Der Mann, den sie Pferd nannten

„Der Mann, den sie Pferd nannten“ oder „Aus Kindertagen“

Neulich:

„Adriana kommt erstmal in Helmut, dann lege ich sie unter Natalie in den Herbert.“

‚Adriana‘, das ist der 600g schwere Rundkäse aus den Niederlanden, ‚Helmut‘ das Wachspapier, ‚Natalie‘ das Tiefkühlfach und ‚Herbert‘ der Kühlschrank.

Und die Namen weiß die Kurze am nächsten Tag auch noch treffsicher.

Woher sie Adriana Lima kennt, habe ich nicht gefragt. Ich wusste nur von Bibi, Lena und Selena. Lena finde ich gut, die anderen kenne ich nur in zwei Dimensionen an Wänden.

Das liegt bei uns übrigens in der Familie, also das mit der Neutaufe.

Mein Vater wäre jetzt knapp 110 Jahre alt, doch so manche „Schrulle“ ist mir in Erinnerung geblieben.

Häufig hatte er prägnante Spitznamen für die Nachbarn. In einem Fall Mitte der 60er Jahre war der Gatte der Nachbarin etwas kleiner als sie. Das war damals ungewöhnlich. Heute sind Frauen ja meist größer als ihre Männer und manchmal sogar länger.

Die hießen dann „Familie Korken“, weil der Mann auch etwas taillenarm war.

Da musste man als Kind aufpassen, dass man nicht mit „Guten Tag, Herr Korken!“ grüßte. Das Grüßen war ja damals extrem wichtig für den ‚Ruf‘ einer Familie.

Weil wir Kinder manchmal zur Schule gefahren wurden, lediglich in der Grundschule bei Regen, wurden Fahrgemeinschaften gegründet. Daher lernte ich Fiat 500 und Renault 4 kennen, wir fuhren ja Käfer 1200 in lindgrün oder Kadett B Coupe LS in hellem Blau etwas später.

Und so ein Auto aus dem ‚Ausland‘, das hatte schon was, weil wir ja nur ins deutsche Mittelgebirge fuhren. Zum Wandern.

Dabei konnte man gut „Land Rover“ spielen. Man rannte durchs Unterholz und machte Motorgeräusche und schaltete an Steigungen herunter. Heute gibt es dafür die Playstation.

Logisch, dass Kinder das Mittelgebirge nicht kennen.

Eine andere Familie fuhr einen Mercedes Benz 280S mit den übereinander stehenden Rundscheinwerfern. Geschäftsleute. Der Wagen müsste aus der Kiesinger-Ära gewesen sein. Dessen Frau, also nicht die von Kiesinger, sagte die regelmäßigen Fahrten kurze Zeit später jedoch wieder ab, weil man nur eine ‚Versicherung für zwei Personen‘ für das Auto habe.

Zunächst entschuldigte sie ihren Mann jedoch aus Termingründen, weil er „sich von einem seiner Herren nach München fahren läßt“.

Sie hieß bei meinem Vater über *Jahre* nur noch „die Frau, deren Mann sich von einem seiner Herren nach München fahren lässt“.

Er sagte den Text immer vollständig. Der Name dieser Familie ist mir ebenfalls entfallen.

Die Kennzeichen von den Autos habe ich auch vergessen. Die Tochter hatte dunkles Haar und musste geigen.

Ebenso den wirklichen Namen von Herrn „Platztgleich“, alles gelöscht. Der war fast so ’stark‘ wie Obelix.

Besuch war bei uns selten, aber die ‚Kollegen‘ aus der Schule waren dann doch fast jährlich da.

Es gab Eierlikör für die Damen und Dujardin für die Herren, davor Käsewürfel mit Weintrauben und Toast Hawaii zu ‚Auslese-Weinen‘. Das war damals modern, schmeckte aber schon amerikanisch. Ich glaube, Nixon war gerade noch Präsident. So schmeckt das heute auch noch.

