*Brille. Fielmann*
Kürzlich habe ich meine alte Sonnenbrille entdeckt. Die ist mehr als 20 Jahre alt und Sina vom Cafè hat gesagt, dass die „krass“ und „cool“ sei.
Mein Sohn hat das dann kurz übersetzt in „sie findet die besser als Deine schiefe Lesebrille, gehört nicht viel dazu“.
Trotzdem habe ich dann gedacht, dass ich das Gestell mal aufpolieren lassen sollte. Ich fand die alte Brille auf meine alten Tage plötzlich besser als in meinen jungen.
Und Sina ist ja jünger als die Brille.
Die Verkäuferin hat das dann auch gleich zugesagt und angeregt, dass sie dann auch nochmal meine Sehstärke und meine Gleitsichtbrille für den Alltag überprüfen möchte. Da habe ich erstmal vorgeschlagen, das gern zu machen, wenn ich die blanke alte Sonnenbrille zwei Tage später abhole.
Ich hatte schon eine minimale Ahnung von Geschäftssinn gewittert. Und selbst wenn sie jetzt Miss World gewesen wäre, hätte ich mich auch nicht zum quickie-test überreden lassen.
Aber sie war nicht mal Miss Baggerloch.
Als ich dann die aufgehübschte dunkle Brille verjüngt in Händen hielt, fiel mir auf, dass an meiner Alltagsbrille ein 2mm mal 4mm großes Metallstück fehlte. Die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte, monierte diesen Kleinkram auch schon. Am Bügel.
Nun, das ist kein Loch in der Mitte des Glases, aber die reizende Verkäuferin schlug in ihren Daten nach und stellte fest, dass meine Alltagsbrille schon „6 Jahre alt“ sei, ein „hohes Alter für eine Brille“ bemerkte sie noch.
Die ist aber lediglich meine Ersatzbrille gewesen, die habe ich erst seit zwei Monaten getragen, weil der Hund meine ‚gute STARCK-Brille‘ vom Nachttisch gemopst hatte. Die war dann nämlich komplett hin.
Das ist vermutlich nur noch für mich zu durchschauen und Ihr müsst auch nicht weiter lesen.
Jedenfalls empfahl sie mir ein neues Gestell als Ersatz für das an 60 Tagen getragene. War ja laut Buchführung 6 Jahre alt, das wollte ich auch nicht wegdiskutieren. Ich diskutiere ungern, wenn ich keine Siegchancen sehe. Trotzdem wollte sie mir aber einen neuen Bügel bestellen und einen Termin wegen des Sehtests machen, leider mit ihr selbst.
Man kann beim Optiker schlecht sagen, dass man von einem Mann beraten werden möchte.
Dann habe ich den Termin also wieder verschoben, dieses Mal auf die Ankunft des neuen Bügels. Ich entwand mich lächelnd ihren breiten Armen und ihrem Euro-Grinsen mit schier unfassbarem Geschick.
Der Ersatzbügel sollte ‚in einer Woche‘ eintreffen, doch schon am folgenden Tag hatte ich eine schmierige SMS wegen einer ‚Rücksprache im Ladengeschäft‘ im Posteingang.
Von zwei Espressi aufgeputscht, schlug ich die Glastür brutal zurück und spielte mit meinen polierten Revolvern. Die Zigarette trug ich gefühlt noch brennend an der Unterlippe als meine neue Feindin mir einen Bügel eines rosafarbenen Damenbügels vorlegte.
„Die haben das Design geändert, ich bekomme das Metallstück nicht mehr.“
Sie zitterte in den hohen Lagen.
Die tiefen blieben stur.
„Wollen wir jetzt den Sehtest mach ….“, hörte ich noch als sich der Schuss löste.
Es war nur das entsetzliche Quietschen meiner schwarzen Stiefel bei der Drehung gewesen.
Breitbeinig stand ich einsam im Regen in der Fußgängerzone.
Sheriff zu sein, ist ein harter Job.
Ich schob die alte Sonnenbrille auf die Nase unter dem grauen Himmel.
„I’m a poor, lonesome cowboy, a long, long way from home.“
—
„Time is an ocean but it ends at the shore“.