Xabi Alonso

*Xabi Alonso*

Er stand heute hinter mir im Regen an der Ampel im Dunklen:

*Xabi Alonso* mit einer blonden, attraktiven Freundin!

In rotem Licht von meinen leuchtenden Bremslichtern sah sogar das Top seiner Freundin so rot aus als würde sie bei Bayern München schon auf den Rücktritt von Franck Ribery warten. Sie schlägt bestimmt nicht so schnell zu wie Franck, wenn er genervt ist.

Ich sehe mir gern Leute in Autos an, sogar im Rückspiegel. Die meisten verhalten sich in ihren Blechschalen so wie zuhause. Eine Ausnahme machen da meistens Cabriofahrer und Radfahrer.
Auf dem Rad zum Beispiel pult keiner beim Halten in der Nase. Cabriofahrer und -fahrerinnen sind selten allein und Motorradfahrer kommen wegen des Helms und wegen der Handschuhe zu langsam zur Nase.

Mein Bekannter hätte zum Beispiel den Mann von Weltklasse gar nicht gesehen. Der zieht an der Ampel immer die Handbremse, weil dann die Bremslichter nicht leuchten. Der ist ein recht sparsamer Mensch und er hat mir mal erklärt, dass die Bremslichter „ja richtig Power haben“ und dass die länger halten, wenn sie selten leuchten. Erst habe ich ja gedacht, dass er sich das so im Scherz ausgedacht hat und mich verkohlen will, der ist nämlich im Schuldienst. Aber als ich dann sagte, dass ich das auch in Zukunft machen werde aber bislang nur auf Standlicht an Ampeln schalte, um die vorderen Lämpchen zu schonen, da hat der gar nicht gelacht, sondern ganz ernst genickt und „Gute Idee“ gesagt.

Und jetzt sieht der an der Ampel weder vorn noch hinten Leute im Auto, wenn es dunkel ist.

Nicht dass ich jetzt so der total sparsame Mensch wäre, aber morgens zum Tanken zu fahren, das kommt für mich nur im Notfall infrage. Der jungen Frau an der Tankstelle habe ich mal schnell überschlägig ausgerechnet, dass sie bei ihren 15000 bis 20000km im Jahr in zehn Jahren quasi kostenlos für zwei Wochen Urlaub machen kann, wenn sie abends tankt, also dann, wenn ich tanke.
Die hat von mir dann vermutlich so gedacht wie ich von meinem Bekannten. Obwohl ich mit der ganz gern an derselben Säule zur gleichen Zeit stehe.

Sie hat nämlich von ihrem Freund erzählt, dass der *niemals* volltankt, weil der volle Tank das Gewicht des Autos erhöhe und damit auch den Verbrauch.
Andererseits fährt der immer ein halbes Geschäft mit Sportklamotten durchs Land, hat sie gesagt. Da habe ich mich dann doch mal zurückgehalten, weil man sich in Beziehungsprobleme nicht einmischen sollte, wenn man dasselbe Geschlecht hat wie der Angeklagte.

Aber zu lächeln ist doch okay, oder?

Verdrängung

*Verdrängung*
Mein größtes Problem sind Schallplatten, CDs, Bücher, Lautsprecherboxen, Elektronik, Zeitschriften und Putzmittel für das Auto.

Anders als die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte, bin ich der Meinung, dass man das alles benutzen und haben soll aber nicht „aussortiert“ oder gar „entsorgt“.

CDs befreit man zum Beispiel aus ihren Plastikgefängnissen und verstaut sie mit Booklet und Cover in hauchzarten Folienhüllen. Das schafft unglaublich Platz. Bei Büchern ist das etwas schwieriger, aber bei Zeitschriften könnte man die wichtigen Artikel herausschneiden, in Sichthüllen stecken und in Ordnern abheften. Ich schreibe jetzt *könnte*, weil ich das früher tat, aber heute einfach nicht die Zeit habe zwischen wichtigen Artikeln und unwichtigen Artikeln zu unterscheiden.

Meine Frau, die beste Schuhkäuferin auf Erden, hat ungefähr 50 oder 60 Paar Schuhe, ich höchstens ein Zehntel davon. Die verbrauchen sich bei mir aufgrund der Anzahl und werden entsorgt, wenn die Reparatur sich nicht mehr lohnt.

Bei Kleidung hilft sie mir jedes Jahr. Sie geht meinen Teil des Kleiderschrankes durch und bildet ein Häufchen, das weggeworfen werden soll. Ich glaube, dass das viele Ehefrauen für ihre Männer machen wenn sie mehr Platz im Schrank brauchen.

Vor zwanzig Jahren hatte ich mal knapp 2m Breite eines 5m breiten Schrankes. Jetzt habe ich knapp ein Viertel eines 3m breiten Schrankes. In Zentimetern will ich das jetzt nicht ausdrücken. Aber 40 Hemden liegen im Keller, die sind noch nicht gebügelt, weil ich nicht gern und schlecht bügele und weil die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte, natürlich bei 40 Hemden auch nicht mehr bügeln mag. Ich trage auch gern Rollkragenpullover und T-Shirts, weil die Hemden nicht mehr in den Schrank passen würden, wenn sie gebügelt wären. Das würde dann in einer Entsorgungsaktion größeren Ausmaßes enden und daher bin ich ganz froh, dass die Hemden noch da sind auch wenn ich sie nicht benutze.