Irgendwann wurden dann immer Haus und Garten besichtigt, das war üblich.

Jedenfalls hat mein kleiner Bruder dann währenddessen einmal alle Reste aus den kleinen Gläsern geleert, vermutlich ging er noch in den Kindergarten.

Den Damen fiel es zuerst auf, dass das Eierlikörglas vor dem Rundgang noch halb voll war. Ich hätte das auch mal machen sollen, mich hätte ja nie einer verdächtigt. Aber vielleicht brauchte mein Bruder den Alkohol auch für den folgenden Vortrag am Klavier mit der anschließenden Verbeugung beim Beifall der Anwesenden.

Zu viel Beifall in jungen Jahren halte ich heute für überzogen.

Nach dieser Zeit wurde die „Bleistiftmethode“ bei Alkoholika in der sogenannten „Bar“ angewandt, weil der Schlüssel weg war.

Das heißt, dass bei jeder Flasche sozusagen der Pegel markiert wurde.

Mit Bleistift. Lächerlich.

Die Markierung ließ sich korrigieren, geringe Restmengen wurden in späteren Jahren mit Wasser aufgefüllt, das Mixgetränk wurde dann von elterlicher Seite weggeschüttet, weil ‚der Alkohol verflogen‘ war. „Alkohol“, das war schon ein Bier bei uns.

Die Mixmethode mit maximalem Alkoholgehalt von 3% habe ich später auf Klassenfahrten im Süden Europas wiederbelebt. Fand ich damals besser, die Flaschen zurückzugeben. Am letzten Tag.

War schon blöd, die tagelang im Schrank zu haben. Die Franzosen und Italiener denken vermutlich heute noch, dass deutsche Lehrer trinken. Ist ja auch nicht ganz falsch. Aber eben auch nicht ganz richtig.

Heute stehen bei mir noch Spirituosen, die man mir zum 40sten schenkte. Die dürfen bald wählen gehen! Rotwein ist ja eine feine Erfindung, aber Hochprozentiges hat einfach zu wenig Körper.

Wenn die Verwandtschaft aus dem Verkehrsknotenpunkt des Nordens kam, war das ein Highlight. Meistens wurde dann Rinderzunge mit Meerrettichsoße an Salzkartoffeln gereicht. Roh im Waschbecken fand ich diese Riesendinger immer „faszinierend“ wie Herr Spock.

Zum Glück haben meine schönen Cousinen das nie erlebt. Die nahmen stets nur Kartoffeln, die sind auch bis heute rank und schlank geblieben. „Zunge“, ich bitte Euch! Nur, weil die teuer ist, ist das noch lange nicht „gut“. Entsetzlich!

Nur die Spitze ist essbar, auch das nur mit Überwindung, die jedoch eingefordert wurde. Freiwilliges „Probieren“ ist ja in Ordnung, Verpflichtung jedoch nicht!

„Hirn“ gab es nur im kleinen Kreis. Da sagte der Vater mit spitzer Zunge immer: „Iss mal richtig viel!“

Tim Mälzer will ich noch beichten, dass Haferflocken mit viel Kaba und Zucker und wenig Milch, zu einer festen Pampe gerührt, mich trotzdem durch die Schule gebracht haben.

Auch TV-Köche sollten derlei Spezialitäten vorstellen!

Und „Immer wenn er Pillen nahm“, das will ich mir seit Jahren nochmal ansehen. Aber dann wäre die Erinnerung vielleicht nicht mehr ganz so hübsch.

Der Mann hätte bei meinem Vater vermutlich auch so geheißen wie die Serie aber er sah außer Tagesschau und Eduard Zimmermann nichts.

Das mit den neuen Namen machen offenbar besonders gern Lehrer, auch für Kollegen.

Einer wurde in seiner Abwesenheit bei uns stets „Der Mann, den sie Pferd nannten“ betitelt. Nicht nett.

