Macron und Altersfragen

*Macron und Altersfragen*
Alles hat seine Vor- und Nachteile.

Zum Beispiel ist es bei Frost im Auto nachts zum Schlafen zu kalt, andererseits müssen aber alle, die in ihrem Bett schlafen, morgens die Scheiben frei kratzen. Die bleiben nämlich frei, wenn man drinnen ruht.

Oder der Macron in Frankreich, der war ja als Finanzminister eine ziemliche Lusche, hat mir gestern ein Franzose in Luxemburg erzählt.

Andererseits hat er als Schüler seine Lehrerin ‚rumgekriegt‘ und hat die später auch geheiratet, die ist nämlich 24 Jahre älter als er. Und das finden die Franzosen so super, dass sie den vielleicht sogar zum Präsidenten wählen.

Der ist mir trotzdem deutlich lieber als diese dicke Blonde, aber das zeigt auch wieder, wie gefühlig es heute in der Politik zugeht. Andererseits wäre es kein Grund, eine Frau zur Kanzlerin zu wählen, nur weil die ihren 20 Jahre älteren Lehrer geheiratet hat.

Dann hätten wir nämlich ziemlich viele Kanzlerinnenkandidatinnen.

Und Vor- und Nachteile hat auch das Älterwerden. Der größte Vorteil ist vielleicht, dass man nicht mehr jeden modernen Unsinn mitmachen muss, ein Nachteil hingegen ist, dass man das oft trotzdem versucht. Es muss aber nicht so weit gehen, dass man sich mit 60 Tattoos stechen lässt und sich einen Undercut schneiden lässt.

Vor 30 Jahren arbeitete ich bei DESY in Hamburg, das war aber keine Frau, da waren fast ausschließlich Männer mit klaren Gedanken. Meine Freundin studierte Psychologie in Trier und hieß Lolita. Sie heißt heute auch noch so, aber ich weiß nicht, wie sie ihren Namen heute findet.

Jedenfalls bin ich dadurch vielleicht 30mal an Wochenenden von Hamburg nach Trier und zurück gefahren und zwar nicht nur, um in Luxemburg billig den Golf I mit Diesel vollzutanken.

Ein Vorteil war, dass mir das gar nicht viel ausmachte, diese 6 Stunden an die Mosel zu rollen, ein Nachteil war, dass ich in der Nacht von Sonntag auf Montag wieder zurück musste. Heute hingegen habe ich volle 9 Stunden für dieselbe Strecke gebraucht! Ich vermute, dass das gar nicht am Alter liegt sondern daran, dass ich den Pinkelrhythmus des Hundes unbewusst kopiere. Oder ich war früher zielgerichteter, das kann man heute nicht so gut sagen.

Oder es ist so, dass Lolita mehr Sog hatte als Bob Dylan, das ist auch möglich.

Das Liken im Leben

Das Liken im Leben

Mal ganz ehrlich: Ich kann gar nicht alle Musikvideos ansehen, die ich bei facebook ‚like‘, das würde ja Stunden dauern.

Ich „like“ das dann, weil ich es kenne oder zumindest den Song und ich „like“ das, weil ich denke, dass es den anderen freut, wenn er viele „likes“ bekommt.

Das sind dann natürlich in gewisser Weise und großenteils gefakte ‚likes‘, weil sich die Videos die meisten gar nicht ansehen.

Es könnte sogar so sein, dass derjenige, der das postet, es auch nicht gesehen hat.

Das ist wie das Essen von einem leeren Teller und danach den Koch zu preisen. 🙂

Aber alles immerhin voller Zuneigung durch „likes“.

Gefühle sind ja voll „in“ in diesen Zeiten.

Leider hat das auch gewaltige Nachteile, wenn man vor lauter Gefühligkeit den Kopf gar nicht mehr einschaltet.

So politisch zum Beispiel, Hauptsache, es trifft den Bauch der Zielgruppen.

Macht selten satt, funktioniert aber an vielen Orten.

Zu viel Gefühl verdummt. Da kann man nur hoffen, dass diese Welle nochmal zurückschwappt nach der Gefühlsflut.

