Helden

*Helden*

Himmel, bin ich froh, dass ich heute nicht jung sein muss! Pokemon-Go, Handys und verschultes Studium in 8 Semestern! Und Autos ohne Regenrinnen!

„Früher war alles besser“, hat Oma schon gesagt.
Die stand dann in den 70ern auf dem Balkon im 13ten Stock und zeigte auf den Parkplatz tief unten und staunte mit 70 Jahren und einer „Ernte 23“ in den kleinen Fingern immer noch:

„Maaaartin! Soooo viele Auto!“

Sie sagte immer „Auto“ auch wenn es hunderte waren. ‚Ein Auto‘, ‚fünf Auto‘, …. ‚viele Auto‘. In ihrem Heimatdorf im Osten gab es nur eines, da brauchte sie den Plural nicht.
Allein schon damals in den 70ern das Aufstehen mitten in der Nacht, um Muhammad Ali in verschwommenen schwarz-weißen Bildern beim „rumble in the jungle“ boxen zu sehen. Für Ali musste man aufstehen, da war die Latein-Klassenarbeit am Morgen längst k.o. gegangen.

Frazier, der kleine, und Foreman, der später dicke boxende Priester. Was für Typen!

Oder Boris Becker, mit dem man leiden und siegen konnte wie mit keinem anderen. *Nachts* waren seine und unsere Niederlagen am schlimmsten.

Dazu Lendls Handwerk von der Grundlinie, McEnroes Wutausbrüche, Borg und seine Definition des Begriffes „cool“, Connors‘ Kämpfe, dazu der wunderbare Henri Leconte, der französischer war als jede Französin je sein wird.

Der war besser als Winnetou!

Natürlich ist der Becker von heute nach der Transformation in der Besenkammer ein anderer, aber die Erinnerungen sind frisch und verschwinden nie im Dunklen.

Als „Schlagobers“ Steffi Graf, die Schultern von Gabriela Sabatini, die kühlen Spiele der Navratilova, und die sieglosen Beine der Kournikova. Die sind wenigstens erst kürzlich gewesen. Spannend war die jedoch nicht mehr, also mit dem Schläger. Die war leider schon aus der Zukunft.

Oder Fußball, was für Typen gab es zu sehen!

Beckenbauer, Pele, Cruyff, Schuster, Netzer, Zico, George Best, Ardiles, Overath, Zidane, Pirlo, Platini!

Dazu Ente Lippens und ein Torschütze des Monats aus Bochum, der auf jede Frage von Rauschenberg antworte:

„Jaaaa, die Flanke kam gut und dann …. hab‘ ich ihn reingehauen.“

Vielleicht mussten die damals auch einfach weniger sinnlose Fragen beantworten und konnten sich auf ihre Kunst konzentrieren.

Oder Musik!
Beatles, Stones, Elvis, Madonna, Dylan, Young, U2, Springsteen, Cash, Tina …. alles Helden!

Körbeweise! Helden!

Madonna habe ich jetzt extra dazugenommen damit das vor dem Geschlechtergericht Bestand hat. Wobei Mick ja mit 40% femininen Anteilen auch durchgeht.
Und heute?

Usain Bolt, Ronaldo, Rihanna, Taylor Swift, Helene Fischer! Am *meisten* vermissen würde ich Thomas Müller, der im Interview sogar noch gut ist, wenn er mit dem Ball einen ganz falschen Tag erwischt hat. Modern ist jetzt, dass ich 50% Frauen genannt habe. Das war Zufall.

Und heute in der Früh um 3:25 wollte ich *ihn* dann rennen sehen, noch einmal aufstehen wie damals für Ali!

Usain Bolt und seine 41 Schritte in 10 Sekunden!

Den Wecker habe ich nicht gestellt, weil ich das auch innerlich programmieren kann, man hat ja Erfahrung im Alter. Und tatsächlich, um 3:21 bin ich wach geworden! Dann musste der Hund aber *ganz* kurz raus, und der pinkelt Urin schneller als Usain es laufen lässt und ich dachte noch:

„Martin, die Uhr geht vor und im fernen Rio, da schauen die nicht auf die Minuten.“

Jedenfalls kam ich dann exakt in der *Sekunde* zurück als Bolt die Arme hochriss.

Zu spät!

Bei Ali hätte ich noch den Gong von dem Beginn der ersten Runde nachhallen hören aber heute geht ja alles viel zu schnell.

Das ist bitter.

Und jetzt 10, 20, 30 oder 40 Jahre warten bis ich wieder nachts aufstehe?

Ooch nöööö!

„Durchschlafen“ wollen heute alle.

Kein Wunder, es gibt ja keine Gründe mehr zum Aufstehen in der Nacht.

Oder habt Ihr eine Idee, außer Usain Bolt?

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