*Holger*
Holger Badstuber ist einer der großen „Durchhalter“ und „Kämpfer“, fast wie Johannes Paul II. Aber es gibt auch viele Unbekannte, denen es ähnlich ergeht.
Rund 1200 Tage, also 3,3 Jahre von 3,5 Jahren, war der Holger verletzt, in der Zeit von Dezember 2012 bis Sommer 2016. „Weltmeister“ hätte er sich für den Rest des Lebens nennen können und vielleicht bleibt ihm nur der „Pechweltmeister“ als Titel. Mehr als 100 Länderspiele hätte er heute haben können.
„Du liegst in mancher Nacht wach in deinem Bett … im Dschungel dieses Lebens hat sich das Glück vor Dir versteckt“, hach, die Helene hat jetzt sogar ein Lied über den Holger eingesungen.
Und da ist zum Beispiel die Ines, die viele verschiedene Dinge im Leben gelernt und gemacht hat, bis sie im Theater das Glück fand. An verschiedenen Theatern, um genau zu sein. Und weil die Arbeit in einer Maßschneiderei so würdelos war vor 20 Jahren hat sie dann direkt zu einem Bestattungsunternehmen gewechselt. So richtig kreativ ging es dort aber auch nicht zu. Und lustig ist es da ja auch nur, wenn der Kunde gegangen ist, sonst könnte das nämlich kein Mensch ertragen.
Man lernt ja gern, vor allem von manchen Eltern oder Großeltern, dass das Durchhalten und Aushalten so wichtig sei und dass alles im Lebenslauf gut ausschauen solle. Vielleicht hat der Holger das auch so gelernt, denn ich hätte das nicht 3 Jahre durchgehalten mit Operationen, Reha und neuem Pech nach kurzer Zeit. Da hätte ich lieber einen Kiosk aufgemacht oder wäre Fahrlehrer geworden. Es gibt viel zu wenig Kioske und auch zu wenige Fahrlehrer, vermutlich wegen der späten Arbeitszeiten.
Das „Durchstehen“ finden andere oft ‚gut‘ oder ‚bewundernswert‘, auch bei ungeliebten Ausbildungen oder Studiengängen, die sich nicht als das Erwartete herausstellen. Ich bin eher für den Mut zum Abbruch, zum nächsten Versuch. Aber ich muss ja meine eigenen Brüche auch schönschreiben, stimmt schon.
Wem ist denn damit geholfen, wenn ein junger Mensch sein Studium *nicht* abbricht, wenn es ihn nicht interessiert, er 10 oder 12 Semester „durchhält“ und zum Schluß am eigenen ungeliebten Rechtsanwaltsberuf sein Leben lang leidet, obwohl er als Künstler glücklicher mit finanziellen Sorgen und einem rostigen Kleinwagen gewesen wäre?
Darunter leiden die Mitmenschen oft auch noch mit, wenn einer so unzufrieden mit sich und seinen durchgehaltenen Wegen ist. Manche verteilen das eigene Unglück ja in jede Himmelsrichtung.
„Du liegst in mancher Nacht wach in deinem Bett … im Dschungel dieses Lebens hat sich das Glück vor Dir versteckt“.
„Brecht ab“, möchte man rufen, nach einem halben Jahr, wenn die Paragraphen oder Wirtschaftsfragen Euch langweilen, „Sucht das Neue!“ und riskiert, dass die Eisernen aus früheren Generationen Euch kritisieren für Eure verschlungenen, wechselnden Wege.
Das war jetzt nur ein Lesebeispiel für das spaßfreie Leiden am Durchhalten.
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„Without music all we’d have is noise.“