarscht hat mich mal eine 13. Klasse am Freitag nach der 8. Stunde.

Ich hatte immer zwei Wanduhren im Klassenraum, eine hinten für mich, die immer 3 Minuten vor ging und eine zweite neben der Tafel für die Schüler aber die ließ ich ja immer zwei Minuten nachgehen.
Jedenfalls war die letzte Stunde an dem Freitag gefühlt echt kurz. Die waren auch so still rausgegangen und noch mit einem Lächeln so ein „Ciao“, das war … verdächtig.

Aber es war 14:50 Uhr. Konnte man hinten sehen.

In der Halle war aber nix los, totale Stille, keine 400 Schüler auf den Treppen und geklingelt hatte es auch nicht

Und die Uhr in der Halle zeigte 14:20 Uhr.

Fast wie Feuerzangenbowle.

Herrlich.

Lehreruhr vorgestellt.

Gab es viel zu selten.

Habe ich schon mal geschrieben, glaube ich.
Das wäre Hemingway nicht passiert.

Kopfschmerztabletten

*Kopfschmerztabletten*

Heute früh war es wieder besonders schlimm. Das drückt dann so und alles staut sich, man kann gar nicht mehr voran, dazu diese Feuchtigkeit, das macht mich immer ganz fertig, allein schon, weil man dann da sitzt und anderen zusieht, wie sie sich in der Nase pulen.

Es geht nämlich um den Stau am Morgen in dieser Stadt, die weniger Brücken als Venedig hat, aber die einen kompletten Ausfall erzeugt, wenn zwei Brücken lustlos oder defekt sind.

Wir haben ja auch nach 40 Jahren Problemen mit der Mechanik einer Klappbrücke eine neue Klappbrücke gebaut. Schließlich haben wir 40 Jahre Erfahrung mit Klappbrückenproblemen.
Und eigentlich ist der Begriff „Autofahrt“ auch nicht mehr richtig, „Autostand“ ist jetzt auch nicht gut, und ich möchte gern, dass man ab jetzt vom „Autosein“ spricht.

Der Mensch identifiziert sich ja sehr stark mit seinem fahrbaren Untersatz, man merkt das schon daran, wenn jemand sagt:

„Ich stehe am Kanal“.

Die meint ja nur ihr Auto, in der Realität kauft sie gerade ein Haarfärbemittel bei Rossmann.

Andererseits habe ich neulich zu Marc gesagt, dass „mein Getriebe kaputt ist“.

Der hat nur gelacht und gesagt, dass er sich das gar nicht vorstellen kann, dass ich schon ‚Getriebeprobleme‘ habe.

Aber echt jetzt, dieser VW bekommt mit 72000km sein drittes Getriebe und ich fahre so wie meine Oma fahren würde, wenn sie noch leben würde.

„Lunge ist völlig klar und sauber im CT“, hat mein Doktor gesagt.

„Hach, nach 40 Jahren Zigaretten ist das ja schön!“, habe ich dann rausgerotzt. Der hatte gerade einen kleinen Studenten dabei und ich glaube, dass der Arzt deshalb gesagt hat, „das höre ich aber nicht gern“.

Der sieht in Weiß und mit seinem grauen Haar fast so aus wie Gott. Und Gott sieht man nie mit Zigaretten. Darüber hatte ich noch gar nicht nachgedacht, also ob Gott jetzt Raucher ist.

Ob der vegetarisch lebt?
Kann nicht sein, der hat ja auch die Pflanzen erschaffen! Der futtert doch seine grünen Kinder nicht.

Noch belastender wird das mit den Wörtern bei kleinen Wehwehchen und Erkältungen.

Das sind auch Wörter, die man da verwendet, heidewitzka! Da kann’s einem schon schlecht gehen, wenn es einem gut geht!

„Schnupfenspray“
„Hustensaft“
„Grippetropfen“

… und mein absoluter Favorit:

Die „Kopfschmerztablette“.

Wer denkt sich das aus?

Ist das Zeug *für* die Krankheit oder dagegen?

Schon wegen des Wortes lehne ich das ganze Zeug ab. Einfach weniger rauchen, dann geht das weg.

Und da sieht man mal wieder, dass Worte oft falsch sind, aber wenn man alles richtig machen will, kann auch das falsch sein.

Und anstrengend wie gesundes Essen.