Natürlich lesen nur wenige Menschen etwas längere Texte auf solchen Plattformen wie Facebook, und das ist auch verständlich, denn ein Posting von gestern ist ja so alt wie eine Zeitung vom letzten Jahr.

Geht ‚halt‘ alles fix hier.

Ebenso beeindruckend sind Fotos vom täglichen Essen, „like“ ich auch gnadenlos obwohl mir selten jemand etwas abgibt.

Ich habe das mit den Fotos auch zwei- oder dreimal versucht, aber es nervt mich schon beim Auffüllen des Tellers, wenn da Kleckse auf dem Rand sind.

Und im Restaurant ist mir das schlicht peinlich.

„Guck‘ mal, der knipst seine Pizza.“

Nicht gut für Fotos, das mit den Klecksern, aber zum Essen wirklich nicht schlimm.

Bis auf die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte, kleckern wir alle regelmäßig, sogar der Hund kleckst beim Schlabbern.

Der Blick auf die Welt ändert sich.

Viele Fotos werden nur gemacht, damit man die ’sharen‘ kann.

„Digitale Verwertbarkeit“ und so.

Bevor ich dieses mobile Telefon hatte, besaß ich 50 Jahre lang nicht einmal einen Fotoapparat.

Man sagt heute vermutlich „Kamera“, klingt aber auch veraltet.

In den letzten Tagen habe ich mehrfach das Handy gar nicht mitgenommen, weil hier in Dithmarschen erstens meine Flat schon verbraucht ist und zweitens kaum Fotos ohne WLAN hochzuladen sind.

Dann sah ich heute ein Restaurant mit zwei Eingängen:

„Rauchereingang“ und „Nichtrauchereingang“.

Fand ich blöd, dass Frauen da gar nicht rein dürfen, aber ich habe das ausschließlich fotografiert, um es bei Facebook zu posten.

Das erschien mir doch leicht „gestört“. 🙂

Kochen ist wie Sex ….

*Kochen ist wie Sex ….*

… man muss es nicht gut können, um Spaß daran zu haben.
Das ist wieder ein richtig dämlicher Satz.

Da steckt wieder dieser Leistungsanspruch drin, der einem wirklich jede Freude rauben kann.

Nicht, dass ich jetzt gegen Leistung bin, wenn das angebracht ist, aber meistens wächst der Anspruch dort, wo ihn keiner braucht. In Mathematik braucht man den zum Beispiel.

Bei der Planung des nächsten 75sten Geburtstages jedoch nicht, sprach doch eine Frau, die ich gut kenne:

„Die Verwandten aus Hessen können sich die Reise nicht leisten. Aber wenn die kommen, dann machen die richtig gute Sachen. Aber Reinhard kommt ja nicht, der hat immer die besten Ideen, das ist schon mal gut für uns.“

Da bekomme ich Schüttelfrost.

Dieses ‚es muss besonders gut sein‘, das nervt. Und der Vergleich auch. Daran können Menschen richtig leiden, am Vergleichen.

Andererseits habe ich kürzlich auch eine kleine Rede für eine Verwandte gehalten, die war nicht gut geplant, war aber auch nicht nötig, weil ich das nicht vorhatte Und wenn die Assistentin mit dem schwarzen Haar mich nicht bei zwei Glimmstängeln gedrängelt hätte, ‚etwas‘ zu machen, dann hätte ich das auch gelassen.

Junge Frauen können alte Männer irgendwie ganz gut motivieren.

„Komm‘ ich helfe Dir auch …“.

Wer kann dann „Nö“ sagen?

Ich hatte lediglich vorbereitend bei Ebay einen 20 Jahre alten Playboy wegen des enthaltenen Heino-Interviews erstanden, und außer einigen Post-Its im Heft hatte ich nichts.

Damals stand Bill Clinton gerade vor der Wiederwahl. Ein gutes Thema.

Bill und so.

Das geht ja selten gut, wenn man sich nicht vorbereitet und nachdem ich die pinkfarbenen Gummihandschuhe angezogen hatte, konnte ich leider auch kaum noch im Playboy blättern.