Seit vielen Jahren rette ich einen dunkelblauen Baumwollpullover mit weißen Rändern an den Ärmeln, dem Kragen und dem Bund aus diesen Häufchen. Sie merkt es jetzt nicht mehr, weil ich den bei den Putzmitteln im Auto habe. In dem habe ich Ende der 80er eines meiner besten Spiele im Hamburger Stadtpark gemacht. Da war ein Mexikaner mit dem ich zusammen vorn gespielt habe und wir hatten keine gemeinsamen Worte, aber der war für 100 Minuten der beste Spielpartner meines Lebens. Blind lief das. Wir wussten immer, was der andere tun oder wohin der laufen würde.
Über den Abend könnte man ein Buch schreiben.

Und deshalb brauche ich eben diesen Pullover.

Im Bad habe ich jetzt meine Kulturtasche auf dem Regal über der Tür. Da ist alles drin. Das ist nicht so viel, aber in die Schublade unter dem Waschbecken kann ich das nicht stellen, weil ich so früh aufstehe und die Schublade sich nicht leise schließen lässt. Offen hinstellen geht auch nicht, weil da Pflanzen und Parfums von meiner Frau hingehören. Das mit der Tasche ist eine wirklich gute Lösung, das macht man im Urlaub oder wenn man jemanden besucht auch so.
Früher war ich auch sehr ordentlich und strukturiert im Privaten, aber das kostet so viel kostbare Zeit und ich fühle mich heute nach dem Sortieren gar nicht mehr so viel besser wie vor 40 Jahren.

Damals habe ich jede Woche die Fenster geputzt und in den Zimmerecken diese Art von „malerischer Unordnung“ geschaffen, die einem sehr aufgeräumten Raum einen Hauch Lebendigkeit verleiht. Das verstehen jetzt nur ordentliche Frauen, das macht aber nichts.

Ich hatte damals einen dunkelgrünen Velourteppich. Wenn man den saugte, dann gab es die sogenannten hellen bzw dunklen „Saugspuren“.
Das sah dann aus wie der Rasen von Wembley, wenn der Platzwart nach fünf Jim Beam zwei Stunden mit dem Mäher unterwegs war.

Und deshalb habe ich immer in *eine* Richtung gesaugt. Man kann das auch variieren, also ob man den hellen oder den dunklen Teppich beim Betreten oder beim Verlassen des Zimmers sehen will.

Aber man darf das dann nur vorsichtig nutzen, das Zimmer. Sonst gibt es Trittspuren. Ich finde heute Parkett besser, aber das ist klanglich mit Musik unterirdisch. Das verstehen Frauen nicht, dass ein Raum einen eigenen ‚Klang‘ hat. Hallig geht für einen Musikliebhaber gar nicht. Bücher sind ein probates Mittel um einen Raum zu beruhigen.

Jetzt mache ich mal Frühstück.

Sommermärchen

*Sommermärchen*

Das war 2006 und es gab eine neue, junge sympathische Mannschaft unter Klinsmann. Der Kurze war damals 7 und schaute die Spiele gern.

Und jetzt wiegt er 85kg und seine Lieblingsspieler von damals sind alle zurückgetreten.

Rücktritte habe ich zuerst 1974 erlebt mit Overath, Grabowski, Breitner, Netzer und Müller. Da hatte man das Gefühl, es ist jetzt vorbei und es wird nie wieder so wie es war.

Und das stimmt auch, nur anders als ich damals dachte.

„Du, *welche Spieler* findest Du denn am besten?“, habe ich den damaligen Kurzen vor 10 Jahren gefragt.

Kurzes Nachdenken.

„Poldolski, Klose, Schweinsteiger und …. Schlapp.“

„Schlapp?“

„Ja, …. der heißt auch nicht ‚Schlapp‘, aber so ähnlich.“

….

„Lahm?“

„Ja, ‚Lahm‘. Den find‘ ich auch gut.“

Helden

*Helden*

Himmel, bin ich froh, dass ich heute nicht jung sein muss! Pokemon-Go, Handys und verschultes Studium in 8 Semestern! Und Autos ohne Regenrinnen!

„Früher war alles besser“, hat Oma schon gesagt.
Die stand dann in den 70ern auf dem Balkon im 13ten Stock und zeigte auf den Parkplatz tief unten und staunte mit 70 Jahren und einer „Ernte 23“ in den kleinen Fingern immer noch:

„Maaaartin! Soooo viele Auto!“

Sie sagte immer „Auto“ auch wenn es hunderte waren. ‚Ein Auto‘, ‚fünf Auto‘, …. ‚viele Auto‘. In ihrem Heimatdorf im Osten gab es nur eines, da brauchte sie den Plural nicht.
Allein schon damals in den 70ern das Aufstehen mitten in der Nacht, um Muhammad Ali in verschwommenen schwarz-weißen Bildern beim „rumble in the jungle“ boxen zu sehen. Für Ali musste man aufstehen, da war die Latein-Klassenarbeit am Morgen längst k.o. gegangen.

Frazier, der kleine, und Foreman, der später dicke boxende Priester. Was für Typen!

Oder Boris Becker, mit dem man leiden und siegen konnte wie mit keinem anderen. *Nachts* waren seine und unsere Niederlagen am schlimmsten.