Habe wieder zwei Löffel Zucker im Cappuccino.
Super, wenn der Milchschaum so süß ist und etwas knirscht.
—
„Time is an ocean but it ends at the shore“.

Das Autogramm

*Das Autogramm*
„Würden Sie mir bitte ein Autogramm geben?“

Das fragte morgens vor 8 Uhr heute im Café eine junge Frau, die wohl noch zur Schule geht, mich, der so oft in Rot unterschrieb aber nie ein ‚Autogramm‘ geben durfte.

„Aber gern! Wohin soll ich schreiben?“

Sie legte mir eine Postkarte vor, die sie offenbar schon griffbereit hatte.

„Ich heiße Nora.“

Routiniert schrieb ich lässig ein

„Für Dich, Nora!
Auf dass die Sonne für Dich
… sogar nachts scheinen möge ….
Martin :-)“

„Danke! … hmmm, ich dachte, Sie heißen ‚Andreas‘!“

„Hmm. Nein, leider nicht.
Habe ich jetzt Deine Postkarte zerstört?“

„Nein, nein, aber Sie *sind* doch am Theater!“

„Auch das leider nicht, ich sitze da meist nur nebenan und mache Mathematik!“

Schade.

Also wenn Ihr mich mal seht, seid doch so nett und fragt mich nach einem Autogramm.

Es ist ein recht warmes Gefühl.
Sogar, wenn es ein falsches ist. 🙂

Arzttermine

*Arzttermine*

Ich habe davon gehört, dass es manchmal nicht einfach ist, schnell einen Termin bei einem Arzt zu bekommen.

Jedenfalls sitze ich gerade hier bei einem, das ist sozusagen der Fotograph unter den Fachärzten.

Vor knapp 10 Jahren war ich genau hier schon einmal und wollte auch genau wieder hierhin, weil die Assistentin einfach total nett war, das weiß ich noch genau. Und mein Hausarzt hat gestaunt, dass ich schon zwei Tage später den Fototermin hatte obwohl man speziell bei dem Arzt oft vier Wochen warten muss.

Das liegt nicht daran, dass ich mit dem Doktorfotographen mal Fußball gespielt habe und das liegt auch nicht an der Assistentin mit dem ungewöhnlichen Vornamen und dem spanischen Nachnamen. Das hat andere Gründe.
Es ging jedenfalls recht flott.

Noch flotter ging das vor einiger Zeit beim Augenarzt. Da wollte ich gern hin und eine ältlich klingende Stimme schnarrte mir einen Termin im Februar 2017 entgegen.

„Hach, das aber eine lange Zeit. Ich war doch früher auch immer bei Ihnen, da hatte ich immer schnell einen Termin.“

„Moment, ich sehe mal nach …. “

30 Sekunden meiner Wartezeit auf den Februartermin vergehen in der Stille des von mir gehassten Telefons.

„Ach, ja, Sie stehen in der anderen Akte, das wusste ich nicht. Nächste Woche Montag?“

„Hmm, ich bin gerade bei Saturn gegenüber, kann ich nicht gleich kommen? Ich warte auch gern.“

„Ja, dann kommen Sie einfach in 30 Minuten, ja?“

Das war mein Rekord. Von 4 Monaten auf 30 Minuten. Für meine Frau habe ich dann den freien Termin am nächsten Montag gebucht, ‚der ist ja noch frei‘, habe ich grinsend gesagt.

Meine Frau ist nämlich bei der Barmer und hätte sonst lange warten müssen.

Ich bin ja „privat“.

Das ist unfassbar.

 

Sie war leider nicht da.

To Go

To Go

„To-Go“, das heißt „zum Gehen“, wissen Sie ja. Für mich ist das eher nur so ein „Geht-So“.

Das mit dem „Coffee-To-Go“ habe ich noch nicht verstanden. Neulich stand unter einem Schild mit dem „Coffee-To-Go“-Schriftzug sogar noch „zum mitnehmen“. Und das ‚m‘ war auch noch klein, das war dann wieder wie ein Sahnehäubchen.

Es gibt ja diese Notfälle, also wenn man in 3 Minuten abgeholt wird oder so, dann nehme sogar ich einen Pappbecher, aber das kommt nur dreimal jährlich vor.