Die Schüler nannten ihn „Ed, das sprechende Pferd“. Ich kenne den Film nicht und erwähne es nur der Vollständigkeit halber.

Jeder wusste, wer gemeint war. Jeder.

Ich will auch gar nicht wissen, wie die mich genannt haben. Die Schüler sagten manchmal „Graf Zahl“, wenn ich nicht dabei war, ein Kollege sagte mir das leise grinsend, das fand ich trotzdem witzig. Ein mutiger Schüler gestand es ebenso mit einem Lächeln.

Bis ich dann sah, wer das ist „Graf Zahl“.

„Graph Zahl“, man hört den Unterschied ja nicht, das wäre ein Kompliment gewesen.

„Die Schöne und das Biest“

„Die Schöne und das Biest“

Er: „Hundert Prozent. …. Du kennst mich doch!“

Sie: „Ich will immer wieder dieses Fieber spürn!“

Er: „Nicht von dieser Welt!“

Sie: „Mal ganz ehrlich. Wär heut mein letzter Tag: Lass mich in Dein Leben!“

Er. „Nur wer den Wahnsinn liebt …“

Sie: „Ich geb nie auf … vergeben vergessen und wieder vertraun …“

Er: „Die Hölle morgen früh! Frag nicht wo und wann“

Sie: „Es gibt ihn also doch?“

Er: „Von hier bis unendlich ….“

Sie: „Und morgen früh küss ich dich wach!“

Er: „Phänomen!“


Erkannt?

Die Konversation einschließlich Überschrift besteht ausschließlich aus den Titel von Liedern Helene Fischers.

Husten und Parktickets

*Husten und Parktickets*

Ich bin ja viel zu faul zum Schreiben, Leserbriefe schon mal gar nicht.
Dann steht da mein Name und den bekommt ja nicht so gut weg wie die
Nutellareste auf dem Teller.

Könnte etwas kompliziert werden jetzt, aber die Sache ist es auch.
Für mich wird es einfach kompliziert, wenn es nicht einfach mal einfach
sein kann.

Ich erinnere mich gerade an die Vitamintabletten, die wir als Kinder
bekamen:

800 Tabletten in vier Röhrchen zu je 200 Tabletten.
Davon bekamen wir 10 Stück am Tag, also so ungefähr.
Das zählt man ja nicht genau nach, also ich jedenfalls nicht.
Ich würde die dann symmetrisch anordnen und dann dauert mir das Ganze
schon zu lange.

Kürzlich auch diese Hustentropfen, … fast alle haben ja diesen
trockenen Husten zur Zeit. Da scheint irgendetwas herauszuwollen, aber es bleibt so halb im Hals stecken. Es ist einfach die Zeit, in der einem manches im Halse stecken bleibt.
Das hat schon Symbolcharakter.

Das ist wie Kopfschmerzen, aber im Hals. Nicht gut.
Es könnte an den ganzen Parktickets liegen.
Eine halbe Stadt hustet symbolisch Parktickets aus.

Gut war aber die Angabe auf der Hustentropfenflasche:
„Zwischen 34 und 59 Tropfen täglich dreimal einnehmen.“

Wer denkt sich so etwas aus?
Irre, einfach … irre.

Das ist wie
„Parken mit Parkschein werktags von 10-18h“, daneben aber das
Halteverbotsschild mit der Ausnahme für Anwohner.
So etwas wie „mit Husten Parken frei“, das würde mir helfen und ich
würde auch gar keine Tropfen mehr nehmen.

Ich glaube, ich würde sogar meinen Husten pflegen. Im Sommer ist es ja
noch voller in der Stadt.

Irre war auch das mit den Vitamintabletten damals.
Wir haben die nämlich einmal nachgezählt. 800 Stück.
Es waren in keinem Röhrchen 200 Stück. Es waren immer nur 185 bis 195.
Die haben tatsächlich gedacht, dass das keiner nachzählt.
Ich müsste die glatt mal wieder kaufen, also nur zum Zählen.