Das hatte ich nicht ausprobiert. Schlecht.

Aber ich fasse keinen gebrauchten Playboy mit den Händen an, sorry. Da fehlte sogar das Poster in der Mitte und das für einen ganzen Euro! Das reißt ja keiner ohne Grund raus, auch vor 20 Jahren nicht.

Heino sprach damals auch schon in der dritten Person von sich, das ist sehr beeindruckend, mehr noch als der eigentliche Inhalt des Interviews.

„Heino kann es beim Sex auch richtig krachen lassen“ oder so, das zerstörte das Volksmusikerimage auf das Feinste.

Die anwesenden Herren um die 55 bis 65 konnten auch erst stiller zuhören nachdem ich ihnen einige Nacktbilder aus dem Heft gerissen hatte.

Männer sind manchmal leicht ruhig zu stellen und manchmal gar nicht.

Das war so dazwischen, weil die dann riefen:

„Gib‘ mal Dein Bild rüber.“

Männer bleiben ja irgendwie immer 16, bis ins Altersheim.

Die Damen aus diesem Heft kratzen heute auch an der 60er Marke, das habe ich wegen anwesender in sehr gutem Zustand befindlicher Damen aber erstmal verschwiegen.

Männer altern meist deutlich schlechter außer Rudi Cerne zum Beispiel.

Mein Gott, als hätten die Herren noch nie einen Playboy durchgeblättert. Könnten den doch auch abonnieren, der kostet heute kaum mehr als ein „Spiegel“, ist vom Druckbild her aber deutlich wertiger und erscheint nur monatlich.
Manch sparsame Gattin könnte man so sicher überzeugen. Oder nicht?

Jedenfalls liebt meine Verwandte Bata Illic, Heino und Udo Jürgens, Frank Sinatra auch und diesen Pople oder Büble oder Buble oder wie der gleich heißt.

Hübsch ist der, aber der macht eben auch nichts wirklich schmutzig. Nicht mal die Gedanken, schwach.

Und deshalb habe ich nur ganz vorsichtig ihre musikalischen Vorlieben veröffentlicht.

Richtig …. zart, fand ich.

Jedenfalls war das auch wieder daneben, vermute ich, habe ich doch den Kontakt jetzt offenbar erstmal verloren. 😉
Man sollte sich eben doch besser vorbereiten. Mehr Leistungsbereitschaft und so.

Andererseits werde ich öfter eingeladen, da freue ich mich wirklich jedes Mal ganz dolle. Aber mich lädt auch keiner ein zweites Mal ein!

Das macht mir mit fortschreitendem Alter immer mehr Sorgen. Ich selbst würde mich nicht mal zu einem ersten Mal einladen. Aber die meisten wissen das eben erst hinterher.

Eigentlich wollte ich allgemein über Leistungsansprüche und über Mathematik schreiben, das habe ich jetzt wegen Heino und den Nacktfotos total aus den Fingern verloren.

Schade.

Irgendwie beschleicht mich ein Drücken im Hinterkopf als ich hätte ich das alles schon mal erzählt. Aber das Suchen erzeugt auch so einen Leistungsdruck, kann ich gar nicht ‚mit umgehen‘.

Egal.

Es war eine von ‚Baywatch‘ auf dem Titel.
Vielleicht finde ich das Heft nochmal, aber mit dem Poster.

 

Eier muss man haben

Eier muss man haben

Ostern ist schon eine feine Sache solange keine Probleme an Kreuzen hängen.

Ich hab‘ es gern ruhig und ganz entspannt. Und, zugegeben, ich unterhalte mich auch gern mit Menschen, wenn schon welche da sind.

Jedenfalls saßen vier Erwachsene im Wohnzimmer, drei davon taten so als würden sie konzentriert Zeitung lesen und ich sagte irgendeinen Satz.

„Wir wollen jetzt Zeitung lesen und nicht sprechen“, sagte die beste Ehefrau von allen, die ich bis dahin je hatte.

