Hitparade

*Hitparade*
Irgendwie fing alles mit den Briefmarken an und danach folgten Karl May-Bände. Als ich mir von denen knapp 50 Bände vom Taschengeld abgespart hatte und sich so manches wiederholte, da habe ich in meiner Erinnerung dicke Bücher durch flaches Vinyl ersetzt.

Zwei Plattenläden gab es in einer Entfernung von knapp 150 Metern von der Schule, deren „Primanerfünfkampf“ einst Graf Luckner im 19. Jahrhundert für sich entschied. Es gab noch drei oder vier weitere, aber dorthin schaffte man es in der Pause nicht. In dem einen, nahe gelegenen, lagen immer der ‚Melody Maker‘ und die ‚Billboard‘ aus. Die ausgelesenen Exemplare wurden unter dem Ladentisch für mich aufgehoben und der Papiermüllljunge lernte daraus deutlich mehr als der Englisch-Unterricht je bot. Man lernt unmerklich, wenn’s einen interessiert.

Das muss die Zeit gewesen sein, in der Wolf-Dieter Stubel so oft bei der ‚Internationalen Hitparade‘ in die Songs quatschte und meine Tonbandaufnahmen erdrückte, Günter Fink war als Vertretung noch schlimmer. Zuerst hatte ich ja nur ein altes Telefunken-Tonbandgerät in Mono und dazu die alte Graetz-Musiktruhe aus den Fünfzigern, danach schon einen 8200er Cassettenrecorder von BASF.

„Mit Stereo“ und Pegelanzeige!

Es gab auch „Musik für junge Leute“ und „Der Club“ im Radio! Ohne Werbung! Da wurden neue Platten besprochen, und Peter Urban gehörte zu den Helden des Abends und der Nacht, schon weil der nicht dazwischen redete. Etwas später hat Peter mich auch mit Warren Zevon bekannt gemacht als er seine erste Platte herausbrachte.

Übrigens gibt es Peters Doktorarbeit nicht mehr zu kaufen, ein Jammer. „Rollende Worte-Die Poesie des Rock“ heißt die und ich Idiot habe sie einmal verliehen und vergessen, wer die hatte. Ist damals bei ‚Fischer‘ oder ‚Rowohlt‘ als Taschenbuch erschienen, ich glaube mich an Fische auf dem schwarzen Rücken zu erinnern. Peter ist ein Held!

In der ‚Internationalen Hitparade‘ wurden immer die Top 5 aus UK und den USA genannt. Die habe ich immer schnell mitgeschrieben, sonst würde ich heute nicht mehr wissen, dass B.J. Thomas für mehrere Wochen einen Nummer 1-Hit in den USA hatte mit „Hey, Won’t You Play ….“.

Der Titel ist sehr lang und endet mit „… Wrong Song“.

Tony Orlando & Dawn kennt heute auch kaum noch einer, vermute ich, ihr hättet einfach die Top 5 mitschreiben sollen.

„Meine“ erste Nummer 1 war übrigens „Goodbye Yellow Brick Road“, jedenfalls in meiner eigenen ‚Hitparade‘. Für die brauchte ich nämlich auch die Top 5 aus dem angelsächsischen Raum. Jedenfalls habe ich jeden Sonntag am Morgen meine 100 besten Lieder gelistet, sozusagen als private ‚Hitparade‘. Später auch für LPs, das war in der Billboard auch so, allerdings nach Verkaufszahlen.

Und das sah recht gut aus so getippt mit der alten Schreibmaschine nach dem Saugen des Fußbodens. Ich hätte eher die Hausaufgaben abgeschrieben als eine Woche keine ‚Hitparade‘ zu tippen. Wurde in Klarsichtfolie abgeheftet, klar. Irgendwo müssen die noch sein.

Sonntags habe ich danach Fußball bis zum Abwinken gespielt. Hausaufgaben kann man besser abschreiben als Siege und Tore.

Helene und ich

*Helene und ich*

Schwierig …. ist es zum Beispiel, wenn fast ausnahmslos alle derselben Meinung sind. Keiner mag den Trump, den Erdogan nur Ausgewählte, speziell und mehrheitlich Männer, und vor allem mag keiner Helene Fischer.

Das finde ich immer wieder sehr erstaunlich, weil irgendjemand ja diese Millionen von Platten kaufen muss. Sie allein schafft das nicht. Ich liebe Helene als Thema, weil das so herrlich deutsch ist.