Doch, damals haben wir an den Arzneimittelhersteller geschrieben.
Nur so, nach dem Motto „ich weiß was“. Kennt man ja bei sich selbst.
Die haben uns dann eine 800er Packung als Schweigegeld geschickt.

Von wegen „Probleme in der Produktionsstraße mit minimalen Abweichungen“.

Aber bei Husten soll der Endschlucker 34 bis 59 Tropfen einnehmen.

Ist schon irre.

Das Internet

Das Internet

Gestern hatte ich wieder meine sophistische Runde, einen Lesekreis zu philosophischen Texten und Fragen.

Fast nur Männer.

Also „Solaris“ von Lem, falls das jemand wissen will …. packt mich nicht, egal, man kommt eh vom Thema ab.

Die Frage kam aus dem Nichts:

„Ist das Internet real oder ist das eine andere … virtuelle Welt?“

Oder so ähnlich, es waren schon einige Flaschen Rotwein verköstigt worden, genau weiß ich das auch nicht mehr.

Wie real ist das Internet?

Ich habe versucht unserer Tochter (9yrs) zu erklären, dass ich früher keinen Computer hatte, kein Handy, kein Tablet und auch kein Navi. Keinen CD-Player, keine Spiele mit Elektronik und keine Wii und nicht mal einen Videorecorder, aber Vinyl, Kassetten und Tonbänder zum Aufnehmen aus dem Radio.

Und dass das heute so praktisch ist, das habe ich auch gesagt, aber ich habe auch ergänzt, … dass man sich beschränken sollte und nicht mehr als eine halbe Stunde am Tag …. blabla … das klappt auch ganz gut hier.

Sie:
„Ja, Papa, eines verstehe ich aber nicht: Wie seid ihr denn dann ins Internet gekommen?„

–

Vorgestern war hier wieder einer dieser Poetry Slams „Dead Or Alive“ im Großen Haus des Theaters, wunderbar.

Ich schreibe das nur, weil es eben seeehr spät wurde. Gegen 2.00 morgens komme ich zurück und gucke immer, ob in den Zimmern alles in Ordnung ist.

Mein Sohn schläft … hört mich irgendwie doch, hebt den Kopf in völliger Dunkelheit und fragt:

„Was ist mit dem WLAN?“

Dann fällt der Kopf wieder runter und er schläft wieder.

Das Internet ist real.

Man merkt erst, wie wichtig es ist, wenn es nicht geht.

What´s App I

*What´s App I*

Vater und Kind (10yrs) schicken sich What’s App-Nachrichten nach Schulschluss.

Zum Verständnis.
Es fehlte durch die Autokorrektur des auf Englisch eingestellten Mobiltelefons beim Vater  ein *a* in *Haarding*, das war so eine Schleife mit Metall innen zum Biegen, die hatte ich gekauft und die lag schon auf dem Tisch in der Küche als das Kind zurückkam.

Vater:
Huhu!
Wie war Schule? Bist Du noch bei den Hausaufgaben? Habe Dir dieses Harding gekauft. Ist das gut? Das war nur 0,50€. Bin bald zurück, es gibt Kassler. 😉

…. eine halbe Stunde später ….

Kind:
Was ist ein „Harding“?

Vater (… denkt, dass das Kind bei den *Englisch*-Hausaufgaben sitzt):
Ein Name oder ein Gras.

Kind:
Ich verstehe immer noch nicht was ein „Harding“ ist.

Vater:
Schick bitte den ganzen Satz.

Kind:
Sag mir bitte, was ein Harding ist.

Vater:
Ich weiss es nicht.
Gib´ bei Google „harding“ und „deutsch“ ein

Kind:
Kommt nichts

Vater:
Gleich bin ich zurück.
Dann gucken wir zusammen.
Ist nicht schlimm.

Zwei kleine Tassen

*Zwei kleine Tassen*

Aus dem Leben gegriffen, eine Kleinigkeit.