Ansonsten trinke ich Kaffee im Sitzen aus Steingutbechern oder aus Glas. Das schmeckt aus Pappe auch gleich pappig und ich mag auch keine weiche Pappe mit heißem Kaffee in der Hand halten. Außerdem würde ich bestimmt kleckern und einen Teil verschütten, wenn ich in der anderen Hand die Hundeleine halte. Und für die Zigarette ist auch keine dritte Hand verfügbar.

Möglicherweise werden Menschen in einigen Millionen Jahren vier Hände haben. Zwei für das Mobilgerät und den Mobilkaffee und zwei weitere, um sich gestikulierend zu empören, weil es ja kaum noch Arbeit für die freien Hände gibt.

Die Leute, die es heute offenbar eiliger haben als ich und sich das Pappgetränk auf dem Weg zur Arbeit holen, verstehe ich auch nicht. An sich verstehe ich mit zunehmendem Alter eher weniger als mehr. Das habe ich mir früher doch etwas anders vorgestellt.

Warum gehen die Mobilkaffeetrinker nicht 10 Minuten früher los und genießen 10 Minuten Ruhe mit dem Becher im Sitzen und beim Quatschen mit denen, die das auch so machen?

Mit mir zum Beispiel.

Vielleicht rauchen die auch nicht mehr.
Das könnte ein Grund sein. Man sieht selten jemanden mit einem Pappbecher und einer Zigarette in der anderen Hand. Die meisten „Menschen-To-Go“ sind bestimmt Nichtraucher.

Zusätzlich kann man mit einem Becher Kaffee in den Händen das Handy nicht bedienen. Vielleicht kaufen die alle „Coffee-To-Go“ damit sie für 10 Minuten das Handy nicht benutzen, dann müssten die Hersteller von Mobiltelefonen eigentlich auch für die Müllbeseitigung der 170 Pappbecher pro Jahr und Bundesbürger aufkommen.

Angefangen hat das alles mit „Music-To-Go“ und dem Walkman von Sony. Die Japaner sind an allem Schuld. Ich hatte ja nie einen, wohl aber mobile CD-Player später und einen fetten iPod mit 160GB. Aber im Gehen oder in Bewegung auf dem Rad habe ich die Dinger nie benutzt, sondern im Sitzen im Zug, am Strand oder im Auto.

Und „Politics-To-Go“, das ist seit Donald ja der letzte Schrei. Der klingt bestimmt noch lange nach. Und bei dem hoffen ja viele, dass der bald wieder geht.

Ansonsten habe ich gar nichts gegen „Menschen-To-Go“ sondern nur gegen diese Eile, die sie sich selbst machen und die sie in gewisser Weise auch durch die Welt tragen.

Auf das „Telefon-To-Go“ kann ich trotzdem nicht verzichten. Ich schreibe trotzdem nur im Sitzen und ganz selten an der Käsetheke im Stau bei Sky.

So richtig nervös werde ich nur, wenn ich sehe, dass da irgendjemand versucht, anzurufen. Das kann ich noch weniger leiden als das ganze To-Go.

Das Telefonieren wird auch überschätzt.

 

–

Habe nur die Bilder 2024 reingeklebt. Text ist von 2016. Kann so bleiben.

Ein Jahr oder eine Million

*Ein Jahr oder eine Million*
Es gibt unbequeme Fragen, aber oft sind die Antworten noch unbequemer.

„Der Tatort ist auf vielen Ebenen ein Spiegel der Gesellschaft“, das habe ich eben noch nach dem 1000sten im TV mitbekommen.

Vielleicht sind aber die Fragen und die Antworten, die man sich selbst stellt und beantwortet, das auch.

Wenn ich mir mal so vorstelle, dass der Arzt sagen würde, dass mir noch genau ein Jahr bleibt und ich aber bis zum Schluß bei guter Gesundheit bliebe, dann ist das eine schwierige Situation in der Vorstellung und die Frage ist, was man dann machen würde.

So ganz spontan war eben mein allererster Gedanke, …. also ich überlege ja nie vorher, was ich schreibe, sondern ich denke erst beim Schreiben, manchmal ist das sogar geschrieben bevor ich das verstanden habe …. also der erste Gedanke war, dass ich jeden Tag schon um 8 den ersten Cappuccino trinken würde und im Stammcafe jeden Tag einen mehr. Das wären dann drei am Tag, kalorientechnisch problematisch.

