Sean Rowe und wackelnde Flaschen

Sean Rowe und wackelnde Flaschen

Das könnte jetzt lang werden und an Eurer Stelle würde ich lieber jetzt aufhören zu lesen.

Bei ebay hatte ich so ‚en passant‘ „Die Feuerzangenbowle“ von Heinrich Spoerl mitgehen lassen.

Also die ganze, aber gelesen von Götz Alsmann auf 4 CDs. Bei 25 Cent pro Stunde bester Unterhaltung im Auto kann man nicht meckern.

Unzählige ‚geflügelte Worte‘ finden sich da, fast hätte ich’s vergessen.

Jedenfalls bin ich auf dem Weg zu Sean Rowe mit der dritten Scheibe fertiggeworden. Während der für Hamburg typischen dritten Sekunde Gelb auf der Allee ging es wieder von vorn los.

Wenn man an einen Musikanten denkt, der allein mit einer Gitarre auf die Bühne geht, dann schweben bei mir nicht die 20er oder 30er Jahre wie bei Hans Pfeiffer vorbei sondern die 60er.

Das war vor mehr als einem halben Jahrhundert. 

Und das, was damals toll war, das muss es heute nicht unbedingt sein.

Kaum einer verfolgt heute eine Debatte im Bundestag. Wenn man einen Tatort mit Gustl Bayrhammer aus den 70ern sieht, dann braucht man schon mal ein Streichholz für die Lider, weil das recht beschaulich voranschreitet.

Früher, ja früher, da war das maßlos spannend, aber heute ist das wie mit 60km/h auf der Autobahn von der Küste nach München zu rollen.

Das zieht sich.

Und oft wird ein Publikum heute bei einem einsamen Sänger mit Gitarre nach 40 Minuten mit 10 Gitarrensongs etwas ungeduldig. Das ging mir gar mit Neil Young 2003 schon so und mit Jackson Browne vor unzähligen Jahren im Schauspielhaus auch.

Da stehen dann 8 bis 10 Gitarren um den Künstler im Kreis, werden gereicht und klingen teilweise -ehem- ähnlich.

So mancher nennt das dann heute ‚ermüdend‘.

Gibt natürlich jetzt Ärger. 🙂

Der Rowe hatte eine Gitarre und zwei Mundharmonikas, dazu seinen Bariton.

Das hat gereicht für höchst abwechslungsreiche 75 Minuten vor knapp 100 Zuhörern.

Und 75 Minuten, das ist auch gut.

Das ist wie beim Eisessen.

8 Kugeln bester Qualität zu lutschen mag ja schmecken, aber das will man dann nicht morgen nochmal.

Zwei sind gut, dann sagt man:

„Och, schade, schon weg.“

Und Konzerte dürfen nie wie 8 Kugeln sein. Never ever.

Etwas „Restappetit“ ist besser als nach 150 Minuten zu denken:

„Wann ist endlich Ende Gelände?“

Nicht bei Sean Rowe.

„Big Black Mariah“ von Tom Waits, eines von den Beach Boys fiel gar etwas ab, und „I Still Miss Someone“ von Cash waren die Covers, deren Qualität und Statur seine eigenen Songs auch haben.

Großartig.

Die Gitarre, in Rot, Grün und Weiß mit Isolierband beklebt, mutet italienisch an, die Saiten beruhigen ein Kugelschreiber und eine Dollarnote.

Der Rauschbart braucht als Grundlage auch nur ein schwarzes Shirt und eine Jeans in dieser frohen Farbe.

Und zum Schluß ein Gitarrengewitter, das die Wasserflaschen auf dem Beistelltischchen ins Schwingen brachte.

Mehr Bewegung machte auch Pfeiffers Kopie von Professor Crey auf CD 4 nicht, trotz Alkohol.

Ich hatte ja zwei Karten, der Daniel hatte ’seekrank‘ abgesagt. Vermutlich ist das bei ihm wieder eine Frau gewesen, wohl eher „sehkrank“ geworden.

Und seine Karte habe ich dann verschenkt.

Die war auch nett.

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