Zeitumstellung

*Zeitumstellung*

Generell finde ich es recht problematisch, das mit dem Umstellen der Uhr. Ich bin bereit zuzugeben, dass mir selbst das Umstellen des Rhythmus nicht immer leicht fällt. Zum Beispiel haben bis auf meine Armbanduhr hier am Schreibtisch schon drei Uhren die Zeit zurückgestellt. Allein der Ausdruck schon „die Zeit zurückgestellt“ als wäre das eine reale Option. Verrückt.

Ich kann mich nicht sehr gut umstellen, zum Beispiel gerade jetzt beim Schreiben. Da versuche ich es einfach mal am Laptop, weil die Tankstelle erst ab 6:00 Uhr am Wochenende öffnet, heute müsste Biggi Dienst haben. Doch, doch ich kann das schon, das Schreiben am PC, und ich mache das auch in anderen Fällen, aber ich habe noch nie eine dieser „Hier kotzte Goethe“-Geschichten am Rechner geschrieben.

Die schreibe ich nämlich im Stehen an der Tankstelle oder auf einer Bank beim Ausführen des schwarzen Hundes auf einer Bank im Park dieser Stadt.

Sehen Sie:
So einen Satz würde ich niemals am Handy hinbekommen, so einen mit „im-an-oder-auf-beim-auf-im“ und nur einem einzigen Adjektiv.

Aber die Tankstelle hat ja noch zu und der Hund will auch noch nicht raus. Ohne Zeitumstellung hätte die Tanke nämlich schon auf.

An sich muss man sich auch gar nicht an diese Zeitumstellung halten, denn die wirkliche Zeit ist ja die andere. Und wenn ich jetzt einfach nach der alten Zeit weiterlebe. dann komme ich ja immer eine Stunde zu früh, weil es jetzt ja noch gar nicht so spät ist, wie die Uhr anzeigt. Andererseits haben Sie schon Recht, dass ich hier Unsinn schreibe denn die falsche Zeit ist ja die Sommerzeit, obwohl ich den Sommer schon richtig gut finde.

Es funktioniert eben nicht, wenn man glaubt, man könnte ein Schreibgerät einfach mal wechseln. Einen Liebesbrief hat man früher auch nicht mit einem Kugelschreiber geschrieben. Jedenfalls hätte ich selbst so einen nicht wirklich ernst genommen.

Das wäre wie mit Sabine, die hat mir beim Tapezieren vor 30 Jahren, als ich auf der Leiter stand und die Rauhfaser an die Decke klebte gesagt, dass sie sich „irgendwie verliebt“ habe. Da habe ich auch nur gesagt, dass das „mal passieren“ könne und dass sie mir die nächste Bahn geben soll. Das war sozusagen auch kein Füllfederhalter, symbolisch betrachtet.

Andererseits haben wir das in den folgenden Jahren nie wieder thematisiert, das fand ich ziemlich gut obwohl ich den Namen „Sabine“ schon immer schön fand, aber eben auch deutlich besser als die Sabine von damals.

Kurz:
Ich kann mich einfach nicht auf diesen Laptop umstellen.

Kennen Sie das auch, dass man etwas wirklich gern möchte, aber feststellen muss, dass man das einfach nicht schafft, weil es der eigenen Natur zuwider läuft?

Zum Beispiel möchte ich wirklich keine alten Lautsprecher kaufen, weil ich gar keine brauche, andererseits ist das dann so ein Reiz, wenn die so billig sind, dass man denkt:

„Kannste ja wieder verkaufen“.

Aber wenn man zu faul zum Verkaufen ist, dann lebt man irgendwann ein Leben zwischen Lautsprechermembranen.

Ich hatte es viele Jahre nicht mehr getan, aber neulich schon, und das war wirklich ein richtig prickelndes Gefühl, besonders als sie dann kamen.

Das war schon ein recht schwerer Karton und ich wusste, dass die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte, fragen würde, was denn da drin sei. Da habe ich dann nachgedacht, ob ich die Wahrheit sagen soll, weil die Folgen der Wahrheit einfach die schlimmsten sind.

Ich hatte zunächst überlegt, von einer gebrauchten Sammlung von Pornos bei ebay zu nuscheln, aber meine Frau weiß leider zu genau, dass ich eher dem wahren Leben zugetan bin und daher wäre das jetzt so gewesen, dass sie zumindest ein Heft hätte sehen wollen. Vermutlich hätte sie das mit den Pornos besser gefunden als das mit den Lautsprechern. Das finde ich nun wirklich bedenklich, dass mir so ein Gedanke kommt. Sie findet Lautsprecher nicht so gut.

Ich habe dann gesagt, dass da eine Brille drin war. Die hatte ich schon einige Tage benutzt aber ihr war das nicht aufgefallen, dass die Brille in meinem Gesicht eine andere war. Nicht schlimm, aber bei der Kassiererin von Lidl würde mir die andere Brille auffallen.

Die ebay-Brille hatte ich nämlich schon vor vier Wochen für 20€ ersteigert obwohl das Gestell neu 700€ kostet. Sogar die Glasstärke ist fast meine eigene.