Und, kurz gestanden, ich habe aus der Grabbelkiste „Farbenspiel“ auch gekauft, das Cover war farblich ansprechend und ihr Bild ist nicht unsympathisch. Manche Platten sind so prägend für eine Zeit, dass man sie schon deshalb braucht.

Klar, ich überlegte dann schon, wie ich damit bei Claudia Michelsen II ungesehen am Tresen vorbei komme. Ich will ja nicht beim nächsten Versuch Empfehlungen für Wolfgang Petry und Beatrice Egli bekommen.

An der Kasse bei der Dame, die denselben Nachnamen trägt wie ich, habe ich genuschelt:

„Ganz schnell und eine blickdichte Tüte dazu!“

Die finde ich jetzt nicht mehr so nett, die Sonja, die hat nämlich ganz laut gesagt, und so, dass alle das hören konnten:

„Hach, einmal „Farbenspiel“ von der Fischer für Herrn X.! 5,99€? Stimmt das, Katja?“

Katja, ihre Kollegin, hat nur kurz genickt.

Aus der Schlange hinter mir mitleidige Blicke, mittlerweile war ich noch 28cm groß.

Helene kaufen, das ist wie „Playboy“ kaufen früher. Da nahmen viele zusätzlich noch eine Tageszeitung mit, um das Hochglanzheft darin zu schützen.

Meine Kinder waren auch zunächst völlig von der Rolle, also von ‚Farbenspiel‘, nicht vom ‚Playboy‘. Die konnten aber beide im Urlaub den Text von „Atemlos“ wortgetreu mitsingen.

Meinem Sohn hatte ich ja die Playboy-Ausgabe zur Fußball-WM gekauft. Natürlich hatte ich alles, was nackt war, sauber herausgeschnitten und das Cover mit ‚Elefantenband‘ jugendfrei gestaltet. Meine Frau, die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte, fand das trotzdem nicht so gut.

Und jetzt ist die neue Helene-Platte schlicht in Schwarz und Weiß gehalten, ohne Titel. „Nutella“ kann man auch weglassen auf den Gläsern. Einen Auftritt ganz in Schwarz sah ich auch irgendwo. Andere Bewegungen, neue Haltungen, die Haare nicht frisch frisiert … sondern so wie …. „ach, habe ich heute vergessen“.

Das ist natürlich alles ebenso „gewollt“ wie das weiße Rüschenkleid von Nicole damals bei „Ein bisschen Frieden“, aber Schwamm drüber. Was habe ich das gehasst, dieses absichtsvoll kalkulierende Aufgreifen der „Frage der Zeit“ zur Gewinnmaximierung.

„Sie weckt die Sehnsüchte, die sie anschließend selbst befriedigt“, stand in einem angesehenen Tagesblatt über die Helene. Hat bei mir nur bis zum Relativsatz geklappt, aber 50% ist ja auch nicht übel.

Holger

*Holger*
Holger Badstuber ist einer der großen „Durchhalter“ und „Kämpfer“, fast wie Johannes Paul II. Aber es gibt auch viele Unbekannte, denen es ähnlich ergeht.

Rund 1200 Tage, also 3,3 Jahre von 3,5 Jahren, war der Holger verletzt, in der Zeit von Dezember 2012 bis Sommer 2016. „Weltmeister“ hätte er sich für den Rest des Lebens nennen können und vielleicht bleibt ihm nur der „Pechweltmeister“ als Titel. Mehr als 100 Länderspiele hätte er heute haben können.
„Du liegst in mancher Nacht wach in deinem Bett … im Dschungel dieses Lebens hat sich das Glück vor Dir versteckt“, hach, die Helene hat jetzt sogar ein Lied über den Holger eingesungen.

Und da ist zum Beispiel die Ines, die viele verschiedene Dinge im Leben gelernt und gemacht hat, bis sie im Theater das Glück fand. An verschiedenen Theatern, um genau zu sein. Und weil die Arbeit in einer Maßschneiderei so würdelos war vor 20 Jahren hat sie dann direkt zu einem Bestattungsunternehmen gewechselt. So richtig kreativ ging es dort aber auch nicht zu. Und lustig ist es da ja auch nur, wenn der Kunde gegangen ist, sonst könnte das nämlich kein Mensch ertragen.

Man lernt ja gern, vor allem von manchen Eltern oder Großeltern, dass das Durchhalten und Aushalten so wichtig sei und dass alles im Lebenslauf gut ausschauen solle. Vielleicht hat der Holger das auch so gelernt, denn ich hätte das nicht 3 Jahre durchgehalten mit Operationen, Reha und neuem Pech nach kurzer Zeit. Da hätte ich lieber einen Kiosk aufgemacht oder wäre Fahrlehrer geworden. Es gibt viel zu wenig Kioske und auch zu wenige Fahrlehrer, vermutlich wegen der späten Arbeitszeiten.

