*Helene und ich*
Schwierig …. ist es zum Beispiel, wenn fast ausnahmslos alle derselben Meinung sind. Keiner mag den Trump, den Erdogan nur Ausgewählte, speziell und mehrheitlich Männer, und vor allem mag keiner Helene Fischer.
Das finde ich immer wieder sehr erstaunlich, weil irgendjemand ja diese Millionen von Platten kaufen muss. Sie allein schafft das nicht. Ich liebe Helene als Thema, weil das so herrlich deutsch ist.
Und, kurz gestanden, ich habe aus der Grabbelkiste „Farbenspiel“ auch gekauft, das Cover war farblich ansprechend und ihr Bild ist nicht unsympathisch. Manche Platten sind so prägend für eine Zeit, dass man sie schon deshalb braucht.
Klar, ich überlegte dann schon, wie ich damit bei Claudia Michelsen II ungesehen am Tresen vorbei komme. Ich will ja nicht beim nächsten Versuch Empfehlungen für Wolfgang Petry und Beatrice Egli bekommen.
An der Kasse bei der Dame, die denselben Nachnamen trägt wie ich, habe ich genuschelt:
„Ganz schnell und eine blickdichte Tüte dazu!“
Die finde ich jetzt nicht mehr so nett, die Sonja, die hat nämlich ganz laut gesagt, und so, dass alle das hören konnten:
„Hach, einmal „Farbenspiel“ von der Fischer für Herrn X.! 5,99€? Stimmt das, Katja?“
Katja, ihre Kollegin, hat nur kurz genickt.
Aus der Schlange hinter mir mitleidige Blicke, mittlerweile war ich noch 28cm groß.
Helene kaufen, das ist wie „Playboy“ kaufen früher. Da nahmen viele zusätzlich noch eine Tageszeitung mit, um das Hochglanzheft darin zu schützen.
Meine Kinder waren auch zunächst völlig von der Rolle, also von ‚Farbenspiel‘, nicht vom ‚Playboy‘. Die konnten aber beide im Urlaub den Text von „Atemlos“ wortgetreu mitsingen.
Meinem Sohn hatte ich ja die Playboy-Ausgabe zur Fußball-WM gekauft. Natürlich hatte ich alles, was nackt war, sauber herausgeschnitten und das Cover mit ‚Elefantenband‘ jugendfrei gestaltet. Meine Frau, die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte, fand das trotzdem nicht so gut.
Und jetzt ist die neue Helene-Platte schlicht in Schwarz und Weiß gehalten, ohne Titel. „Nutella“ kann man auch weglassen auf den Gläsern. Einen Auftritt ganz in Schwarz sah ich auch irgendwo. Andere Bewegungen, neue Haltungen, die Haare nicht frisch frisiert … sondern so wie …. „ach, habe ich heute vergessen“.
Das ist natürlich alles ebenso „gewollt“ wie das weiße Rüschenkleid von Nicole damals bei „Ein bisschen Frieden“, aber Schwamm drüber. Was habe ich das gehasst, dieses absichtsvoll kalkulierende Aufgreifen der „Frage der Zeit“ zur Gewinnmaximierung.
„Sie weckt die Sehnsüchte, die sie anschließend selbst befriedigt“, stand in einem angesehenen Tagesblatt über die Helene. Hat bei mir nur bis zum Relativsatz geklappt, aber 50% ist ja auch nicht übel.