Dummheiten

*Dummheiten*

Es gibt Momente im Leben, die man gern streichen möchte, aber weil man so oft an das Streichen denkt, vergisst man die nie.

Zum Beispiel habe ich Ende der 70er oder Anfang der 80er bei einem Reitfest geholfen.

Warum ich damals mit Pferden zu tun hatte, spielt hier keine Rolle, doch habe ich das Auto mit ihrem Pferd im Anhänger oft gefahren. Das ist anfänglich gar nicht so einfach, vor allem beim Rückwärtsfahren.

Und die Tribüne war gut gefüllt beim S-Springen, dem Höhepunkt des Festes.

Leider hatte es vorher stark geregnet. Ich hatte die Aufgabe, die heruntergefallenen Stangen für zwei Hindernisse wieder aufzulegen, wenn ein Starter die ‚gerissen‘ hatte. Ob das jetzt „Stangen“ und „gerissen“ heißt, das ist mir entfallen.

Sehr gut weiß ich aber noch, dass ich das damals angesagte blaue Lacoste-Shirt (Popper-Zeiten) trug, dazu aber keine „Karotte“, sondern eine weiße Latzhose.

Popper-Hippie, sozusagen.

„Hippie-Popper“ klingt missverständlich, das habe ich eben noch korrigiert.

Die Hose habe ich danach auch nie wieder getragen.

Jedenfalls habe ich mich nach dem Durchlauf eines Pferdes über dieses Metallgeländer geschwungen.

Leider war das noch nass und ich bin abgerutscht. Das ist nicht so schlimm, aber so eine riesige Pfütze ist besonders schlimm, wenn man mit dem Hintern in ihr landet.

Vor allem in ‚Weiß“.

Noch schlimmer sind dann nur noch viele applaudierende Menschen auf einer vollbesetzten Tribüne.

Da wird man rot.

Ich sah bestimmt französisch aus, wie die Tricolore in Weiß, in Blau und in Rot. Jedenfalls habe ich nie wieder so einen großen Beifall bekommen.

Dagegen war das mit der Cola-Flasche im Eisfach nicht so schlimm. Aber mit Physik-Leistungskurs ist das *mehr* als dämlich.

Ihr glaubt gar nicht wie das *kracht*, wenn so eine Glasflasche im Eisfach platzt. Kann man ausprobieren.

Muss man nicht.

Nur drei, dann machen wir Schluss, sonst ist das wirklich peinlich.

Ich komme jede Woche auf dem Weg zur Bibliothek an meiner alten Schule vorbei.

Da steht neben der Mauer auf der einst Tonio Kröger auf seinen Freund wartete, eine Litfaßsäule.

Die hat einen Durchmesser von circa 1,20m, ist also nicht extrem dick. Heute ist da Werbung für … naja, seht Ihr ja unten auf dem Foto … , drauf. Das sind Namen, die ich mir nicht mehr merken kann.

Also, das ist ja fast 40 Jahre her, *heute* würde mir das nicht mehr passieren, weil ich jetzt *weiß*, dass da eine Litfaßsäule steht.

Aber damals war ich neu an der Schule und mindestens hundert Schülerinnen und Schüler standen nach Schulschluss hinter und vor der Mauer.

Es ist am Seitenausgang recht eng, da wo die Säule steht.

Ja, und dann habe ich ihr nachgesehen.

Sie hatte langes Haar und ging mir auf der anderen Straßenseite entgegen. Ihr Gang mit dem wehenden Haar ist das Letzte, woran ich mich gern erinnere.

Und jede Woche gehe ich an dieser Säule vorbei und erinnere mich daran, wie viele gelacht haben als ich gegen die Litfaßsäule lief als ich dem schlanken Mädchen mit den langen dunklen Haaren nachsah.

Orientierung

*Orientierung*

Vor 10 Jahren habe ich den einzigen Neuwagen, den ich jemals kaufte, in Wolfsburg abgeholt.

Es war das schlechteste Auto, das ich je fuhr.

Die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte, nennt es das beste Auto, das sie je fuhr.

VW Sharan.

Ich sage dazu nichts, die haben genug Probleme.

Das Auto hatte ein Navigationssystem, das mit einer DatenCD funktionierte. Orientierung oder Musik von CD, da war für mich klar, dass ich ohne Navigation weiterleben will. Welch eine dämliche Idee. Wissen wo man ist oder Musik im Ohr.

Radio war vor 10 Jahren auch schon Mist.

Trotzdem habe ich dann den Verkäufer mit dem VW-Emblem gebeten, meine „home“-Addresse einzugeben. Das Gerät zeigte dann immer einen Pfeil, wie man fahren soll. Das wollte ich gleich testen, landete aber letztlich zwischen zwei Feldern auf unebenem Weg und es fing an zu schneien.
Natürlich lagen die herausgehandelten Winterreifen noch an der See beim Händler. Bei 40km auf dem Tachometer ist das zusätzlich anstrengend.

