Träume

*Träume*

Neulich haben mir zwei junge Frauen gestanden, dass sie für den Mann im Schaufenster des Herrenausstatters schwärmen.

Die sind etwas über 40.

Also beide zusammen.

Der Schwarm ist ein gut gebauter Mann von gut 60 Lenzen im wollenen beigefarbenen Pullover und dunkelgrünen, edlen Jeans, er lächelt in den Mundwinkeln und lehnt sich an eine Pforte mit abblätternder Farbe, die älter ist als er selbst. Vermutlich gehört das Tor zu einem Hühnerstall, der bereits seit seiner Geburt verfällt. Oder seit meiner eigenen, das kann man ruhig zugeben.

Leider enden meine und seine Gemeinsamkeiten beim Binden des baumwollenen Halstuches, das wir wie Joachim Löw, der Weltmeister, tragen.

Als ich fragte, welche Vorstellung die beiden vom Leben mit diesem Mann ihrer Träume hätten, sagten sie, dass er viel unterwegs sei auf anderen fernen Erdteilen, aber sicher sehr liebevoll sei.

Das ist der bestimmt, denn ich kenne mich selbst ein wenig, habe aber wenig übrig für Flugreisen, weil ich mich wie von der Natur vorgesehen in einem Auto bewege.

Diese seine Liebe gelte auch für die Pferde, die er hinter dem Landgut halte. Er sei ein kreativer Geist, der nicht ‚richtig reich‘ sei, und daher auch zur Jagd geht, um seine Familie zu versorgen. Er kümmert sich gern um den englischen Garten mit dem alten Baumbestand.

Wenn er auf Reisen ist, kümmern sich fleißige Angestellte um das Landgut, weil die beiden jungen Ehefrauen sich stärker der Malerei widmen möchten.

Ich habe nicht gefragt, ob die Bediensteten auch den Stall ausmisten, weil sich das von selbst verstanden hat.

Ich selbst muss ja sogar die Autos waschen und war schon nicht mehr im Spiel.

„…. im Februar sterben ….“

… das bot mir eben die Autokorrektur hellseherisch an als ich tippen wollte, dass „im Fenster des“ Herrenausstatters jetzt ein jüngeres Modell aufgehängt wurde!

Zum Glück hatte ich den älteren Landedelmann für die jungen Frauen zur Fortsetzung der britischen Träume beizeiten abgelichtet.

Dass es nur zwei echte Probleme im Leben des Menschen gäbe, das hat mal einer geschrieben und ich habe keine Lust jetzt extra zu Google zu wechseln.

„Das eine Problem sind unerfüllte Träume. Das andere ist die Erfüllung der Träume.“

Oder sinngemäß ähnlich, mein Gott.

Schade eigentlich, dass junge Männer vergleichbare Traumvorstellungen selten gestehen.

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