Keine Ahnung, warum Menschen für ein neues Brillengestell 700€ ausgeben, aber vermutlich glauben sie, dass sie dann einen klareren Blick für die Realitäten bekommen, aber 700€ sind für die Realität ein hoher Preis, besonders wenn man vorher gar nicht weiß, ob es gut ist, alles so klar und scharf zu sehen, was einen so umgibt.

Andererseits ist es logisch, dass eine Brille trotz guter Verpackung nie auf 25kg kommt. Meine Frau hat das in diesem Fall gemerkt.

Für 700€ sollten Sie sich wirklich lieber gute gebrauchte Lautsprecher kaufen und keine neue Brille.

Das ist eigentlich das, was ich heute sagen wollte.

Und außerdem ist ein Leben zwischen Lautsprechermembranen höher angesehen als eines zwischen Pornoheften.

Und dass ich nie wieder am Laptop schreibe, weil das eine zu große Umstellung ist, das war heute auch wichtig.

Und bitte keinen Papierhut aus einer „taz“ falten und tragen bevor man Liebesgeständnisse macht, meine Damen!

„Bild“ ist auch Mist.

Kundenkontakt

Kundenkontakt

„Ich habe im Laufe meines Lebens gelernt, dass nicht jeder Mensch so ist wie ich.“

Es ist 5:04 und zum Glück hat Stephanie die Tankstelle endlich aufgemacht.

Vier Minuten zu spät, aber ich bin nicht kleinlich.

Das mit dem lange Schlafen, das war noch nie mein Ding. Und wenn man morgens solche historischen Sätze hört, dann muss ich die aufschreiben. Die würde ich verpassen, wenn ich länger schliefe.

Stephanie hat schnell gelernt, man muss ja bedenken, dass sie noch zur Schule geht.

Andere lernen das ja oft erst im Altenheim und manchmal sprechen sie selbst dann solche Worte nur, weil sie sie nachsprechen.

Das ist bei Stephanie nicht so.

Ich mag den Namen so gern, deshalb habe ich „Stephanie“ jetzt schon viermal benutzt.

Neulich habe ich dann vorsichtig herausfinden wollen, ob andere Männer auch so sind wie ich.

Ich habe Marc nämlich gefragt, ob er die Namen der Damen in der Bücherei und bei Rewe an der Kasse kennt.

Er kauft immer bei Rewe, zur Bücherei geht er auch.

„Martin, das wäre mir erstens zu anstrengend und zweitens will ich von denen doch nichts“, hat er gesagt.

Wenn ich mir das mal ganz genau überlege, kenne ich zur Zeit sehr viele Männer relativ gut.

Ich decke die gesamte Bandbreite des modernen Mannes von heute zwischen 40 und knapp 80 Jahren ab.

Ich kenne also diese fünf Männer ganz gut.

Mehr fallen mir wirklich nicht ein, ich kenne nur fünf, also ohne die von der deutschen Fußballnationalmannschaft.

Mit einem oder zweien von denen habe ich mich sogar schon mal verabredet, also so mit einer Uhrzeit und einem Ort.

Auch mit den Ehefrauen, aber dann spricht man nicht offen.

Zu zweit treffen wir Männer uns natürlich nicht zuhause, wir planen ja keine Hochzeit.

Also mit zweien von den fünf -nicht mit den Nationalspielern- habe ich mich schon mal verabredet.

Die anderen Männer verschwinden immer mehr.

Es gibt keine Männertheatergruppen und keine Männertreffen nach verabredeter Zeit zu dritt oder zu viert in einem Lokal.

Wir machen das alles mit uns selbst aus, weil wir früher sehr stark waren.

Jedenfalls haben uns das die Mütter so erzählt über Männer vor unserer Geburt.

Also nicht alle, aber viele Mütter.

Und Marc kennt die Namen der Damen nicht, ich leider schon.

„Ich habe im Laufe meines Lebens gelernt, dass nicht jeder Mensch so ist wie ich.“

Mich wundert, dass er die große, junge Blondine von Rewe zum Beispiel nicht namentlich kennt.

Ich war da nur zweimal und „Lisa“ kenne ich mit Namen.

Dass er von der nichts will, verstehe ich überhaupt nicht, weil er öfter erwähnt, dass sie da ist.

Die ist Studentin und arbeitet da nur tageweise.

Ich kenne die, weil ich eine russische Dose mit gezuckerter Kondensmilch wegen des dicken Bleches nicht mit dem Dosenöffner aufbekommen hatte.

Blöderweise hatte ich wohl die Dose falsch herum gehalten und die hat mir das gezeigt.

Auf der anderen Seite war nämlich ein Öffner.

Ich schwöre, dass bei meiner Erstdose das Papierband falsch herum klebte.

Ich bin ja nicht dämlich und öffne Dosen von unten. Als Dosenöffner muss mir an sich niemand etwas erklären.

Außer der „Lisa“.

Das war dann so ein Moment, in dem ich mich etwas alt fühlte.

Andererseits bekomme ich von Lisa beim Rewe-Besuch jetzt stummes Schmunzeln.

Jedes Mal.

 

Bei Lidl gehe ich zu Frau Müller oder zu Frau Maralto am liebsten.

Der Mann von Frau Maralto ist nämlich bei VW und weil der Name so selten ist, habe ich sie mal gefragt, ob ihr Sohn bei VW arbeitet.