Aber eine Stunde lang habe ich das Gerät bestimmt genau befolgt. Trotz weiblicher Stimme!

Dann habe ich das abgeschaltet und ‚Time Waits For Noone‘ oder so gehört. Dann kam ich auch besser vorwärts. Ich dachte, dass mir die Musik gefehlt hat. Mit Musik kann ich zwar nicht einparken, aber ich ärgere mich auch nicht, wenn ich mich verfahre. Ich denke dann ehrlich gesagt schon mal:

„Super, dann kann ich die Platte nochmal hören.“

Jedenfalls hat meine Frau mir dann später erklärt, dass man auf „Leiten* drücken muss.

Ich lese ja keine Anleitungen. Wenn man die braucht, dann ist ein Gerät schlecht. Und wenn das schlecht ist, dann *braucht* man eine Anleitung. Ich lese aber keine Anleitungen für schlechte Geräte. Und für die guten braucht man keine.
Anleitungen sind insgesamt überflüssig.

Das Wort heißt auch anders.
Wie gesagt, ich lese nicht mal, was da drauf steht.

*Bedienungsanleitung*, check!

Der Pfeil im Navi zeigte immer in Richtung Norden. Das hatte der nicht gesagt. Da war ich dann echt froh, dass ich nicht in München wohne.

–

Heute benutze ich das an sich fast nur in fremden Städten. Und alles immer auf Englisch, weil ich das so toll finde, wenn „Anna“, meine Navistimme, … „roundabout“ sagt.

Es ist dann klanglich immer wie Urlaub nur dass es Rechtsverkehr ist. Das mache ich mit, auch Sommerzeit und so. Menschen halten andere schnell für sonderlich, wenn sie andere Regeln befolgen.

Für die Kurze mache ich immer Französisch an, sie übersetzt mir das, weil es kein Latein im Navigationssystem für mich gibt.

Das ärgert mich etwas, weil ich mich gern auf Latein durch Rom leiten lassen würde.

Welcher Hersteller bietet Latein?

Die Einschränkung

*Die Einschränkung*

Heute in der Zeitung wieder eine Umfrage.
Seite 1 unten in der WELT:

52% aller Eltern fühlen sich in ihrer persönlichen Freiheit durch ihre Kinder zumindest manchmal „eingeschränkt“.

Ich liebe so etwas. Auch sprachlich ist das purer Genuß und ich würde auch gern derartige Umfragen machen, weil ich Sinnlosigkeit so erhellend finde.

52%.

Also unsere Kinder zum Beispiel, die erleben ihre Eltern zu 100% als Einschränkung in ihrer persönlichen Freiheit, …. zumindest manchmal.

Ich selbst finde viele andere Dinge viel, viel einschränkender und freiheitsraubender als Kinder.

Am schlimmsten finde ich das mit der „Zeit“, die ja für jeden endlich ist. Daran denke ich ziemlich selten, aber das fällt mir jetzt als Erstes ein, weil es nicht zu ändern ist. Also *ohne* Einschränkung, das geht sowieso nicht.

Danach kommen Uhren und das mit dem Rasieren, knapp unter 100%. Haarwachstum im Gesicht, das ist einer der wenigen Prozesse, die ich gegen die Schöpfung führen würde. Die Haare bringen nichts, Rasieren auch nicht. Was soll der ganze Quatsch? Zeitraubend, sinnlos, einschränkend.

Aber nicht „manchmal“, sondern *immer*.
Bügeln auch. Das knittert nach zwei Sekunden, schon wenn man das Hemd in die Hose steckt.
Dann war es das Hemd von meinem Sohn und ich nehme ein anderes, aber das erste hat Knicke und muss wieder gebügelt werden.

Regen zähle ich auch dazu, wenn ich den Schirm vergessen habe und das Auto weit weg steht.
Ansonsten ist Regen eine super Sache. Nur wenn man nass wird, ist das einschränkend. Vor allem mit Brille und superentspiegelten Gläsern. Ohne Brille stört mich die Nässe nicht so sehr.

Und auch wenige andere Menschen sind „einschränkend“, ich hatte da gerade einen Fall, aber das war eher eine Einschränkung bei der Person als eine Einschränkung für mich, aber doch zumindest zeitweise. So ein Tag mit der Beschäftigung mit einer Person kostet ja Zeit und die ist dann weg, genau wie die beim Rasieren.
Aber nach dem Rasieren ist man frisch und wenn die Person weg ist, dann ist man müde.