Da will ich meine Tochter (10yrs) von der Schule abholen, aber sie sagt:

„Nein, Papa, wir treffen uns bei Bäckerei Junge.“

Das ist 200m entfernt.

Klar, Abholen am Tor, das ist …. Grundschule.

Beim Bäcker:

„Wieviele Teile darf ich mir aussuchen?“

„Mach mal. Zwei oder drei, ich esse den Rest.“

Sie bestellt einen Schokocroissant, ein Schokofranzbrötchen und einen Hanseaten.

Mister Junge:
„Auf wieviele Teller darf ich das verteilen?“

Sie:
„Das Franzbrötchen auf den einen und den Rest auf den anderen Teller, bitte.“
Mister Junge:
„Darf es noch etwas zu trinken dazu sein?“
Ich:
„Danke, vielleicht danach.“
Wir drehen eben ab mit den Tellern in den Händen, da dreht sich das Kind nochmal um:

„Ach, wir hätten gern noch zwei kleine Tassen. Ich habe meinen eigenen Tee dabei.“

…. und problemlos wurden uns zwei leere Tassen über den Tresen ereicht.

Sie lächelte, als sie die Tassen und Teller auf dem Ecktisch verteilte und ihren honiggesüßten Hustentee in die kleinen Junge-Tassen goss.

„Ich trinke nicht so gern aus dem Becher von der Thermoskanne.“

Manchmal läuft es schlecht

*Manchmal läuft es schlecht*

Meine Frau fragt ja des Öfteren, ob ich diese billig bei ebay gekauften Platten wirklich brauche.

Darauf gibt es keine richtige Antwort …. außer der stummen:

Mann nimmt das wöchentliche 5€ Päckchen mit den drei Stück aus dem Postkasten und legt es still auf den Beifahrersitz …. um Fragen zu entgehen.

Das klappt nicht immer, zugegeben.

Kürzlich hatte ich ein Minihäufchen auf dem Küchentisch liegen, weil sie schneller beim Briefboten war.

Meistens versuche ich die Jewelcases „vorher“ in Richtung Nirvana zu befördern, weil die „Reste“ aus CDs und Papier weniger auffallen. Da schmelzen 3,5cm Höhe mit Cases schnell auf ca 5mm zusammen, was ich praktisch …. praktisch finde. Sogar ein Werbeblatt von Saturn reicht aus, um drei bis vier CDs eine Tarnkappe auszusetzen.

Da lohnt keine Nachfrage …. bei 5mm Höhe.
Vor allem nicht in einem Werbeprospekt.

Das ist wie bei frischem Spinat, da wirft man Berge in einen Topf und es wird immer weniger.

Selbstverständlich muss man die Jewelcases entsorgen ohne dass die schreiend herumliegen. Leider schicken die meisten Verkäufer diese Hüllen, die die Päckchen aufdicken, mit. Welch ein Unsinn.

Natürlich weiß meine Frau nicht, welche Platten ich wo schon habe, denn das weiß ich selbst ja auch nicht immer so ganz genau.

Aber sie hatte kürzlich „Songs In The Key Of Life“ auf dem kleinen Küchentisch-Häuflein gesehen und offenbar schwante ihr, dass sie die schon einmal bei mir gesehen hatte.
Man darf so etwas nicht herumliegen lassen.

„Diiiiie daaaa hattest Du doch schon, oder?“

Kurz bevor ich dann rot anlief, kam aus meinem Mund ohne mein Zutun die schwache Erwiderung:

„Nein, nein, das ist das erste Mastering der US-Ausgabe, die fehlte mir.“

Der Mensch braucht Argumente, Begründungen.

Ja, so manche schwirrt hier doppelt herum, sozusagen als back-up, als Sicherung.
Manche muss auch überall greifbar sein, da reicht ein Original nicht, da braucht´s mehrere.

„Blood On The Tracks“ und „Time Out Of Mind“ zum Beispiel,
…. letzterer ein besonders passender Titel zum Thema

Das beruhigt, aber es ist auch …irgendwie irre.

