„Yesterday’s Papers“

*“Yesterday’s Papers“*
Ob ich mich selbst ertragen könnte, wenn ich mich zweimal gäbe und mir gegenüber stände? Das kann man leider nicht ausprobieren, interessant wäre es allemal.

Stimmen sind sehr wichtig, aber höre ich meine eigene vom Band, diese Schärfe, dieses Zischen, wäre die Stimme ein frischer Fisch, ich würde sogar Fischstäbchen nehmen.

Ich weiß auch nicht, ob ich meine teilweise unsäglichen Texte lesen würde. Es könnte sein, dass die sich einfacher tippen als lesen lassen. Mit dem Anspruch, alles müsse „gut“ sein, stellt man sich selbst ein Bein. Also nur schnell raus mit dem Kram!

Natürlich ist man auf einige ‚likes‘ quasi angewiesen, sonst weiß man gar nicht, ob das überhaupt noch jemand liest. Andererseits wird ja gar nicht zum Lesen geschrieben sondern eher zum Spaß am Tippen.

Dann traf ich innerhalb weniger Tage drei Facebook-Freunde, die mir sogar von einem bestimmten Geschichtchen etwas erzählten und in dem Zusammenhang absolut gegenteiliger Meinung waren als die Person in der Erzählung. Ich wusste aber nicht, dass die das lesen! Vorher hatte ich schon überlegt, es mal zu lassen und nachzusehen, wie groß die Kinder sind.

Man verliert sich leicht beim schnellen Schreiben. 🙂

Erinnerungen jedoch kann man, wenn man sie noch im Kopf hat, gut tippen. Leider habe ich fast gar keine Fotos von früher und von mir gibt es selbst von heute kaum welche. Die Vorfahren haben alles Alte entsorgt, seien ‚ja tot, was soll ich damit‘, hörte ich kurz und knapp.

Heute haben die meisten vermutlich eher zu viele Fotos aus der Gegenwart, digital und verteilt auf unzählige Speichermedien. Die könnten mal dasselbe Problem haben wie ich, weil sie erstens nicht wissen, wo die Bilder von der Einschulung sind oder zweitens weil digital Medien so schnell überholt und unlesbar sind wie ein parkendes Auto. .

Ergebnis sind dann uU auch … keine Bilder trotz der Tausend, die gemacht wurden.

Aber ‚Analoges‘ empfinden Junge oft als belastenden Ballast, bei Büchern, bei CDs, bei Bildern und manchmal auch bei solchem, was als ‚alt‘ empfunden wird.

Und so rette ich manchmal eine Kinderzeichnung oder einen kurzen Kinderaufsatz aus dem Müll und lege sie in die kleine Schatzkiste. Die kann ja nur ein Wasserschaden angreifen. Werde ich dabei erwischt, heißt es auch „Was soll ich damit?“ oder „Was willst Du damit?“.

Am besten steckt man ausgedruckte Bilder gleich dazu und nimmt eine größere Kiste.

Sean Rowe und wackelnde Flaschen

Sean Rowe und wackelnde Flaschen

Das könnte jetzt lang werden und an Eurer Stelle würde ich lieber jetzt aufhören zu lesen.

Bei ebay hatte ich so ‚en passant‘ „Die Feuerzangenbowle“ von Heinrich Spoerl mitgehen lassen.

Also die ganze, aber gelesen von Götz Alsmann auf 4 CDs. Bei 25 Cent pro Stunde bester Unterhaltung im Auto kann man nicht meckern.

Unzählige ‚geflügelte Worte‘ finden sich da, fast hätte ich’s vergessen.

Jedenfalls bin ich auf dem Weg zu Sean Rowe mit der dritten Scheibe fertiggeworden. Während der für Hamburg typischen dritten Sekunde Gelb auf der Allee ging es wieder von vorn los.