Dazu Lendls Handwerk von der Grundlinie, McEnroes Wutausbrüche, Borg und seine Definition des Begriffes „cool“, Connors‘ Kämpfe, dazu der wunderbare Henri Leconte, der französischer war als jede Französin je sein wird.

Der war besser als Winnetou!

Natürlich ist der Becker von heute nach der Transformation in der Besenkammer ein anderer, aber die Erinnerungen sind frisch und verschwinden nie im Dunklen.

Als „Schlagobers“ Steffi Graf, die Schultern von Gabriela Sabatini, die kühlen Spiele der Navratilova, und die sieglosen Beine der Kournikova. Die sind wenigstens erst kürzlich gewesen. Spannend war die jedoch nicht mehr, also mit dem Schläger. Die war leider schon aus der Zukunft.

Oder Fußball, was für Typen gab es zu sehen!

Beckenbauer, Pele, Cruyff, Schuster, Netzer, Zico, George Best, Ardiles, Overath, Zidane, Pirlo, Platini!

Dazu Ente Lippens und ein Torschütze des Monats aus Bochum, der auf jede Frage von Rauschenberg antworte:

„Jaaaa, die Flanke kam gut und dann …. hab‘ ich ihn reingehauen.“

Vielleicht mussten die damals auch einfach weniger sinnlose Fragen beantworten und konnten sich auf ihre Kunst konzentrieren.

Oder Musik!
Beatles, Stones, Elvis, Madonna, Dylan, Young, U2, Springsteen, Cash, Tina …. alles Helden!

Körbeweise! Helden!

Madonna habe ich jetzt extra dazugenommen damit das vor dem Geschlechtergericht Bestand hat. Wobei Mick ja mit 40% femininen Anteilen auch durchgeht.
Und heute?

Usain Bolt, Ronaldo, Rihanna, Taylor Swift, Helene Fischer! Am *meisten* vermissen würde ich Thomas Müller, der im Interview sogar noch gut ist, wenn er mit dem Ball einen ganz falschen Tag erwischt hat. Modern ist jetzt, dass ich 50% Frauen genannt habe. Das war Zufall.

Und heute in der Früh um 3:25 wollte ich *ihn* dann rennen sehen, noch einmal aufstehen wie damals für Ali!

Usain Bolt und seine 41 Schritte in 10 Sekunden!

Den Wecker habe ich nicht gestellt, weil ich das auch innerlich programmieren kann, man hat ja Erfahrung im Alter. Und tatsächlich, um 3:21 bin ich wach geworden! Dann musste der Hund aber *ganz* kurz raus, und der pinkelt Urin schneller als Usain es laufen lässt und ich dachte noch:

„Martin, die Uhr geht vor und im fernen Rio, da schauen die nicht auf die Minuten.“

Jedenfalls kam ich dann exakt in der *Sekunde* zurück als Bolt die Arme hochriss.

Zu spät!

Bei Ali hätte ich noch den Gong von dem Beginn der ersten Runde nachhallen hören aber heute geht ja alles viel zu schnell.

Das ist bitter.

Und jetzt 10, 20, 30 oder 40 Jahre warten bis ich wieder nachts aufstehe?

Ooch nöööö!

„Durchschlafen“ wollen heute alle.

Kein Wunder, es gibt ja keine Gründe mehr zum Aufstehen in der Nacht.

Oder habt Ihr eine Idee, außer Usain Bolt?

Gewohnheit und Fehler

*Gewohnheit und Fehler*

Ich glaube ja, dass die meisten Menschen einige des Merkens würdige Gewohnheiten haben, die sie gern für sich behalten, weil sie ihnen ein wenig abnorm vorkommen.

Das könnte daran liegen, dass kaum einer darüber spricht.

Ich sitze gerade im Auto in der Selbstwaschanlage.
Das Auto ist gar nicht schmutzig, die Felgen könnte man kurz mit dem frischen Waschwasser des Taxifahrers überspülen aber die sehen jetzt noch nicht so aus, dass das zwingend oder nach meinen Maßstäben notwendig wäre. Außerdem ist die Box etwas sandig und wenn ich aussteige, dann muss ich hinterher die Schuhe abwischen, während die Felgen blinken. Das sind zwei Aspekte, die ich innerhalb von Sekunden gegeneinander abwäge.

Es regnet etwas und man kann im Trockenen unter einem Dach der Selbstwaschanlage bei offenen Fenstern gut schreiben, denken und rauchen, weil alle Boxen frei sind. Das ist eine Art persönlicher Boxenstopp während der schon wieder schlafende Hund auf seiner Decke auf der Rückbank durchtrocknet. Die Pfoten spüle ich mit dem Wasser an der Tankstelle nach dem Spaziergang auch gern ab.

Das Ganze würde die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte, zum Beispiel nicht mitmachen obwohl das recht gemütlich ist, so morgens gegen 6:30.
Sie würde das als Zeitverschwendung betrachten während ich selbst es auch im Urlaub als Zeitverschwendung betrachte, bis um 9:30 zu schlafen. Das lange Schlafen ist gesellschaftlich leichter vermittelbar als das frühe Parken und Schreiben in Selbstwaschanlagen.