Bei „Vielfach-CDs“ ist das insgesamt weniger problematisch als wenn´s ne zweite Frau als back-up gibt. Absolut problemfrei ist aber auch das nicht, …. aber deutlich preiswerter.

–

Sicher kann das hier keiner verstehen, aber das ist auch nicht schlimm.

Ich jedenfalls finde BOTT in diesem Chaos nach maximal 5 Sekunden.
Und das obwohl ich die schon so oft weggegeben habe.

Also die erste BOTT finde ich nach 5 Sekunden.
Ohne jede Sortierung.

Und gestern habe ich bemerkt, dass ich „Anleitung zum Unglücklichsein“ von Watzlawick dreimal habe. Die erste war aus den Siebzigern, eine Raubkopie. Diese Schuld muss man doppelt abtragen, das verstehen jetzt alle.
M.


Träume

*Träume*

Neulich haben mir zwei junge Frauen gestanden, dass sie für den Mann im Schaufenster des Herrenausstatters schwärmen.

Die sind etwas über 40.

Also beide zusammen.

Der Schwarm ist ein gut gebauter Mann von gut 60 Lenzen im wollenen beigefarbenen Pullover und dunkelgrünen, edlen Jeans, er lächelt in den Mundwinkeln und lehnt sich an eine Pforte mit abblätternder Farbe, die älter ist als er selbst. Vermutlich gehört das Tor zu einem Hühnerstall, der bereits seit seiner Geburt verfällt. Oder seit meiner eigenen, das kann man ruhig zugeben.

Leider enden meine und seine Gemeinsamkeiten beim Binden des baumwollenen Halstuches, das wir wie Joachim Löw, der Weltmeister, tragen.

Als ich fragte, welche Vorstellung die beiden vom Leben mit diesem Mann ihrer Träume hätten, sagten sie, dass er viel unterwegs sei auf anderen fernen Erdteilen, aber sicher sehr liebevoll sei.

Das ist der bestimmt, denn ich kenne mich selbst ein wenig, habe aber wenig übrig für Flugreisen, weil ich mich wie von der Natur vorgesehen in einem Auto bewege.

Diese seine Liebe gelte auch für die Pferde, die er hinter dem Landgut halte. Er sei ein kreativer Geist, der nicht ‚richtig reich‘ sei, und daher auch zur Jagd geht, um seine Familie zu versorgen. Er kümmert sich gern um den englischen Garten mit dem alten Baumbestand.

Wenn er auf Reisen ist, kümmern sich fleißige Angestellte um das Landgut, weil die beiden jungen Ehefrauen sich stärker der Malerei widmen möchten.

Ich habe nicht gefragt, ob die Bediensteten auch den Stall ausmisten, weil sich das von selbst verstanden hat.

Ich selbst muss ja sogar die Autos waschen und war schon nicht mehr im Spiel.

„…. im Februar sterben ….“

… das bot mir eben die Autokorrektur hellseherisch an als ich tippen wollte, dass „im Fenster des“ Herrenausstatters jetzt ein jüngeres Modell aufgehängt wurde!

Zum Glück hatte ich den älteren Landedelmann für die jungen Frauen zur Fortsetzung der britischen Träume beizeiten abgelichtet.

Dass es nur zwei echte Probleme im Leben des Menschen gäbe, das hat mal einer geschrieben und ich habe keine Lust jetzt extra zu Google zu wechseln.

„Das eine Problem sind unerfüllte Träume. Das andere ist die Erfüllung der Träume.“

Oder sinngemäß ähnlich, mein Gott.

Schade eigentlich, dass junge Männer vergleichbare Traumvorstellungen selten gestehen.