Wenn man an einen Musikanten denkt, der allein mit einer Gitarre auf die Bühne geht, dann schweben bei mir nicht die 20er oder 30er Jahre wie bei Hans Pfeiffer vorbei sondern die 60er.

Das war vor mehr als einem halben Jahrhundert. 

Und das, was damals toll war, das muss es heute nicht unbedingt sein.

Kaum einer verfolgt heute eine Debatte im Bundestag. Wenn man einen Tatort mit Gustl Bayrhammer aus den 70ern sieht, dann braucht man schon mal ein Streichholz für die Lider, weil das recht beschaulich voranschreitet.

Früher, ja früher, da war das maßlos spannend, aber heute ist das wie mit 60km/h auf der Autobahn von der Küste nach München zu rollen.

Das zieht sich.

Und oft wird ein Publikum heute bei einem einsamen Sänger mit Gitarre nach 40 Minuten mit 10 Gitarrensongs etwas ungeduldig. Das ging mir gar mit Neil Young 2003 schon so und mit Jackson Browne vor unzähligen Jahren im Schauspielhaus auch.

Da stehen dann 8 bis 10 Gitarren um den Künstler im Kreis, werden gereicht und klingen teilweise -ehem- ähnlich.

So mancher nennt das dann heute ‚ermüdend‘.

Gibt natürlich jetzt Ärger. 🙂

Der Rowe hatte eine Gitarre und zwei Mundharmonikas, dazu seinen Bariton.

Das hat gereicht für höchst abwechslungsreiche 75 Minuten vor knapp 100 Zuhörern.

Und 75 Minuten, das ist auch gut.

Das ist wie beim Eisessen.

8 Kugeln bester Qualität zu lutschen mag ja schmecken, aber das will man dann nicht morgen nochmal.

Zwei sind gut, dann sagt man:

„Och, schade, schon weg.“

Und Konzerte dürfen nie wie 8 Kugeln sein. Never ever.

Etwas „Restappetit“ ist besser als nach 150 Minuten zu denken:

„Wann ist endlich Ende Gelände?“

Nicht bei Sean Rowe.

„Big Black Mariah“ von Tom Waits, eines von den Beach Boys fiel gar etwas ab, und „I Still Miss Someone“ von Cash waren die Covers, deren Qualität und Statur seine eigenen Songs auch haben.

Großartig.

Die Gitarre, in Rot, Grün und Weiß mit Isolierband beklebt, mutet italienisch an, die Saiten beruhigen ein Kugelschreiber und eine Dollarnote.

Der Rauschbart braucht als Grundlage auch nur ein schwarzes Shirt und eine Jeans in dieser frohen Farbe.

Und zum Schluß ein Gitarrengewitter, das die Wasserflaschen auf dem Beistelltischchen ins Schwingen brachte.

Mehr Bewegung machte auch Pfeiffers Kopie von Professor Crey auf CD 4 nicht, trotz Alkohol.

Ich hatte ja zwei Karten, der Daniel hatte ’seekrank‘ abgesagt. Vermutlich ist das bei ihm wieder eine Frau gewesen, wohl eher „sehkrank“ geworden.

Und seine Karte habe ich dann verschenkt.

Die war auch nett.

Jung, kommunikativ und männlich

*Jung, kommunikativ und männlich*
Dieses längere Kleinod moderner WhatsApp-Kommunikation wurde mir soeben zur Verfügung gestellt, weil das mathematische Training dafür kurz unterbrochen werden musste. Der Preis war die anonymisierte Kopie des Textes.

Verabredungen unter 16jährigen Männern scheinen (nur bei mehr als einer Person) heute schwieriger zu sein als früher. Der zeitliche Aufwand ist hier bei nur 2 Personen doch erheblich.

