









„Die Monatskarte“ oder „Über das Rechthaben„
Die Sache ist recht banal:
Ich habe eine Monatskarte in einer uralten, kaputten Hülle für knapp 64€ auf einem Sandweg in Nähe eines Kanals gefunden.
Also die Karte kostete soviel, nicht die Hülle.
Am Tag der BTW.
Das ist die Kurzform für „Bundestagswahl“.
Und ich habe es genau richtig gemacht und nicht so wie meine Frau, die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte, es wollte.
Ich hatte eben am Ende Recht!
Endlich einmal.
Damit korrekt und gewinnbringend umzugehen, ist jetzt mein Problem.
Man will ja nicht rechthaberisch wahrgenommen werden, vor allem nicht von der eigenen Frau. Andererseits sollte schon deutlich werden, wer in diesem Fall auf das richtige Pferd gesetzt hat.
Aber eben möglichst „subtil“, elegant, so en passant.
Nicht so „männlich“, …. nicht so „Siehste!“
Ich bin ja keine Frau.
Natürlich kann man das als Mann auch für sich behalten, aber für die Zukunft kann es gut sein, auch einmal die eigene Flagge in den Wind zu halten.
Nein, „rechthaberisch“, das bin ich überhaupt nicht, es ist natürlich völlig anders.
Es ist so, dass ich eben sehr gute, durchdachte Entscheidungen treffe, die zwar lange reifen müssen, sich letztlich aber als die einzig richtigen herausstellen.
Also zumindest, wenn ich überhaupt zu einer Entscheidung komme.
Zum Teil leben Männer ja „unterwegs“, in „Zwischenwelten“ vor Entscheidungen. In komplizierten Fällen lässt sich das Jahre in die Länge ziehen. Und ohne, dass der Mann sich dem Vorwurf einer Fehlentscheidung aussetzen muss.
Das ist wie bei einer Fußballmannschaft, die nicht antritt. Nach 5 Jahren sagt man auch „seit Jahren ungeschlagen“.
So bin ich manchmal auch.
„Ungeschlagen“.
Aber eben auch spielfrei.
Natürlich äußere ich mich nur zu Fällen, von denen ich richtig viel verstehe. Vom Annähen von Knöpfen oder dem Stopfen einer zerrissenen Hose habe ich keine Ahnung, also diskutiere ich darüber nicht. Und ich versuche das nicht mal, man kann ja auch Nachbarinnen fragen.
Ich kann es nämlich nicht.
In Fragen der Politik, Autos, Schuhen, Putzmitteln, Mathematik, Musik, Kochkunst, Dylan, Gebrauchtkäufen, Verstärkern, CDs, Psychologie, Literatur, Kafka, Fußball und Lautsprechern wie auch Vinyl-Drehern kenne ich mich wirklich aus.
„Dreher“ ist ein total bekloppter Ausdruck, ich wollte nur zeigen, dass der innere Vinyl-Kreis mich umfasst.
Meistens habe ich einfach Recht, das geht seit dem Nato-Doppelbeschluss in den 80ern so.
Also quasi.
An sich schon vorher, aber egal.
Bei „Literatur“ meine ich Karl May, bei Kafka die Filme. Bei Schuhen alles aus Leder und das auch in Fragen der Pflege. Bei Autos meine ich, dass ich fahren kann, fast perfekt. Lautsprecher, nun, ich lebe unter den fixierenden Blicken von Mitteltonmembranen.
Und unter dem von meiner Frau.
Also Hochton.
Fast wie von der Callas, aber kürzer und blonder.
Also „rechthaberisch“ ist das bei Weitem nicht, eher so ein „Auskenner“, das bin ich, so soll ich zumindest gesehen werden. Sagen würde ich das niemals.
Ich stehe aber zum Beispiel nicht auf und laufe zum Fenster um zu überprüfen, ob da wirklich ein Achtzylinder vorbeirollte.
Mir reicht das Hören.
Und natürlich meine Gewissheit.
Für mein Alter höre ich verdammt gut. Nicht immer „zu“, sagt meine Frau. Aber das sagen alle Frauen. Also bis auf Euch, die hier lesen.
Leider klappt das mit der Außenwahrnehmung nicht, weil eben auch Unsinn meine Lippen verlässt, „reichlich“ sagen manche, aber auch „extrem selten“ sage ich.
Meine Frau hört das situationsabhängig aber weniger differenziert. Ich vermute, dass sie das meiste wie die Mitteltonmembranen für überflüssig hält.
„Überflüssig“, ist das eigentlich „gasförmig“?
Eines der wenigen Dinge, die ich gerade nicht parat habe, ja, kommt vor. Selten eben.
Das mit der Monatskarte!
Das war mein Champions-League-Erfolg, mein goldener Oscar im Richtigliegen, die Krone meines Zusammenlebens im „Recht behalten“ mit meiner Frau:
Also ich hatte diese Monatskarte gefunden, ganz allein, ich hebe ja alles auf. Also vom Boden, ich werfe Zeitungen schon nach 6 Monaten weg.
Meine Frau wollte und drängte, dass ich die in der defekten Plastikkarte auf dem Weg liegenlasse.
Der Verlierer werde schon zurückkommen.
„Oder ein anderer, der die dann benutzt!“
„So einer wie Du, ja?“
„Ich setze mich doch nicht in einen Bus! Ich bewege mich so, wie die Natur es vorgesehen hat! In einem Automobil!“
Kennt Ihr den Film?
Muss man kennen.
Also nahm ich die Karte unter Protesten mit zu Kaffee und Kuchen, mir fehlte nämlich ein Stift. Ich verstehe nicht, weshalb meine Frau keinen Stift dabei hat.
Sie hat doch eine Handtasche.
Dort, im Cafe, schrieb ich auf die Rückseite einer Visitenkarte, ist jetzt egal wie die heißt, meine Mobilnummer und dass der berechtigte Verlierer/Finder mir die Nummer der MK telefonisch schriftlich nennen möge.
MK steht für Monatskarte, eine Abkürzung für Auskenner.
Und heute gehe ich da allein wieder entlang, am Verlustort vorbei, mit dem kleinen, schwarzen Hund und suche die Plastikkarte mit der beschrifteten Visitenkarte als mir eine Frau mit einem großen, schwarzen Hund entgegenkommt.
Die Monatskarte hatte ich im Mobiltelefon verwahrt, hinten, unter dem Müll. Und unter den anderen Visitenkarten.
Visitenkarten geben mir eine gewisse Bedeutung. Ich habe leider keine eigene.
Wir reden kurz über Schwarzhunde, dann sage ich, dass ich gerade etwas suche, die Plastikhülle war zwei Meter weggeweht seit vorgestern.
Und sie sagt:
„Die hat meine Tochter verloren! Die war schon überall!“
Ja, eine richtig richtige Entscheidung, planerisch perfekt, klar umrissen und auch erfolgreich.
In zwei Tagen Champions-League.
Das schafft Real Madrid nicht.
–
Ich wollte einen fiesen, rechthaberischen Männer-Text schreiben, aber ich weiß trotzdem nicht, wie ich diese großartige Erfolgsgeschichte meiner Frau, der besten Ehefrau von allen, die ich je hatte, präsentieren soll ohne „rechthaberisch“ zu scheinen.
Wie wirkt eigentlich eine Visitenkarte ohne Foto mit
Maddin G. Bruno
- Auskenner –
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Zu lang?
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„peace, tranquility and good will“






















