*Meckerei in Zeiten von Leckerei*
Natürlich sind es gute Zeiten, wenn die vielen Lichter leuchten und die gebrannten Mandeln duften. Dazu Mutzen, auf die und Poffertjes kann ich kaum verzichten. Bratwürste unter Baumnadeln könnte ich gut umgehen, weil diese fettigen Dämpfe mich eher zu kleinen Umwegen zwingen als zu Besuchen zum Essen im Stehen. Essen im Stehen ist sowieso eine Unsitte der To-Go und To-Stand-Generation.
Das Beste in der Weihnachtszeit sind weder Lebkuchen noch Spekulatius und Stollen sondern der Pannettone aus Italien! Der hält sich bis zum April und dann sind nur noch 6 Monate zu überbrücken …. wenn der nicht vor dem Jahreswechsel unter Puderzucker-Schnee begraben und anschließend weggeschleckt wird.
Dunkel wird es hingegen im öffentlichen Raum immer öfter trotz der vielen Lichter zum Fest der großen Liebe und der teuren Geschenke.
Läßt man jemanden abbiegen, ermöglicht den Spurwechsel oder verzichtet auf die Vorfahrt, um einen reibungsfreien Ablauf im Verkehr zu fördern, so bedankt sich heute deutlich seltener jemand als vor 10 oder 20 Jahren.
Ein Lächeln, ein kurzes Heben der Hand, ein Klick am Warnblinklicht oder ein kurz gereckter Daumen, …. ist das nicht nett, um das Freundliche zu betonen?
Busfahrer, Taxifahrer und die Jungs im Führerhaus von Lastkraftwagen, *die* kennen das noch, die haben die höchsten Quoten beim kleinen Dank der wortlosen Art.
Danke, dass es Euch noch gibt.
Aber sonst …. kein Kommentar.
Kein Lächeln, kein Blinken, keine Hand, kein Daumen.
Oder sind das schon die ersten selbstfahrenden Autos in denen die sitzen?
Haben die Leute keine Zeit, keine Wahrnehmung oder ist es ihnen nur zu anstrengend?
Oder „bringt Ihnen das nichts“?
Man braucht den Dank ja nicht, aber es freut einen schon. Oder brauche ich nur den Wink, der mich kurz lobt? Jeder braucht etwas Lob.
Mittlerweile versuche ich ja, Quoten zu messen, das heißt, dass ich immer eine Kerbe ins Lenkrad beißen möchte, wenn kein Dank kommt und am Schalthebel lecke, wenn „es“ mal funktioniert.
Da wäre das Lenkrad schnell hinüber und der Knüppel bliebe furztrocken.
Aber mir fehlt es auch an Beweglichkeit in der Umsetzung, zugegeben.
Auch das Leben im Digitalen hat sich verändert. Bedenkt man 10 ‚Freunde‘ im Netz mit für sie vielleicht interessanten Noten, so erhalten das alle, das sieht man ja, aber der unpersönliche Schenkungsweg scheint auch dazu zu führen, dass maximal zwei ein kurzes „Nett, danke!“ senden.
An der Stelle merke ich dann, dass ich das nicht mehr mache. Es kommt meist nichts zurück. Nein, ich meine keineswegs ein Gegengeschenk, ich meine die eine …. Zeile.
Eben ein kurzes Blinken, das Zeichen, das sagt:
„Ich weiß, dass Du das nicht musst und es ist nett, dass Du das trotzdem machst.“