 

–
[5/29, 19:34]
Weiß ich nicht mehr, aber ich dachte, dass du auf jeden Fall Samstag Abend wieder hier bist, mit allen Sachen für Sonntag. Dann gucken wir Prison Break und fahren dann am Folgetag gemeinsam zu X

[5/29, 19:34]
Ich gucke am Samstag aber auf jeden Fall championsleague finale

[5/29, 19:34]
Jo wir könne dann prison Break am Sonntag gucken
Dann guck ich Fußball zu Hause und komme dann danach rüber

[5/29, 19:34]
Du ja witzig

[5/29, 19:34]
Dann nehmen wir Prison Break auf?

[5/29, 19:34]
?

[5/29, 19:34]
Mittags vllt

[5/29, 19:34]
Wie hattest du denn vor am Sonntag Prison Break zu gucken, wenn wir da hat nicht zu Hause sind sondern auf dem 18.?

[5/29, 19:34]
Und warum ne

[5/29, 19:34]
Ne

[5/29, 19:34]
Weil das behindert ist

[5/29, 19:34]
Das große und ganze

[5/29, 19:34]
Hä Was daran behindert

[5/29, 19:34]
Alles klar

[5/29, 19:34]
Aber gut

[5/29, 19:34]
Oder was

[5/29, 19:34]
Und ich mich nicht aus dem Bett bewege vor 1300

[5/29, 19:34]
Ich verstehe nicht warum wir es nicht Sonntag Vormittag gucken können

[5/29, 19:34]
Weil wir um 1500 vor Ort sein sollen

[5/29, 19:34]
Und prison Break dauert 2 h?

[5/29, 19:34]
Dein Ernst?

[5/29, 19:34]
Ja

[5/29, 19:34]
Und packen, fertig machen usw entfällt?

[5/29, 19:34]
Ok

[5/29, 19:34]
Prison Break dauert 45 min
Dann hast du immer noch ne knappe Stunde für alles

[5/29, 19:34]
Frühstück?

[5/29, 19:34]
Außerdem glaube ich nicht da du erst um 13:00 aufstehst

[5/29, 19:34]
Ne nä, wann haben wir Sontag nochmal angefangen?

[5/29, 19:34]
Womit angefangen?

[5/29, 19:34]
Olum 😐

[5/29, 19:34]
1300

[5/29, 19:34]
Ja hast recht 🙂

[5/29, 19:34]
Wir sind um 9:00 aufgestanden und haben um 11:30 gefrühstückt

[5/29, 19:34]
Frühstück, Aufstehen etc

[5/29, 19:34]
😀 ja lass gut sein

[5/29, 19:34]
Sag ich ja

[5/29, 19:34]
Haha

[5/29, 19:34]
Also sehen wir uns nicht Ja?

[5/29, 19:34]
Um 2300 Ja?

[5/29, 19:34]
Egal also

[5/29, 19:34]
Mir ist das egal

[5/29, 19:34]
Hä. Doch ich komme nach dem Finale am Samstag rüber

12 sind ein Dutzend

*12 sind ein Dutzend*
„Hach, wie heißt die nochmal?“

Von vielen Schauspielerinnen oder Schauspielern ist es nicht schwer, sich die Namen zu merken. Das kann daran liegen, dass sie einfach gut sind, es kann aber auch daran liegen, dass sich manche Rollen ein wenig ähneln. Oder daran, dass sie so oft abseits ihrer Rollen präsent sind. Oder sie singen.

Und ich kann mir von denen, die in ihren Rollen immer „anders“ sind, die Namen nur sehr schlecht merken. Das ist ungerecht, weil gerade die vielleicht zu den Besten gehören.

Jetzt habe ich mehr als fünf Minuten googlen müssen, um die Namen meiner 12 deutschen Schauspielerinnen komplett zu haben. Ich habe jetzt nur junge genannt, weil man die etwas älteren ja sowieso namentlich kennt. Auch, wenn sie nicht singen.

Hier ist mein „Dutzend“.

