Der Onkel II und die Fahrerlaubnis
Valentinstag.
Ja, unser Sohn wurde 17 heute.
84kg Muskelmasse pur.
Schultern, neben denen die von James Bond aussehen wie eine Wäscheklammer.
4500kcal täglich verschwinden täglich in diesem Lächeln. Nach Plan, er nennt das ‚Massephase‘. Kauft man 1500kg Fleisch für zwei Tage und vier Personen, so ist die Hälfte am ersten Tag hinter einem breiten Grinsen verschwunden.
Das ist beeindruckend, aber kostenintensiv. Fleisch kann man nicht downloaden.
Massephase.
Das mit dem Führerschein hatte „Vaddern“ so geregelt:
Bei Kosten von ca 1500€ zahlt Daddy die Hälfte, der Rest wird angespart mit dem kleinen Rest vom Konfirmationsgeld sowie den stetig fließenden Geldgeschenken der Anverwandten. Einen Job mit dem Austragen von Zeitungen oder dem Verkauf von Äpfeln auf dem lokalen Wochenmarkt am Samstagmorgen hätte ich auch befürwortet.
Man muss nicht alles in jungen Jahren geschenkt bekommen. Die Freunde …. nun, die bekommen das ’so‘, was meine Ideen nicht unbedingt leichter vermittelbar macht. Selbst der mit dem kleinsten IQ bekommt ja einen 2200€ Rechner. Der meine muss mit einem 400€ Laptop leben.
Das Leben ist eben … hart. 🙂
Leider wurden nach Weihnachten spontan angesparte 350€ in eine PS4 und zwei Spiele investiert. Daneben steht jetzt …. die ‚uralte‘ PS3.
Das ist natürlich … nicht mein Problem, verringert aber die Aussicht auf eine Fahrerlaubnis zügig.
Sparen muss man schon etwas, meine ich, wenn man Ziele hat.
Das war die Lage im Hintergrund. 🙂
Zurück zum Sonntag, dem 17. Geburtstag am Valentinstag.
Und der große Paragraphen-Onkel kommt auch und schenkt ein Spielzeugauto mit 50€ im Cockpit.
Hübsch. Ein wenig Geschenkpapier ist schön, aber der Fahrtwind hat es uU weggeweht. Mir schwante Böses als ich den Mini Cooper glänzen sah.
Und dann Kaffee und Kuchen mit der Sippe des Onkels. Die Kleine hat mich nach 45 Minuten leise gefragt, ob sie ‚hoch‘ gehen kann, weil „mich fragt ja sowieso keiner was, Papa“, … so flüsterte sie noch.
„Klar, ich ruf Dich, wenn jemand etwas von Dir will“, zische ich leise verständnisvoll aber pädagogisch wertlos.
Die Themen paddeln weiter an der Oberfläche.
Ein paar Wissenfragen wie bei Jauch, aber Onkel erklärt die Antworten ja selbst damit wir alle etwas lernen. Antworten oder darauf einzugehen brächte nur Nachfragen. Ich streng mich auch nicht gern an, zugegeben. Jedenfalls nicht bei Quarkkuchen mit Grieß. Wunderbar, gern mit einer fetten Schicht Puderzucker. Da guckt mein Sohn so herrlich streng. Schon deshalb lasse ich es rieseln wie Schnee.
Mühsam unterdrücke ich ein Gähnen.
Dann der Onkel zu meinem Riesen als ich den restlichen Puderzucker vom Löffel lutsche:
„Ja, wann machst Du denn den Führerschein? Deshalb habe ich Dir ja das Auto mitgebracht. Ich würde eine neue Fahrschule nehmen. Die sind oft günstiger. In der Burgstraße ist gerade eine neue.“
84kg …. hören sich das kommentarlos an. Klug.
Das geht ein paar Minuten so. Dass das ja heute nicht billig ist …. und so. Und ich sag nix, aber wundern kann man sich auch still. Schließlich hat der halbe Tisch wichtige Anregungen wo und wann.
Dann aber wieder Onkel:
„Wie viel Geld hast Du denn jetzt gespart?'“
Mein ‚Digga‘ sagt:
„Sag‘ ich nicht.“
Und er schaut mich an und ich sehe ein wenig Verzweiflung, aber auch Wehrsamkeit dahinter.
Das provoziert Nachfragen, …. warum er das nicht sagt und so …. pipapo. Er rutschte schon etwas im Stuhl. Er mag das nicht. Ich auch nicht. Andererseits kann er den Onkel nicht einfach hochheben wie mich bis ich flehe: „Lass mich runter!“
Dann musste Vaddern doch aus dem sprichwörtlichen Quark kommen:
„Meine Lieben. Ihr sprecht hier über eine Party, die ihr nicht *bezahlt*. Im Spaß gesagt: Scheine auf den Tisch und Ihr könnt über alles sprechen. Sogar über den Führerschein.“
Onkel:
„Ja, aber *er* sagt ja nicht, wie viel Geld er *hat*!“
„Super finde ich das! Das geht Dich auch gar nichts an.“
Klar, die Veranstaltung war etwas kürzer als sonst.
Bin ja mit meinen Ansichten der einzige aus einer anderen Sippe.
Außer meinen Kindern. 🙂
Und Onkelchen wollte ja vermutlich Unterstützung anbieten. Aber *so* ist das nicht so ganz nach meinem Geschmack, schon die Themenwahl und ….. dann die …. ‚Fragetechnik‘.
Vielleicht kann man telefonisch mit dem alten Vater die Lage vorab sondieren? Oder mit der Schwester, der besten Ehefrau von allen?
Oder ist das …. doof, das zu erwarten?
–
Am nächsten Tag bringe ich dann die 10jährige Kurze mit dem Auto heim. Da steht Onkels Auto wieder vor unserer Tür.
Und vom Rücksitz kommt knapp und trocken:
*Ach, Du Scheiße, … er ist wieder da.*
Tja.
M.