Das war etwas blöd, weil das nämlich ihr Ehemann war.

Ist jetzt auch egal, aber deshalb kenne ich eben Frau Maralto und frage beim Bezahlen immer, wie es ihrem Gatten bei VW so geht, Dieselaffäre und so.

Das steckt ein Mann nur mit einer guten Frau weg.

Ich bin etwas langsamer beim Bezahlen, da kann das schon mal dauern, bis die hinter mir an der Kasse mit den Augen schon in der Prügelphase sind.

Aber die fahren ja Opel oder Ford.

Ich würde niemals einen Ford fahren.

Niemals.

Frau Müller kenne ich, weil die so viele Tattoos hat und weil sie als ‚Frischebeauftragte‘ bei Lidl das grüne T-Shirt tragen darf.

Meistens vergisst sie das und sitzt da in Blau.

Dann frage ich immer, ob sie den Frischejob verloren hat oder das T-Shirt.

Manchmal sagt sie auch nur:

„Bitte keine Fragen jetzt!“

Ich gehe zu denen und einer dritten auch, wenn die die längsten Schlangen haben, weil ich ungern unbekannten Frauen mein Geld anvertraue.

Marc meint, dass ich ja ‚gestört‘ sei und lieber den Sportteil genauer lesen sollte, damit er mir das nicht alles erzählen muss mit Sportfreunde Lotte und Bayern Leverkusen.

Leider arbeitet meine Lieblingsverkäuferin bei Sky jetzt auf Fehmarn und das ist mir für die Einkäufe zu weit.

Die kannte jedes Produkt im Laden. Jedes. Der Marktleiter weinte, als ich sagte, er solle die zurückholen.

Fast.

„Sie hat einen anderen …. Markt“, stammelte er.

Fehmarn, das würde sich wegen ihr schon lohnen, aber 80km Autobahn sind mit Baustellen einfach zu mühsam.

Zu meinen ‚Freundinnen‘ in der Bücherei gehe ich immer am Montag um 10, das ist sozusagen nach der Tankstelle und dem Frühstück mein erstes Date jede Woche.

Ich würde nie an einem anderen Tag Bücher und CDs ausleihen, weil ich die dann auch an einem anderen Tag verlängern müsste.

Das ist leider spontan neulich mit ‚Martenstein‘ passiert, den hatte ich mitgenommen, aber gar nicht gelesen, weil der so gut schreibt und ich nicht seine Ideen denken will.

Jedenfalls habe ich Frau Block, der Blonden -also es gibt noch Frau Glock, aber die hat dunkle Haare- gesagt, dass mich das ganz nervös macht, ‚Martenstein‘ am Donnerstag verlängern zu müssen.

Sie sah dann kopfschüttelnd kurz hoch und sagte vom Bildschirm:

„Nettsein ist auch keine Lösung.“

Das hat mich dann ganz durcheinander gebracht, weil ich nicht verstanden hatte, wie sie das meinte, und ich habe gefragt, wie sie das meint.

„Das ist der Buchtitel. Lesen Sie nicht mal die Titelseite?“

–

„Time is an ocean – but it ends at the shore“

 

 

 

Brille. Fielmann.

*Brille. Fielmann*

Kürzlich habe ich meine alte Sonnenbrille entdeckt. Die ist mehr als 20 Jahre alt und Sina vom Cafè hat gesagt, dass die „krass“ und „cool“ sei.

Mein Sohn hat das dann kurz übersetzt in „sie findet die besser als Deine schiefe Lesebrille, gehört nicht viel dazu“.

Trotzdem habe ich dann gedacht, dass ich das Gestell mal aufpolieren lassen sollte. Ich fand die alte Brille auf meine alten Tage plötzlich besser als in meinen jungen.

Und Sina ist ja jünger als die Brille.

Die Verkäuferin hat das dann auch gleich zugesagt und angeregt, dass sie dann auch nochmal meine Sehstärke und meine Gleitsichtbrille für den Alltag überprüfen möchte. Da habe ich erstmal vorgeschlagen, das gern zu machen, wenn ich die blanke alte Sonnenbrille zwei Tage später abhole.

Ich hatte schon eine minimale Ahnung von Geschäftssinn gewittert. Und selbst wenn sie jetzt Miss World gewesen wäre, hätte ich mich auch nicht zum quickie-test überreden lassen.

Aber sie war nicht mal Miss Baggerloch.

Als ich dann die aufgehübschte dunkle Brille verjüngt in Händen hielt, fiel mir auf, dass an meiner Alltagsbrille ein 2mm mal 4mm großes Metallstück fehlte. Die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte, monierte diesen Kleinkram auch schon. Am Bügel.

Nun, das ist kein Loch in der Mitte des Glases, aber die reizende Verkäuferin schlug in ihren Daten nach und stellte fest, dass meine Alltagsbrille schon „6 Jahre alt“ sei, ein „hohes Alter für eine Brille“ bemerkte sie noch.

Die ist aber lediglich meine Ersatzbrille gewesen, die habe ich erst seit zwei Monaten getragen, weil der Hund meine ‚gute STARCK-Brille‘ vom Nachttisch gemopst hatte. Die war dann nämlich komplett hin.

Das ist vermutlich nur noch für mich zu durchschauen und Ihr müsst auch nicht weiter lesen.