Claudia Eisinger
Martina Gedeck
Karoline Herfurth (außer „Göte“)
Nina Hoss
Nicolette Krebitz
Nina Kunzendorf
Anneke Kim Sarau
Aylin Tezel
Laura Tonke
Nora von Waldstätten
Lavinia Wilson
Felicitas Woll

Hach, jetzt sind mir noch Marie Bäumer und Julia Jentsch eingefallen, bei denen habe ich auch immer dieses „Hach, das ist doch die Dings, wie heißt die nochmal?“. Die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte, kann ich dann auch nur fragen, ob sie diese Fernsehzeitschrift irgendwo gesehen hat.

Frau Gedeck erkenne ich mittlerweile natürlich auch mit ihrem Namen in der Wirklichkeit. Dafür habe ich Jahre gebraucht, ein sehr gutes Zeichen.

Aber mir fallen keine jungen männlichen deutschen Schauspieler ein, auch keine Namen, das macht mir Sorgen. Doch der eine, der heißt auch irgendwie mit „Eis“ und kann sogar einen Eisblock mit Herz spielen.

Wie heißt der doch gleich?

Lars, Lars Eidinger! Oder?
Auf den schwöre ich!

Unter „50“ fällt mir kein weiterer ein. Vielleicht sind die auch so gut, dass ich mir deshalb die Namen nicht merken kann. Habe eben eine Liste von 175 männlichen Schauspielern durchgesehen, wenige unter ’50‘ darunter und wenn, dann kenne ich die nicht. Eidinger war nicht dabei!

Aber Katharina Wackernagel auf Platz 175, das war sehr unfair. Habe leider trotzdem gelacht.

Die ist bestimmt auch gut, aber ich schalte immer aus, da ist etwas, was mich stört, keine Ahnung was und warum.

Im Bereich Musik geht mir das übrigens schon genauso: Viele tolle junge Musikantinnen, aber wenig Musikanten.

Ist das …. „Altern“?

Parkplatzprobleme

*Parkplatzprobleme*
Unter „Parkplatzproblemen“ kann man Unterschiedliches verstehen. Wenn man keinen finden kann, dann ist das manchmal nervig. Großstädter wissen davon ein Lied zu singen. So mancher fährt in Berlin oder Hamburg mit dem Bus oder mit der Bahn, weil er in der Nähe seiner Wohnung den „guten“ Parkplatz nicht aufgeben will.

Dort, in Städten, könnte man sich Parkplatzbörsen, so ähnlich wie Partnerbörsen, vorstellen. Man inseriert einen Parkplatz im öffentlichen Raum und tauscht diesen zu abgesprochenen Zeiten mit einem anderen Autobesitzer des anderen Geschlechts, eine Art privates Parkplatzsharing wäre das.

Das würde für viele zwischenmenschliche Kontakte sorgen, so dass man letztlich auf Partnerbörsen gänzlich verzichten könnte.

„M, 41, bietet F bis 45 Parkplatz im Karolinen-Viertel werktags ab 7:15 Uhr, Rücktausch nach Absprache“.

Außerdem ergeben sich diese Parkplatzkontakte ‚lokal‘. Das heißt, dass man nicht weit fahren muss, um den Parkplatzbörsenpartner zu treffen.

‚PPBP‘ wäre eine sinnvolle Abkürzung.

Andererseits kommt für private Verabredungen nach der ersten Woche nur eines der Fahrzeuge in Betracht. Oder Autokino. Oder eine Fahrt ins Grüne. Das ist aber immer noch deutlich preiswerter als Parship. Man hat so auch von Anfang an ein gemeinsames Problem.

–

Hier an der Nordseeküste stellt sich ein Problem anderer Art. Hier muss man viel Entscheidungskraft aufbringen, um sich für einen der unzähligen freien Parkplätze zu entscheiden.

Das ist einem Großstädter vielleicht schwer zu vermitteln. Aber wenn vor einem Supermarkt oder am Deich in Wassernähe von 100 Parkplätzen nur 5 besetzt sind, dann muss man eine Entscheidung bei 95 „Freiheitsgraden“ treffen.

