Alles wegen der Frauen

*Alles wegen der Frauen*

Irgendein kluger Mensch hat mal gesagt, dass der Mann alles, oder zumindest das meiste im Leben, der Frauen wegen tut. Ihr könnt das ja mal googlen, denn ich gehe davon aus, dass Leser hier überwiegend männlich sind und dann mache ich das mit Google nicht extra.

Jedenfalls habe ich in der 4. Klasse Stephanie aus der Dritten oft den Ranzen nach Hause getragen, damit sie unbelastet Sumpfdotterblumen vom Waldrand pflücken konnte. Leider hat sie mir nie welche gegeben. Die hat Markus aus der anderen Siedlung vermutlich bekommen, obwohl der mit dem Rad fuhr und trotzdem ihr Zeug nicht mitnahm.

In der Fünften habe ich dann Regina immer einen Platz in der Linie 5 freigehalten. Hat nicht immer geklappt und geredet haben wir auch nicht viel, aber ich konnte wenigstens neben ihr sitzen. Jahre später, in der Neunten, hat sie mich ja kurz vor der Schultür nach der letzten Stunde gefragt „ob wir zusammen gehen wollen“. Während ich noch drei Schritte zur Tür machte, um die zu öffnen, schob sie dann „…. durch die Tür?“ nach.

Ihren Geburtstag weiß ich nicht zuletzt deshalb bis heute. Das mit dem Bus, das hat sich im Nachhinein nicht so gelohnt. Also bei Regina. Blöde Kuh.

Und weil Urike in der Dritten mal gegen mich im Kopfrechnen gewonnen hat, habe ich dann später Mathematik studiert. Leider ist jetzt meine Tochter schneller als ich.

Viel schlimmer ist ja dieses Warten und Nichtstun im Schwebezustand einer „Beziehung“, die noch keine ist oder keine wird. Das ist ja einerseits ganz gut, weil die Hoffnung nicht stirbt, andererseits macht diese Verliebtheit auch nicht komplett glücklich. Hätte ich das früher mal angesprochen, wäre es jedoch einfacher gewesen, sich anderswo umzusehen. Macht man ja nicht so konsequent.

Und das perfektioniert man ja gern später, dieses Leben im …. Schwebezustand.

Zum Beispiel denkt man als Oberstufenschüler immer daran, dass man für eine Arbeit lernen muss, aber dann saugt man lieber erstmal Staub und sortiert die Bücher neu, um eine arbeitsfähige Umgebung zu haben. Danach ist man müde und muss den Anfang auf den nächsten Tag verschieben. Mit etwas Glück ruft dann jemand an, den man lange nicht gesehen hat, und man kann den nächsten Tag mit ganz üblem Gewissen auch noch um die Ecke bringen. Natürlich geht das auch über Wochen so. Das ist Übungssache.

Jedenfalls musste ich später beide Examensarbeiten jeweils innerhalb von drei Wochen schreiben und abgeben. Das ist natürlich voll stressig, aber mit einem Horizont von fünf Monaten kann man sich auch 20 Wochen total mit der Schreiberei versauen. Ich hatte dafür 17 Wochen lang ein schlechtes Gewissen, das auch nicht so der größte Hit war. Leider hat das mit dieser Technik schon beim Abitur geklappt. Da haben manche im Januar angefangen zu lernen und ich startete dann drei Tage vor dem Mathe-Abi voll durch. Danach habe ich dann für die anderen Arbeiten gelernt. Das ist etwas anstrengend. Hätte ich dann eine richtig schlechte Note irgendwo bekommen, dann hätte ich das bestimmt gelassen.
So hatte ich aber Zeit für Karina und Susanne, die noch nicht mit den Prüfungen dran waren. Ich glaube, ich mache das beim nächsten Abitur wieder genauso, aber nicht wieder mit Karina und Susanne.

Ich gebe auch immer zwei Steuererklärungen auf einmal ab. Dann hat man diesen Mist nur alle zwei Jahre. Andererseits dauert das nur zwei Stunden. Da denke ich dann *jedesmal*, dass das ja „halb so wild war“ und nehme mir vor, das „beim nächsten Mal ganz schnell“ zu erledigen. Aber dann will jemand gerade etwas in Mathe wissen oder ich muss mich mit den Dylan-Konzerten von 1991 dringend beschäftigen, weil das ein sehr interessantes, total unterschätztes Jahr ist.

Oder das Wetter ist zu gut, um es nicht zu nutzen … zum Sitzen.

Natürlich mache ich den Ölwechsel beim Auto immer pünktlich und ich lasse auch den Hund im vorgegebenen Zeitrahmen impfen. Das sind ja ganz andere Aufgaben.

Bei der Steuererklärung fragt die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte, immer nach, „wie weit“ ich denn so sei. Und ich glaube, dass ich wegen der Nachfragen keine Lust dazu habe. Ich selbst hätte das längst fertig. Also vielleicht.

„Man weiß es ja nicht“, so sagt das die Kurze.

Auto und Hund, die haken da nie so energisch nach. Und dann mache ich das auch alles. Na, fast.

„Alles nur wegen der Frauen“, hab‘ ich doch gesagt.

3 Gedanken zu “Alles wegen der Frauen”

    • Wieder klasse Maddin. Habe vor langer Zeit mal ein Video über Prokratination bei Marion Brasch gesehen. Bist also nicht allein auf der Welt ! Aber die Frauen sinds wirklich, die unser Dasein veräandern.
      Hier der link zum Prokrastinieren:

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  1. Wundervoll!
    Ach ja, so einen Prokrastinaten habe ich auch zuhause. Drei Tage vorm Abi beginnen zu lernen – jo. Irgendwann in der Achten meinte er auf mein drängendes Nachfragen, wann er denn mal wieder was für die Schule tun würde: „Mama, frag‘ doch einfach nicht mehr. Denk‘ am besten gar nicht mehr drüber nach. Dann ersparst du uns beiden eine Menge Stress!“ Ich habe mich fortan um Gelassenheit
    bemüht … Und nun bin ich raus aus der Nummer. Hoffe ich. 😉

    In irgendwelchen Schwebezuständen habe ich rückblickend eine Menge Zeit verbracht. Aber dazu schweige ich jetzt mal. 😉

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