Das „Durchstehen“ finden andere oft ‚gut‘ oder ‚bewundernswert‘, auch bei ungeliebten Ausbildungen oder Studiengängen, die sich nicht als das Erwartete herausstellen. Ich bin eher für den Mut zum Abbruch, zum nächsten Versuch. Aber ich muss ja meine eigenen Brüche auch schönschreiben, stimmt schon.

Wem ist denn damit geholfen, wenn ein junger Mensch sein Studium *nicht* abbricht, wenn es ihn nicht interessiert, er 10 oder 12 Semester „durchhält“ und zum Schluß am eigenen ungeliebten Rechtsanwaltsberuf sein Leben lang leidet, obwohl er als Künstler glücklicher mit finanziellen Sorgen und einem rostigen Kleinwagen gewesen wäre?

Darunter leiden die Mitmenschen oft auch noch mit, wenn einer so unzufrieden mit sich und seinen durchgehaltenen Wegen ist. Manche verteilen das eigene Unglück ja in jede Himmelsrichtung.

„Du liegst in mancher Nacht wach in deinem Bett … im Dschungel dieses Lebens hat sich das Glück vor Dir versteckt“.

„Brecht ab“, möchte man rufen, nach einem halben Jahr, wenn die Paragraphen oder Wirtschaftsfragen Euch langweilen, „Sucht das Neue!“ und riskiert, dass die Eisernen aus früheren Generationen Euch kritisieren für Eure verschlungenen, wechselnden Wege.

Das war jetzt nur ein Lesebeispiel für das spaßfreie Leiden am Durchhalten.

–
„Without music all we’d have is noise.“

Das Amüsante

*Das Amüsante*
Nachdem ich gestern fast einen Radfahrer umgenietet habe, habe ich erstmal im Fremdcafe ein Stück Kuchen gegessen und einen ungewohnten Cappucino getrunken.

Der fuhr mit geschätzten 45km/h in den Kreisverkehr und ich hatte den Vogel erst gesehen als er vor dem Kühler herumwischte. Kein Autofahrer fährt derart schnell in einen kleinen Kreisverkehr. Und ich hatte vorher den rechten Spiegel gecheckt und mich über die Schulter umgesehen. Aber der erschien wie ein Blitz aus blauem Himmel. Da war ich wieder froh, dass meine Reflexe noch halbwegs intakt sind, dachte ich. Jedenfalls habe ich beim Cassettenwechsel auf dem Weg vom Strand zuletzt ein Auto an der Leitplanke entlang streifen lassen. Das war vor 40 Jahren und der Opel war wirklich Mist, vor allem der Lack danach. Mehr war auch nicht.

Was ich ja gar nicht verstehen kann, sind Fahrer, die an den Rückspiegel irgendwelches Gebamsel hängen. Das tötet jeden Reflex ab, weil man sich daran gewöhnt, dass sich am Rande des Gesichtsfeldes etwas bewegt. Sollte man verbieten so etwas. Blumen hingegen wirken beruhigend, jedenfalls solange sie nicht solar in Bewegung versetzt werden.
Angesichts der selbsterleuchten Trumps, Erdogans, Kims usw in dieser Welt, muss man manchmal schon suchen, wenn man mal wieder lächeln will.

Und weil das gerade so schlimm ist, habe ich jetzt die App „Schlager Welt“ installiert und als meine Favoriten Helene, Andrea, Beatrice, Michael, Michelle und Wolfgang eingegeben. Daliah ist leider nicht in der Liste gewesen. Das ist jedenfalls fast wie „Freizeit Woche“.

„Lass uns vergeben, vergessen und wieder vertrau’n“.

„Zeichen der Zeit“

*„Zeichen der Zeit“*

Das ist ein Buch, irgendetwas über die Geschichte Sachsens im 18. Jahrhundert. Ich kenne das Buch nicht, aber es steht seit Oktober 2016 auf meiner Liste der aus der hiesigen Bibliothek entliehenen Bücher.

Leider habe ich immer 30 bis 50 Produkte entliehen, auch viele CDs aus der besten Bücherei der Welt. Ich gehe da immer montags hin und habe die Lesekarte seit mehr als 40 Jahren. Die brauchen mich schon wegen der Statistik, vermute ich. Mein ganzes Studium habe ich mit den Werken der Bücherei gestaltet, manchmal lag ich damals jenseits der erlaubten 100er Marke.