Wenn ich der besten Ehefrau von allen, die ich je hatte, alle Uhren wegnehmen würde, dann würde ich sie noch mehr lieben. Aber sie würde das mit den Uhren schon beim Aufwachen merken und sich ohne Uhr eingeschränkt fühlen.

So genau weiß man das nicht, an wem oder was das Einschränkende liegt. Man fühlt das nur wie einen Sonnenuntergang. Da weiß man auch nicht, ob wieder ein Tag zuende geht oder ob eine Nacht beginnt.

Könnten die Jungs und Mädchen aus der Umfragewelt auch mal eine sonnige Statistik machen? So etwas wie:

„Empfinden Sie sonnige Tage im Urlaub als positive Bereicherung?“

„Fühlen Sie sich, zumindest bei den Toren, belebt, wenn die „Mannschaft“ toll spielt und gewinnt?“

Andererseits kosten einen die langweiligen anderen Spiele viel Zeit und wirken dadurch stark einschränkend. Eine Einschränkung ist zum Beispiel, dass man nicht *vorher* weiß, ob es so spannend wie Deutschland vs. Italien 1970 oder 2016 wird. Das weiß man erst hinterher und meistens fühlt es sich hinterher wie verlorene Zeit an.

… oder aber so langweilig wie Brasilien vs. Deutschland vor 2 Jahren ab der 22. Minute. 😉

Ich sehe mir das trotzdem gern nochmal an, nur die Tore und diese Gefühle in den Blicken der Spieler und Zuschauer. Da denke ich zuerst an die Brasilianerin mit der Fahne auf der Wange, den riesigen Augen und der Hand vor dem Mund.
Ihr wisst, welche ich meine? Klar, jeder weiß das.

Und wie Toni Kroos nach seinem zweiten Tor gelacht hat, das war auf dem Spielplatz früher auch so, bei Jan und Michi.

Sogar, wenn man das Tor als Torwart kassiert hatte, diese Freude beim Torschützen glich den Spielstand ein ganz klein wenig aus. Immer gewinnen war auch langweilig, etwas Spannung musste sein.

Wenn die Spieler sich aufrichtig freuen, denke ich oft, dass die das auch machen würden, wenn gar keiner zuguckt. Andererseits ist diese TV-Show-Freude nervig.

Umfrage:
„Welchen Jubel von welchem Spieler fanden Sie in ihrem Leben bislang am schönsten?“

Das wäre mal was.

Also: „Welcher war’s?“

Der Tod

*Der Tod*

Neulich hat mir einer geschrieben, dass ich auch mal etwas „mit Geist“ und mit „richtigem Gehalt“ schreiben soll und nicht diesen „Kram vom Tag“.

Da hat er völlig Recht.

Aber nachts schlafe ich, da ist wenig zu berichten. Oder ich will das nicht.

Oder meinte er das „Dunkle“?
Da fällt mir nur „das Ende“ ein.

Montag zum Beispiel, da hatten wir mit einigen Jungs eine Vereinssitzung, also kurz nach der Gründung.

„Jungs“, das ist ein weites Feld.

Ich war wieder der Älteste, man rechnet sich das irgendwann aus. Zwei von denen zusammen waren so alt wie ich. Und dann war da immer noch Luft.

Meine Mutter pflegt auch mit 90 von ihren „Mädchen“ zu sprechen, wenn sie eine aus der Grundschule am Telefon hat.

Und N., ganz groß und mit langen Locken, hat beim Vereinstreffen erzählt, dass „die in der alten Laeiz-Halle einen Kühlraum für die Leute haben, die im Konzert sterben“. Und dass die in der Elbphilharmonie auch einen eingeplant haben.

Das war wieder so ein Moment in dem ich dann „hmmm“ denke und mache. Also bei Wagner kann ich das ja verstehen.

… oder bei Schokolade!

Schokolade muss immer gekühlt sein. Ich finde das so schön, wenn die dann im Mund wärmer wird und auch noch innere Bißfestigkeit behält. Ich meine jetzt speziell dunkle Schokolade, sonst passt das ja nicht zum Thema. Früher mochte ich die gar nicht. Da ging nur Vollmilch. Dann hatte ich mal mit 15 Jahren zuviel davon gegessen.

Ja, und dann eben auch 25 Jahre *gar nicht*, kein Nutella, nicht mal Kakaostreusel auf dem Cappuccino. Den habe ich zurückgehen lassen, weil sich das nicht gehört ‚mit Kakao‘.

Besser war aber eine junge Frau vom Nebentisch zu bitten, das runterzulöffeln. Dann gibt man denen den Keks zum Schaufeln und muss nicht am Tresen meckern.

Das macht ja wieder „schwieriger Kunde“ und so. Das war für mich noch schlimmer als Kakao, das Image.