Olympiade

*Olympiade*

Sie hat gerade wieder angefangen, die Olympiade, die Zeit zwischen den Olympischen Spielen. Wir sind sozusagen in einer Olympiade und gleichzeitig in einer Fußballweltmeisterschaftsiade sowie einer Fußballeuropameisterschaftsiade. Das sind Wörter, die man bei Scrabble oder beim Bimbo selten legt. Und es sind gute Zeiten für Ehefrauen. Raucher könnten die Zeit zwischen zwei Zigaretten auch Rauchiade nennen, das fiel mir eben noch ein.

Bimbo, das ist das Gleiche wie Rommé aber mit Buchstaben. Ich weiß gar nicht, ob es das noch gibt. Wir hatten ein Spiel aus den 40ern oder 50ern des letzten Jahrhunderts. Geniales Spiel. Bei Bimbo gewinne ich eigentlich am liebsten, klappt aber ebenso selten wie bei Memory.

Im letzten Jahrhundert waren auch Sackhüpfen, Tauziehen und Weitspucken mal olympisch. Beim Tauziehen weiß ich nicht, wann das zuletzt war, aber 1904 wurde noch für Medaillen gehüpft und gespuckt, glaube ich. Heute trainieren ja viele junge Männer schon wieder, das könnte also bald wieder olympisch werden. Aber das mit dem Hüpfen machen die selten. Obwohl die mit diesen tief hängenden Hosen vor einigen Jahren auch schon in der Trainingsphase waren.

Vermutlich haben die für die Olympischen Spiele die Bedingungen mal geändert, denn bei den Männern kann nur eine Sportart olympisch werden, die in mindestens 75 Ländern der Erde und auf 4 Erdteilen ausgeübt wird. Bei den Frauen reichen 40 Länder auf 3 Erdteilen. Das ist ziemlich männerfeindlich, finde ich. Es gibt auch keinen Erdteil mit 35 Ländern in denen ausschließlich Männer leben.

Andererseits kann man schon verstehen, dass Männer mehr spucken als Frauen, denn sonst kriegen die die Medaillen unter diesen unfairen Bedingungen später als die Frauen.

Vielleicht habt Ihr ja eine Idee, was für Frauen olympisch werden könnte. Multitasking zum Beispiel, das ist typisch weiblich. Ich kann ja als Mann bei Musik nicht mal sauber einparken.
Aber ohne natürlich richtig gut.

Die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte, kann das mit dem Multitasking. Sie rollt den gebrauchten Kaugummi sogar noch gleichzeitig in die kleine Alufolie und erklärt den Kindern, dass sie früh ins Bett müssen während sie den Hund mit einer Nasengeste auf den Rücksitz schickt und mit dem Mund lächelt sie mir noch zu. Und alles beim Einparken. Steht zwar etwas schief, aber ist ja nicht schlimm. Und mit der Nase kann ich außer Atmen gar nichts außer Niesen.

Das Blöde an Olympischen Spielen ist die Olympiade, also das Warten über vier Jahre auf die neuen Spiele. Ich sehe mir zwar nur die 100m der Männer an, übrigens schon seit Hines in Mexiko City 1968 unter 10 Sekunden blieb.

Aber das Warten bleibt, weil man ja nie weiß, wieviele olympische 100m-Endläufe man noch sieht. Leider musste dieses Jahr der Hund kurz raus und ich bin jetzt insgesamt 8 Jahre ohne live-Endlauf.

Das ist auch bei Bundestagswahlen so, dass man sich überlegt, wie oft man noch sein Kreuz macht bevor man selbst eines bekommt, aber irgendwie versteht mich damit keiner. Darüber muss man doch mal nachdenken, dann ärgert man sich erst richtig, wenn man Bolt nicht gesehen hat!

Und deshalb freue ich mich auf die Bundestagswahl. Obwohl das dieses Mal mit einem fürchterlichen Kater enden könnte. Das kennen ja Wähler in anderen Ländern auch, das mit dem Kater.

Die Briten zum Beispiel.
Kleiner Scherz.

Die Amerikaner saufen noch.

