Über Liebesromane

Über Liebesromane

Hier geht es um „Unterhaltung“ im besten Sinne und zwar -schwerpunktmäßig- um die während langer Autofahrten, allein mit Hund, zuletzt meist in Richtung ländlicher Gebiete der Provence oder Italiens.

Auf dem Weg dorthin schlafen wir im Kombi, mit 190cm-Matratze und heimischer Bettwäsche.

Ich bin leider zu faul, mir für eine Nacht eine hundefreundliche Pension zu suchen. Oder für zwei an verschiedenen Orten.

Außerdem sind 100€ für 6 Stunden Schlaf und eine 5-minütige Dusche finanziell kaum vermittelbar.

Man duscht da, wo Trucker duschen. Einfach.

Für einen Hunderter bekommt man 20 gebrauchte Hörbücher, mein Gott.

Dem Hund ist es völlig egal, was der Fahrer im Auto hört, Musik, HörCD, er schläft sowieso, gern mit dem Kopf neben dem Schalthebel oder der Handbremse.

Sekundenlang -beim Bremsen- öffnet er müde die Augen, das ist seine Form einer kleinen Beschwerde.

Er liebt lange Strecken, keine Ahnung, weshalb. Allein hätte ich auch keine Lust dazu.

Er ist eigentlich eine „Sie“, aber es heißt ja „der“ Hund.

„Ja, aber ….“

Nicht meckern jetzt, es bleibt beim „Er“ und bei „der Hund“.

Er heißt „Miss Moneypenny“.

Etwas lang, aber er hört auch auf „Uschi“.

Ja, „Bücher“, gleich, nicht so ungeduldig, bitte.

Meine liebsten und am öftesten gelesenen, gedruckten Bücher gibt es -leider- nicht als eingesprochene Version zum Einschieben in einen Schlitz.

Das wären -nur als Beispiele- „Joseph Fouche“ von Stefan Zweig oder „Der Heilige“ von C.F. Meyer.

Oder „Der Fürst“, der ist immer aktuell.

Beide ersten „verdichten“ Geschichte, einmal die Zeit der Französischen Revolution, das zweite spielt mehr als 500 Jahre früher.

Übrigens: Navid Kermani for Bundespräsident!

…. ein schwieriger Moment gerade.

Na gut:

Ok, ich habe „Der Schatz im Silbersee“ auf 22CDs, das reicht für einen Tag und eine Nacht.

Der beste Vorleser, der je auf Erden wandelte, hat das gelesen. Ihr wisst ja, wen ich meine, seinen Namen vergesse ich ständig.

Und „Silbersee“ ist sehr leicht konsumierbar, leichter als „Die Buddenbrooks“, die er auch las.

Bei Thomas Mann passiert einfach zu wenig.

Keine Überfälle, kaum Pferde, kein Henry-Stutzen, keine Zweikämpfe, schade.

Kein schlechtes Buch, aber eben kein Autobahn-Werk.

Da braucht es „Leichtigkeit“.

Ich höre auch nicht richtig zu, ich kenne den „See“ quasi seit über 50 Jahren auswendig.

Ich schiebe einfach eine beliebige der CDs rein und kenne nach einer Minute die Lage von Winnetou und den anderen Gestalten.

Mehr als eine davon höre ich nicht am Stück, höchstens zwei.

Seit mehreren Jahren rolle ich auch mit den Büchern von Nicolas Barreau.

Das sind Liebesromane.

Ein Franzose, der die Frauen kennt und männliche Gefühlslagen traumhaft sicher und amüsant beschreibt.

Kurz: George Clooney ohne Bilder, aber mit seinem Augenaufschlag.

Er beschreibt die Frauen realistisch, also nahezu ohne eine einzige schlechte Eigenschaft.

Nicolas wird -leider- keinen Literatur-Nobelpreis bekommen, trotz seiner zahlreichen Qualitäten.

Der Franzose kann auch „Film“, niemand „macht“ bessere Filme, wenn es um Paare geht.

Wie er das macht, der Nicolas Barreau?

Ich vermute, dass er sich eine Frau aus der Realität sucht, die er regelmäßig sieht, aber gar nicht kennt.

Männer können sich keine fiktive Frau vorstellen, auch Nicolas nicht. Ich würde mit ihm gern darüber sprechen. Leider kann ich nur Deutsch, Englisch, Latein und etwas Italienisch.

„Latein“ ist einer der Fehler meines Lebens.

Würde ich selbst einen Liebesroman schreiben, würde ich mir heute zum Beispiel Marta Kostyuk vorstellen.

