*Ballroom Blitz*
Ich bin kein Freund dieser Blitzer an den Straßen obwohl ich wirklich selten mehr als 5km/h zu schnell bin. Trotzdem scanne ich routinemäßig den Straßenrand ab, ob ‚da einer steht‘. Die Stellen kennt man ja in der Regel. Es sind immer Kombis ohne Aufkleber mit dunkler Heckscheibe, immer ohne Leichtmetallfelgen, das wäre zu teuer. Die vorderen Fenster stehen immer einen Spalt offen. Farblich zurückhaltend, hier bevorzugt Skoda oder Seat, das spart auch. Die sollen ja Geld einsammeln, deshalb stehen sie meist da, wo selten etwas passiert und die Straßen breit sind.
Wenn die gerade einen erwischt haben, dann bremst der immer, ist aber natürlich zu spät.
Noch schlimmer sind die Verbalblitzer im normalem Leben. Kaum sagt man „Negerkuss“, gibt es ein Strafmandat verbaler Art. Auch beliebt, wenn man gerade Salat mit Putenstreifen isst:
„Weißt Du eigentlich, wie die gezüchtet werden?“
Da gibt es ja unzählige Beispiele, die mich innerlich stöhnen lassen. Das mag ja alles stimmen, aber es wirkt doch ein wenig wie das „Hands Up!“ von John Wayne in seiner besten Phase.
Auch Frauen tragen verbale Revolver.
Aber kürzlich hat mir einer berichtet, dass er 10 Jahre lang einen der ersten Bio-Läden hatte, schon in den Neunzigern. Und er war auch sehr für Waldorfschulen, recht energisch in der Diskussion, was mich nicht stört, selbst wenn jemand eine Überzeugung hat, die nicht die meine ist.
Es ist ja teilweise schon gut, wenn jemand überhaupt von etwas wirklich überzeugt ist.
Jedenfalls sah ich denselben Mann einige Tage später in einem roten Mustang, in der bekannten 400 PS-Version.
400 Pferde!
Eine der letzten frei lebenden Herden in Europa! Bio!
Da hätte ich dann trotzdem auch gern mal verbal geblitzt. Man hat’s ja selbst, das „Blitzer-Gen“.