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Hauptgewinn I

*Hauptgewinn I*

Der Aschenbecher für den morgendlichen Milchkaffee steht heute links von der Sitzbank. Das sind so Kleinigkeiten, die mich früh aus der täglichen Umlaufbahn werfen können. Das passiert natürlich nicht wirklich denn ich räume das ja so hin wie es gehört: Der quadratische Tisch gehört nach links neben meinen Platz und der zylindrische Metallascher nach rechts neben die hölzerne Zweiersitzbank. Das ist zum Ausdrücken der Zigarette nur dann etwas unpraktisch, wenn Sabrina, die Yoga-Lehrerin, vorbeikommt, weil ich dann hinter ihrem Rücken drücken muss. Aber sie würde, genau wie ich, auch nur im Notfall die andere, zweite Bank nehmen. Das sind kleine Elemente der Sicherheit, die man braucht im Leben.

Manchmal kann ich mir auch nicht allles merken. Zum Beispiel weiß ich gar nicht mehr, ob ich mal geschrieben habe, wie man die beste Ehefrau von allen findet. Meine raucht ja nicht und ihr ist es außerhalb der eigenen vier Wände gleichgültig, wo der Ascher in einer Stadt steht. Ihr ist wichtiger, dass der nicht benutzt wird. Andererseits schlägt sie gern für viele Dinge des täglichen Lebens, die sie selten verwendet, feste Plätze vor. Zum Beispiel lasse ich die Hundeleine gern auf der Treppe liegen, weil ich die morgens um 6 so am schnellsten finde. Ich suche die eigentlich fast jeden Morgen, weil der kleine schwarze Hund sich den Platz auch nicht merken kann:

Gegenüber von der Spülmaschine im weißen Schrank an der Wand in der zweiten Schublade von oben, linke Seite, neben dem Vorrat an Hundebeuteln.

Das Halsband hingegen lasse ich immer an der Leine während die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte, es gern auf einem Stuhl oder neben der TV-Fernbedienung im Wohnzimmer platziert. Dafür gibt es sozusagen mehrere feste Plätze.

Also meine Frau habe ich damals deshalb gewonnen, weil ich vor einem Vierteljahrhundert alle üblichen Vorsätze und Verfahren kurzzeitig außer Kraft gesetzt habe.

Das habe ich seitdem nie wieder getan.

Zum Beispiel habe ich mir ihre Schallplattensammlung erstens nicht angesehen, weil sie mich abgelenkt hat oder weil gerade 40 „Brigitte“ hinter ihrem Sofa ihren Stapel verließen. Die waren immer hinter ihrem Sofa, wenn ich sie besucht habe. Ich vermute, dass man schnell einen steifen Hals bekommt, wenn man hinter einem Sofa nach einer Zeitschrift grabbelt.

Die Schallplatten:
Shakin‘ Stevens, Grace Jones, Toto, Alison Moyet in der öden Phase nach Yazoo und der Soundtrack zu diesem Film mit „… you’re the one that I want“. Das würde ich keiner anderen Frau durchgehen lassen.

80er eben, das beliebteste Jahrzehnt des deutschen Durchschnittsbürgers und das schlimmste aller Zeiten für mich, modisch und musikalisch.

Zweitens ließ ich Freundinnen in der Anfangsphase gern mein Auto fahren. Wie schnell stellt sich die Fahrerin auf den stets unterschiedlichen Druckpunkt der Kupplung ein? Wird sie im Verkehr hektisch oder gar aggressiv? Lässt sie andere gnädig vor oder drängelt sie fluchend mit dichtem Auffahren?

Das habe ich damals auch vergessen und bin selbst gefahren. Sonst hätte ich nie den Hauptgewinn gezogen und würde mich mit einem kleinen Trostpreis trösten. Oder ganz vielen, das ist zugegeben eine bedenkenswerte Alternative, doch kommt mir dieser Gedanke jetzt vielleicht etwas spät.

Die Geschichte wie man die beste Ehefrau von allen findet, die schreibe ich ein anderes Mal weiter.