Gedanken aus der Kältekammer

Gedanken aus der Kältekammer

Es waren Minus 11 Grad in der letzten Nacht hier in der Nähe der See.

In Thüringen waren es an einem hoch gelegenen Ort Minus 23 Grad.

In Andalusien sind es 30 bzw 40 Grad mehr. Da muss man morgens keine Autos freikratzen. Und das ist nicht der einzige Vorteil des südlichen Europas.

Da scheint auch die Sonne öfter.

Es gibt einen Film mit Clint Eastwood, da sagt er zu einem anderen, der eine Schaufel in der Hand hat, so sinngemäß:

„Die einen haben einen Revolver, die anderen buddeln.“

Das könnte man zur Zeit aktualisieren zu:

„Die einen haben Plus 20 Grad, die anderen kratzen.“

Mich hat das Freikratzen des Altfahrzeugs am heutigen, frühen Morgen volle 20 Minuten gekostet.

Mit „Herrn“ Wellensteyn, „Miss“ Hoodie, Stiefeln, Handschuhen und, zugegeben, einer langen „Funktionsunterhose“.

Von Lidl.

Das bleibt bitte unter uns.

Klar, ich will die Scheiben „richtig“ frei haben, bis in die Ecken und auch am Rand. Schönheit hat unterschiedliche Ausprägungen.

„Irrsinn auch“, würde die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte, jetzt vermutlich rufen.

Ich lehne es ab, beim Abkratzen der fetten Eisschicht den Motor laufen zu lassen und Front- und Heckscheibenheizung einzuschalten.

Das ist nicht umweltfreundlich, wenn man das macht. Außerdem würden die Nachbarn das mitbekommen.

Nicht gut fürs Image in der Siedlung.

Andererseits bekommen die auch mein lautes Kratzen vor 7 mit. Die wachen davon auf.

…. aber eben umweltfreundlich.

Ich arbeite zum Schluss mit einem Wasserabzieher von IKEA nach, damit keine kleinen Schneeflocken auf den Scheiben verbleiben.

Das kratzt dann nicht mehr, das quietscht.

Schade, der Normanne hat es nicht gehört, der hätte mir gleich Nackenschläge offeriert. Aber der redet nur so, der schlägt nur richtige Säcke.

War ganz schön kalt. Minus 11.

Ich bin kein Weichei. Ich bin eher so der 10-Minuten-Typ. Also bei Eiern.

Das Kratzen am Auto, das hat zwei harte Eier gedauert.

Hintereinander.

Dann, als ich fast fertig war, kam der Künstler von gegenüber, grinste und ging zu seinem Ford.

Ich sah, wie der mit einer Pistole sein Auto so einsprühte. Dann kam er zwei Minuten später an mir und meinem endlich fast freien Auto vorbeigerollt.

„Erster!“ hat der aus der offenen Scheibe gerufen, dann war der weg.

Er hat nicht gehört, was ich genuschelt habe.

Ein Glück, der ist nämlich jung und viel stärker als ich.

Aber ich habe mehr PS.

Leider eingefrorene.

Bitter.

Ferrrrtig! Auto frrrrei!

Gehe also zurück nach Hause und sehe den schwarzen A8 meiner direkten Nachbarin. Der sah heute eher hellgrau aus, war ja viel Eis auf den Blechen.

Aber alle Scheiben frei, nicht mal ein Schneestäubchen zu sehen, einfach nichts!

Alle Scheiben komplett frei!

Aber die schläft länger als ich, die Laura.

Die war also gar nicht draußen.

Dann habe ich mir einen Espresso und eine Pfeife fertig gemacht, ich wollte die 387PS-Laura abpassen und interviewen, wie sie das mit den Scheiben gemacht hat.

Also musste ich draußen bleiben.

Ich habe übrigens eine lange Funktionsunterhose, mit der geht das, hatte ich noch nicht erwähnt, glaube ich.

9,99€ bei Lidl.

Dann warte ich also, draußen.

Laura kommt, das rote, lange Haar spielt mit der eisigen Kälte und sie lächelt.

Nach 5 Sekunden bei Minus 11 Grad lächle ich auch noch!

„Moin! Du, Laura, wie hast Du das mit den Scheiben gemacht? Ich habe für ein schlechteres Ergebnis 20 Minuten herumgekratzt!“

„Das hörte ich. – Ich habe es beim Schmieren der oberen Brötchenhälfte bei Plus 21 Grad gemacht. Standheizung! Mit Fernbedienung. Kann man auch programmieren. Ist ein Audi.“

Ich fand die früher nett.

Das war im Sommer.

–
„peace, tranquility and good will“

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