Jedenfalls empfahl sie mir ein neues Gestell als Ersatz für das an 60 Tagen getragene. War ja laut Buchführung 6 Jahre alt, das wollte ich auch nicht wegdiskutieren. Ich diskutiere ungern, wenn ich keine Siegchancen sehe. Trotzdem wollte sie mir aber einen neuen Bügel bestellen und einen Termin wegen des Sehtests machen, leider mit ihr selbst.

Man kann beim Optiker schlecht sagen, dass man von einem Mann beraten werden möchte.

Dann habe ich den Termin also wieder verschoben, dieses Mal auf die Ankunft des neuen Bügels. Ich entwand mich lächelnd ihren breiten Armen und ihrem Euro-Grinsen mit schier unfassbarem Geschick.

Der Ersatzbügel sollte ‚in einer Woche‘ eintreffen, doch schon am folgenden Tag hatte ich eine schmierige SMS wegen einer ‚Rücksprache im Ladengeschäft‘ im Posteingang.

Von zwei Espressi aufgeputscht, schlug ich die Glastür brutal zurück und spielte mit meinen polierten Revolvern. Die Zigarette trug ich gefühlt noch brennend an der Unterlippe als meine neue Feindin mir einen Bügel eines rosafarbenen Damenbügels vorlegte.

„Die haben das Design geändert, ich bekomme das Metallstück nicht mehr.“

Sie zitterte in den hohen Lagen.
Die tiefen blieben stur.

„Wollen wir jetzt den Sehtest mach ….“, hörte ich noch als sich der Schuss löste.

Es war nur das entsetzliche Quietschen meiner schwarzen Stiefel bei der Drehung gewesen.

Breitbeinig stand ich einsam im Regen in der Fußgängerzone.

Sheriff zu sein, ist ein harter Job.

Ich schob die alte Sonnenbrille auf die Nase unter dem grauen Himmel.

„I’m a poor, lonesome cowboy, a long, long way from home.“

—
„Time is an ocean but it ends at the shore“.

Christoph Kramers Nase

Christoph Kramers Nase

Selten haben mich private Details eines Fußballspielers mehr beeindruckt. Die Ausnahme ist vielleicht die Freundin des Torspielers des 1.FC Köln, aber ich kann mir den Namen des Torwarts nicht merken.

Das wäre bei Geruchs-TV vielleicht anders.

Vor dem WM-Finale 2014 musste Khedira ja kurzfristig passen und Kramer kam in die Startaufstellung.

Leider hat der wiederum nach nur 17 Minuten derart einen auf den Kopf bekommen, dass er zwar noch 14 Minuten weiterspielte aber vorher den Schiedsrichter fragte, ob ‚das wirklich das WM-Finale‘ sei.

Als der das bejahte, hatte Kramer gesagt, dass das ‚gut zu wissen‘ sei. Er hat keine Erinnerung an 14 Spielminuten im Finale.

Ich vermute, dass man sich an Kramer und seine fehlende Erinnerung in 25 Jahren besser erinnert als an Mario Götze, aber das warten wir mal ab.

Das vom Finale weiß jeder, der sich auch nur peripher für Fußball interessiert.

Meine Frau, die beste Ehefrau von allen, die ich ja hatte, die weiß das nämlich auch, wenn ich sie daran erinnere. Ich halte so etwas ebenso für Allgemeinbildung wie dass man wissen sollte, welche Karten zu einem Skatspiel gehören.

Das habe ich jetzt für die Frauen geschrieben. Ich habe vor 30 Jahren mal eine getroffen, die das wusste.

Richtig interessant war aber jetzt das Interview mit Christoph Kramer. Das war wirklich sympathisch und zeigt, was für ein Feingeist im deutschen Mittelfeld die Gegner abräumen kann. Er schreibt nämlich Tagebuch.

Und in Brasilien hat er nach jedem Spiel ein kleines Stück vom Rasen im Stadion mitgenommen. Und vom extra für die „Mannschaft“ gebauten Campo Bahia im Dschungel hat er eine eine Packung Taschentücher in einer Box mitgenommen. Diese Boxen stehen für Tränenfluss auch bei Therapeuten.

Da habe ich mich gefragt, ob die Spieler vielleicht öfter Taschentücher brauchen als man denkt, weil das ja so ein männlicher Sport zu sein scheint.

Kramer hat die Box aber wegen des darin gefangenen „Geruchs“ des Campo mitgenommen!

Irre! Toller Typ!

Am schönsten ist aber, dass er seine Schuhe von der WM in einem Lederetui verwahrt, das er in einem Bankschließfach aufbewahrt.

In einem Bankschließfach!

Wer bewahrt ein paar Schuhe denn sonst in einem Schließfach auf?

Eben!

Ich habe mir Christoph gerade vorgestellt wie er in Mönchengladbach zur Deutschen Bank geht und sich zu den Schließfächern geleiten lässt.

Dann öffnet er das Fach vorsichtig und entnimmt das Lederetui. Er schaut sich gewissenhaft um, ob er allein im Raum ist. Vielleicht hat die Bank auch so ein kleines Separee.

Zärtlich entnimmt er die weltmeisterlichen Schuhe.