Bei anderen fallen mir manchmal Verhaltensweisen auf, die die anderen offensichtlich mehr belasten als mich meine kleinen Störungen. Unverständlich sind mir Menschen, die sich zum Beispiel vegan oder vegetarisch ernähren und daher ständig über das Essen und ihre Ernährung sprechen. Ich überlasse ja jedem die eigene Form der Ernährung gern, aber ich erzähle zum Beispiel in der ersten Viertelstunde beim Kennenlernen niemals, dass ich seit 40 Jahren wahnsinnig gern Dickmilch mit Haferflocken und einer dicken Zuckerschicht esse.

Ich rühre das auch nicht um. Dickmilch zuerst mit etwas Zucker cremig rühren, dann zarte, nie kernige Haferflocken drauf und oben ein Häufchen Zucker. Das sieht dann aus wie ein schneebedeckter Berg. Das folgt leider keiner Lebensphilosophie, es kann sein, dass ich das deshalb verschweige.

Singer zum Beispiel spricht ja Tieren ein Bewusstsein zu, daher dürfe man sie nicht essen und meint, man solle Affen Menschenrechte gewähren. Kann man alles machen, aber mir schmecken Tiere tot trotzdem, vor allem kurz angebraten und bei schwacher Hitze durchgegart.
So genau weiß ich auch gar nicht mehr, was der schrieb. Der lag mir so fern wie Hartmut Engler von Pur oder Fans des Opel Manta B. Ich bin jetzt nicht mal sicher ob der „Hartmut“ heißt so weit weg fühle ich ihn. Also Engler. Singer aber auch, nur auf einem anderen Niveau.

So etwas über die eigene Lust auf Fleisch traut man sich ja öffentlich kaum noch zu sagen, weil man eine Art Mörderimage bekommt, wenn fleischlose Esser daneben sitzen. Ich habe auch nie verstanden, warum die dann „Wurst“ aus Soja essen oder ein Tofu-„Kotelett“. Das wäre mir sprachlich schon so dicht am Fleischgedanken, dass ich dann nur den Salat essen würde, wenn ich kein Fleisch mögen würde.

Mein Fehler ist ja, dass ich trotz meines Mörderimages nie dazu komme, diesen Krimi zu schreiben. Ein Freund von mir, der hat das nämlich gemacht. Und er lässt immer Leute sterben, die ihm im wirklichen Leben mal so richtig „auf den Sack“ gegangen sind. Und ich habe eben überlegt, dass ich nur auf fünf mögliche Opferprofile aus meiner Realität komme, die ich gern schriftstellerisch grausam zur kalten Schlachtbank führen würde.

Ich finde *fünf* sind für mehr als ein halbes Jahrhundert gar nicht zu viele und es ist auch nur eine einzige Frau dabei.

Muss jetzt die Box freimachen sonst fragt der, warum ich hier nur sitze und nicht wasche. Ist zu schwer vermittelbar und ich erkläre mich ungern.

Sommermorgen

*Sommermorgen*
„Arschloch!“

Ein Tag kann schöner beginnen.
Aber selten erhellender.

In den Ferien stehe ich ja erst um 6 Uhr auf. Und wenn es dann bei 9°C regnet, dann ist die Lust auf den Morgenspaziergang im hohen Norden mit dem kleinen schwarzen Hund nicht unbedingt das erste Highlight.

Der erste Weg führt trotzdem auf die Hundefreilaufwiese hinter der Stammtankstelle, natürlich mit einem Becher Kaffee, halbvoll, weil ich sonst beim Gehen und beim Werfen eines Stöckchen zu viel verschütte.

Es regnet hier anders. Mancherorts regnet es ja so, wie wenn ein Kilogramm einer offenen Zuckertüte aus dem Küchenschrank fällt. Hier dagegen regnet es so wie beim Einfüllen von Zucker in den Zuckerstreuer daneben geht. Aber viel länger.

Ein breiter Schirm ist da für einen Mann mit Hund nicht die öffentlichkeitswirksame Imagepflege. Außerdem ist ein Schirm mit Kaffee links und Stöckchen rechts schwer zu halten, jedenfalls wenn man nicht den Schirm zum Werfen benutzt.

Der Weg an der Freilaufwiese unter dichten Baumkronen entlang, der ist ebenso schön wie die Alleen im Osten, die es im Westen nicht mehr gibt.
Da braucht man weder Schirm noch Scheibenwischer.

Und da war sie dann, die rothaarige Frau mit den beiden riesigen schwarzen Hunden mit dem lockigen Fell. Beide Hunde an der Leine und 100m von uns entfernt. Ich stand unter meinem Blätterdach, warf Stöckchen auf die nasse Wiese und ließ den Hund sich müde toben. So alt sah die gar nicht aus mit dem ruhigen Tieren.

Und dann machte sie einen Bogen über die Wiese und wich mir aus. So gefährlich sah mein Hund gar nicht aus.

Auf gleicher Höhe in 15m Entfernung kam dann erstmal „Arschloch!“ durch den Nieselregen von der Freilaufwiese. Da war ich schon ganz froh, dass die beiden großen Hunde das Frauchen angeleint hatten. Ohne Leinen und ohne Hunde hätte die gar nicht so übel ausgesehen, aber eben nur tonlos.

„Siehst Du nicht, dass meine an der Leine sind, Idiot?“

Klar, ich sehe das, bin ja nicht blind.