Zweitens würde ich weiterhin ebenso CDs und Vinyl kaufen … auch wenn ich es nicht schaffe, die alle zu hören. Genau genommen kann ich sowieso nicht alle nochmal anhören, die den Weg hierher fanden. Dazu müsste ich 150 Jahre alt werden und pausenlos Musik hören. Klingt nicht nach Spaß, weil da ja auch viel Schrott auf der Strecke liegt.

Also ich würde öfter nach Italien fahren und nach Frankreich, aber nur für jeweils maximal zwei Wochen. Das wäre vermutlich das einzige, was ich wirklich ändern würde. Und ich würde eher an mir bekannte Orte fahren, weil man nur dann merkt, was sich dort wie verändert hat.

Wenn Leute sagen, dass sie unter den vorgebenen Bedingungen ihr ganzes Leben umkrempeln würden, dann frage ich mich immer, warum die dazu die Aussicht auf ein allerletztes Jahr brauchen.

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Alternativ kann man sich auch vorstellen, dass man beim Lotto gewinnt, das ist im Prinzip dieselbe Frage, nur mit mehr Geld statt weniger Tagen.

Also wenn ich so richtig viel Schotter hätte, dann würde ich zuerst meinen Traum, den ich seit 40 Jahren habe, wahr machen:

Ich würde mir ein Paar sündhaft teure handgearbeitete Schuhe anfertigen lassen. Die sollen nämlich ein Leben lang halten und ich stelle mir das wunderbar vor, weil es heißt, dass solche Schuhe mit den Jahren immer besser werden.

Vielleicht wünsche ich mir das aber auch von mir selbst und übertrage das nur von den Schuhen unten nach weiter oben.

Zweitens würde ich mir ein ebenso unauffälliges Auto wie meines kaufen. Aber mit 6 Zylindern und mehr Pferdestärken! Es kann aber auch sein, dass ich mir das von mir selbst wünsche, das weiß ich jetzt auch nicht genau. Aber von außen darf das nicht sichtbar sein, das fände ich ganz schrecklich, also beim Auto.

Und öfter mal ein Rinderfilet!

Aber ich glaube, dass das besser schmeckt, wenn man das nicht ißt.

Und viel mehr Karten für’s Schauspiel und für Konzerte.

Das ist nämlich auch wie Rinderfilet, schmeckt aber noch besser je öfter man davon kostet.

Belohnungen

*Belohnungen*
Es ist klar, dass das jetzt keinen wirklich interessiert. Ist aber auch egal, weil ich das ja mittlerweile eh nur noch für mich selbst schreibe. Und für den Hund.

Jedenfalls hat das schwarze, weibliche Monster beim Morgenkaffee eben einen Postboten von ‚Nordbrief‘ angebellt. Vorher kamen 10 Kunden ohne Gebell zu ihrem Kaffee. Der Hund kennt nämlich nicht nur die gelbe Kleidung der Boten der Deutschen Post, sondern auch die hellblaue von denen von ‚Nordbrief‘.

Hunde bellen Briefträger am liebsten an, weil die ihnen ein Erfolgserlebnis verschaffen.

Menschen machen das ohne Gebell, aber für ein Erfolgserlebnis oder ein gutes Gefühl tun auch die die schrägsten Dinge. Donald Trump zum Beispiel, der musste Präsident werden, weil er von Geld und albernen TV-Shows keine guten Gefühle mehr bekam. Er kann ja schließlich keine Briefträger anbellen. Der wohnt ja im Hochhaus ganz oben.

Ach, die Post und mein Hund.

Der Bote kommt, der Hund bellt und dann geht der Bote wieder. Der Hund denkt natürlich, dass der Bote geht, weil er gebellt hat. Daher sein Erfolgsgefühl. Hunde lieben Erfolge.

Das könnte bei einem meckernden Chef auch so sein. Da muss man ein geeignetes Leckerli in der Tasche haben. Bei Chefs bewirkt da ein Bewunderungskeks oft Wunder. Leider essen die gern ganze Tüten.

Viel einfacher ist das bei Ira, die kann sich nämlich richtig gut selbst belohnen. Sie hat leider nur eine Dusche In ihrem Badezimmer, aber sie liebt es, in einer Badewanne bei Kerzenlicht zu baden.

Und jetzt hat sie eine im Wohnzimmer stehen.
Das finde ich sehr beeindruckend, nicht nur weil sie in der Wanne den ‚Tatort‘ gucken kann.