Oder Melika Foroutan.

Die gehen beide ihrer Arbeit mit großer Ernsthaftigkeit nach, haben aber gleichzeitig viel Humor. Und das, obwohl sie auch eine Last zu tragen haben.

Ideale Romanfiguren, natürlich unter anderem Namen.

Es sind meist nur 6CDs pro Buch bei Barreau, bis nach Bayern kommt man damit.

Oder bis Amsterdam.

„Das Café der kleinen Wunder“

„Die Liebesbriefe von Montmartre“

„Das Lächeln der Frauen“

Das Letzte gibt es auch verfilmt mit Melika Foroutan. Namen männlicher Schauspieler kann ich mir -außer denen aus der Champions-League- nicht merken.

Melika hat früher Fußball gespielt und nicht nur deshalb sehe ich jeden Film mit ihr.

Jeden.

Gut sind die alle, die Bücher, besonders bei 120km/h und mit Tempomat. Natürlich höre sie mehrfach, der Barreau schreibt zwar zügig, aber eher im Stadtverkehrstempo.

Irre, endlich ein Mann, von dem man etwas über Frauen lernen kann. Auch, wenn seine Figuren nicht immer „Sieger“ sind.

Es gibt eben auch Blechschäden in der Liebe.

Bei den Brunetti-Krimis geht es oft um das Essen, das Paola ihm und der Familie kredenzt.

Nicolas ist der Lagerfeld der Liebesromane.

Er hat einen scharfen Blick für weibliche Mode.

Jetzt lese ich gerade „Die Freundin der Braut“, weil mir das niemand vorliest.

Auch nett, wenn man auf ein Fußballspiel wartet, bei dem man später einschläft.

Dann -als England in der Halbzeit gegen meine Franzosen 4:0 führte- habe ich „Nicolas Barreau“ nach Ewigkeiten einfach mal im Internet gesucht.

Ich wollte wissen, ob der auch so gut aussieht wie die Männer in seinen Büchern.

Er heißt in Wirklichkeit …. Daniela Thiele.

  • Der angebliche „Nicolas Barreau“ bevor sie sagte, dass sie ‚er‘ ist.

–

„peace, tranquility and good will“

„Fußball“ ist kein „Schach“

„Fußball“ ist kein „Schach“


„Schach“ spielt sich zwischen zwei Köpfen ab.

… und das trotz all der kleinen Tricks und Kniffe, die da nebenbei benutzt werden.

Es gibt Spieler, die nerven ihren Gegner beispielsweise absichtlich dadurch, dass sie Figuren nicht mittig auf dem quadratischen Feld E5 platzieren, sondern zum Rand hin oder in einer Ecke.

Alle Figuren. Fies.

Heute habe ich manchmal das Gefühl, dass zwei Trainer zwar Fußballmannschaften trainieren, aufstellen, einstellen, den Gegner analysieren und taktische Varianten planen und einsetzen, ….. aber der Unterschied zum „Schach“ wird zunehmend kleiner.

Die Bauern beim Schach sprechen nicht miteinander, die Figurenhierarchie ist klar, da bewegt sich unter den Figuren nichts.

Zumindest wissen wir es nicht.

Es ist durchaus denkbar, dass ein empfindsamer Turm nach einem langen Zug über das Brett denkt

„Meine Fresse, immer ich, können die anderen auch mal etwas machen?“

Beim Fußball ist Kommunikation mit und zwischen den Figuren wichtiger als jede Computer-Analyse.

Zumindest glaube ich das.

Junge Trainer neigen vielleicht zu sehr zur Analytik und zu wenig zum Menschelnden.

Fußball ist nämlich kein „Schach“ mit 11 Figuren.

Da heißt es gerade -gerüchteweise- einer habe sich „abgekapselt“ vom Team.

Wären die Weltmeister geworden, hätte man gesagt, der habe seine Rolle als Ergänzungsspieler „toll angenommen“.

Alles ist interpretierbar.

Wie alle „Geschichten“ ohne Quellen.

–

Ich leide auch mit den „Schachspielern“ unter den Trainern.

Zusammengesunken mit hängendem Kopf auf der Bank nach dem Ausscheiden, das ist einfach traurig, das anzusehen.

Dass hinterher das Interview komplett „in die Hose“ geht, ist fast verständlich.

Also für mich.

In dem Alter ruft man die Mutter an!

Kurz: Ein Kommunikationsdesaster.

Genau so eines wie zu wenig Gespräche mit den „Schachfiguren“.