„Wenn Sie wollen, dass ich ihn anleine, dann rufen Sie doch rüber. Ist ja eine *Freilaufwiese*!“

Und dann gibt ein Wort das andere, so ganz habe ich nicht verstanden, was mich jetzt zum idiotischen Arschloch machte, aber ich will gar nicht alles verstehen.

„Beim nächsten Mal lasse ich die Hunde auf Dich los, Du dumme Sau!“

Ich hatte vor den Hunden keine Angst.

Trotzdem zittert man ja wegen der ganzen Aufregung dann trotz äußerer Ruhe. Das stört mich so, dass ich dann erstmal eine rauchen muss obwohl der Kaffeebecher schon leer ist.

Und glaube ja, dass viele Menschen oft auf das reagieren, was sie denken und nicht auf das, was passiert. Und das war erhellend am dunklen Morgen. Und sie reden zu spät.

Dass nach meiner Runde in 100m Entfernung erneut lautes Gepöbel und Gekläff zu hören war, hat mich dann zusätzlich beruhigt. Leider musste ich nochmal zurück durchs Nieseln, weil ich den Becher auf der Bank vergessen hatte. Da habe ich dann gemerkt, dass es um meine innere Ruhe weniger gut bestellt war als ich dachte.

Was mag sie gedacht haben, die Frau, die morgens schon von ihren Hunden gehalten werden muss?

Russen

*Russen*

Wenn man „Russen“ liest, dann kann man zuerst an staatlich organisiertes Doping, an hybride Kriegsführung oder an Putin mit nacktem Oberkörper auf einem Hengst denken. Oder an Dostojewskis ‚Brüder Karamasow‘ oder Russinnen.

Ich denke ja zuerst auch manchmal an Fußball.

Da wundert es mich oft, dass der Osten Europas da keinen Titel holen kann. Die haben technisch so gute Spieler, aber die geben meiner Wahrnehmung nach schon auf, wenn sie ein Tor kassiert haben. Das würden Spanier und Italiener niemals tun, die werden dann erst richtig wehrsam. Und in den 70ern und 80ern war es sehr beeindruckend, wenn Spartak eine Angriff abschloss und der Ball zwei Zentimeter über das Tor ging …. und im Stadion Totenstille herrschte. Der Ball war ja nicht drin. Da ist es in Spanien lauter, wenn einer die Eckfahne trifft.

Und zweitens denke ich bei „Russen“ an riesige Weizenbrötchen. Die nannte man bei uns im Norden vielerorts „Russen“. Die heißen heute „Pummel“, was ich mir seit 40 Jahren nicht merken kann. Ich verlange konsequent den „Russen“. Die verstehen mich trotzdem, vielleicht weil es die nur bei einem Bäcker gibt und die mich kennen, weil ich mit dem Hund in der Tür stehen bleibe und meine Bestellung in den Laden rufe. Draußen haben die keine Möglichkeit einen Hund anzuschnallen …. und meistens darf er dann trotzdem rein, zumindest wenn die jungen Verkäuferinnen da sind. Die in meinem Alter sind viel strenger mit mir.

Aber alle erklären immer, dass der Russe jetzt „Pummel“ heißt. Oder sie nehmen den Russen, stecken ihn in die Tüte, sehen mich an und sagen:

„…. einen *Pummel* ….“

Das ist so ein Bäcker-Reflex, dass Brötchen beim Einstecken in Tüten mit dem richtigen Namen getauft werden.
Also früher gab es die „Russen“ beim Bäcker gegenüber von der Schule zu der Thomas Mann einst ging, bei „Harries“. Dann habe ich ein Loch in den Russen gebohrt und ihn ausgehöhlt, das Innere ist ja weich und formbar. Wenn ich darauf herumdrücke, denke ich immer, dass ich mal eine weiße Schachkönigin daraus formen will, genau wie ich mir das in Zweigs „Schachnovelle“ vorstelle.
Leider stecke ich das Weiche dann trotzdem in den Mund.

Pläne und Verführung passen einfach nicht zusammen.

Und dann kam das zweitbeste:
Man schüttete eine ganze Tüte „Treets“ in den Hohlrussen! Das schmeckte wesentlich besser als ein Nutella-Brötchen, vor allem *während* der Unterrichtsstunden, das war das Beste von allem:

Ich durfte für meinen alten Chemielehrer *in* den Chemiestunden (… hatte ich nur wegen ihm zusätzlich belegt, Chemie brauchte ich nicht, hatte der in der ersten Stunde gemerkt …) nämlich jede Woche einen Liter Coca Cola bei „Harries“ kaufen, weil er mit seinem Stock nicht gut zu Fuß war.

Bevor die Fachraumtür sich hinter mir schloss, rief er immer hinterher: „Martin, und nimm‘ die leeren Flaschen aus meinem Kabuff mit!“

Nie hätte Dr. Neumann einen Schüler gesiezt.

Der war wundervoll. Manchmal kam man zum Unterricht in den Chemieraum und er stand mit seiner Gauloise rechts in der Hand und dem Gehstock links am alten Pult im leeren Raum, die Cola im Glas vor ihm.