Zuerst wollte sie eine ganz alte aus Gußeisen, aber die können vier Männer von heute nicht tragen, ihre alte Wanne aus Blech jedoch trägt sie allein.

Nun muss Ira aber vor den gemütlichen Badefreuden zehn Eimer warmes Wasser von der Küche bis zur Wohnzimmerwanne tragen.

„Das ist nicht so schlimm“, hat sie gesagt, „das Rausschöpfen nach dem Bad ist viel nerviger gewesen.“

Nun hat ihr Vater ihr eine Pumpe zum Abpumpen geschenkt und das geht jetzt ganz einfach.

Meine Wanne im Badezimmer mit Direktanschlus und Abfluss finde ich richtig langweilig seit sie mir das erzählt hat.

Ich habe leider keinen Fernseher im Bad.

Unrein

*Unrein*

Ich selbst würde mich gar nicht als „unsauber“ bezeichnen, also solange man das gedanklich Schmutzige mal weglässt. Das bleibt von außen unsichtbar und das ist auch gut so. Wenn man das sehen könnte, dann wäre die Welt ausschließlich von Schmutzfinken bevölkert.

Jedenfalls verlasse ich morgens das Haus niemals ungeduscht. Rasieren, das mache ich an sich immer freitags, genauso wie ich montags zur Bücherei gehe. Der Mensch braucht gewisse Rhythmen auch ohne Musik.

Allerdings verändern sich die Gewohnheiten beim Thema Reinlichkeit, wenn man sich einen Hund anschafft, … minimal.

Der will ja morgens gleich raus und es ist mühsam, einem Tier die Notwendigkeit einer Dusche zu erklären. Wenn ich das Duschen also auf 8:00 verschieben muss, trage ich die ersten drei Stunden am Tag einen sehr albernen Hut, der etwas an Gene „Popeye“ Hackman in „French Connection“ erinnert. Sonst stehen die Haare so wild in alle Richtungen und wirken wie eingefrorene Gesten von Pep Guardiola.

Ich liebe Pep hauptsächlich wegen der Gesten, der Mimik und seiner Anzüge. An sich finde ich an Pep alles gut. Ich glaube auch, dass der morgens duscht obwohl man das an seinen Haaren nicht sehen kann. Einen Hund hat Guardiola bestimmt nicht und wenn der einen hätte, dann hätte er sehr genaue Vorstellungen vom Verhalten seines Hundes. Ein Typ für Katzen ist er auch nicht. Ich traue ihm zuerst ein Aquarium zu, weil das einen Menschen fast so beruhigt wie die Anwesenheit von Hunden und Katzen.

Nein, ich schreibe jetzt nichts über Frauen. Frauen sind da in gewisser Hinsicht „Zwischenwesen“. Wenn sie wollen, können sie wie ein stilles Aquarium sein, aber sie wollen selten. Sie wollen mehr den Fisch im Mann, also diese Ruhe des Fisches im Mann. Ansonsten sind sie auch gefährlich wie ein schwarzer Panther. Jedenfalls sollte man sie nicht unnütz reizen, die Frauen.

Dieser Text könnte jedenfalls den Panther im Weibe wecken, aber das kann ich nicht gut einschätzen. Ehrlichkeit ist nicht immer praktisch.

Und gestern bin ich mit der ‚Mutter‘ von Ebba wieder ins Gespräch gekommen. Also Ebba ist eine Pudelhündin und ich wollte nicht „Herrin“ schreiben. „Frauchen“ ist frauenfeindlich und „Mutter“ falsch, denn sie hat glattes Haar. Ich weiß auch nicht, was ich schreiben soll. „Besitzerin“ ist wieder hundefeindlich.

Das Leben ist heute ein Slalom zwischen Fettnäpfchen, so scheint es zeitweise.

Die ist sehr ordentlich und sympathisch, aber als ich neben ihr ging und die Hunde tobten, da versuchte ich jeden Matsch im Regen zu umgehen und mied vorsichtig den Schritt in die den grauen Himmel spiegelnden Pfützen. Sie aber sprach und schaute nicht. Sie trat in jede Pfütze auf ihrem geraden Weg, weil sie sich eben auf Hunde konzentrieren kann. Sie hat auch nicht kommentiert, dass ich die brauen Brühen mied.

Das ist wirklich eine tolle Frau mit Hund.
Ich weiß nur, dass der Hund Ebba heißt.

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