*Fragen des richtigen Verkehrs*
Im Supermarkt zum Beispiel. Wenn da an einer Kasse eine Schlange von 5 bis 8 Kunden steht und alle anderen ein rotes Lämpchen haben, dann gibt es immer häufiger die sogenannten „Sprinter“. Die stellen sich nicht an, sondern sie warten unruhigen Fußes auf die Öffnung einer zweiten Kasse, um dort die Goldmedaille mit dem ersten Platz zu ergattern. Manche rufen auch nach der zweiten Kassiererin.
Allerdings lassen diese in den seltensten Fällen jemanden aus der deutlich länger wartenden Kassenschlange vor. Am schönsten ist das, wenn keine zweite Kasse aufgemacht wird und derjenige sich dann doch in der Schlange ‚unterordnen‘ muss.
Es gibt sogar welche, die dann fragen, ob man sie vorlässt, weil sie „ja schon an der anderen geschlossenen Kasse gewartet“ haben. Da wünscht man sich manchmal einen Verkehrspolizisten, der das regelt.
Es gibt auch ganz andere Fragen, die im Verkehr zwischen zwei Menschen geregelt werden müssten.
Die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte, hat mir das beim ersten gemeinsamen Essen beim Italiener vor 25 Jahren gezeigt.
Es waren nämlich mehr als 30 Grad im Schatten und ich musste bis nach Hamburg fahren. Leider hatte das Auto keine Klimaanlage. Damit das gebügelte Hemd nicht auf dem Fahrersitz einen knitternden Bügelprozess erfährt, habe ich die Lehne auf der Autobahn ganz zurückgestellt, um eine Belüftung meines Rückens sicherzustellen.
Es ist ja schon mit einer gewissen Aufregung verbunden, wenn man mit der Dame seines Herzens erstmals zu zweit zum Essen ausgeht.
Nachdem in ihrer sehr ordentlichen Wohnung hinter ihrem Sofa ein Stapel von schätzungsweise 100 Ausgaben von „Petra“ und „Brigitte“ durch meine Ungeschicklichkeit lautstark zur Seite gerutscht war, sind wir in einen anderen Stadtteil gefahren, weil ich den Italiener von einer verstrichenen Beziehung her gut fand. Das sollte man nicht machen.
Ich hätte mir auch ihre Vinylsammlung genau ansehen können, aber sie hatte mich mit den Augen gefangen.
Man ist ja etwas nervös beim ersten Treffen, man gestikuliert vielleicht auch mehr als üblich. Männer neigen dazu, auch zu viel zu sprechen, das sehe ich immer wieder bis heute in den von mir besuchten Cafés. Zu viele männliche Worte und wandernde Blicke der Frauen.
Nicht gut, Jungs.
Und als dann die Getränke gekommen waren, ich das ‚San Pellegrino‘ eingeschenkt hatte, da habe ich mein Wasserglas vor Aufregung mit der zittrigen Hand zur Seite gewischt. Das ergab eine Überschwemmung wie bei einer Springflut auf Langeoog. Stofftischdecken finde ich nicht gut. Sie haben ein zu gutes Gedächtnis.
Und dann habe ich mich natürlich entschuldigt und gesagt, dass mir solche Ungeschicklichkeiten des Öfteren widerfahren. Sie ist dabei aber nicht nass geworden.
Und ich habe die schönste Blume Hamburgs gefragt:
„Passiert *Dir* so etwas *nie*?“
Es ist nun an sich völlig gleichgültig, ob das einer Frau oft, selten oder gar nie passiert, aber als Mann erwarte ich an dieser Stelle, dass die Angebetete sich erweicht und Verständnis zeigt und sogar eine Schwäche zugibt, …. die sie gar nicht hat.
Schließlich hatte ich schon den Stapel mit den Modezeitschriften umgekippt.
Sie sagte aber nur:
„Nein. Man *sieht* ja, dass da ein Glas steht.“
Ich war unfassbar hingerissen.