Ich habe wirklich 25 Jahre keine Schokolade gegessen, absolut konsequent. Ich bin so, das ist manchmal etwas unpraktisch.

Aber dann haben die kleinen Kinder von der Nachbarin beim Rasenmähen gefragt:

„Willst Du auch ein Milky Way?“

Dann habe ich gleich nach einem zweiten gefragt, weil ich ja 25 Jahre aufholen musste. Das war unfassbar lecker mit dieser fluffigen Innerei.

Und seitdem nehme ich wieder morgens Nutella. Früher fand ich „Capt’n Nuss“ besser.

Das ist auch dunkel, bin schon wieder im Leben ohne Gehalt gelandet. Obwohl das von Nutella nie einer sagt:

„Kein Gehalt“.

Also N. mit seinen Kühlräumen.
Ich will das ja nur nicht glauben, weil er sonst beim nächsten Mal sagen könnte, dass er mich ’so schön verarscht‘ hat.

Aber ich habe danach dann ‚gegooglet‘. Das darf man nicht erzählen, weil das die Krönung der Verarschung wäre. Also bei Google nach „Elbphilharmonie Kühlraum Tote“ zu suchen.

Ich hab’s gemacht.

Mir fehlt leider ein schönes Wort für „Verarschung“. Das ist wie Kakao auf Cappuccino hier im Text.

Das passt leider als einziges, andere sind zu milde, wenn es um den Tod geht.

Ihr könnt das mit dem Suchen ja auch mal machen bei Google.

… das Thema ist ja doch wichtig, also später.

Maus im Haus

*Mausetot*

Wohin gehört eigentlich eine tote Maus?

Biotonne oder Restmüll?

Wir hatten eine im Keller, vor circa 2 Wochen, meine Frau hat sie dort hinter der Wäsche Verstecken spielen sehen. Und die soll schneller als die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte, gewesen sein.

Tolle Maus.

Natürlich haben wir keine Toilette im Keller und dann findet man morgens kleine Würste. Man kann die fegen, das ist nicht weiter schlimm.

Die Kellertür sollte dann immer geschlossen bleiben, hat sie gesagt. Also nicht die Maus sondern meine Frau. Das vergisst man natürlich im normalen Leben, vor allem als Mann. Natürlich ist das keine Absicht. Dinge passieren auch einfach so, man merkt das oft gar nicht.

Trotz der Hitze ist sie dann zwei halbe Stockwerke höher gezogen und schaute im Wohnzimmer unter dem Sofa hervor. Die war auch schneller als unser sportlicher Hund. Vor allem in Kurven ist so eine Maus wirklich rasant unterwegs, einen sehr kleinen Wendekreis hat die. Klasse. Sogar der Hund mochte die schnellste Maus von Marzipanien.

Niedlich, echt niedlich.

Die Kurze wollte ihr schon einen Namen geben, aber ich habe gesagt, dass sich das zeitlich nicht lohnt. Andererseits hatte ich selbst noch keine Pläne.

Auf dem Einkaufszettel stand manchmal „Mausefalllen“, aber die hatten nur die mit der Genickbruchtechnik und ich hatte an eine Lebendfalle gedacht. Tage dauerte das, keiner brachte Fallen mit. Ich jedenfalls hatte auch keine Lust auf Baumarkt bei 33°C im Schatten.
Alles Männer da.

Und olfaktorisch …. Schwamm drüber.

Mittlerweile saß der Hund immer vor der Spülmaschine in der Küche, im Hohlraum unter der Küchenzeile gab es hübsche, leise Lebenszeichen. Der Hund fand das super, die Kurze auch. Die lag mehr als sie saß in den letzten Tagen. Man muss da richtig aufpassen in einer Küche, wenn sie da herumliegen, die Kinder.

Mäuse tritt man weit seltener tot als man denkt.

Ja, und dann war die beste Ehefrau von allen einkaufen: Genickbruchtechnik. Zwei Stück.

Das geht mit Schokolade am besten. Sie hat das gegooglet. Käse ist ein Klassiker, wird aber schnell trocken. Irgendwie hatte ich nichts gemacht. Das ist manchmal schon die Lösung kleiner Probleme.

Und heute früh hat sie dann in der Küche gelegen, nicht zu übersehen. Meine Frau hatte zwei Fallen hinter der Abdeckung unter der Küchenzeile platziert und zog die Abdeckung ab. Schnell wirkt die beste Ehefrau von allen liegend in der Küche nicht so. Also der Vergleich mit der putzigen Maus wäre jetzt nicht so passend. Vor allem für die Maus.

Natürlich musste ich sie rausbringen.

Sie war nicht mehr …. schnell.

