Hemingway

*Hemingway*
Nach dem heute kurzen Verbal-Yoga mit Sabrina habe ich draußen vor dem Café noch schnell „Kopfschmerztabletten“ in das Mobiltelefon gehackt.

Ja, üble Sprache heute.

Wenn alles schnell gehen soll, dann wird alles schneller fertig aber nie besser.

Dann habe ich noch den weißen Steingutbecher zurückgetragen nachdem ich den süßen Rest Milchschaum rausgelöffelt hatte.

Und bei der Kaffeeausgabe standen zwei Handwerker und weil die mich so angesehen haben mit meinem Damenkörbchen im Arm und meinem blöden Hut wegen der wilden Haare und der Kälte, habe ich mir die beiden eben auch angesehen.

Der eine sah wie ein junger Handwerker aus. Die wirken manchmal wie die Guten in einem alten Western.

Der andere, der hatte so eine moderne Wollmütze auf und einen kunstvoll gezwirbelten Ziegenbart trug er. Die Hose voll mit Farbe.

Ein Maler, mit blauen, wachen Augen.

Jemand der im Sägewerk arbeitet, trägt den Bart eher kurz, aus Sicherheitsgründen. Farbe kann man ja auswaschen.

Und als ich eben durch die Tür rausgehe, da ruft einer ganz laut:

„Meine Damen und Herren!
Hemingway hat das Gebäude verlassen!“

Herrlich, ich habe noch auf einer Strecke von 100 Schritten gelacht. Das muss aus dem Ziegenbart gekommen sein. Genialer Typ.

Natürlich dreht man sich dann nicht um, man fürchtet ja, dass der Spruch von dem braven Cowboy war und man will, dass es der Ziegenbart war, weil man den cool fand. So kann man sich die Realität nämlich auch hinbiegen, man darf nicht zu genau hinschauen.

Nicht umdrehen, dann war es der mit dem Bart!

Mit so einem Satz rechnet man ja nicht und das ist das Schöne daran.
„Elvis has left the building.“

Das hat der zitiert und kreativ variiert.

Ein Künstler!
Warum ist der Maler geworden, also kein Kunstmaler, sondern einer, der Wände anstreicht?

Und „Hemingway“, toll, oder?

Der Maler war keine 30 Jahre alt.
Natürlich fühlt man sich bei so einem Spruch auch etwas verarscht, aber das ist sehr schön.
So richtig schön verarscht hat mich mal eine 13. Klasse am Freitag nach der 8. Stunde.

Ich hatte immer zwei Wanduhren im Klassenraum, eine hinten für mich, die immer 3 Minuten vor ging und eine zweite neben der Tafel für die Schüler aber die ließ ich ja immer zwei Minuten nachgehen.
Jedenfalls war die letzte Stunde an dem Freitag gefühlt echt kurz. Die waren auch so still rausgegangen und noch mit einem Lächeln so ein „Ciao“, das war … verdächtig.

Aber es war 14:50 Uhr. Konnte man hinten sehen.

In der Halle war aber nix los, totale Stille, keine 400 Schüler auf den Treppen und geklingelt hatte es auch nicht

Und die Uhr in der Halle zeigte 14:20 Uhr.

Fast wie Feuerzangenbowle.

Herrlich.

Lehreruhr vorgestellt.

Gab es viel zu selten.

Habe ich schon mal geschrieben, glaube ich.
Das wäre Hemingway nicht passiert.

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