Dann machte er die Zigarette natürlich nicht aus sondern sagte: „Was wollt Ihr denn schon wieder? Gleich, ich habe jetzt noch keine Zeit.“

Bei dem habe ich sogar mehr gelernt, wenn ich einkaufen war als bei anderen, wenn ich in der letzten Reihe saß. Auch in Chemie.

Leider gibt es ihn nicht mehr, hoffentlich haben die Gauloises und Coca Cola im Himmel.
.
Und „Treets“ gibt es auch nicht mehr.

Die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte, wollte nicht, dass ich meinen Kindern dasselbe mit „Pummeln“ und „M&Ms“ demonstriere.

Festhalten

*Festhalten*

…. kann man irgendwie *nichts*.

Hier in Dithmarschen habe ich gestern Dumbo, den kleinen Elefanten, in den Wolken am Himmel gesehen und jetzt am Morgen eine Robbe am Strand. Dazu noch unseren kleinen Hund in *exakt* der Haltung, die er täglich zweimal einnimmt. Es war leider genau die. Und jedesmal hole ich das Handy aus dem Haus, aber Dumbo, Robbe und Hund sind weitergezogen und verwischt und weg.

Ganz ähnlich ist das mit Schirmen, Handschuhen und Feuerzeugen, die kann ich auch nicht festhalten und lasse die ständig irgendwo liegen, im Café, an der Tankstelle oder in der Bibliothek. Zum Glück wissen die, zumindest an diesen drei Orten, wem das gehört und heben mir alles auf. Bis auf den Futterbeutel vom Hund, der ist verschwunden.

Und die Feuerzeuge, die verschwinden in Handtaschen oder Tabakbeuteln anderer. Ich hatte mal einen Freund, der das mit den Feuerzeugen als Sport betrieb. Der hatte vor 35 Jahren eine ganze Schublade voll damit, ich durfte mir meine dann wieder raussuchen, das weiß ich noch. Der Wolfgang, der hat heute bestimmt ein Extrazimmer für die Feuerzeuge, also wenn der noch raucht.

Schirme kaufe ich aus Sicherheitsgründen bei Rossmann, die schwarzen Stockschirme kosten da 3,99€ und wenn man drei Stück kauft, kommt man damit durch einen trockenen Sommer relativ gut.

Meine Frau, die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte, sagt dann öfter, dass ich mir zum Beispiel einen teuren Schirm kaufen soll, weil ich auf den besser aufpassen würde. Doch so einen richtig teuren von Cerruti habe ich zu Ostern gefunden. Der war bestimmt von einem Mann, dessen Frau dasselbe sagte, und jetzt ist der auch wieder bei Rossmann, hat aber 69,95€ bei Cerruti geparkt.

Den schwarzen Schirm aus Italien benutze ich natürlich nicht, schon damit der nicht nass wird.

Mit Moden ist das auch so.

Wenn man die versucht festzuhalten, wird das schnell ganz peinlich. Zum Beispiel gibt es das Cover zu „Here & There“, einer 1976er Live-Platte von Elton John. Da trägt er zum Mantel mit Pelzkragen eine adidas-Jogginghose. Das Wort Jogging hieß damals vermutlich noch ‚Dauerlauf‘, das Wort kennt heute keiner mehr.

Also ich habe dann zur Schule auch diese Hosen mit den drei Streifen getragen, auch mit offenen Reißverschlüssen an den Knöcheln, in rot oder in blau. Dazu aber Stiefel und ein schwarzes Jackett von meinem Vater. Wenn ich das später *vor* der Tafel noch getragen hätte, wäre das peinlich gewesen. Andererseits trage ich auch mehr als 40 Jahre später immer noch am liebsten halbhohe Stiefel, das gibt mir die nötige Standfestigkeit für’s Leben. Turnschuhe sind dagegen eine wackelige Angelegenheit. Junge Leute heute sollten darüber mal nachdenken!

Im Studium habe ich nur schwarze Sachen getragen, weil dann alles immer zusammenpasst.
Als ich dann mit meinen ganzen Brüchen in der 5. Klasse ankam, haben die gesagt, dass sie erst recht keine gute Laune kriegen, wenn ich immer so „traurige Sachen“ anhabe. Dann habe ich einen bunten Pullover gekauft und die haben geklatscht. Das war beides ziemlich ungewohnt.

Und gestern hat mir jemand hier gesagt, dass hier zu wenig los ist und dass sie in eine große Stadt ziehen muss, wo das Leben tobt. An der Idee hält sie hoffentlich nicht mehr so viele Jahre fest. Erst „zum Sterben“ will sie wieder nach Dithmarschen.
Das wäre mir persönlich ja zu einsam, andererseits ziehen hier die jungen Leute alle weg und haben vielleicht ähnliche Pläne. Dann werden hier mal viele alte Leute durchs Watt laufen. Heute kosten die Häuser teilweise schon so viel wie ein gut ausgestatteter VW Golf.

Gute Tage sind ja am schlimmsten. Wenn man versucht, die noch um 24 Stunden zu verlängern, dann sind die zuende bevor der Mond des ersten Tages aufgeht. Manchmal werden schlechte Tage aber auch erst gut, wenn der Mond aufgeht.

Daran sollte man an besonders schlechten Tagen auch mal denken.

Dithmarschen

Dithmarschen

Kürzlich sagte die Kurze:

„Wenn Penny ein Mädchen wäre, dann würde sie Fußball spielen.“

Penny ist der junge Hund, ganz in Schwarz.