Dann senkt er seine Nase in den Innenraum und nimmt einen tiefen Zug mit geschlossenen Augen, die manchmal ein wenig verträumt wirken, es aber nicht sind.

Er hat gesagt, dass die Schuhe so riechen wie das Maracana in Rio.

Und mir ist so als sei das für ihn noch wertvoller als der goldene Pokal.

Weltmeisterlich.

Die Endlichkeit

Die Endlichkeit

Vom Prinzip her finde ich das Sterben nicht so gut. Andererseits muss man nur einen einzigen Buchstaben ändern und man landet bei den Sternen.

Das hat schon mal vom Wort her etwas Tröstliches. „Sternen“ fände ich einfach besser, auch so im täglichen Sprachgebrauch.

Es wird ja nichts besser, wenn man das auch noch negativ ausdrückt.

Im Englischen kommt man von ‚die‘ nur schnell zu ‚diet‘, das hat deutlich weniger Stil und trifft das Wesen der Dinge zu genau, um lustig zu sein.

Der Tod erscheint mir gar nicht so schlimm, weil das ja exakt der Zustand der Welt ist, der vor meiner Geburt vorherrschte und an dem habe ich mich auch nicht gestört.

Irgendein Kluger hat das mal besser formuliert, aber es war jetzt auch nicht so gut, dass ich mir seinen Namen gemerkt hätte.

Wenn ein Buch oder Musik absolut perfekt ist, dann merkt man sich ja auch von wem das ist.

Viel schlimmer als das eigene „Wegsein“ scheint mir das Verschwinden von anderen.

Das bekommt man nämlich ständig mit und es ist ganz schrecklich, wenn man dann weiß, dass jetzt kein neuer Film mehr, kein neues Buch oder keine neue Platte mehr kommt.

Dann fühlt man sich von den großen Kreativen regelrecht verlassen. Bei den Menschen im wirklichen Leben ist das noch schlimmer. Bei den Künstlern kann man die alten Platten auflegen, aber bei den Menschen hat man dafür dann die Erinnerungen, das sind ja in gewisser Hinsicht auch ganze dicke Bücher oder gute alte Platten, die bis in die Gegenwart reichen.

Manchmal könnte man auf diejenigen richtig böse werden, wenn die zu früh zu den Sternen aufsteigen.

Leider läuft das oft total ungerecht, weil manch üble Gestalt ewig zu leben scheint und die Geschätzten nicht lang genug.

An sich ist das aber egal, weil die wahrlich Geschätzten immer zu früh verschwinden, ganz gleichgültig wie alt die nun wurden. Wobei die ja gar nicht verschwinden können, weil die so prägende Erinnerungen sind, dass sie immer irgendwie dableiben.

Das ist vielleicht das wahre ewige Leben bei denen. 🙂

Das bekommt man selbst vermutlich zu Lebzeiten gar nicht so mit.

Oft fängt ja bei Künstlern das ewige Leben erst an, wenn die schon lange die Sterne anmalen, Van Gogh war doch auch so einer. Aber der ahnte das vermutlich auch schon, sonst hätte der nicht wie ein Wilder weitergemacht.

Künstler müssen ja weitermachen, die können gar nicht aufhören. Die kennen weder Rente noch Pension. Vermutlich würden die gar keine Idee davon haben wie andere, die dann vom langen Nichtstun träumen.

Das stelle ich mir total öde vor, … das Nichtstun. Das wäre ja auch wieder wie vor der Geburt. Daran hat man auch keine so tollen Erinnerungen an das Nichtstun und den Urlaub vor der Geburt.

Auf solche Themen komme ich stets vor Geburtstagen, das tut mir jetzt echt leid für Euch.

Wenn man die 40, 50 oder wie bei mir die 60 ins Visier nimmt, dann fragt man sich doch natürlicherweise wie viele Silvesterfeuerwerke man so noch von unten sehen kann.

Darüber habe ich kürzlich mit einem gebildeten Freund gesprochen. Der meinte, dass er an so etwas noch nie gedacht hat.

Das hat mich dann wieder echt zweifeln lassen, ob ich das richtig mache. Aber wenn ich das absichtlich nicht machen würde, dann würde der Gedanke ja doch auch ewig leben, oder?

Bei den fitten Leuten in meinem Alter, die immer auf die Gesundheit achten, ganz viel Sport machen, nicht rauchen und so, da glaube ich manchmal, dass die gar nicht möglichst lange gesund leben wollen, sondern dass sie der Endlichkeit eine lange Nase zeigen wollen.

Andererseits jammern die dann schon bei jedem Schnupfen herum. Muss nicht.

Nicht jedes Zwicken ist der Anfang vom Sternenhimmel.

Aber vielleicht klappt das ja so mit der Unendlichkeit.

„Man weiß es ja nicht.“

Essig

Essig

Ein großer Freund von Essig bin ich ja, zugegeben. Wie mit jeder Vorliebe ist das so, dass die Schwierigkeiten beginnen, wenn andere eine Vorliebe nicht teilen.

Ich jedenfalls halte Essig für ein wirklich gutes Reinigungsmittel in Bad, Küche und für Fußböden, manchmal auch als Ergänzung zu den chemischen Reinigern aus dem Supermarkt.

Mich stört auch der Geruch nicht.