Jedenfalls glaube ich nicht, dass ich „Zeichen der Zeit“ jemals ausgeliehen habe. Obwohl mir das schon beim Verlängern im Internet bis Januar oder so merkwürdig vorkam. Aber ich hatte auch „Zeit“ von Safranski entliehen und da kann man schon mal durcheinanderkommen.

Ist nun mal auf meinem Konto und wenn sich das nicht findet, dann kaufe ich das neu und die haben ihre „Zeichen“ wieder im Regal.

„Auf 40 Jahre umgerechnet sind das ja auch nur 0,60€ pro Jahr“, habe ich gesagt und die Frau Kunz von der Mahnabteilung hat sich gefreut, weil sie nämlich oft von Lesern angepöbelt wird.

Und jetzt hat sie mir das entflohene, nicht auffindbare Druckwerk schon zum dritten oder vierten Mal mahnkostenfrei, nunmehr bis Juni, verlängert. Ich spreche mit ihr monatlich einen Termin ab. Beim letzten gab es sogar einen Kaffee und diese Schokokekse von Aldi mit den großen Vollmilchstücken, amerikanisch sind die.

Es wäre wirklich ein Jammer, wenn dieses Buch irgendwann wieder auftaucht, schon wegen ihr und der Kekse. Frau Kunz hat immer gute Laune und das als Leiterin der Mahnabteilung!

Das kann gar nicht genug gepriesen werden.
Beim nächsten Mal bringe ich die Kekse mit.

School’s Out II

*School’s Out II*
Sehr geehrter Herr XXXX,

ich bedaure, dass Sie unser kurzes Telefonat als „unerfreulich“ empfanden.

Mein Ziel war lediglich, einen Termin zu einem kurzen, persönlichen Informationsgespräch mit Ihnen abzusprechen. Die war auch der Inhalt der SMS, die ich Ihnen vorher sandte. Sie sind Klassenlehrer und für mich der erste Ansprechpartner in einer Organisationsfrage.

Es ist das erste Mal, dass ich einen Gesprächswunsch Ihnen gegenüber äußerte. Diesem Wunsch haben Sie trotz wiederholter Nachfrage meinerseits nicht entsprochen.

–

Sie fragten mich weiterhin, Sie verstünden nicht „welches Problem Sie eigentlich haben, Herr MGB“.

Das hatte ich Ihnen am Telefon eigentlich ausreichend dargestellt.

Ich habe das „Problem“, dass mir Ihre rechtliche Grundlage für die Anforderung eines ärztliches Attestes vier Wochen nach dem dreitägigen Fehlen meines Sohnes fehlt.

Diese Frage halte ich für berechtigt und Ihre Antwort, das „sei an Ihrer Schule eben so“, ist für mich nicht ausreichend. Dass Sie das nach eigener Aussage „mit allen Schülern immer so handhaben“, ist für mich ebenso keine Begründung.
Eine generelle Attestpflicht ab dem dritten Fehltag eines Schülers an Ihrer Schule gibt es nicht, dies bestätigte mir auch die Schulleitung.

Sie behaupteten, ich habe diese Bestimmung auf „einem Blatt unterschrieben und zur Kenntnis genommen“. Bitte legen Sie mir dieses Schreiben mit meiner Unterschrift vor.

Weiterhin äußerten Sie, meinem Sohn entstünden „keine Nachteile“ dadurch, dass Sie sein Fehlen entgegen seiner und meiner Aussage als „unentschuldiges Fernbleiben“ betrachten. Auch dies halte ich für unzutreffend, da mein Sohn nun verpflichtet ist, ein „unentschuldigtes Fernbleiben“ von allen seinen Lehrkräften abzeichnen zu lassen.

–

Nochmals zur Verdeutlichung:

H. war krank und hat dadurch keine Klassenarbeit versäumt. Er hat Ihnen seine Erkrankung pflichtgemäß per SMS mitgeteilt.

Während seiner Krankheit bin ich in der Schule gewesen und habe ebenfalls mitgeteilt, dass er krank ist.

Seitdem Sie sein Klassenlehrer sind, hatte er noch *keinen einzigen Fehltag* wegen einer Krankheit.

–

H. schätzt Sie und ihren Unterricht.

Er wirkt auf mich nunmehr enttäuscht von Ihren Reaktionen auf sein Bemühen, sich korrekt zu verhalten.