Mann, die war echt süß. Dunkle Augen, aber irgendwie flacher als die aus Weingummi und auch steifer. Habe sie dann in den Sportteil des Lokalblattes gewickelt, mit der Falle. Es war dieser Olympia-Artikel. Ein Glück, dass die Maus das nicht mehr mitbekommen hat.

Man holt die doch da nicht raus und reinigt die Guillotine, oder?

Meine Frau sagte nur:
„Bring‘ sie raus in die Tonne.“

Aber ich diskutiere nicht so gern bei Bestattungen.

Also:
Bio oder Rest?

Zigarette

*Zigarette*

Nach dem eigentlich tollen Konzert von Clara Luzia, draußen neben der Flora. Was jetzt genau toll war und was nicht so ganz, das lasse ich mal weg.

Ein Baum von einem Kerl, direkt vor mir, 10cm länger und 60cm vor mir. Metallbrille, gepflegte, aber lässige Kleidung, Typ BWL-Student, aber letzte Reihe mit Brotdose von Mutti.

“Zigarette”, sagt der Lange als ich eine kleine Wolke in den Nachthimmel über Hamburg entlasse.

Er sagt das einfach so, ohne Fragezeichen und ohne ein Lächeln direkt vor mir. Die Brillengläser lassen seine Augen größer wirken. Er ist weitsichtig.

“Hm, Du musst einen ganzen Satz sprechen, sonst kommt hier unten nix an”, sage ich grinsend wie ich es mal in „Der Pate“ sah.

“Äh. Will rauchen.”

Na, gut, denke ich. 10cm sind ein Argument über das man nicht diskutieren muss.

Ich krame eine P&S raus.

“Ah, ne P&S.”

“Ich könnte an der Schanze andere holen, wenn Du eine andere Marke lieber rauchst.”

“Nö, geht schon.”

Und er ging mit langsamen Schritten, die Schultern hingen nach vorn. Man sah es sogar von hinten.

Meine Fresse, den würde ich nicht heiraten.

Und das mit 25.

Das Ritual und der Moment

Das Ritual und der Moment

Vielleicht kennt Ihr das ja, das mit den Gewohnheiten.

Klar, das kennt jeder.

Stammcafe, Restaurant, Parkplatz, Sitzplatz im Zug, Sitzplatz in der Küche, Tankstelle, Supermarkt, Verkäuferin, Schreibstift …..

Immer dasselbe oder das gleiche.

Also bei mir muss ganz *viel* immer gleich sein, dann fallen mir in der Sicherheit der Gewohnheit Dinge auf, die ich anderswo nicht sehe oder höre.

Da fällt mir auch mehr ein. Lesen geht auch besser mit Ritualen.

Sogar arbeiten.

Im Stammcafe oder so ist wichtig, dass ich *immer* dasselbe bestelle, am liebsten bekomme ich das ohne dass ich etwas sagen muss.

Hinsetzen und dann kommt’s bald. Man redet ja eh zuviel.

–

Schwierig sind neue Angestellte.


Das ist im Ablauf zunächst eine Störung. Ich selbst bin ja auch eine Störung, das ist mir schon klar.

Die Neue im Cafe … wirklich sehr speziell, auch sehr, ehem, attraktiv. Nennen wir sie mal „Sina“.

Am ersten Tag ist die Aufnahmefähigkeit am besten. Also Komplettprogramm für alle Zeiten.

*Was* ich immer trinke:
Milchkaffee mit Extrashot Espresso plus Glas Leitungswasser. Und heiss. Und wieviel Schaum ist mir schnurz. Aber *voll* der Becher, bitte.

Und dass ich an sich jeden Tag komme.

Einmal oder zweimal.

*Wie* ich immer zahle:
Es gab mal für 20 Gäste Karten, die man mit 10€ oder 20€ aufladen konnte, die hab ich. Etwas schwierig, wie man damit kassiert, aber ich kann das erklären. Kleingeld habe ich ja kaum, auch selten Bares. Da ist so eine Karte ein Segen. Ich halte dann nur die Börse hin, die Karte muss ich nicht rauskramen.

(Wegen Kleingeldmangel ziehe ich auch teilweise alle 10 Minuten ein Brötchenticket im Parkplatz-Automaten. Es sind meist 20 bis 30 Schritte, aber Sport soll gut sein in meinem Alter.)

Klar, das ist langweilig für den Leser, aber so ist eben …. Alltag.

Und *loben beim ersten Mal“, das sollte ins Grundgesetz. Dann freuen die sich, dass sie mit so einem schwierigen Kunden keine Malesche haben.

Es wird immer zu wenig gelobt.

Und Sina, die Neue, die hat’s.
Sofort.

Klasse …. und dann lächelt und scherzt man etwas herum, weil das Leben dann leichter zu ertragen ist. Jedenfalls für mich.

