






Die Anrede
Also ich habe mal in der Grundschule zu meiner Klassenlehrerin im Unterricht in der 1. Klasse „Mama“ gesagt.
Da haben die anderen ziemlich gelacht und die Lehrerin, Frau Beckmann, hat auch kurz Pause gemacht.
Jedenfalls kommt einem das ja so vor, wenn die Zeit still steht. Ich bin nie zu den Klassentreffen aus der Grundschule gegangen.
Wegen „Mama“.
Als Lehrer im Unterricht hat man ja die täglichen Highlights, auch wenn das andere gar nicht mitbekommen.
Das Beste war an sich, wenn erwachsene Schüler mich an der Tafel versehentlich duzten.
„Kannst Du das bitte nochmal sagen?“
Dann gab es leises Getuschel.
„Er hat ‚Du‚ zu ihm gesagt!“
… aber man selbst grinst heimlich zur Tafel und freut sich. Kam natürlich selten vor, ich bin auch nicht der Typ, den alle duzen wollen.
Wobei man mit naturwissenschaftlichen Fächern gut daran tut, auch Abiturienten stets zu duzen, weil das Fachliche schon kalt genug ist.
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Bei der Bundeswehr muss man ja jeden Vorgesetzten siezen, früher jedenfalls war das so.
Aber auch da gibt es Wege, die, die man nicht mag, besonders deutlich zu siezen.
Es bietet sich zum Beispiel der „pluralis majestatis“ an.
„Jawohl, Herr Feldwebel, wenn es Euer Wunsch ist!“
Dagegen ist wenig einzuwenden.
Einer hat mal gesagt:
„Flieger, ich bin allein!“
Vorgesetzte sind ja meist ein wenig einsam.
Ihr könnt das bei einem Chef durchaus testen. Interessant sind dann die Fälle, in denen die das gar nicht merken und „normal“ finden.
Markus Söder merkt das nicht. Nur als Beispiel. Er ist ja König von Bayern, wenngleich auf Abruf.
Damals habe ich auch viel falsch gemacht.
Zum Beispiel war es keine richtig gute Idee, mit der Freundin im Mannschaftsheim am Wochenende zu duschen, weil der „Sektor“ in Sichtweite der Fehmarnsundbrücke lag und nur 500m vom Strand entfernt war.
Auf der anderen Seite hatte der ‚Spieß‘ auch keine Lust, einen Bericht zu schreiben, weil der uU hätte fragen müssen, wie man was schreibt. Und das passt nicht, wenn man ganz streng sein will.
Der ist auch ganz schnell wieder raus. Man kann ja als Hauptfeldwebel keine nackten Frauen ins ‚Achtung‘ stellen. Da hatte der vielleicht Sorge, dass meine Freundin einen Bericht schreiben könnte.
Das mit dem Kotflügel, der wochenlang auf der Spind lag, war auch doof.
Den sollte ich auch wegnehmen, aber es steht jedem ja ein Kunstgegenstand zu und so habe ich den damals genannt:
„Kunst“
Musste dann nur abstauben.
Reinhard hatte irgendwie den Lack nicht bekommen, der saß immer „in Kfz“ oder wie das hieß.
Der Blick über den Fehmarnsund, das war für 12 Monate der Arbeitsplatz mit der besten Aussicht meines Lebens.
Auch wenn man das Ganze kritisch betrachten sollte, hat es große Vorteile, wenn man unter den blauen Klamotten eine Badehose tragen kann und in der Mittagspause am Strand Beach-Ball spielen kann.
Die Vorgesetzten durften da nicht mittun. Das muss bitter gewesen sein, schließlich waren die echt jung, sahen aber teilweise schon verlebt aus.
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Und in den letzten Tagen hat mich die bekannte Schlagersängerin aus den 60ern und 70ern im Café immer geduzt.
So ist Dänemark.
Ich sieze die natürlich, würde ja auch keine andere Frau von über 70 duzen. Die darf das.
Es wäre auch nicht nett, über die alten Lieder zu sprechen, glaube ich.
Hund, Wetter und die Besatzungszeit in Berlin sind reizvoller.
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Die „Anrede“ war auch in der Oberstufe nicht immer einfach.
Sicher regt man sich als Lehrer bei mathematischer „Faulheit“ auch mal auf und wird ’streng‘.
Da weiß man im Nachhinein selbst nicht, ob das berechtigt war oder ob man lediglich mehr ‚Aufmerksamkeit‘ brauchte.
Eine ist mir in besonderer Erinnerung geblieben in solchen ’strengen‘ Momenten.
Die ist jetzt selbst Lehrerin.
Die meldete sich genau dann, lächelte freundlich und sagte leise in die brennende Luft:
„Aber Sie sind doch unser Freund!“
Entwaffnend.
Brand gelöscht.
Mit einer „Anrede“.
Perfekt.
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„Time is an ocean, but it ends at the shore“