So viele Möglichkeiten hat man selten bei der Partnerwahl! Und wie schwer ‚die‘ schon sein kann, das besprechen wir hier nicht.

Die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte, „fühlt“ meine Unsicherheit bei der küstennahen Parkplatzwahl. Leider versucht sie mich nicht zu beraten sondern sie sagt etwas wie „Nimm‘ den da vorn, dicht am Eingang!“, kaum dass ich die Lage sondieren konnte.

Sie will immer ganz dicht ran ans Ziel obwohl sie seit fast 50 Jahren Ballett tanzt.

Natürlich kann ich dann nicht einfach „so“ in diese empfohlene bis befohlene Lücke steuern. Ich fahre dann erstmal eine bis zwei Runden über den Parkplatz und frage, ob sie Schatten wünscht oder wo ich vorwärts oder rückwärts parken könnte. Sie schlägt dann auch noch ständig neue Plätze vor, das ist sehr verwirrend.

Manchmal nehme ich auch den am weitesten vom Eingang entfernten Parkplatz, zugegeben. Das mache ich nur, wenn sie sich wieder in so eine Fluchphase hineinsteigert. Wenn man in einer derartigen Phase als Mann zu schnell nachgibt, dann hat man verloren, weil sich das zum Prinzip entwickeln kann!

Das hatten wir eben auch, fast 100 freie Plätze. Also bin ich erstmal weiter im Kreis gefahren, dann so in Schlangenlinie durch die Gassen über den Großparkplatz. Die beiden älteren Damen mit den Einkaufswagen haben uns bei der dritten Vorbeifahrt sogar gegrüßt!

Auch so lernt man Menschen kennen!

Dann wurde der einzige Schattenplatz frei, habe dann mittig in praller Sonne geparkt, weil sie vom Pöbeln schon so hektische Flecken bekam.

Ich sage seit 25 Jahren, dass ich keine Anleitung für die Auswahl eines freien Parkplatzes benötige, das ist für mich nämlich allein schon schwer genug.

Kuchen

*Kuchen*
Nach der „Püree“-Geschichte hat mir eine junge Frau geschrieben, dass sie Geschichten über Kuchen lieber mag. Ich verstehe das deshalb so gut, weil ich Kuchen auch deutlich einem Püree vorziehe. Torten mag ich auch nicht, jedenfalls nicht die aus Konditoreien. Ich sehe sie trotzdem recht gern.

Auf Platz 1 aller Kuchen liegt der mit Mohn und Möhren von „Anto“ unter dieser quarkigen Schicht in der etwas Zitrone stecken muss. Leider verknappt sie das Angebot klug, weil sie den nur einmal in der Woche macht. Ich lege den wie alle Kuchen aus runden Formen immer flach und streue eine leichte Schicht braunen Zucker darüber. „Leicht“ ist ein dehnbarer Begriff und sie darf das nicht sehen, weil sie es eine „Sünde“ nennen würde.

Platz 2 bekommt der Apfelkuchen von der Nordseeküste, allerdings haben die nur weißen Zucker. Außerdem verkauft die schönste und netteste Bäckereifachverkäuferin der Welt jetzt Autos. Erstens kann ich nicht vier- oder fünfmal im Jahr ein Auto kaufen und zweitens bin ich mit Zucker im Auto etwas sensibel.

Platz 3 übrigens für den Möhrenkuchen ohne Mohn, aber mit dem braunen Dach.

Die junge Frau sieht mich des Öfteren, aber ich sah sie noch nie obwohl ich sie digital seit mehr als zwei Jahren kenne. Vielleicht ist sie ‚analog‘ auch anders als ‚digital‘. ‚Digital‘ mag ich Kuchen zum Beispiel gar nicht, das mit dem Zucker geht dann nicht.

Man ist ja auch nicht überall und zu allen Zeiten derselbe Mensch.