Keine Ahnung, ob man das auch so sieht, wenn man gut 30 Jahre jünger ist und weiblich.

Und heute komm‘ ich rein und will das *zweite* Mal einen *wie immer*.

Aber blöderweise rutscht mir raus:
„Mach‘ mir bitte den Sohn ….. von dem von gestern.“

Sina, groß, blond, viele Piercings und Tattoos, aber konservativ auf der Kleidungsebene, hat den zweiten Teil irgendwie überhört.

Jedenfalls sieht sie mich lächelnd an und wechselt stumm das Standbein. Mann, hatte die große Augen.

Und sagt:

„Dazu ist es jetzt noch etwas früh.“

Klar, war ja morgens. 🙂

Aber die war gar nicht böse.
Und das war nett jetzt. Sie hatte da etwas ganz anderes verstanden.

Ohne Kaffee.

Also:
Der Milchkaffee war super.

Noch besser als der erste, den sie mir gemacht hat.

Noch heißer irgendwie.

… an sich der beste der letzten … Jahre. 😉

Und schön, wenn die dann später vorbeischwebt und lächelnd fragt, ob sie noch was machen soll für mich.

„Nein, alles gut.“

Ich rede nicht gern viel.

–

„Time is an ocean but it ends at the shore“

Leben lernen heißt von der Wirtschaft lernen-Der Familienmitarbeiter der Woche

Aus organisatorischen Gründen unterbreche ich meine Fastenzeit, um kurz Stellungnahmen abzufragen.
Der letzte Teil ist rein privat mit Inhalt gefüllt worden und muss nicht gelesen werden.
Er wird hier lediglich aus Gründen der Vollständigkeit gepostet.

Abstract:

„Flache Hierarchie“
„Feedbackkultur“
„Leitideen im Unternehmen“
„Weiterentwicklung“
„Corporate Identity“
„Self-Management“
„valueing-all-people“

… wichtige Begriffe unserer Zeit, die im häuslichen Bereich oft zu kurz kommen und daher insbesondere der jungen Generation den Einstieg ins Arbeitsleben erschweren.

Wir haben im Rahmen eines innerfamilären Projekttages in einem sehr kleinen Team ein neues “ DFDW-Konzept“ erarbeitet, um dem entgegenzusteuern.

Im Rahmen einer Start-Up-Veranstaltung bei Klopsen, Karottensalat und NATO-Kleber (allg. bekannt als Kartoffelbrei) wurde das neue System vor zwei Stunden begeistert aufgenommen. Insbesondere die Familienleitung zeigte sich angetan von dem positiven Feedback seiner hochmotivierten Mannschaft. Auch Außenstehende, Freunde der jüngeren Mitarbeiter, waren als Unbeteiligte positiv gestimmt.

–

„Leben lernen heißt von der Wirtschaft lernen“

*DFDW-Der Familienmitarbeiter der Woche*

Als Leiter eines Familienunternehmens muss für Motivation aller Mitarbeiter gesorgt werden.

Der *Mitarbeiter des Monats* wird in einer Vielzahl von Unternehmen durch einen Anschlag mit Foto in der Nähe des Kassenbereiches zu Motivationszwecken geehrt.

Dieses bewährte Prinzip gilt es, nun auch in den familiären Bereich zu übertragen.

Der „Familienmitarbeiter der Woche“ wird wöchentlich ausgezeichnet und belohnt.

Die Wahl findet jeweils samstags statt.

Ablauf:
Nach dem Frühstück am Samstag hält jedes Familienmitglied eine „Wahlkampfrede“ von maximal 30 Sekunden Länge, die dem Herausstellen der eigenen Verdienste im Wochenverlauf dient.

Jeder vergibt anschließend Punkte an die drei anderen Familienmitglieder (hier: 10yrs, 17yrs, 49yrs, 56yrs)

Es gibt Karten mit 80, 90 und 100 Punkten, die jedes Familienmitglied auf die drei anderen zu verteilen hat.
Es handelt sich um signierte, fälschungssichere, gestempelte Karten. Die Stempel wurden bereits fachmännisch vernichtet.

Diese Karten werden den jeweiligen Mitbewerbern am Samstag nach allen vier Wahlkampfauftritten *verdeckt* auf die Frühstücksteller gelegt.

Zusätzlich gibt es für jeden Teilnehmer zwei *Bonuskarten* mit einem jeweiligen Punktwert von 10 Punkten, die zusätzlich vergeben werden können, um zwei *verschiedene* Familienmitglieder besonders auszuzeichnen.

Der Punktbeste darf nach der unten folgenden Vorschlagsliste eine Familienaktion am Sonntag vorgeben.

