*Ein Jahr oder eine Million*
Es gibt unbequeme Fragen, aber oft sind die Antworten noch unbequemer.
„Der Tatort ist auf vielen Ebenen ein Spiegel der Gesellschaft“, das habe ich eben noch nach dem 1000sten im TV mitbekommen.
Vielleicht sind aber die Fragen und die Antworten, die man sich selbst stellt und beantwortet, das auch.
Wenn ich mir mal so vorstelle, dass der Arzt sagen würde, dass mir noch genau ein Jahr bleibt und ich aber bis zum Schluß bei guter Gesundheit bliebe, dann ist das eine schwierige Situation in der Vorstellung und die Frage ist, was man dann machen würde.
So ganz spontan war eben mein allererster Gedanke, …. also ich überlege ja nie vorher, was ich schreibe, sondern ich denke erst beim Schreiben, manchmal ist das sogar geschrieben bevor ich das verstanden habe …. also der erste Gedanke war, dass ich jeden Tag schon um 8 den ersten Cappuccino trinken würde und im Stammcafe jeden Tag einen mehr. Das wären dann drei am Tag, kalorientechnisch problematisch.
Zweitens würde ich weiterhin ebenso CDs und Vinyl kaufen … auch wenn ich es nicht schaffe, die alle zu hören. Genau genommen kann ich sowieso nicht alle nochmal anhören, die den Weg hierher fanden. Dazu müsste ich 150 Jahre alt werden und pausenlos Musik hören. Klingt nicht nach Spaß, weil da ja auch viel Schrott auf der Strecke liegt.
Also ich würde öfter nach Italien fahren und nach Frankreich, aber nur für jeweils maximal zwei Wochen. Das wäre vermutlich das einzige, was ich wirklich ändern würde. Und ich würde eher an mir bekannte Orte fahren, weil man nur dann merkt, was sich dort wie verändert hat.
Wenn Leute sagen, dass sie unter den vorgebenen Bedingungen ihr ganzes Leben umkrempeln würden, dann frage ich mich immer, warum die dazu die Aussicht auf ein allerletztes Jahr brauchen.
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Alternativ kann man sich auch vorstellen, dass man beim Lotto gewinnt, das ist im Prinzip dieselbe Frage, nur mit mehr Geld statt weniger Tagen.
Also wenn ich so richtig viel Schotter hätte, dann würde ich zuerst meinen Traum, den ich seit 40 Jahren habe, wahr machen:
Ich würde mir ein Paar sündhaft teure handgearbeitete Schuhe anfertigen lassen. Die sollen nämlich ein Leben lang halten und ich stelle mir das wunderbar vor, weil es heißt, dass solche Schuhe mit den Jahren immer besser werden.
Vielleicht wünsche ich mir das aber auch von mir selbst und übertrage das nur von den Schuhen unten nach weiter oben.
Zweitens würde ich mir ein ebenso unauffälliges Auto wie meines kaufen. Aber mit 6 Zylindern und mehr Pferdestärken! Es kann aber auch sein, dass ich mir das von mir selbst wünsche, das weiß ich jetzt auch nicht genau. Aber von außen darf das nicht sichtbar sein, das fände ich ganz schrecklich, also beim Auto.
Und öfter mal ein Rinderfilet!
Aber ich glaube, dass das besser schmeckt, wenn man das nicht ißt.
Und viel mehr Karten für’s Schauspiel und für Konzerte.
Das ist nämlich auch wie Rinderfilet, schmeckt aber noch besser je öfter man davon kostet.
Ich würde mein Auto verkaufen und lieber Laufen. Da sieht man mehr, wenn man langsam unterwegs ist und das eine Jahr ist nicht so kurz.
Und trotzdem bleibt der Mensch ein Gewohnheitstier und krempelt sein Leben nicht einfach um, auch nicht mit dieser deprimierenden Aussicht.
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