Zuhause habe ich noch nie einen Kaffee mit Zucker getrunken, dort trinke ich ihn sogar coffeinfrei!
Auswärts hingegen, egal in welchem Café, trinke ich ihn mit Zucker. Braun in meiner Stadt, mit weißem an anderen Orten.

Jedenfalls habe ich noch Grundsätze.

Aber Zucker streue ich auch zuhause auf den Kuchen, jedenfalls, wenn die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte, das nicht mitbekommt.

Ihr „Halt!“ kommt immer viel zu früh.

Püree

*Püree*

Vor knapp 50 Jahren lebte uns gegenüber der ehemalige Verleger mit seiner Haushälterin und dem Dackel. Der Herr des Hauses war bereits hoch in den 80ern, manchmal holte ihn der Chauffeur mit Anzug und schwarzer Mütze ab, …. natürlich mit einem schwarzen Mercedes 600. Der duftete extrem gut.

Seine Haushälterin kochte genauso wie der Daimler war, fett.

Leider musste sie ihm alles pürieren und wenn sie zuviel zubereitet hatte, dann kam sie mit ihrem rotem Haar herüber und brachte uns „Gelb“, „Braun“ und „Rot“. Fast die deutschen Farben.

Optisch konnte man Kartoffeln, Rinderfilet und Rote Beete vermuten, aber die Farbgebung waren nicht immer rein und ansprechend. Es war zwar schmackhaft, aber es blieb beim „Farbenessen“.

Oft war die Zusammensetzung gar nicht definierbar, blind jedoch durchaus zu goutieren, weil sie nie an Butter sparte. Rätselessen.

Eine pürierte Erbsen- oder Linsensuppe mit Fleischeinlage ist zum Beispiel kein Farbfest, das sieht aus wie schon einmal gegessen. Jedenfalls muss aus dieser Zeit das Sprichwort stammen, dass das Auge mitisst.

So manches wurde nur deshalb gar erst nicht gekostet. Die Dame der Küche war auch schon alt, vermutlich kochte sie sogar besser als sie sehen konnte. Wenn nur nicht der Pürierstab schon erfunden worden wäre!

Wobei wir wieder bei Helene Fischer landen könnten, das ist ja auch so ein Püree von Drum’n’Bass bis Country und daher kaum ernst zu nehmen, weil da jeder zahnlose Geschmack bedient werden soll.

Aber sie sieht besser aus als ein Püree, zugegeben.

Das wird jetzt eine richtige Püree-Geschichte, weil ich heute schon früh beim Küstenbäcker war. Da habe ich 20 Minuten in der Schlange gestanden. Und als ich dann eigentlich bei einer der beiden älteren Damen hinter dem Tresen „dran“ gewesen wäre, da wurde schon der Herr in Grau hinter mir bedient und nannte seine Brötchenwünsche.

Ich sage ja nichts, wenn ich an so etwas meinen Spaß habe. Jedenfalls füllten beide Damen große Brötchentüten bis sie wieder hochblickten.

Stumm schauten sie auf mich, dann sehen sie sich sekundenlang an, große Tüten in den linken Händen. Draußen bellt und jault mein Hund. Eine Szene wie aus einem Hitchcock, Spannung liegt in der Luft.

„Wen bedienst Du gerade?“, fragte die Blonde. Die Dunkle zeigte stumm und ergeben auf den Herrn in Grau.

„Ich auch!“, sagte die Blonde.

Jetzt hatten sie also zwei *identische* Tüten zusammengestellt. Die dachten jeweils, die *andere* würde mich bedienen.

Kommunikationspüree.

Donald Trump hätte an meiner Stelle vermutlich früh verbal brutal zugeschlagen. Weniger lustig.

Ich denke ja, dass ein Sesam-Brötchen vielleicht doch den höheren IQ hat, das bessere Benehmen allemal. Der kann dafür Wortpüree.

Der Arzt, der zuviel spricht

*Der Arzt, der zuviel spricht*
Ich finde meine Ärzte für die seltenen Fälle, in denen ich einen brauche, ziemlich gut. Aber ich nehme nur welche mit gefärbten Haaren oder mit echtem Grau.