Zusätzlich wird sein/ihr Bild eine Woche lang am Kühlschrank unter dem Titel „Familienmitarbeiter der Woche“ ausgehängt.
Die Auswahl des Bildes obliegt dem Prämierten. Bilder mit obszönen Darstellungen wie gezeigten Mittelfingern sind gestattet.

Bei gleicher Punktwertung zweier Bewerber erfolgt ein „Best of Five“-Wettkampf mit „Stein-Papier-Schere“ um den Titel der Woche.

Jeder, dem mindestens 240 Punkte zugesprochen werden, hat Anspruch auf eine lobende Anerkennung. 🙂

*Belohnungen*
Der/die Punktbeste/r darf zum Beispiel am Sonntag:
– Ein Ausflugsziel bestimmen
– Ein Fernsehprogramm am Sonntag auswählen oder eine DVD bestimmen
– Ein Familienspiel festlegen
– Ein Mittagsgericht bestimmen
– Bäcker für den Brötchenkauf festlegen
(Erläuterung: Jedes von vier Familienmitgliedern präferiert einen anderen Bäcker und ich bin bin es Leid, mehrere Backstationen anzufahren …)
– Bem.: ‚Chillen‘ ist in diesem Sinne keine ‚Familienaktion‘.

….. bitte ergänzen.

Beispielkriterien für die Punktvergabe aus dem hiesigen, internen Bereich:

– eigenes Zimmer in einem putzfähigen Zustand erhalten (Ausnahme, wenn selbst die Reinigung vorgenommen wird)

– eigenen Müll generell entfernen

– Müll aus eigenem Zimmer bei Bedarf entfernen

– eigene Schmutzwäsche in Keller bringen

– leere eigene Pfandflaschen in Keller bringen

– Schuhe an geplanten Ort abstellen und nicht in Bad und Küche

– selbständiges Eintragen von Einkaufswünschen auf Einkaufszetteln, auf Platz des F-Chefs ablegen

– leere oder nicht geleerte Brotdosen aus dem Schulranzen nehmen und an beliebigem Ort in der Küche ablegen

– Küche 30 Sekunden saugen, wenn durch eigene Unachtsamkeit der Boden voller persönlicher Essensreste ist

– benutztes Geschirr in Maschine stellen und nicht auf Wohnzimmertisch, Herd oder Stereoanlage abstellen

– Bügeln für Familienmitglieder soll honoriert werden und lobend erwähnt werden

– Bedienung der Waschmaschine soll honoriert werden, ebenso das Aufhängen von Wäsche wird lobend begleitet, auch täglicher Beifall darf gegeben werden

– Pflege und Versorgung etwaiger Haustiere werden anerkannt und …. wir hoffen auf ein Haustier von Regierungsseite

– Mitarbeit im Garten soll gelobt werden, Beteiligung jüngerer Mitarbeiter daran ist von Regierungsseite erwünscht

– Fegen der Einfahrt darf eigenständig durchgeführt werden

– Die pflegliche Behandlung von Automobilen wird belohnt
(keine Tritte gegen Türen von innen, Kontrolle auf Hundescheiße unter den Schuhen beim Einsteigen, der Begriff „Gebrauchsgegenstand“ findet bitte keine Verwendung)

– Automobile waschen und in einem neuwertigen Zustand erhalten … wird verstärkt berücksichtigt anerkannt und nicht spöttisch begleitet

– höfliche respektvolle Umgangsformen werden speziell eingeübt durch auch das Siezen aller Familienmitglieder untereinander jeweils mittwochs vom Mittagessen bis 15 Uhr nachmittags.

– anderen Familienmitgliedern Nettes sagen, Komplimente machen …. auch wenn sie zunächst unglaubwürdig erscheinen

– ….. andere aussprechen lassen

Ergänzungen in allen Bereichen sind erwünscht.

.
Mit freundlichen Grüßen
Eure Familienleitung
—
„Time is an ocean but it ends at the shore“.

Strafzahlung im Restaurant

Strafzahlung im Restaurant

…. geschrieben nach NDR2-Radiobericht Mar 11, 2016 über ein japanisches Restaurant in Hamburg

–

Da gibt es jetzt ein japanisches Restaurant, da zahlt man für Reste auf dem eigenen Teller 2€ extra.

Das kann als gute Idee betrachtet werden, damit der gierige Esser sich nicht den Teller vollhäuft, aber beim Essen an seinem gedanklichen Appetit scheitert.

Gierig. Empörend. Ich – Gesellschaft.

Zurück zur 2€ Strafzahlung

Weniger Müll, behutsamer Umgang, …. you know the drill …. doch gute Ideen sind manchmal nur gute Ideen solange sie …. Ideen bleiben.