Weil Sie ein Attest fordern, ist H. jetzt, also vier Wochen später, eigenständig zu einem Arzt gegangen, um sich rückwirkend ein Attest ausstellen zu lassen. Dass derartige Atteste nicht akzeptabel sind, ist mir bewusst.

Ich verdeutliche hiermit lediglich die Unruhe, die Sie uns und H. mit ihrer Forderung seit Tagen bereiten.
Meinen Wunsch nach einer persönlichen Klärung wiederhole ich hiermit ein drittes Mal, jedoch nunmehr unter Teilnahme Ihres Schulleiters.

Mit freundlichen Grüßen
MGB

School’s Out I

*School’s Out I*
Der Große war ziemlich krank, am vorletzten Freitag vor den Osterferien habe ich zu ihm gesagt:

„Du hast Dich die letzten Tage hingeschleppt, heute bleibst Du im Bett, basta! “

Der ist ja schon 18 und würde sonst trotzdem gehen. Am Montag danach wurde irgendeine Arbeit geschrieben, die er nicht verpassen wollte, aber am Dienstag ging dann gar nichts mehr, eine Erkältung mit Fieber. Drei Tage hat er dann gefehlt, seinen Lehrer per SMS wie üblich benachrichtigt und ich bin auch noch in der Schule gewesen, weil beide Telefonnummern des Sekretariats keinen Anschluss mehr hatten.

Er war nämlich unruhig, weil er eine Beurlaubung für eine Vorstellungsrunde für zwei Tage in Berlin direkt nach den Ferien benötigte. Der Lehrer war nicht auffindbar, das Sekretariat öffnet nur für jeweils zwei getrennte Stunden am Tag, ansonsten ist es geschlossen.

Vom Direktor erhielt ich jedoch mündlich die Genehmigung für die Beurlaubung mit der Bitte, den Klassenlehrer darüber zu informieren.

Alles getan.

Aber nun sagt der Lehrer, sein Mobiltelefon sei nicht eingeschaltet gewesen und er fordert zusätzlich ein ärztliches Attest für die drei aufeinander folgenden Fehltage vor Ostern.

„Unentschuldigtes Fehlen“.

Das steht im Zeugnis und die anderen zehn Lehrer müssen das auch notieren und unterschreiben.

Eine Attestpflicht gibt es laut Schulordnung jedoch nur, wenn eine Klausur versäumt wird. Dass am dritten Fehltag ein Attest vorgelegt werden muss, steht nirgendwo, nicht in der Schulordnung, nicht in den Regelungen zu Unterrichtsversäumnissen in der Oberstufe, nicht im Schulgesetz.

Nirgendwo.

Ich habe den Lehrer schriftlich um Aufklärung in einem 10minütigen Gespräch gebeten, habe aber bislang keine Antwort erhalten.

Es handelt sich übrigens um die ersten Fehltage meines Großen in 18 Monaten bei diesem Klassenlehrer. In 8 Jahren Unterricht an dieser Schule hat mein „Diggah“ insgesamt 9 Tage aus Krankheitsgründen den Unterricht verpasst.

Er macht sich jetzt Sorgen wegen eines angeblichen Fehlverhaltens seinerseits.

9 Tage in 8 Jahren.

Mein Humor hat Grenzen.

Original und Fälschung

*Original und Fälschung*

Genau, das war vor 40 Jahren immer auf der letzten Seite in der „HörZu“, zwei Kunstwerke, eines davon mit zehn oft geschickt eingebauten, kleinen Fehlern, die man finden musste. Da war es sehr wichtig bei zwei Jungen in der Familie, dass man zuerst am Briefkasten war und die Suche starten konnte. Natürlich wurden die Fehler vom Ersten gnadenlos mit einem Kugelschreiber umkreist. Und wehe dem, der einen nicht fand und der zweite entdeckte den fehlenden, eine kleine Schande war das.

„Pah, war der ‚leicht‘!“, hieß es dann.

Gibt es das heute noch, „Original und Fälschung“?
Wer liest sie noch, die „HörZu“, es gibt mindestens 30 Kopien der alten TV-Zeitschrift.

Es wäre ein Grund, sie wieder zu kaufen, das alte Original unter 30 schlechteren Fälschungen.

Darauf komme ich nur, weil dieses Buch über die ‚Dämonen‘ mir in die Hände fiel. Und als ich eine Seite zufällig aufschlug, wie man das so bei unbekannten Büchern tut, da schlug es mir eben entgegen wie ein nasser Lappen.

