Das Liken im Leben

Das Liken im Leben

Mal ganz ehrlich: Ich kann gar nicht alle Musikvideos ansehen, die ich bei facebook ‚like‘, das würde ja Stunden dauern.

Ich „like“ das dann, weil ich es kenne oder zumindest den Song und ich „like“ das, weil ich denke, dass es den anderen freut, wenn er viele „likes“ bekommt.

Das sind dann natürlich in gewisser Weise und großenteils gefakte ‚likes‘, weil sich die Videos die meisten gar nicht ansehen.

Es könnte sogar so sein, dass derjenige, der das postet, es auch nicht gesehen hat.

Das ist wie das Essen von einem leeren Teller und danach den Koch zu preisen. 🙂

Aber alles immerhin voller Zuneigung durch „likes“.

Gefühle sind ja voll „in“ in diesen Zeiten.

Leider hat das auch gewaltige Nachteile, wenn man vor lauter Gefühligkeit den Kopf gar nicht mehr einschaltet.

So politisch zum Beispiel, Hauptsache, es trifft den Bauch der Zielgruppen.

Macht selten satt, funktioniert aber an vielen Orten.

Zu viel Gefühl verdummt. Da kann man nur hoffen, dass diese Welle nochmal zurückschwappt nach der Gefühlsflut.

Natürlich lesen nur wenige Menschen etwas längere Texte auf solchen Plattformen wie Facebook, und das ist auch verständlich, denn ein Posting von gestern ist ja so alt wie eine Zeitung vom letzten Jahr.

Geht ‚halt‘ alles fix hier.

Ebenso beeindruckend sind Fotos vom täglichen Essen, „like“ ich auch gnadenlos obwohl mir selten jemand etwas abgibt.

Ich habe das mit den Fotos auch zwei- oder dreimal versucht, aber es nervt mich schon beim Auffüllen des Tellers, wenn da Kleckse auf dem Rand sind.

Und im Restaurant ist mir das schlicht peinlich.

„Guck‘ mal, der knipst seine Pizza.“

Nicht gut für Fotos, das mit den Klecksern, aber zum Essen wirklich nicht schlimm.

Bis auf die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte, kleckern wir alle regelmäßig, sogar der Hund kleckst beim Schlabbern.

Der Blick auf die Welt ändert sich.

Viele Fotos werden nur gemacht, damit man die ’sharen‘ kann.

„Digitale Verwertbarkeit“ und so.

Bevor ich dieses mobile Telefon hatte, besaß ich 50 Jahre lang nicht einmal einen Fotoapparat.

Man sagt heute vermutlich „Kamera“, klingt aber auch veraltet.

In den letzten Tagen habe ich mehrfach das Handy gar nicht mitgenommen, weil hier in Dithmarschen erstens meine Flat schon verbraucht ist und zweitens kaum Fotos ohne WLAN hochzuladen sind.

Dann sah ich heute ein Restaurant mit zwei Eingängen:

„Rauchereingang“ und „Nichtrauchereingang“.

Fand ich blöd, dass Frauen da gar nicht rein dürfen, aber ich habe das ausschließlich fotografiert, um es bei Facebook zu posten.

Das erschien mir doch leicht „gestört“. 🙂

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