Der Mann mit der Schaufel
Vor fast zwanzig Jahren raste er immer durch unser kleines Wohngebiet, der ältere Herr mit seinem Daimler und den vielen Pferden.
Mit Brian, der auf dem Bau arbeitete, habe ich darüber einmal gesprochen, als mein Großer noch so klein war. Brian wurde von seiner Mutter nach Bryan Ferry benannt.
Er hat das immer wieder erzählt, aber ich kann auch mal etwas stehen lassen.
Brian wohnte drei Häuser weiter neben uns.
Jedenfalls hat der Brian mit seinen 110kg-Muskelbergen dann gesagt, dass er den mal anspricht.
Das fand ich gut, weil ich das sonst gemacht hätte.
Wenige Tage später schlich der schwarze Daimler nur noch vorbei wie eine schwarze Wolke im Herbst.
Natürlich habe ich Brian gefragt, wie das Gespräch gelaufen ist.
„Welches Gespräch?“, hat er zurückgefragt, „ich habe eine Schaufel genommen und mich auf die Straße gestellt. Und dann habe ich ihm gesagt, dass ich ihm alle Scheiben einschlage, wenn er hier nochmal schneller fährt als mein Kind laufen kann. Was soll da ein ‚Gespräch‘, der hat nix gesagt.“
Eine klare Lösung.
Obwohl der Brian ein Jahr später auszog, ist der Daimler nicht wieder schnell gefahren.
Bis gestern, da war er plötzlich in Silber und wieder neu und schnell.
Ich habe heute früh meine Schaufel schon mal an den Bürgersteig gestellt.
„Bitte stehen lassen“, steht auf dem Schild an der Schaufel.
Ich rede nicht gern viel.