Vermutlich ist das so wie bei Damen, die seit Jahren dasselbe Parfum verwenden und deren Geruchssinn dafür so verkümmert ist, dass sie nicht merken, dass sie viel zu viel davon auftragen.

Oder sagt man nur „tragen“?

Jedenfalls hatte ich mal eine Kollegin, bei der nahm man morgens in einem mit Hunderten gefüllten Schulgebäude mit der Nase wahr, wenn sie schon da war.

Dafür hätte ich keine Augen gebraucht.

Das war keineswegs ein schlechter Duft. Die war auch sehr nett, wenn man 15 Minuten olfaktorischer Präsenz hinter sich hatte.

Essig hingegen findet meine Frau „eklig“.

„Eklig“ ist auch der Rauch in einem Auto. Dafür stellte ich ja bekanntermaßen eine Zigarrrenkiste mit Kaffeebohnen unter den Fahrersitz.

Aber nachdem sich der junge Hund in einer etwas sportlich genommenen Rechtskurve übergeben hatte, half auch der Kaffee nicht mehr.

So viel rauchen kann man in einem geschlossenen Auto auch nicht. Man sieht das Maleur zwar nicht mehr, aber man erstickt irgendwann trotzdem.

Also habe ich eine Sprühflasche mit Spülmittel, Essig und destilliertem Wasser angesetzt und nach dem Waschen in der Selbstwaschanlage die Polster einer Grundreinigung unterzogen.

An sich war das nur auf der Rückbank notwendig, aber ich mache Dinge gern gleich richtig. Also wenn, dann.

Ansonsten kann ich auch viel liegenlassen.

Dummerweise habe ich nicht daran gedacht, dass ich ja noch mit der Karre fahren muss, der Fahrersitz war auch nur symbolisch gereinigt worden, weil der so schön schwarz aussah.

Etwas kühl beim Einsteigen, eher erfrischend.

An der Tankstelle hat dann Lia gefragt, wonach ich rieche.

Die Hose war nicht nur essigfrisch sondern auch essigfeucht. Im Alter nimmt man Gerüche und Feuchtigkeit geschwächt wahr.

Der Hund schüttelt sich jetzt beim Aussteigen auch. War doch etwas viel auf der Rückbank.

Andererseits kann man sich quasi die Hände im Auto waschen, wenn man kurz auf den Sitz drückt.

Und wisst Ihr was?

Kein Geruch nach Rauch mehr.

Total weg.

Frisch.

–

Eigentlich habe ich das jetzt nur für meine Frisörin geschrieben.

Mit dem Rad hätte ich das nicht mehr geschafft und sie hat ‚es‘ irgendwie gerochen und gefragt, ob ich „das gegen Verkalkung“ nehme.

Sonst ist die nett.

–

„peace, tranquility and good will“

Fernsehserien

Fernsehserien

Mir wird immer wieder von aktuellen Fernsehserien berichtet, von „Walking Dead“ oder von einer Serie mit einem, der ‚Sheldon‘ heißt und mit mir angeblich Ähnlichkeiten haben soll.

Schon deshalb sehe ich mir Letzteres lieber auch nicht an.

Man kann solche Serien auch über Amazon-Prime ansehen, das hat mir Sabrina beim Montagmorgenkaffee neulich erzählt.

Das wusste ich nicht mal, ich dachte immer dabei ginge es um den kostenlosen Versand oder so.

Das mit den Serien war früher am Vorabend richtig nett.

„Mit Schirm, Charme und Melone“, „Percy Stuart“, der Schwerenöter, „Daktari“, „Rauchende Colts“ und Elise, der Ameisenbär.

Und „Kurier der Kaiserin“ und „Sergeant Berry“ mit Wussow.

Mit Juhncke war das nicht mehr so gut. Aber Andrea Rau war ja noch dabei.

An die erinnere ich mich fast so gut wie an „Immer wenn er Pillen nahm“ mit Stanley Beamish.

Spätestens mit „Sandokan“ war dann Schluß.

Da hatten wir schon Farbfernsehen.

Eine kleine Serienrückkehr hatte ich nochmal bei „Dallas“, aber das war nur lustig, weil mein Bruder gern Whiskey trank.

Wir haben „Dallas“ ausschließlich in Schwarz-Weiß gesehen. Wir hatten damals zwar schon Farbe, aber die haben wir immer rausgedreht, weil Serien einfach nur in Grautönen gut sind.

Mein Bruder nahm bei „Dallas“ immer wenn Bobby, JR oder dieser Looser, der als einziger gut schauspielerte, etwas tranken, auch einen guten Schluck.

Am Ende einer Folge war der meistens fertig.

Manchmal habe ich ihm nur noch die Decke übergelegt und die Kiste ausgemacht.

Geraucht wurde damals meines Wissens schon nicht mehr in US-Serien. Das triebt einen den französischen und italienischen Spielfilmen quasi in die Arme. Das war also letztlich eine gute Sache.

Die meisten Dinge gehen ja zum Schluss gut aus.

Und wenn das mal nicht stimmt, dann ist das Ding noch nicht wirklich zuende gelebt.

Jedenfalls sehe ich mir keine Folge irgendeiner Serie an, weil ich fürchte, dass ich dann -egal wie blöd die ist- wissen will, wie es weitergeht.