Eigentlich ‚Miss Moneypenny‘.

Wegen des Schwarz, klar?

Die Mutter ist ein Dackelmix, der Stammbaum des Vaters hat Wurzeln bei Labrador, Terrier und im Nirgendwo.

Was sie damit meint, weiß ich nicht so genau, aber ich weiß, dass zwei der hiesigen Fleischereifachverkäuferinnen Fußball spielen.

Die sind ziemlich gut und als mein großer Sohn letztes Jahr meinte, wir könnten ja fragen, ob wir bei denen mitmachen könnten, da habe ich gedacht, dass ich gar nicht möchte, dass mich nach den positiven Erfahrungen mit Fußball in meiner Jugend auf meine alten Tage Fleischereifachverkäuferinnen tunneln.

Männer neigen ja dazu, Listen zu schreiben, also Listen mit den besten Konzerten ihres Lebens oder mit den besten Platten von Neil Young.

Bewunderer nennen ihn -Neil- nur den „Meister“.

Das hat jetzt nichts mit Fleischereien zu tun, das ist mehr so ein Ehrentitel.

Old Shatterhand ist ja auch nicht ‚alt‘, das „Old“ soll nur das Schmettern betonen.

Und vielleicht soll das mit dem „Meister“ auch betonen, dass Neil immer „Young“ bleiben möge. Da muss man die Fachleute fragen.

In Dithmarschen gibt es auch nicht so viel, aber es gibt die schönsten Bäckereifachverkäuferinnen der Welt.

Das kann auch daran liegen, dass ich morgens noch etwas müde bin, aber ich glaube das nicht.

Das sehe ich ja seit vielen Jahren.

Jedenfalls habe ich innerhalb von zwei Tagen deshalb 6,90€ für ein einziges Stück Apfelkuchen bezahlt. Das ist mir noch nie passiert.

Für einen Amerikaner würde ich niemals 1,80€ bezahlen, das sind immerhin 3,60DM und ich will das jetzt gar nicht in Reichsmark umrechnen.

Aber 2,30€ für ein großes breites Stück eines runden Apfelkuchens halte ich mittlerweile für angemessen, wenn die Qualität stimmt, hinter dem Tresen, in der Auslage.

Zuerst wollte ich ja zwei Stücke für 4,60€ nehmen und hatte schon nachgesehen, wie viel Kleingeld ich habe.

Dann dachte ich, dass ich mal nett bin und ihr einen Fünfer gebe, ich kann hier gerade das Auto nicht waschen, also hatte ich Geld gespart.

Dann wollte die Kleine aber gar keinen Kuchen sondern lieber ein Eis und ich bin mit dem einen Stück Kuchen losgedackelt.

Und die Verkäuferin war echt nett und die hat wirklich toll gelächelt.

Die kam auf alle Fälle auf’s Podest der letzten 20 Jahre.

Im Eisladen habe ich dann den 5€-Schein vermisst und meine Tochter meinte, dass ich den auf den 100m vom Bäcker zur Eisdiele verloren haben muss, also sind wir zurückgegangen.

5€ an einen Unbekannten zu verlieren ist jetzt nicht so schlimm, es hätte ja ein Hunderter sein können.

Aber wir haben trotzdem gesucht.

Bis zur Bäckerei.

Die wunderte sich dann, dass ich auf dem Fußboden bei den Zeitungen herumschnüffelte wie ein Hund und ich sagte, dass ich fünf Euro verloren hätte.

„Sie wissen, dass Sie mir 5€ für das Stück Apfelkuchen gegeben haben?“

Nee, das wusste ich nicht, ich habe mehr auf die geachtet als auf mein Geld.

„Na, dann ist es gut, dass die an einer guten Stelle gelandet sind“, habe ich gesagt und wir sind wieder raus.

Mein Plan mit den zwei Stück Kuchen war irgendwie auf halbem Weg verunfallt, aber das Auto rollte einfach weiter.

Heute wollte ich die dann nochmal besuchen, um den Sohn des Apfelkuchenstücks von gestern zu entführen.

Aber die war nicht da, aber es gab noch Apfelkuchen, heute von einer Blonden, die mochte ich nicht sofort so.

Habe ihr trotzdem 3€ gegeben.

Das hat so geschüttet, dass ich dann noch vor dem Bäcker gewartet habe.

Dabei ist mir dann das Stück Apfelkuchen in eine tiefe Pfütze gefallen.

Das war gar keine Tüte, das war nur so ein Umschlag um die Pappe mit dem Apfelkuchen.

Der anderen hätte ich das verziehen.

Aber jetzt sind es schon 6,90€, die ich ohne Trinkgeld für ein einziges Stück Apfelkuchen bezahlt habe.

Ich gehe heute nochmal hin, weil der Durchschnittspreis sinkt, wenn ich es schaffe, das nächste Stück direkt vor dem Tresen zu essen.

Hoffentlich ist die vom Podest da.

Emilia.

Die boxt nämlich für einen Club und sagt, dass Frauen gemeiner sind und fieser zuschlagen als die Männer im Training.

Ich verstehe die sehr gut.