Nicht, dass jetzt die Jungen nicht gut wären, ich hatte nur schon öfter Pech in diesen Kliniken, in denen die Jungen oft ausgenutzt werden oder übermüdet sind.

Auch die guten, die erzählen ja gern alles, was sie wissen und tun wollen. Aber sie nennen gern auch Details, die ich gar nicht wissen will!

Zahnarzt:
„Hach, da ist noch ein Rest vom Nerv, den ziehe ich Ihnen jetzt gleich raus, kleinen Moment noch.“

Kieferchirurg:
„Nun eröffnen wir die Kieferhöhle mit einem Schnitt, das merken Sie gar nicht.“

Ich will Euch nicht mit mehr Beispielen malträtieren, Ihr kennt das ja vielleicht auch. Vermutlich sind die auch etwas einsam, die Ärzte. Und Politisches passt nicht in jeden Rachen.

Man muss ja immer diese Einwilligungserklärungen unterschreiben. Ich lese das nicht, ich schaue nichts bei Google nach, macht mich alles nur nervöser und kränker. Die Ärzte sind ja gut. Warum soll ich das extra studieren?

Also sage ich gern bei der Planung und der Verfahrensbeschreibung komplizierterer Art, wenn mir Sinn und Ziel klar sind:

„Machen Sie mal, müssen Sie gar nicht weiter erklären. Ich vertraue Ihnen, unterschreibe ich blanko.“

Der für die Augen vorgestern, der hörte vielleicht nicht so gut und hat mir den Ort der späteren Spitze ins Auge am Modell echt gut beschrieben, aber ich wollte das gar nicht wissen, weil es mir sonst vorher schlechter geht als hinterher. Da hatte ich ja zwei Tage vorher schon Perlen auf der Stirn.

Und heute auch so ähnlich, habe den speziellen Spritzen-Doc zwar nicht mehr scharf gesehen, doch der hat auch alles erklären wollen, „… jeden Schritt beschreibe ich Ihnen gaaaaanz genau vorher ….“. Er schwieg jedoch brav mir gegenüber als ich das ‚echt nicht so dringend brauchte‘.

Aber für den neuen Assistenzarzt hat er doch noch kurz gesagt: „Ja, ich betäube gleich nochmal, das ist eine recht dicke Kanüle bei so einer Depotspritze im Auge, …. nicht dass *er* das trotzdem merkt, wenn wir es einschießen.“

Eben.

Muss nicht. 😉

Meistens sind es die „Jungs“, glaube ich.
Weiblichen Ärztinnen musste ich das bislang immer nur einmal sagen. Kann aber Zufall sein.
Wenn Autos Gefühle hätten, würde auch kein Mechaniker beim Abschrauben des Zylinderkopfdeckels sagen: „Nun trennen wir mal den Kopf von Deinem Allerheiligsten.“

Ich sage der Banane auch nicht Minuten vorher:
„Gleich ziehe ich Dir die Haut ab, wirst Du nicht viel merken davon.“

Das ist zwar nur eine Banane, aber ich sage das trotzdem nicht, aus Rücksicht auf Bananengefühle und natürlich auch, weil Bananen nicht gut hören.

„Komm‘ kuscheln“, sage ich dem Hund, wenn da eine Zecke raus muss. Der wird total nervös, wenn ich mit der Zange sichtbar komme und die Entfernung mit ihm plane und bespreche. Der ist nicht blöd, auch wenn der nicht ‚googlet‘.

Also erstmal kuscheln, dann macht der Hund sich keine Sorgen.

Ich bin irgendwie ein Hund auf zwei Beinen und manche Ärzte sind King Louie.

„I’ll fix it for you.“

Keine Ahnung, wie ich auf King Louie gekommen bin.

