„Asche auf mein Haupt“ oder „Dylan in Lingen“

„Asche auf mein Haupt“ oder „Dylan in Lingen“

Was ich bei den fünf ‚Sinatra‘-Alben nicht mochte, gestern in Lingen passte das alles wunderbar, mit Ausnahme von „Autumn Leaves“ vielleicht, aber das gehört ja auch in den Herbst.

Er liebt es, diese Songs zu singen, fast scheint es als umgarne er sie mehr als seine eigenen. Der schräg gehaltene Mikrophonständer scheint mir neu, keine Ahnung, woher er das nahm. Ebenso wirkungsvoll wie das Wegstoßen und Heranziehen des Mikrophons am Flügel. Das ist kein Zufall, so etwas macht er meiner Meinung nach oft als Variation. Dem Nichteingeweihten sei gesagt, dass man auch daran an einem Video das Jahr erkennen kann.

Meine Highlights waren die beiden Schlachtrösser, die in diesen Versionen derzeit kaum zu toppen scheinen:

„Tangled Up In Blue“ und „Desolation Row“.

Über „Desolation Row“ las ich irgendwo oder jemand sagte mir es, dass er speziell *das* allabendlich anders spiele. Bei fast identischen Setlisten höre ich da nicht so oft rein.

Kann das jemand bestätigen?

… auch das ist eine Frage, die sich nicht jedem erschließen mag.
Ich mag die hervorragende Setlist nicht kritisieren, aber ich weiß nicht gern, welches Lied als nächstes kommt. Schon eine andere Reihenfolge derselben Lieder würden mir lieber sein, aber das mögen schräge Ideen sein.

Der Meister spielt nämlich seit einigen Jahren auf einer Tour jeden Abend fast dasselbe. Allerdings tut das Eric Clapton schon wesentlich länger, doch kann man bei dem in jedem Song vorhersagen, bei welcher Minute und welcher Sekunde das Solo kommt.

Weshalb er, der alte Dylan, „Early Roman Kings“ und „Spirit On The Water“ so oft spielt, …. man weiß es ja nicht. Beide etwas überspielt, ebenso wie „Things Have Changed“ als Opener.

Das sind die Momente einer Show in denen die Kommissare beim „Tatort“ etwas trinken oder eine Tüte Pommes essen, muss ja auch sein.

Haben auch reichlich Leute in der Emshalle gemacht. Bier, Pommes und Pinkeln bei „Spirit“ und „Kings“.
Dafür haben „Soon After Midnight“ und „Long And Wasted Years“ quasi ‚Frank’sche Statur.

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Leider ist so eine Vollbestuhlung auch in vergleichsweise „kleiner Halle“ nicht ideal, das merkte man als sich die halbe Halle im Emsland bei den letzten beiden Liedern erhob, „Blowin‘ In The Wind“, und sich die Gänge füllten.

Man betet auch besser im Stehen. 🙂

Sofort ist das eine andere Stimmung und Dylan spielt dann fast auf „Augenhöhe“ und nicht hoch oben entrückt. An sich ist er ja sowieso ‚entrückt‘ und schon längst bei den Göttern, dazu hätte es auch das Amulett aus Stockholm nicht gebraucht.

Götter tragen keinen Schmuck.
Ansonsten war Lingen … nervös. 🙂

Leider hat mich die A1 bei Bremen um die Pizza im Elchland mit den anderen Verrückten gebracht, aber es war schon aufregend dort. Sehr süß, dass keiner wusste, wo man rauchen kann und am besten war der Mann mit seiner Wurst.

Das war eine mit Senf und Toast und er stand da und biss mitten in der fast leeren Vorhalle ab. Dann vom Tresen lautstark der einzige Mann mit Brille unter vielen jungen Blondinen beim Bierausschank mit wallendem Emshaar:

„Bitte nur an den Stehtischen essen, *nur* an den Stehtischen!“

Weil ich gerade die Raucherlounge erfragte, gewann ich zwar keine Wurst aber immerhin ein blondes Lächeln … über den Chef.

Nervös eben.

Ich wurde auch dreimal auf das Fotografierverbot hingewiesen und ich war einer der ersten 20 in der Halle. Auch 90 Minuten *vor* der Show sind Fotos „strengstens untersagt“. Das gilt auch für die leere Bühne. Man wollte „ihm“ alles recht machen, das ist löblich.

Die hyperventilierten aber richtig.

Man hatte das Gefühl, das der Alte gar nicht spielt, wenn man draußen eine Wurst knipst.

Andererseits ist es höchst angenehm, wenn sich Menschen, die alles mit der Kamera festhalten wollen, auch mal 2 Stunden nicht mit ihrem Handy beschäftigen. Dieses Drehen von Videos ist die reine Pest, sogar im Theater habe ich das schon erlebt.

„Times are strange“, sang der Bob.
Und Holger aus meiner Sitzreihe konnte auch tolle Vorgeschichten über „Dylan in Lingen“ berichten.

http://www.noz.de/lokales/lingen/artikel/822711/der-mann-der-bob-dylan-ins-emsland-holte

Er konnte das viel lustiger erzählen, aber inhaltlich passt das aus der Zeitung auch.
Und in 10 Tagen?
Luxemburg!
Im Stehen!

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„Without music all we’d have is noise.“

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