Dann richtet man sein Leben nach einer Fernsehserie und muss das jede Woche gucken.

Das ist wie mit Chips.

Wenn ich davon einen einzigen essen würde, dann würde ich erst aufhören, wenn die Tüte leer ist.

Das Geheimnis besteht an sich lediglich im Verzicht auf den ersten Chip.

Den einen darf man nicht essen!

Und ich habe jetzt bestimmt schon 35 Jahre lang keinen Chip mehr gegessen.

Also dieses fettige Zeug mit Paprika und Gewürzen.

Ich habe eben noch überlegt, wie die heißen, weil ich bei „Chips“ eher an Computer denke.

Das ist auch sowas, was man nicht mehr lassen kann. Genau wie das mit dem mobilen Telefon. Das sind auch Chips drin.

Das hat mir aber vorher keiner gesagt.

Deshalb kann man das Ding nicht mehr loslassen.

Fragen des richtigen Verkehrs

*Fragen des richtigen Verkehrs*

Im Supermarkt zum Beispiel. Wenn da an einer Kasse eine Schlange von 5 bis 8 Kunden steht und alle anderen ein rotes Lämpchen haben, dann gibt es immer häufiger die sogenannten „Sprinter“. Die stellen sich nicht an, sondern sie warten unruhigen Fußes auf die Öffnung einer zweiten Kasse, um dort die Goldmedaille mit dem ersten Platz zu ergattern. Manche rufen auch nach der zweiten Kassiererin.

Allerdings lassen diese in den seltensten Fällen jemanden aus der deutlich länger wartenden Kassenschlange vor. Am schönsten ist das, wenn keine zweite Kasse aufgemacht wird und derjenige sich dann doch in der Schlange ‚unterordnen‘ muss.

Es gibt sogar welche, die dann fragen, ob man sie vorlässt, weil sie „ja schon an der anderen geschlossenen Kasse gewartet“ haben. Da wünscht man sich manchmal einen Verkehrspolizisten, der das regelt.
Es gibt auch ganz andere Fragen, die im Verkehr zwischen zwei Menschen geregelt werden müssten.
Die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte, hat mir das beim ersten gemeinsamen Essen beim Italiener vor 25 Jahren gezeigt.

Es waren nämlich mehr als 30 Grad im Schatten und ich musste bis nach Hamburg fahren. Leider hatte das Auto keine Klimaanlage. Damit das gebügelte Hemd nicht auf dem Fahrersitz einen knitternden Bügelprozess erfährt, habe ich die Lehne auf der Autobahn ganz zurückgestellt, um eine Belüftung meines Rückens sicherzustellen.

Es ist ja schon mit einer gewissen Aufregung verbunden, wenn man mit der Dame seines Herzens erstmals zu zweit zum Essen ausgeht.

Nachdem in ihrer sehr ordentlichen Wohnung hinter ihrem Sofa ein Stapel von schätzungsweise 100 Ausgaben von „Petra“ und „Brigitte“ durch meine Ungeschicklichkeit lautstark zur Seite gerutscht war, sind wir in einen anderen Stadtteil gefahren, weil ich den Italiener von einer verstrichenen Beziehung her gut fand. Das sollte man nicht machen.

Ich hätte mir auch ihre Vinylsammlung genau ansehen können, aber sie hatte mich mit den Augen gefangen.

Man ist ja etwas nervös beim ersten Treffen, man gestikuliert vielleicht auch mehr als üblich. Männer neigen dazu, auch zu viel zu sprechen, das sehe ich immer wieder bis heute in den von mir besuchten Cafés. Zu viele männliche Worte und wandernde Blicke der Frauen.

Nicht gut, Jungs.

Und als dann die Getränke gekommen waren, ich das ‚San Pellegrino‘ eingeschenkt hatte, da habe ich mein Wasserglas vor Aufregung mit der zittrigen Hand zur Seite gewischt. Das ergab eine Überschwemmung wie bei einer Springflut auf Langeoog. Stofftischdecken finde ich nicht gut. Sie haben ein zu gutes Gedächtnis.

Und dann habe ich mich natürlich entschuldigt und gesagt, dass mir solche Ungeschicklichkeiten des Öfteren widerfahren. Sie ist dabei aber nicht nass geworden.

Und ich habe die schönste Blume Hamburgs gefragt:

„Passiert *Dir* so etwas *nie*?“

Es ist nun an sich völlig gleichgültig, ob das einer Frau oft, selten oder gar nie passiert, aber als Mann erwarte ich an dieser Stelle, dass die Angebetete sich erweicht und Verständnis zeigt und sogar eine Schwäche zugibt, …. die sie gar nicht hat.

Schließlich hatte ich schon den Stapel mit den Modezeitschriften umgekippt.

Sie sagte aber nur:

„Nein. Man *sieht* ja, dass da ein Glas steht.“

Ich war unfassbar hingerissen.

Gelacht

*Gelacht*

Ja, das war wieder richtig lustig heute. Wir vier, zwei Paare, waren Kuchen essen, alles so „bio“ und „vegan“. Richtig lecker, wenn man viel Zucker drüberrieseln lässt. Bei veganer Nahrungsaufnahme geht es in der Regel nicht immer lustig zu sondern meist ernster. Der vegan lebende Mensch neigt des Öfteren zur ernsten Sparte des Lebens. Rauchende Veganer sind zum Beispiel eine seltene Spezies.