Meine Vermutungen, wie das mit den 2€ ausgeht, weil ich ja stets vom Negativen ausgehe und das Schlimmste befürchte:

– Endlose Diskussionen mit der Kellnerin, ab wann ein Krümel als ‚Fehler‘ des Essers durchgeht oder aber als kostenpflichtiger „2€-Rest“ zu betrachten ist

(Nebenbei: Gibt es Größenvorgaben wie groß ein Krümel sein darf, bevor er als „Essensrest“ gilt? Als Kind würde ich das sofort fragen.)

– Sushi in den Blumentöpfen

– im Aquarium schwimmende anonyme Reisröllchen.

– Gäste, die anderen Gästen 1€ anbieten, wenn sie ihren Teller leeren.

– Wenn das Beispiel Schule macht, könnten sich später sogar professionelle „Aufesser“ finden, die gegen eine geringere Gebühr als die der restaurantinternen Strafzahlung Essensreste vertilgen. Eine neue Berufsgruppe sozusagen, die von Tisch zu Tisch geht und fragt: „Darf ich Ihren Teller leeren? Heute nur 60 Cent.“

– Weinende Kinder, die 2€ von ihrem Taschengeld zahlen sollen, wenn sie den Teller nicht geleert haben.

– Verzweifelte Senioren, die ihre halbleeren Teller mit die Kachelabteilung nehmen und dort im Behälter für Papierhandtücher entsorgen.

„… und es wird böse enden“

–

Selbstkritisch nachgedacht, weil ich auch mal etwas zurückgehen lasse:

Nein, ich nehme nicht viel auf meinen Teller, ich esse nicht viel.

Ich werde davon fett.

Aber wenn ich etwas liegen lasse, dann hat es mir in der Regel nicht ….. geschmeckt.

Ist es dann richtig, gerade für das Essen, was einem nicht schmeckt, doppelt zu zahlen?

…. und einen Schritt weiter gedacht.

🙂

Wie wäre dasselbe Prinzip denn bei Büchern?

Das Buch kostet 19.90€ und man muss dazu online nach dem Lesen 30 Fragen beantworten. Kann man mehr als 3 nicht korrekt beantworten, gehen der Verlag und Autor davon aus, dass das Buch sinnlos beschafft wurde und es wird eine Strafzahlung von 5€ fällig, die automatisch abgebucht wird. 🙂

…. man kann das natürlich positiv als ‚active reading support system‘ verkaufen.

„Der neue Bestseller!
Jetzt auch mit ARSS!
Nur 19.90€!“

Über CDs oder heruntergeladene Live-Aufnahmen sollten wir den Mantel des Schweigens legen. 🙂
M.

–
„Time is a jet-plane, it moves too fast“

Die erste „3“

Die erste „3“

Das mit der Schule und den Zensuren ist ja ein Thema, das jede und jeden früher betraf und eines, das sich wiederholt, wenn man Kinder hat.

Und das ist oft erfreulich, aber meistens ist es das nicht.

Und da ist diese Kurze, die mir in ihrer Grundschulzeit einmal sagte, dass sie „einfach mal wissen will, was das für ein Gefühl ist, wenn man eine ‚3‘ schreibt“.

Das ist beneidenswert.

Ich habe dann gesagt, dass das ganz einfach sei:

„Du rechnest bei der nächsten Mathe-Arbeit von 8 Aufgaben nur die ersten 5 und dann guckst Du in die Luft und gibst das so ab. Dann bekommst Du eine ‚3‘ und Du weißt, wie das ist.“

Das fand sie nicht so gut, hat gelächelt und dabei den Kopf geschüttelt.

–

Und die Grundschule ist jetzt vorbei und das erste Zeugnis im Gymnasium wird kaum vorgezeigt, weil sie das „doof“ findet, es herumzuzeigen.

Nur ein „Unterschreib‘ das bitte … da!“, das kam.

Aber ich hatte die ‚3‘ in Biologie von der tollen Referendarin gesehen und mich sehr gefreut, dass da eine war.

Endlich.

Je früher, umso besser.

Ich meine das ernst, weil das zeigt, dass das nichts ausmacht, auch eine ‚4‘ nicht und eine ‚5‘ auch nicht.

Das hängt vom Kind ab, wie man das „handlet“, glaube ich.

Abends habe ich natürlich mit einem Lächeln fragen müssen, was das „für ein Gefühl ist, …. so mit einer ‚3‘ im Zeugnis“.

Da hat sie milde gelächelt und gesagt:

„Ach, Papa, sie ist noch sooooo jung.
Sie lernt ja auch noch.“

PS:
Dass sie zwei „2en“ in den Klassenarbeiten geschrieben hatte und eine „1“ im Referat hatte, das hat sie nicht erwähnt.

War wohl nicht so wichtig.

Mir auch nicht, nach der Antwort nicht mehr. 🙂

–

„Time is a jet-plane – it moves too fast“