Saturday Night’s Alright For Fighting

*Saturday Night’s Alright For Fighting*
Natürlich bin ich verrückt.

Mein Kofferraum ist immer zu voll.

Zwei Boulespiele, Tennisschläger, Walking-Stöcke, Felgenreiniger und zwei Schuhkartons mit Musik, anders geht es nicht. Dazu eine Tüte mit einzelnen Handschuhen nach der Trennung vom Partner und ein noch zusammenlebendes Paar Hausschuhe.

Was in den Kisten ganz hinten ist, weiß ich nicht mehr, da kommt man nur von innen ran. Vermutlich sind das die Sachen für den Strand von 2015. Dass ich beim Sortierungsversuch dann insgesamt 12 Feuerzeuge fand, das darf ich der besten Ehefrau von allen, die ich je hatte, gar nicht sagen.

Ich habe auch mehrere 60cm hohe Stapel von Büchern vor dem Regal stehen, die mir beim Staubsaugen regelmäßig umkippen, und es ist so viel Musik da, dass man damit auch ein Studentenwohnheim gut bestücken könnte. Andererseits ist das ja mein Zimmer, da bin ich leider schwer zu überzeugen.

Natürlich ist das alles nicht übersichtlich sortiert, aber manches ist ja doppelt vorhanden und so erhöht sich die Wahrscheinlichkeit des Findens um 100%, wenn es denn mal richtig pressiert bei einer Platte.

Ich würde das auch alles richtig schön aufräumen, wenn sie nicht immer so mitleidig neben den Bücherstapeln abstoppen würde und den Kopf wiegen oder schräg halten würde. Also meine Frau, nicht die kleine Hündin. Die will manchmal nur die sechs Stufen zum Schreibtisch hoch, wenn ich die Zeitungen weggelegt habe. Jetzt meine ich aber den Hund. Typisch Frau, oder?

Und so ähnlich geht es der Sabrina mit den örtlichen Regeln von ganz oben. Laut dem neuen Hundegesetz dieses Landes soll ‚ermittelbar‘ sein, wer der Halter ist. Gut und schön. Das Tier sei ja gechippt, trägt zusätzlich seine Steuermarke mit personifizierter Kennung. Weiterhin trägt er eine Tasso-Marke mit einer Notruftelefonnummer.

An sich sind drei ‚Ausweise‘ für einen kleinen Hund schon eine ganz schöne Schlepperei. Mein Auto hat ja nur zwei identische Kennzeichen, aber anderes zu schleppen.

Aber in *dieser* Stadt sollen angeblich bei Hunden jetzt der Name des Halters, Anschrift und Telefonnummer *lesbar* sein „ohne den Hund anfassen zu müssen“. Ist das nicht gegeben, werden bei Kontrollen Ordnungsgelder fällig.

Sabrina kommt da richtig in Wallung.

Das steht ihr ziemlich gut, dieses leicht Erregte wegen formaler Vorgaben. Mich beunruhigt das weniger als die etwaigen Kosten.

Ich habe schon versucht, den kleinen schwarzen Hund an einen Schleier am Schwanz mit eingestickten Daten zu gewöhnen, aber der schämt sich wegen der Farbgebung in Rosa und macht keinen Schritt mehr. Vielleicht befürchtet er auch damenhaft hässliche Flecken auf dem Kleidungsstück.

Frauen sind ja bei hellen Farben oft sensibel.

Das mit den Hundekontrollen ist im Stadtpark auch amüsant. Da werden zunächst Fotos des Halters und des frei laufenden Dackels gemacht, danach wird der Halter mit dem Beweisstück zur Ordnung gerufen. Also mir ist das ja nicht passiert obwohl mein Hund auch immer frei herumrennt. Mit Kaffee und Zigarette plus Handy ist so eine Leine nämlich extrem lästig.

Oder, anderes Beispiel:
Damen in Zivil, die den leinenlosen Hund lächelnd streicheln „… hach, ist der süüüüüüß“ … ziehen zwei Sekunden später den städtischen Ausweis und setzen ein Ordnungsgeld fest. Das hat mir der Ruben erzählt.

Der ist milder als sein Name hart klingt.

Leinenzwang.

Kann man gut finden, muss man aber nicht.
Da darf man sich auch mal richtig aufregen.
Ruben regt sich richtig dolle auf.

Ich will auch nicht meinen Namen und meine Mobilnummer lesbar am Hund haben, nachher denken die Leute noch, der Hund heiße „Martin“ und ich sei zu blöde zu erkennen, dass er ‚Martina‘ heißen müsste.
Jedenfalls war ich unsicherer Kantonist dann zu Besuch im Amt in der Abteilung Hundesteuer. Das ist eine recht ärmliche Behausung mit Sperrmüllmöblierung. Auch im Flur steht seit Monaten allerhand altes Zeug herum. Wenn da mal jemand stolpert, heidewitzka, dass kann richtig teuer werden.

Schade, ich hatte den Müll gesehen. Sabrina wäre vielleicht sogar absichtlich dagegengelaufen um denen da oben mal zu zeigen, was eine Harke ist. Mit ihr möchte ich ungern Ärger haben. Aber mit Ämtern eben auch nicht.

Aber die Dame im Amt kannte sich nicht so aus.

„Wir sind nur für die Steuer da. Da müssen Sie zu einem anderen Amt. Ich gebe Ihnen mal die Nummer.“

Seit zwei Tagen ist da niemand erreichbar.
Aber dann habe ich wenigstens etwas für Teil II.

Ich möchte einen Gesprächstermin zur rechtlichen Aufklärung vereinbaren. Nicht sofort, aber eine halbe Stunde im Büro, das wäre schon erbaulich.

Wer maßregelt, erntet gern viele Fragen.

–

Also Namensschild, nein.

Ist ja nicht so, dass das jetzt auch bei Menschen bald kommt. Obwohl mich schon ein paar Mobilnummern von Zweibeinern interessieren würden, nur so für die Kontaktlust.

Mist, „Kontaktliste“, meinte ich.

Bevor das so weit kommt ….

Die Ira lebt zwar unter Künstlern doch fragt sie selten jemand wie es ihr geht, sagt sie. Das ist anders als im Süden, weil es Menschen im Norden eben meistens ziemlich gut geht solange sie nicht Fußballfans sind.

So ein Schild am Hals habe ich vorgeschlagen:
„Ich werde gern gefragt, wie es mir geht.“

Auch schön:
„Ich höre gern Lobendes über mein heutiges Outfit.“

Oder:
„Nicht lesen! Bitte lächeln Sie mich einfach an.“

Wenn das jetzt Gesetz wird, wäre das gar nicht so übel. Hoffentlich bekommen die vom Ordnungsamt dann auch Schilder.

Die haben nämlich keine, auch keine mit Namen und Mobilnummer.
–
„Without music all we’d have is noise.“

Ein Gedanke zu “Saturday Night’s Alright For Fighting”

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