–

Reizvoll sind ja die sperrigen Trainer-Typen wie der Zwilling von Iggy Pop bei Ecuador oder der Argentinier Bielsa auf der Bank von Uruguay.

Der saß bei Leeds United früher am Spielfeldrand auf einem Eimer.

Wegen seiner chronischen Rückenschmerzen.

Ein Vorbild von Pep Guardiola, taktisch, aber nicht bei der Kommunikation.

Beim offiziellen WM-Fototermin sah Bielsa nicht in die Kamera, sondern zu Boden.

„Ich bin kein Model!“ kommentierte er sinngemäß.

Sein Heim belagernde „Ultras“ soll er vor 30 Jahren mit einer Handgranate vertrieben haben.

„Ich ziehe den Stift!“

Ob das stimmt, wir wissen es nicht.

Ich habe -leider- wenig Vertrauen in Aussagen von Ultras und Paparazzi.

„Man sah den Wahnsinn in seinen Augen“, sagten sie.

Deshalb nennt man ihn „el loco“, „the madman“, „den Verrückten“.

Ich mag Verrückte.

Ich kann nicht anders.

Seine Pressekonferenz nach dem Ausscheiden Uruguays soll 100 Minuten gedauert haben.

Ob er Fragen beantwortete, habe ich nicht recherchiert.

Ich vermute, dass das nicht der Fall war, es entspräche ihm nicht.

Wenn Trainer einen Spitznamen haben, ist das entweder ein gutes Zeichen oder ein schlechtes.

Aber es ist ein Zeichen!

Das gilt auch für Spieler.

Mir fällt heute keiner mit einem „Nick“ ein, außer „Bambi“.

Wie „Ruuudi“ beispielsweise.
Oder „Uuuuuwe“.
Oder „Schuuulz“ in Dortmund.

Keine Tribüne grölt „Baaaambi“.

Die haben derzeit leider keinen mit einem langen „U“.

Undav hat nur ein kurzes „U“.

„Kaaaarl“ könnte die Zukunft sein. Laut.

Hach.

Dem Rudi haben sie in Rom einmal das Auto geklaut, einen Mercedes.

Dann stand das in der Zeitung.

Zwei Tage später stand der gewaschen wieder vor seinem Haus.

Mit einem Zettel.

„Scusi, Rudi“

Fußball ist ein einfaches Spiel.

–

„peace, tranquility and good will“

Weltmeisterliche Zeiten

Weltmeisterliche Zeiten

„Hier wird der Fußball mit Füßen getreten“

Das sagte Lothar Matthäus über diese beiden schlimmen Finger, Infantino und Trump.

Wie treffend.

Weltmeister Lothar kann es eben, auch ohne Absicht. Seit er nicht mehr spielt -seit drei Jahrzehnten- ist er ja noch präsenter.

„Tragen Sie die über dem Bauch oder unter dem Bauch?“

Das wurde ich von „Schärri“ gefragt.

Ich wollte diese Shorts für 7€ kaufen und wollte wissen, ob ich L oder M nehmen soll.

Die frage ich nie wieder, ich wusste schon, weshalb ich vor der Angst habe.

‚Bellenie‘ und ‚Evelidl‘ waren nicht da, bei Lidl.

Die geben sich selbst Vornamen auf dem Shirt, ist erlaubt, muss aber ein Vorname sein.

„Schärri“ heißt auch nicht so.

Mit Shorts gehe ich da nicht hin.

Das machen Amerikaner. In Beige.

Bei Rewe lagen danach zwanzig Rucksäcke neben dem Eingang, zwei junge Bewacher standen daneben.

Klasse 8, geschätzt.

„Ihr habt aber viel Gepäck! Auf dem Weg zum Bahnhof?“

„Nee, wir wandern an die Ostsee, seit vorvorgestern, von Hamburg!“

„Klasse! Und wie ist das?“

„Cool“, die grinsten, „gestern war das Zelt aber durch, hat ja geschüttet, war auch okay.“

„Meine wollten nur nach Rom, Nizza oder Barcelona. Und mit dem Flieger, nicht zu Fuß! Wolltet Ihr wandern? Oder Euer Lehrer?“

„Nö, wir wollten das!“

„Großartig“, sagte ich dem ‚Junglehrer‘ aus Draht, „das vergessen die nie!“

„Genau! Deshalb machen wir das!“

Wir sollten uns weniger sorgen.

Die machen das schon, das mit der Zukunft.

Deutschland? Weltmeister! 🙂

–

„peace, tranquility and good will“