–

Der Mann mit der Schaufel

Der Mann mit der Schaufel

Vor fast zwanzig Jahren raste er immer durch unser kleines Wohngebiet, der ältere Herr mit seinem Daimler und den vielen Pferden.

Mit Brian, der auf dem Bau arbeitete, habe ich darüber einmal gesprochen, als mein Großer noch so klein war. Brian wurde von seiner Mutter nach Bryan Ferry benannt.

Er hat das immer wieder erzählt, aber ich kann auch mal etwas stehen lassen.

Brian wohnte drei Häuser weiter neben uns.

Jedenfalls hat der Brian mit seinen 110kg-Muskelbergen dann gesagt, dass er den mal anspricht.

Das fand ich gut, weil ich das sonst gemacht hätte.

Wenige Tage später schlich der schwarze Daimler nur noch vorbei wie eine schwarze Wolke im Herbst.

Natürlich habe ich Brian gefragt, wie das Gespräch gelaufen ist.

„Welches Gespräch?“, hat er zurückgefragt, „ich habe eine Schaufel genommen und mich auf die Straße gestellt. Und dann habe ich ihm gesagt, dass ich ihm alle Scheiben einschlage, wenn er hier nochmal schneller fährt als mein Kind laufen kann. Was soll da ein ‚Gespräch‘, der hat nix gesagt.“

Eine klare Lösung.

Obwohl der Brian ein Jahr später auszog, ist der Daimler nicht wieder schnell gefahren.

Bis gestern, da war er plötzlich in Silber und wieder neu und schnell.

Ich habe heute früh meine Schaufel schon mal an den Bürgersteig gestellt.

„Bitte stehen lassen“, steht auf dem Schild an der Schaufel.

Ich rede nicht gern viel.

Ballroom Blitz

*Ballroom Blitz*
Ich bin kein Freund dieser Blitzer an den Straßen obwohl ich wirklich selten mehr als 5km/h zu schnell bin. Trotzdem scanne ich routinemäßig den Straßenrand ab, ob ‚da einer steht‘. Die Stellen kennt man ja in der Regel. Es sind immer Kombis ohne Aufkleber mit dunkler Heckscheibe, immer ohne Leichtmetallfelgen, das wäre zu teuer. Die vorderen Fenster stehen immer einen Spalt offen. Farblich zurückhaltend, hier bevorzugt Skoda oder Seat, das spart auch. Die sollen ja Geld einsammeln, deshalb stehen sie meist da, wo selten etwas passiert und die Straßen breit sind.

Wenn die gerade einen erwischt haben, dann bremst der immer, ist aber natürlich zu spät.

Noch schlimmer sind die Verbalblitzer im normalem Leben. Kaum sagt man „Negerkuss“, gibt es ein Strafmandat verbaler Art. Auch beliebt, wenn man gerade Salat mit Putenstreifen isst:

„Weißt Du eigentlich, wie die gezüchtet werden?“

Da gibt es ja unzählige Beispiele, die mich innerlich stöhnen lassen. Das mag ja alles stimmen, aber es wirkt doch ein wenig wie das „Hands Up!“ von John Wayne in seiner besten Phase.

Auch Frauen tragen verbale Revolver.
Aber kürzlich hat mir einer berichtet, dass er 10 Jahre lang einen der ersten Bio-Läden hatte, schon in den Neunzigern. Und er war auch sehr für Waldorfschulen, recht energisch in der Diskussion, was mich nicht stört, selbst wenn jemand eine Überzeugung hat, die nicht die meine ist.

Es ist ja teilweise schon gut, wenn jemand überhaupt von etwas wirklich überzeugt ist.

Jedenfalls sah ich denselben Mann einige Tage später in einem roten Mustang, in der bekannten 400 PS-Version.

400 Pferde!
Eine der letzten frei lebenden Herden in Europa! Bio!

Da hätte ich dann trotzdem auch gern mal verbal geblitzt. Man hat’s ja selbst, das „Blitzer-Gen“.