Als dann später dieselbe fragte, ob jemand eine Tee oder Kaffee möchte, da sprach die Gräfin:

„Nein, wir wollen nichts trinken, setz‘ Dich doch auch hin.“

Meine Frau kann wirklich viele, viele Dinge sehr, sehr gut, aber die Sache mit dem Kaffee ist seit 25 Jahren noch entwicklungsfähig. Ist nicht schlimm, weil ich ja eh früher aufstehe und mein Tee angeblich gar nicht so schlecht ist … wie ihr Kaffee.

Aber ich lehne gern eigenständig auch einen eher schlechten Kaffee ab.

Natürlich entspricht alles den Worten dieses Knigge, aber eben nur den Worten und nicht dem Geist, der eigentlich in solchen Werken wirken sollte.

Dann war da noch mein Großer, das war dann beim Abendessen als das kleine Kind lieber spielen wollte und alle schon vorher kurz vor’m Platzen waren.

Mein Riese spielt nämlich einen richtig harten Sport mit richtig harten Jungs unter einem richtig harten, amerikanischen Trainer.

Leider verstehen manche amerikanischen Trainer auch bei der dritten Information über Oberstufe und Abiturprüfungen nicht, dass schulische Bildung in Europa einen ebenso hohen Stellenwert wie die sportliche hat, vielleicht sogar einen höheren, das wäre so meine eigene Bewertung.

Jedenfalls hatte der Trainer dann abends um 23:00 im Trainingslager in der spanischen Küstenstadt gesagt, dass die Jungs zum nächsten Morgen um 06:30 alle Spielzüge auswendig kennen müssen.

Der hatte offenbar vergessen, das etwas früher zu sagen. Etwas ungeschickt, finde ich, aber Schwamm drüber.

Und als sich mein Großer so zu Recht aufregte, da sprach die alte Gräfin mitfühlend:

„Ja, dann gehörst Du eben nicht in die Mannschaft!“

Steht vielleicht im Knigge. 🙂

„Asche auf mein Haupt“ oder „Dylan in Lingen“

„Asche auf mein Haupt“ oder „Dylan in Lingen“

Was ich bei den fünf ‚Sinatra‘-Alben nicht mochte, gestern in Lingen passte das alles wunderbar, mit Ausnahme von „Autumn Leaves“ vielleicht, aber das gehört ja auch in den Herbst.

Er liebt es, diese Songs zu singen, fast scheint es als umgarne er sie mehr als seine eigenen. Der schräg gehaltene Mikrophonständer scheint mir neu, keine Ahnung, woher er das nahm. Ebenso wirkungsvoll wie das Wegstoßen und Heranziehen des Mikrophons am Flügel. Das ist kein Zufall, so etwas macht er meiner Meinung nach oft als Variation. Dem Nichteingeweihten sei gesagt, dass man auch daran an einem Video das Jahr erkennen kann.

Meine Highlights waren die beiden Schlachtrösser, die in diesen Versionen derzeit kaum zu toppen scheinen:

„Tangled Up In Blue“ und „Desolation Row“.

Über „Desolation Row“ las ich irgendwo oder jemand sagte mir es, dass er speziell *das* allabendlich anders spiele. Bei fast identischen Setlisten höre ich da nicht so oft rein.

Kann das jemand bestätigen?

… auch das ist eine Frage, die sich nicht jedem erschließen mag.
Ich mag die hervorragende Setlist nicht kritisieren, aber ich weiß nicht gern, welches Lied als nächstes kommt. Schon eine andere Reihenfolge derselben Lieder würden mir lieber sein, aber das mögen schräge Ideen sein.

Der Meister spielt nämlich seit einigen Jahren auf einer Tour jeden Abend fast dasselbe. Allerdings tut das Eric Clapton schon wesentlich länger, doch kann man bei dem in jedem Song vorhersagen, bei welcher Minute und welcher Sekunde das Solo kommt.

Weshalb er, der alte Dylan, „Early Roman Kings“ und „Spirit On The Water“ so oft spielt, …. man weiß es ja nicht. Beide etwas überspielt, ebenso wie „Things Have Changed“ als Opener.

Das sind die Momente einer Show in denen die Kommissare beim „Tatort“ etwas trinken oder eine Tüte Pommes essen, muss ja auch sein.

