
„U2 in Berlin“ oder „Vogelkot im Haar“
Vogelkot im Haar, das soll Glück bringen.
Vermutlich ist das so, weil es so selten passiert, seltener, als man das berühmte Kleeblatt mit vier Blättern findet.
Außerdem kommt Vogelkacke in der Regel von oben und „oben“, da wohnen die Götter!
Jetzt könnte man eine Parallele von Vogelkot und U2 ziehen, weil beide irgendwie mit den Göttern zu tun haben, aber so blöd bin ich auch nicht, mir deshalb Klagen von Vogelkotfreunden oder von U2-Verehrern anzuhören.
Neulich habe ich U2 schon mal live gesehen, also präziser circa 1984.
Und nach 33 Jahren und zwei Generationen später darf man „nochmal“.
Es waren dieselben Leute da wie 1984, also die waren im gleichen Alter wie damals.
Nur Bono und ich, wir sind älter geworden.
Ich traue mich aber nicht mehr, vor 70000 Leuten die Jeansjacke halb auszuziehen.
Nein, ich mag keine Stadionkonzerte, ich mag auch keine Videoleinwände und keine 60m breiten Bühnen, auch wenn die sonstige Ausstattung von Zurückhaltung geprägt ist.
Ich mag nicht viele Worte auf Leinwänden, auch nicht zu viele gesprochene am Mikrophon, auch nicht für eine bessere Welt.
Ich mag auch die großen Gesten nicht, ich habe von all dem lieber den Kinderteller.
Aber bei U2 gibt es eben den XXL-Teller, das weiß man vorher und sollte nicht klagen.
Noel Gallagher als erster ‚Act‘.
Der sieht beim Singen immer so aus, als würde er gleich losheulen.
Klingt besser als es aussieht, ich war erstaunt, denn Oasis und die Gallaghers habe ich nie richtig kennengelernt. Aus Gründen.
Seine Frisur war modisch und ich kann das beurteilen, weil die Entfernung wie beim Elfmeter war.
Anders ist „Stadion“ furchtbar.
Kurz gesagt und zusammengefasst:
Es war einfach großartig.
Sogar einen Schauer im Rücken bei „Where The Streets Have No Name“ hatte ich. So kurz vor dem siebten Jahrzehnt ist das selten.
Andererseits waren die Klamotten vom vierstündigen Warten schon vor der Show ‚durch‘.
Regen macht generell weniger mitteilsam, das steht schon bei Karl May, aber bei mir ist das nicht so, ich trockne beim Sprechen von innen.
Hoffentlich hatte mein „Rob“ seinen Gehörschutz schon vorher fest eingestöpselt. Der musste das nämlich neben mir alles wegfiltern bevor es losging.
Ich mag Regen gern, aber ich werde ungern nass.
Regenklamotten liebe ich noch weniger als Nässe.
Bono mag auch keinen Regen obwohl er so viel Haarspray drin hatte, dass die Fönfrisur unfassbare 60 Minuten gehalten hat.
Dann hat er einen breitkrempigen Hut vorsichtig auf- und später wieder gefühlvoll abgesetzt.
Auch mit 3-Wetter-Taft geht das nicht gut, weil das Wasser ja trotzdem da ist. Und dann wird das flach wie das Land, in dem der Joshua Tree wuchs und das sieht besser aus als weiche, fluffige Türme im Alter.
Bei Catherine neben uns aber war Vogelschiss im Haar, sonst wäre das musikalisch und optisch niemals so gut geworden.
Sie war mit Freunden aus Tübingen gekommen, sie ist auch nicht herumgehüpft wie die meisten anderen vorn vor der Bühne der U2-Kirche und sie hat auch keine Fotos gemacht.
Ich glaube, dass sie eine Künstlerin war.
Schon weil ich in fast dreimal so viel Jahren noch nie Vogeldreck im Haar hatte!
So ein Vogel überlegt nämlich, wen er beglücken will. Meistens lieben die nur mein frisch gewaschenes Auto. Catherine hat es in jungen Jahren geschafft.
Vögel sind klug.
Sobald das Wort „Tübingen“ fällt, wird es aber feucht!
Vor zwei Jahren musste ich mich auf einem verlassenen Parkplatz nachts nackt ausziehen, so nass war ich bei Bob Dylan geworden.
Und kaum kommt jemand aus Tübingen nach Berlin, so regnet es auch dort zwar schwach aber höchst ausdauernd.
Ich wusste nicht, dass eine kleine Stadt soviel Wasser für eine riesige Metropole hat.
Ich habe sogar einen südlichen Hundekotbeutel von ihr geschenkt bekommen, leider hatte ich die norddeutschen im Auto gelassen, ich konnte ihr nichts schenken.
Bei Konzerten sammele ich ja keinen Hundedreck. Aber der rote Beutel mit dem lächelnden Hund erinnert mich jetzt für immer an U2 in Berlin.
Und an die Künstlerin mit dekorativem Vogeldreck im dunklen Haar.
Das lässt man nämlich erstmal drin, hat sie gesagt.
Es war auch nur von einer Meise.
Wenn so eine Möve richtig trifft, dann denkt keiner, dass da jemand Glück hatte, sondern, dass dem die weiße Mütze nicht gut steht.
Zuviel Glück ist nämlich auch nicht gut.