Die Endlichkeit

Die Endlichkeit

Vom Prinzip her finde ich das Sterben nicht so gut. Andererseits muss man nur einen einzigen Buchstaben ändern und man landet bei den Sternen.

Das hat schon mal vom Wort her etwas Tröstliches. „Sternen“ fände ich einfach besser, auch so im täglichen Sprachgebrauch.

Es wird ja nichts besser, wenn man das auch noch negativ ausdrückt.

Im Englischen kommt man von ‚die‘ nur schnell zu ‚diet‘, das hat deutlich weniger Stil und trifft das Wesen der Dinge zu genau, um lustig zu sein.

Der Tod erscheint mir gar nicht so schlimm, weil das ja exakt der Zustand der Welt ist, der vor meiner Geburt vorherrschte und an dem habe ich mich auch nicht gestört.

Irgendein Kluger hat das mal besser formuliert, aber es war jetzt auch nicht so gut, dass ich mir seinen Namen gemerkt hätte.

Wenn ein Buch oder Musik absolut perfekt ist, dann merkt man sich ja auch von wem das ist.

Viel schlimmer als das eigene „Wegsein“ scheint mir das Verschwinden von anderen.

Das bekommt man nämlich ständig mit und es ist ganz schrecklich, wenn man dann weiß, dass jetzt kein neuer Film mehr, kein neues Buch oder keine neue Platte mehr kommt.

Dann fühlt man sich von den großen Kreativen regelrecht verlassen. Bei den Menschen im wirklichen Leben ist das noch schlimmer. Bei den Künstlern kann man die alten Platten auflegen, aber bei den Menschen hat man dafür dann die Erinnerungen, das sind ja in gewisser Hinsicht auch ganze dicke Bücher oder gute alte Platten, die bis in die Gegenwart reichen.

Manchmal könnte man auf diejenigen richtig böse werden, wenn die zu früh zu den Sternen aufsteigen.

Leider läuft das oft total ungerecht, weil manch üble Gestalt ewig zu leben scheint und die Geschätzten nicht lang genug.

An sich ist das aber egal, weil die wahrlich Geschätzten immer zu früh verschwinden, ganz gleichgültig wie alt die nun wurden. Wobei die ja gar nicht verschwinden können, weil die so prägende Erinnerungen sind, dass sie immer irgendwie dableiben.

Das ist vielleicht das wahre ewige Leben bei denen. 🙂

Das bekommt man selbst vermutlich zu Lebzeiten gar nicht so mit.

Oft fängt ja bei Künstlern das ewige Leben erst an, wenn die schon lange die Sterne anmalen, Van Gogh war doch auch so einer. Aber der ahnte das vermutlich auch schon, sonst hätte der nicht wie ein Wilder weitergemacht.

Künstler müssen ja weitermachen, die können gar nicht aufhören. Die kennen weder Rente noch Pension. Vermutlich würden die gar keine Idee davon haben wie andere, die dann vom langen Nichtstun träumen.

Das stelle ich mir total öde vor, … das Nichtstun. Das wäre ja auch wieder wie vor der Geburt. Daran hat man auch keine so tollen Erinnerungen an das Nichtstun und den Urlaub vor der Geburt.

Auf solche Themen komme ich stets vor Geburtstagen, das tut mir jetzt echt leid für Euch.

Wenn man die 40, 50 oder wie bei mir die 60 ins Visier nimmt, dann fragt man sich doch natürlicherweise wie viele Silvesterfeuerwerke man so noch von unten sehen kann.

Darüber habe ich kürzlich mit einem gebildeten Freund gesprochen. Der meinte, dass er an so etwas noch nie gedacht hat.

Das hat mich dann wieder echt zweifeln lassen, ob ich das richtig mache. Aber wenn ich das absichtlich nicht machen würde, dann würde der Gedanke ja doch auch ewig leben, oder?

Bei den fitten Leuten in meinem Alter, die immer auf die Gesundheit achten, ganz viel Sport machen, nicht rauchen und so, da glaube ich manchmal, dass die gar nicht möglichst lange gesund leben wollen, sondern dass sie der Endlichkeit eine lange Nase zeigen wollen.

Andererseits jammern die dann schon bei jedem Schnupfen herum. Muss nicht.

Nicht jedes Zwicken ist der Anfang vom Sternenhimmel.

Aber vielleicht klappt das ja so mit der Unendlichkeit.

„Man weiß es ja nicht.“

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