Haben auch reichlich Leute in der Emshalle gemacht. Bier, Pommes und Pinkeln bei „Spirit“ und „Kings“.
Dafür haben „Soon After Midnight“ und „Long And Wasted Years“ quasi ‚Frank’sche Statur.

–

Leider ist so eine Vollbestuhlung auch in vergleichsweise „kleiner Halle“ nicht ideal, das merkte man als sich die halbe Halle im Emsland bei den letzten beiden Liedern erhob, „Blowin‘ In The Wind“, und sich die Gänge füllten.

Man betet auch besser im Stehen. 🙂

Sofort ist das eine andere Stimmung und Dylan spielt dann fast auf „Augenhöhe“ und nicht hoch oben entrückt. An sich ist er ja sowieso ‚entrückt‘ und schon längst bei den Göttern, dazu hätte es auch das Amulett aus Stockholm nicht gebraucht.

Götter tragen keinen Schmuck.
Ansonsten war Lingen … nervös. 🙂

Leider hat mich die A1 bei Bremen um die Pizza im Elchland mit den anderen Verrückten gebracht, aber es war schon aufregend dort. Sehr süß, dass keiner wusste, wo man rauchen kann und am besten war der Mann mit seiner Wurst.

Das war eine mit Senf und Toast und er stand da und biss mitten in der fast leeren Vorhalle ab. Dann vom Tresen lautstark der einzige Mann mit Brille unter vielen jungen Blondinen beim Bierausschank mit wallendem Emshaar:

„Bitte nur an den Stehtischen essen, *nur* an den Stehtischen!“

Weil ich gerade die Raucherlounge erfragte, gewann ich zwar keine Wurst aber immerhin ein blondes Lächeln … über den Chef.

Nervös eben.

Ich wurde auch dreimal auf das Fotografierverbot hingewiesen und ich war einer der ersten 20 in der Halle. Auch 90 Minuten *vor* der Show sind Fotos „strengstens untersagt“. Das gilt auch für die leere Bühne. Man wollte „ihm“ alles recht machen, das ist löblich.

Die hyperventilierten aber richtig.

Man hatte das Gefühl, das der Alte gar nicht spielt, wenn man draußen eine Wurst knipst.

Andererseits ist es höchst angenehm, wenn sich Menschen, die alles mit der Kamera festhalten wollen, auch mal 2 Stunden nicht mit ihrem Handy beschäftigen. Dieses Drehen von Videos ist die reine Pest, sogar im Theater habe ich das schon erlebt.

„Times are strange“, sang der Bob.
Und Holger aus meiner Sitzreihe konnte auch tolle Vorgeschichten über „Dylan in Lingen“ berichten.

http://www.noz.de/lokales/lingen/artikel/822711/der-mann-der-bob-dylan-ins-emsland-holte

Er konnte das viel lustiger erzählen, aber inhaltlich passt das aus der Zeitung auch.
Und in 10 Tagen?
Luxemburg!
Im Stehen!

–
„Without music all we’d have is noise.“

Der ältere Herr

*Der ältere Herr*

 

Schon seit vielen Jahrzehnten könnte er es sich gemütlich machen, zuhause am Kamin mit den Enkeln oder bei Auftritten in Talk-Shows von 1966 erzählen oder vom New York vor knapp 60 Jahren.

Ab und an könnte er sich eine Medaille um den Hals hängen lassen und artig „Danke“ sagen, weil man ihn noch nicht vergessen hat.

In wenigen Wochen ist er im 77sten Lebensjahr.

Und wenn er mag, dann könnte er ein paar Gassenhauer aus den alten Zeiten spielen, vielleicht im Duett mit etwas hübschem Jungen mit langen Beinen wie Taylor Swift an seiner Seite.

Und wenn er in den Metropolen der Erde für 400€ pro Platz fünf Konzerte für jeweils 60 Minuten im Jahr spielen würde und das Publikum brav grüßte, der Erfolg wäre einfach und sicher.

Und genau das macht er eben nicht, der alte Herr.