„Castillo schrieb nicht mehr. ‚Wozu?‘, fragte er. ‚Pulgar macht mich besser nach. Was soll das Original in einer Welt von Kopisten‘? ‚Ihr seid der Meinung‘, fragte behutsam Palencia, ‚das Zeitalter sei früher origineller gewesen?‘ ….“
Und nun denke ich darüber nach, ob diese Frage heute so aktuell ist wie damals oder ob sich diese Frage nicht zu allen Zeiten stellt.

Nennt mir *Originale* von heute!

Über bestimmte Fragen

*Über bestimmte Fragen*
Computerfachmann, Informatiker, EDV-Spezialist, das sind sicher interessante Aufgabenbereiche. Trotzdem ist das das Letzte, was ich gern wäre.

Naja, es gibt noch anderes, was ich nicht gern wäre, aber ein Beruf, der auch im Privaten kein Ende findet, ist für mich keine gute Wahl.

Wenn jetzt der Nachbar zum Beispiel Zahnarzt von Beruf ist, dann fragt man den in der Halbzeitpause nicht, ob er mal einen Blick auf ‚fünf unten rechts“ werfen könnte. Proktologen werden übrigens privat in geselliger Runde auch keine Fragen gestellt.

Als Physiker kenne ich das in milder Form von Fragen zur Entstehung des Universums bis zur defekten Waschmaschine:

„Du bist doch Physiker, kannst das nicht ‚mal eben kurz‘ machen?“

Das war jetzt zur Waschmaschine und nicht zum Universum, darauf warte ich noch.

Aber PC-Fachleute, *die* haben es wahrlich schwer!

Jeder hat irgendein technisches Problem mit einer digitalen Maschine. Jeder. Da muss man gar keine Probleme suchen, um Fragen stellen zu können, die wachsen wie Unkraut überall und an allen Orten.

„Kannst Du mal kurz kucken?“, das ist die private Standardfrage bei Kaffee, Kuchen, Wein, Essen oder im Kino. Oder auf dem Spielplatz.

Und wie sollen die jetzt ihr „Nein, ich kann’s nicht mehr hören!“ so richtig kuschelig und warmherzig formulieren?

Nach ‚0‘ und ‚1‘ müssten die als drittes ’nö‘ lernen.

Sagt keinem, was ihr beruflich macht.

Oder sagt einfach ‚Stadtreinigung‘.
Da fragt auch keiner, ob ihr mal kurz privat den Müll rausbringt. Oder ihr sagt bei der Frage nach eurem Beruf „Ich bin ein Mann für gewisse Stunden‘. Oder eine Frau. Das ist sprachlich nie falsch.

With Or Without You

*With Or Without You*
Nein, es geht nur um einen Nebenschauplatz im wahren Leben. Es geht nämlich um die Parallelwelt im Netz.

Erstens war meine Flat durch das viele Fahren vor Ostern schon verbraucht und als ich dann wieder in den windigen Gefilden an der Küste war, habe ich einfach ohne Netz weitergelebt. Nicht ganz, aber überwiegend. Sogar dieses mobile Telefon habe ich nicht mal mitgeschleppt. Es hat etwas Befreiendes.

Romulus in Berlin habe ich auch nicht erreicht und er meinte, dass, wenn die alten Ägypter heute leben würden, eine Grabbeigabe in Form eines Datenvolumens üblich wäre. 10GB würden erstmal reichen, weil es soviel zu fotografieren ja nicht gäbe. Datenvolumen, natürlich einschließlich eines IPhone 7 in Gold, wenn es das gibt.

Nicht umsonst ist ein WLAN für junge Menschen heute ebenso wichtig wie ein Schlafplatz, Essen in ausreichender Qualität und ein Kopfhörer.

Das Erstaunliche ist, dass auch ich das Netz und seine Reaktionen doch vermisst habe und das in weit fortgeschrittenem Alter! Jedenfalls habe ich beobachtet, dass mir Kommentare zu Texten fehlen, wenn ich keine Texte schreibe. Ebenso fehlt der Blick auf mögliche Bilder bei mir, die in gewissem Grade eine digitale „Verwertbarkeit“ besitzen.

Und nun stellt sich die Frage, welche weiteren Grabbeigaben der Ägypter heute vorsehen würde.

Ich hätte gern „Blood On The Tracks“, weil „Time Out Of Mind“ noch belastender wäre.

Weitere Vorschläge für moderne Grabbeigaben?
Kosmetika waren im alten Ägypten schon üblich.
Bitte … moderner.