Hummel, Hummel, Norah, Norah

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Hummel, Hummel, Norah, Norah

Es fing perfekt an.

Blauer Himmel, gefühlte 20°C und kein Stau auf der A1. Ich bin losgefahren als die Uhr 19:00 zeigte.

Das war die offizielle Showtime.

Für Hamburg ist das normal.

200m vom Stadtpark entfernt ein legaler Parkplatz, dann den Seiteneingang genommen, ein Wasser für 2€, mehr hatte ich nicht mit, und dann zwanzig Schritte und 5 Meter von den Rails war mein Platz als die Dame Norah den ersten Ton um Punkt 8 von sich gab.

Einschub.

Da, genau am Seiteneingang, hatte ich mich circa 10 Jahre zuvor mit einer sehr schlanken, älteren Frau auf Englisch unterhalten, geraucht haben wir und über Hamburg gesprochen und was man so machen könnte am Sonntag.

Erst als sie von „preparation“ sprach und fragte, ob sie meine Karte signieren soll, wurde mir klar, dass die ältere Dame Patti Smith hieß.

Ich hatte sie lange nicht gesehen.

Wie gut, dass wir ohne „VIP-Status“ sprechen konnten.

Meine Murmeln hat auch sie.

Ende Einschub.

Hach, die Jüngere, die Mildere:

In Hamburg bei Norah, da weiß man noch, was sich gehört. Da ist Luft in den Reihen, auch in Reihe 4. So zart wie Norah fühlte ich mich mit meinem 0,3er Becher.

Viereinhalb Stunden zu warten wie gestern in Berlin, das endet bei mir mit Übungen für die Knie und dem Strecken des Rückens.

Norah Jones.

Natürlich gibt es da Kritik, aber es ist immer so, wenn etwas massenkompatibel ist.

Ist mir „latte“, die Kritik.

Ich höre sie ganz gern, auf Landstraßen oder wenn ich mich auf der Autobahn nicht erregen möchte.

Ein wenig wie eine akustische Beruhigungstablette ist das. Eine böse Zunge nannte Sades Musik einmal die „in Noten gegossene gepflegte Langeweile“.

Ein Unding, solche Worte.

Aber es hat etwas Wahres.

Ja, ich war’s. Sorry.

Norah, sie wird auch von den HiFi-Freunden für den Boxen-Test geliebt.

Andere entkommen mit ihren Platten der Hektik nach der digitalen Revolution. Ohne die Zeiten der Eile im Heute, wer weiß, ob sie eine „Weltkarriere“ gemacht hätte!

15 Jahre lässt sie uns schon dem Alltag entfliehen!

Natürlich passt sie nicht immer, aber sie klingt wie der Regen auf dem halbgeöffeneten Dachfenster, dient als weibliche Begleiterin einsamer Rotweine oder als anspruchsvoller Background zum Kuscheln.

Norah hat diese Wärme in der Stimme, die uns so oft fehlt.

Sogar mein Hund fragt mich öfter, ob ich nicht eine Norah Jones auflegen könnte.

Bei Dylan hat er mal gebellt, bei „You’re A Big Girl Now“, das konnte ich verstehen, denn der Alte jaulte da vor Schmerzen.

Live klingt sie -Norah- noch besser als auf den Platten, das klingt in Teilen gepresst auf Vinyl oder CD steriler.

Sie wechselt von Instrument zu Instrument, aber sie steht niemals „hands open“ vor dem Publikum.

Am Flügel bekommt der Rotwein ihrer Stimme eine freche Note roter Johannisbeere von den Tasten.

War ‚es‘ heute gut oder nicht?

Keine Ahnung.

Nach 70 Minuten war der „offizielle Teil“ vorbei, kurze Pause, dann die Zugabe ohne Nachspielzeit.

83 Minuten brachte sie insgesamt auf die zeitliche Waage, die andere lassen wir weg.

Zweieinhalb Songs, die man ‚uptempo‘ nennen könnte, erzeugten fast Jubel, ansonsten artig wie ein Hamburger Nieselregen auf einem Zeltdach, so klang der Beifall.

Man kann auch „müde“ sagen, aber vielleicht war es nur meine eigene kurze Nacht im Kombi.

Ihr Lächeln nach dem schnellen, countryesken Stück mit neckischer Gitarre starb auf ihren Lippen einen kleinen Tod, es kam zu gut an, das Bewegtere.

„Wir“ waren auch schon etwas älter heute, kein Gedränge wie gestern bei Bono, keine Wildpinkler, keine Angetrunkenen, kaum Leute, die Filmchen drehen.

Ich habe auch kaum einen Raucher gesehen.

Meine lagen im Auto und ich hätte gern eine geschnorrt.

Aber bei wem denn?

Nichtrauchermusik?

Paarmusik!

Also jetzt nicht direkt für die Paarung im engeren Sinn, aber Norah vereint Frauen und Männer, jedenfalls im Konzert.

Man hält die Hand, es wird mehr geküsst als bei „With Or Without You“.

Romantik ist zu zweit schön.

Ich war ja allein, schade, ich hätte die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte, fragen sollen, ob sie mittäte.

Vielleicht passt ein Vergleich:
Der Chef denkt über die Arbeit seines Mitarbeiters meist, sie laufe ab wie eine nächtliche Rundfahrt durch das leere Hamburg in einem Mercedes mit Automatik.

Leider ist der Job jedoch eher so, dass es ständig Staus gibt, rote Ampeln, andere wie die Irren fahren und Baustellen mit Umleitungen einem den letzten Nerv rauben.

Und zusätzlich hast Du ein handgeschaltetes Auto bei dem der zweite Gang total schwer reingeht.

So ist die „Realität der Arbeit“ nämlich.

Norah Jones klingt wie die Illusion, dass es morgen früh um 9 so wird wie mit dem Mercedes mit 6 Zylindern und der weichen Automatik.

Und deshalb brauchen wir sie.

Aber live nur einmal.

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