Er spielt seit grob 30 Jahren mindestens 80 Konzerte rund um die Welt, gar in Viehauktionshallen oder in Lingen im Emsland

Er spricht nicht, er grüßt nicht, er dankt nicht, er stellt die Band nicht mehr vor, er arbeitet.

Die Band kennen sowieso alle.

Und er singt und umgarnt „Sinatra“-Songs aus dem Great American Songbook, weil er das so will. Er spielt auch kaum alte Lieder und wenn doch, dann gern bis zur Unkenntlichkeit verfremdet. Er bürstet sie gern gegen den Strich, das Publikum auch.

Dann scheint er beide zu lieben, im Geheimen.

Und er ist eben eines nicht:

Er ist immer noch kein „älterer Herr“.

Ein Dylan wird nicht zum „älteren Herren“.

Und es ist wie mit Helmut Schmidt so lange Zeit: Es ist einfach gut ….. wenn er da ist. Egal ob man seiner Meinung war oder nicht.

Und bei Dylan ist es mir auch fast egal, was er spielt.

Bei Schmidt reichte es schon, ihm beim Rauchen zuzusehen. Aber das Publikum, das brauchte auch er.
Zurück ins Leben:
Wer ist die in der Mitte im schwarzen Kleid neben dem Kommissar?

–
„Without music all we’d have is noise.“

Saturday Night’s Alright For Fighting

*Saturday Night’s Alright For Fighting*
Natürlich bin ich verrückt.

Mein Kofferraum ist immer zu voll.

Zwei Boulespiele, Tennisschläger, Walking-Stöcke, Felgenreiniger und zwei Schuhkartons mit Musik, anders geht es nicht. Dazu eine Tüte mit einzelnen Handschuhen nach der Trennung vom Partner und ein noch zusammenlebendes Paar Hausschuhe.

Was in den Kisten ganz hinten ist, weiß ich nicht mehr, da kommt man nur von innen ran. Vermutlich sind das die Sachen für den Strand von 2015. Dass ich beim Sortierungsversuch dann insgesamt 12 Feuerzeuge fand, das darf ich der besten Ehefrau von allen, die ich je hatte, gar nicht sagen.

Ich habe auch mehrere 60cm hohe Stapel von Büchern vor dem Regal stehen, die mir beim Staubsaugen regelmäßig umkippen, und es ist so viel Musik da, dass man damit auch ein Studentenwohnheim gut bestücken könnte. Andererseits ist das ja mein Zimmer, da bin ich leider schwer zu überzeugen.

Natürlich ist das alles nicht übersichtlich sortiert, aber manches ist ja doppelt vorhanden und so erhöht sich die Wahrscheinlichkeit des Findens um 100%, wenn es denn mal richtig pressiert bei einer Platte.

Ich würde das auch alles richtig schön aufräumen, wenn sie nicht immer so mitleidig neben den Bücherstapeln abstoppen würde und den Kopf wiegen oder schräg halten würde. Also meine Frau, nicht die kleine Hündin. Die will manchmal nur die sechs Stufen zum Schreibtisch hoch, wenn ich die Zeitungen weggelegt habe. Jetzt meine ich aber den Hund. Typisch Frau, oder?

Und so ähnlich geht es der Sabrina mit den örtlichen Regeln von ganz oben. Laut dem neuen Hundegesetz dieses Landes soll ‚ermittelbar‘ sein, wer der Halter ist. Gut und schön. Das Tier sei ja gechippt, trägt zusätzlich seine Steuermarke mit personifizierter Kennung. Weiterhin trägt er eine Tasso-Marke mit einer Notruftelefonnummer.

An sich sind drei ‚Ausweise‘ für einen kleinen Hund schon eine ganz schöne Schlepperei. Mein Auto hat ja nur zwei identische Kennzeichen, aber anderes zu schleppen.

Aber in *dieser* Stadt sollen angeblich bei Hunden jetzt der Name des Halters, Anschrift und Telefonnummer *lesbar* sein „ohne den Hund anfassen zu müssen“. Ist das nicht gegeben, werden bei Kontrollen Ordnungsgelder fällig.

Sabrina kommt da richtig in Wallung.

