Das Ritual und der Moment
Vielleicht kennt Ihr das ja, das mit den Gewohnheiten.
Klar, das kennt jeder.
Stammcafe, Restaurant, Parkplatz, Sitzplatz im Zug, Sitzplatz in der Küche, Tankstelle, Supermarkt, Verkäuferin, Schreibstift …..
Immer dasselbe oder das gleiche.
Also bei mir muss ganz *viel* immer gleich sein, dann fallen mir in der Sicherheit der Gewohnheit Dinge auf, die ich anderswo nicht sehe oder höre.
Da fällt mir auch mehr ein. Lesen geht auch besser mit Ritualen.
Sogar arbeiten.
Im Stammcafe oder so ist wichtig, dass ich *immer* dasselbe bestelle, am liebsten bekomme ich das ohne dass ich etwas sagen muss.
Hinsetzen und dann kommt’s bald. Man redet ja eh zuviel.
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Schwierig sind neue Angestellte.
Das ist im Ablauf zunächst eine Störung. Ich selbst bin ja auch eine Störung, das ist mir schon klar.
Die Neue im Cafe … wirklich sehr speziell, auch sehr, ehem, attraktiv. Nennen wir sie mal „Sina“.
Am ersten Tag ist die Aufnahmefähigkeit am besten. Also Komplettprogramm für alle Zeiten.
*Was* ich immer trinke:
Milchkaffee mit Extrashot Espresso plus Glas Leitungswasser. Und heiss. Und wieviel Schaum ist mir schnurz. Aber *voll* der Becher, bitte.
Und dass ich an sich jeden Tag komme.
Einmal oder zweimal.
*Wie* ich immer zahle:
Es gab mal für 20 Gäste Karten, die man mit 10€ oder 20€ aufladen konnte, die hab ich. Etwas schwierig, wie man damit kassiert, aber ich kann das erklären. Kleingeld habe ich ja kaum, auch selten Bares. Da ist so eine Karte ein Segen. Ich halte dann nur die Börse hin, die Karte muss ich nicht rauskramen.
(Wegen Kleingeldmangel ziehe ich auch teilweise alle 10 Minuten ein Brötchenticket im Parkplatz-Automaten. Es sind meist 20 bis 30 Schritte, aber Sport soll gut sein in meinem Alter.)
Klar, das ist langweilig für den Leser, aber so ist eben …. Alltag.
Und *loben beim ersten Mal“, das sollte ins Grundgesetz. Dann freuen die sich, dass sie mit so einem schwierigen Kunden keine Malesche haben.
Es wird immer zu wenig gelobt.
Und Sina, die Neue, die hat’s.
Sofort.
Klasse …. und dann lächelt und scherzt man etwas herum, weil das Leben dann leichter zu ertragen ist. Jedenfalls für mich.
Keine Ahnung, ob man das auch so sieht, wenn man gut 30 Jahre jünger ist und weiblich.
Und heute komm‘ ich rein und will das *zweite* Mal einen *wie immer*.
Aber blöderweise rutscht mir raus:
„Mach‘ mir bitte den Sohn ….. von dem von gestern.“
Sina, groß, blond, viele Piercings und Tattoos, aber konservativ auf der Kleidungsebene, hat den zweiten Teil irgendwie überhört.
Jedenfalls sieht sie mich lächelnd an und wechselt stumm das Standbein. Mann, hatte die große Augen.
Und sagt:
„Dazu ist es jetzt noch etwas früh.“
Klar, war ja morgens. 🙂
Aber die war gar nicht böse.
Und das war nett jetzt. Sie hatte da etwas ganz anderes verstanden.
Ohne Kaffee.
Also:
Der Milchkaffee war super.
Noch besser als der erste, den sie mir gemacht hat.
Noch heißer irgendwie.
… an sich der beste der letzten … Jahre. 😉
Und schön, wenn die dann später vorbeischwebt und lächelnd fragt, ob sie noch was machen soll für mich.
„Nein, alles gut.“
Ich rede nicht gern viel.
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„Time is an ocean but it ends at the shore“