Mit dem Auto

*Mit dem Auto*

Dieser 82er Golf Diesel in bordeauxrot, einer der schrecklichsten denkbaren Farben, hat in Südfrankreich damals 3,8 Liter Diesel verbraucht.

Das war vor 34 Jahren und der Wert konnte durch seine Söhne und Nachkommen nie wieder erreicht werden, nicht mal mit Schummeln. Er war mehrfach in Paris und jedes zweite Wochenende aus privaten Gründen in Trier. Nach Paris war es in der „Ausbildung“ bei der Luftwaffe bei Eindhoven näher als an die Ostsee. Viel zu lernen gab es in Paris, nicht bei Eindhoven. Die Gründe für Trier lassen wir weg und einigen uns darauf, dass man in Luxemburg einfach günstig tanken und rauchen konnte. Und den Namen Lolita fand ich damals gut.

Mit dem Golf fuhr ich so wie früher mit dem Käfer und an sich läuft das heute ebenso. Jedenfalls fragt die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte, des Öfteren ob ich „nicht etwas schneller fahren könnte“.

In frühen Jahren tat ich das ja auch, von Freiburg an die Ostsee in sechs Stunden. Aber nachdem mal bei 190km/h hinter einer Bergkuppe ein Stau war, habe ich mich wieder auf Käfer-Fahrweise zurückentwickelt.

(Nur in anderen Ländern, deren vorherrschende Fahrweise ich liebe … wie Frankreich bis in die 90er und Italien speziell in den 80ern … passe ich mich komplett an. Jetzt haben die da auch Striche zwischen den Fahrspuren und der Spaß ist nicht mehr derselbe.)

Man kann im Sommer auch einen Schnitt von über 110 fahren, aber dann braucht man zwischendurch Zeit, um die Insektenleichen von Kühler und Scheibe zu entfernen. Das dauert ja etwas und dann bin ich mit 95 schon wieder vorbei. Bis 95 hab ich fast nie Tote auf der Scheibe. Ich kann schmutzige Scheiben nicht leiden.

Sogar wenn sie gar nicht schmutzig sind, putze ich die gern. Das beruhigt ebenso wie die wöchentliche Autowäsche für zweimal 0,50€ in der Selbstwaschanlage. Natürlich muss man eine eben genutzte Box nehmen, wo man noch Schaum am Boden sieht. Das spart den dritten 50er.

Manchmal wasche ich auch zweimal in der Woche, aber nur, wenn ich Zeit zum Nachdenken brauche.

Saugen mache ich nebenan, da kostet das nichts, und mein Auto ist ja nie dreckig, daher lassen die mich immer saugen. Ich mache das gar nicht wegen der weiteren 50 Cent sondern weil man dabei so hektisch wird und weil es nervt, wenn man den vierten Sitz trotzdem nicht mehr schafft.
Heute komme ich mit dem Benziner in Dithmarschen nur auf 4,9 Liter Super Plus. Mit Super 95ROZ geht das nicht, da steht eine „5“ vor dem Komma. Die FDP würde das auch super finden. In Dithmarschen gibt es lange Geraden, auch einspurige. Unter 110 fährt da kaum ein Einheimischer, das ist immer wieder ebenso beeindruckend wie die ganzen Kreuze an den wenig befahrenen Straßen.

Was ja völlig unterschätzt wird, ist der *Geruch* von Automobilen. Christian hat mir vor 25 Jahren erzählt, dass er stets einen Spritzer teuren Herrenduft hinter die Kupplung spritzt.

Das ist zum Beispiel eine feine Sache, aber man braucht eben einen teuren Herrenduft und eine Kupplung. Er nahm stets Egoiste, das passte auch recht gut.

Ich bitte jeden, der mich jemals in sein Auto steigen lässt, vorher alle Wunderbäume und andere Chemiekeulen zu entfernen.

Kaffee-Bohnen in einem Karton unter dem Fahrersitz duften viel besser, vor allem, wenn man gut heizt im Winter. Dann duftet es wie in einer Rösterei. Tee habe ich noch nicht probiert, weil ich den nicht trinke. Auch gegen leichten Zigarettengeruch sind Kaffeebohnen mit ihren ätherischen Ölen ein probates Mittel. Ein Viertelpfund sollte es aber schon sein.
Und bitte *Bohnen*. Die duften länger und sind leichter wegzusaugen, wenn man den Karton umkippt.
Meine Kinder treten nie von innen gegen die Türen, sie wischen feuchte Scheiben nicht mit der Hand klar. Der Hund leckt auch nicht von innen an den Scheiben. Das habe ich mal erklärt.

Bei der besten Ehefrau von allen, die ich je hatte, ist *alles* anders.

„Ein Auto ist ein Gebrauchsgegenstand“, ist so ein typischer Satz, den ich respektieren muss.

Und sie flucht und schimpft beim Fahren wie ein Droschkenkutscher. Das ist mir ja viel zu anstrengend. Weil ich später ankomme, sind solch heikle Situationen auch meist längst vorbei. Andererseits bin ich immer wieder erstaunt, wie viele böse Wörter ihr trotz wirklich guter Erziehung einfallen.

Ach so, meine Kurze habe ich dann mal gefragt, warum ich mein Auto von innen kaum putzen muss, das meiner Frau aber schon …. obwohl identische Kinder darin sitzen.

Das kluge Kind sagte:
„Mama ist das egal.“