Und wir vier bringen fast 250 Jahre zusammen. Wir sind nicht mehr ganz so wild und irre wie früher.

Sogar die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte, hat Tränen gelacht, so richtig laufende Tränen, das hat man ja ab 50 nicht jede Woche.

Matthias hat neulich mit Kristin nämlich einen Besuch in der „Fliesenwelt“ gemacht, die haben 1000qm und nichts als Fliesen an Wänden, Ständern und auf dem Fußboden. Sozusagen ein echter Fliesenladen, man kann sich das vielleicht als Leser vorstellen.

Dann sind die beiden erstmal allein durch den Laden, in aller Ruhe zum Herumkucken und zum Anfassen aller Fliesen. Es ist schwer, das Richtige zu finden, wenn die Auswahl an Fliesen zu groß ist. Das ist so wie bei der Wahl des Ehepartners nur eben noch härter.

Dann kam endlich der Verkäufer und Matthias hat ihn gleich ganz direkt angesprochen:

„Sagen Sie mal, haben Sie auch ….. Fliesen?“

Er spricht das aus zwei Meter Höhe. Seine Frau ist da sozusagen ‚tiefergelegt‘ wie ein Sportwagen. Das ist seiner Frau manchmal peinlich. Also nicht der „kleine Unterschied von 40cm“, wie er gern sagt, sondern die Fragestellung mit todernstem Augenaufschlag.

Noch peinlicher war da nur der Satz ihres Gatten zu ihrem runden Geburtstag vor 50 geladenen Gästen:

„Zwischen unseren Beinen laufen nur noch die Kinder“.

Man erzählt sich, dass man sie etwas später unter den Mänteln an der Garderobe gefunden hat, aber ich weiß nicht, ob das stimmt.

Hach, der Fliesenladen als Thema im Café, habe mich verloren in Erinnerungen:

Und dann haben meine Frau und ich so lachen müssen im Café mit dem Fliesenboden. Lachen auf Fliesen ist ja immer etwas lauter als zum Beispiel unter Bettdecken, das kennt man ja vom Badezimmer.

Doch drei Meter entfernt saßen zwei sehr alte Damen mit frisch für den Samstagkaffee onduliertem Grauhaar und strengen Augen. Der Persianer passte gut zum Grau, die Augen auch. In den Augen war leider wenig Leben zu entdecken, das tote Tier war gar frischer.

Und dann sprach das Persianer-Fell:

„Man kann auch leise lachen! Wir können uns gar nicht unterhalten.“

Da ist mir dann das Lachen irgendwie verreckt.

„Verreckt“, das war jetzt irgendwie doof, weil die Damen ja auch nicht so ganz jugendlich waren.

„Lebensbejahende Gefühlsäußerungen“ seien „öffentlich nicht so hoch angesehen“, bemerkte Matthias trocken.

Die Damen gingen dann nach 15 Minuten ziemlich langsam und ließen sich vom Ober bis auf die Straße begleiten. So schlecht zu Fuß waren die eigentlich gar nicht …. nur langsam. Die Tür neben unserem Fenstertisch blieb offen. Und bei 6°C und nördlichen Winden wurde es zügig recht kühl an den Füßen.

„Man kann auch schneller durch eine Tür gehen!“, habe ich dann kurz ganz laut hinterhergerufen.

Hach, ich hab’s ja nur gedacht. Schade.

Zu laut gelacht, das kannte ich noch nicht.

Morgen werde ich an der Supermarktkasse laut und tief atmen. Freue mich jetzt schon auf böse Blicke.

Die Treue

*Die Treue*

Das ist in gewisser Hinsicht als Thema schwierig, in dinglicher Hinsicht ist das mit der Treue aber relativ einfach.

Zum Beispiel bin ich einer einzigen Platte seit mehr als 40 Jahren treu. Die wichtigste von allen, die Lieblingslieder wechseln immer wieder, aber die Treue, die bleibt in der Summe immer die gleiche. So müsste das eigentlich immer sein.

Ende der 80er brauchte ich ein neues Auto, aber die kleinen Golf waren so gefragt, dass die viel zu teuer waren. Dann musste ich einen knallroten Passat mit Heckspoiler nehmen, eine Familienkarre, die ich nicht brauchte, die aber weniger kostete als ein gebrauchter Golf gleichen Alters.

Aber im ersten Sommer klebte das Plastiklenkrad. Das ist schrecklich, wenn ein Lenkrad bei Wärme klebt. Das habe ich dann reklamiert und ein Holzlenkrad gegen eine erträgliche Zusatzzahlung bekommen. Bezahlt habe ich das vom ersten Lehrergehalt. Und dem Lenkrad bin ich dann 260000km und 19 Jahre treu geblieben. So treu ist ja sonst selten ein Hund. Zum Schluss war das Lenkrad das älteste auf dem ganzen Schulparkplatz.

Es war nicht das Auto, es war wirklich das Lenkrad.
Das beste Lenkrad von allen, die ich je hatte.

Auf das Thema bin ich irgendwie nur gekommen, weil heute ‚Welthundtag‘ ist.