Das steht ihr ziemlich gut, dieses leicht Erregte wegen formaler Vorgaben. Mich beunruhigt das weniger als die etwaigen Kosten.

Ich habe schon versucht, den kleinen schwarzen Hund an einen Schleier am Schwanz mit eingestickten Daten zu gewöhnen, aber der schämt sich wegen der Farbgebung in Rosa und macht keinen Schritt mehr. Vielleicht befürchtet er auch damenhaft hässliche Flecken auf dem Kleidungsstück.

Frauen sind ja bei hellen Farben oft sensibel.

Das mit den Hundekontrollen ist im Stadtpark auch amüsant. Da werden zunächst Fotos des Halters und des frei laufenden Dackels gemacht, danach wird der Halter mit dem Beweisstück zur Ordnung gerufen. Also mir ist das ja nicht passiert obwohl mein Hund auch immer frei herumrennt. Mit Kaffee und Zigarette plus Handy ist so eine Leine nämlich extrem lästig.

Oder, anderes Beispiel:
Damen in Zivil, die den leinenlosen Hund lächelnd streicheln „… hach, ist der süüüüüüß“ … ziehen zwei Sekunden später den städtischen Ausweis und setzen ein Ordnungsgeld fest. Das hat mir der Ruben erzählt.

Der ist milder als sein Name hart klingt.

Leinenzwang.

Kann man gut finden, muss man aber nicht.
Da darf man sich auch mal richtig aufregen.
Ruben regt sich richtig dolle auf.

Ich will auch nicht meinen Namen und meine Mobilnummer lesbar am Hund haben, nachher denken die Leute noch, der Hund heiße „Martin“ und ich sei zu blöde zu erkennen, dass er ‚Martina‘ heißen müsste.
Jedenfalls war ich unsicherer Kantonist dann zu Besuch im Amt in der Abteilung Hundesteuer. Das ist eine recht ärmliche Behausung mit Sperrmüllmöblierung. Auch im Flur steht seit Monaten allerhand altes Zeug herum. Wenn da mal jemand stolpert, heidewitzka, dass kann richtig teuer werden.

Schade, ich hatte den Müll gesehen. Sabrina wäre vielleicht sogar absichtlich dagegengelaufen um denen da oben mal zu zeigen, was eine Harke ist. Mit ihr möchte ich ungern Ärger haben. Aber mit Ämtern eben auch nicht.

Aber die Dame im Amt kannte sich nicht so aus.

„Wir sind nur für die Steuer da. Da müssen Sie zu einem anderen Amt. Ich gebe Ihnen mal die Nummer.“

Seit zwei Tagen ist da niemand erreichbar.
Aber dann habe ich wenigstens etwas für Teil II.

Ich möchte einen Gesprächstermin zur rechtlichen Aufklärung vereinbaren. Nicht sofort, aber eine halbe Stunde im Büro, das wäre schon erbaulich.

Wer maßregelt, erntet gern viele Fragen.

–

Also Namensschild, nein.

Ist ja nicht so, dass das jetzt auch bei Menschen bald kommt. Obwohl mich schon ein paar Mobilnummern von Zweibeinern interessieren würden, nur so für die Kontaktlust.

Mist, „Kontaktliste“, meinte ich.

Bevor das so weit kommt ….

Die Ira lebt zwar unter Künstlern doch fragt sie selten jemand wie es ihr geht, sagt sie. Das ist anders als im Süden, weil es Menschen im Norden eben meistens ziemlich gut geht solange sie nicht Fußballfans sind.

So ein Schild am Hals habe ich vorgeschlagen:
„Ich werde gern gefragt, wie es mir geht.“

Auch schön:
„Ich höre gern Lobendes über mein heutiges Outfit.“

Oder:
„Nicht lesen! Bitte lächeln Sie mich einfach an.“

Wenn das jetzt Gesetz wird, wäre das gar nicht so übel. Hoffentlich bekommen die vom Ordnungsamt dann auch Schilder.

Die haben nämlich keine, auch keine mit Namen und Mobilnummer.
–
„Without music all we’d have is noise.“