
*Die richtige Kleidung für das erste „Date“*
Das war kürzlich eine Frage einer jungen Frau auf Facebook. Eine diffizile Frage, sicher. „Too much“ ist nämlich problematischer als „echt zu nachlässig“.
Zumindest erinnert mich das an das erste Treffen mit ihr vor mehr als 35 Jahren. Zugeben sollte ich vielleicht, dass ich zum Ende der Studienzeiten mehr im Schanzenviertel, in der Marktstraße oder in Altona war als an der Universität oder an einem Teilchenbeschleiniger mit weiblich klingendem Namen. „Petra“, „Hera“, „Desy“ … Physiker nennen ihre Speicherringe gern weiblich anmutend.
Weiß der Himmel, weshalb.
Ich war damals gerade kurzfristig erblondet. Da muss man beim Tippen sehr aufpassen, weil da schnell ‚erblindet‘ herauskommt. Aber so hätte ich sie ja vielleicht nicht entdeckt. Ich hatte auch rotes Haar oder Streifen, ganz schrecklich, auch mal etwas Grau, aber dafür musste ich als „Model“- Student nie für den Schnitt bezahlen. Nur die Färbung in Natur danach, die kostete dann 5,95DM.
Ich wollte auch nur sagen, dass ich fürchterlich ausgesehen haben muss. Bis auf die ganzen schwarzen Klamotten, die ich immer trug, weiße Hemden aus den 50ern aus reiner Baumwolle, in der Waschmaschine auf tiefschwarz gefärbt, schwarze Jeans, die Steifel, Ihr ahnt es, schwarz, ein schwarzes altes Jackett, je nach Jahreszeit ein grauer oder schwarzer Mantel dazu. Grau, das fand ich schon ein wenig verwegen, zu farbenfroh, so positiv, an sich nicht mein Fall. Blond, das kommt mir da jetzt gar nicht mehr so schlimm vor, wenn ich darüber nachdenke. Die anderen Physiker und Mathematiker trugen oft einen grünen Parka, ich kann mich in diesen Dingen einfach nicht anpassen. Niemals hätte ich so etwas angezogen, niemals. Obwohl das Schwarz ja ebenso eine Art Uniform ist wie der Parka, aber das war mir in der ausgehenden Jugend vielleicht gar nicht bewusst. Aber zurück zu ihr, der …. Erscheinung, die ich erwartete.
Und sie erschien in meinem Hamburger Stammcafe „Backwahn“ in der Grindelallee groß wie vorher, schlank wie vorher, natürlich blond, ungekämmt, ungeschminkt und in einer hellgrünen, kurzen Lederjacke, alter, unmodischer Jeans, vermutlich von C&A oder von ihrer Tante und einem T-Shirt, das die Studentenunruhen der 60er miterlebt zu haben schien. Das wurde ihr natürlich nicht gerecht, aber einen Scherz zu der grausamen Farbgebung der Jacke habe ich trotzdem gemacht, irgendetwas mit „Erbsenpürree mit viel Milch“, glaube ich.
„Kommt drauf an, was drin ist“, hat sie sinngemäß geantwortet und vielsagend das Grün weggelächelt. Man glaubt manchmal gar nicht, was so ein Lächeln bewirken kann und wie sehr es optische Beeinträchtigungen zu Randerscheinungen machen kann.
Jedenfalls sprach ich sie Monate später auf dieses „erste“ Outfit an, das ich niemals wieder gesehen habe und sie gestand:
„Ach, das war doch Absicht. Wenn man mich in *den* Klamotten mag, dann kann das was werden.“
Das fand ich ganz gut. Auch den dem zugrunde liegenden Gedanken.
Es ist so allemal besser als beim ersten Date ein optisches Feuerwerk abzubrennen, dem man als Frau oder Mann dann ein Jahrzehnt hinterherrennt.
Ich war am nächsten Tag auch nicht mehr blond.
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*Die richtige Setting für das erste „Date“*
Nun war damals das Cafe Backwahn *mein* Cafe, nicht ihres. Es lag aber nah an ihrer Arbeitsstelle und war daher unverfänglich, weil eine kurzfristige Flucht einfach und nachvollziehbar gewesen wäre. Das gilt sowohl für mich als auch für sie, eine praktische Konstruktion ohne Aufwand.
Ein Vorurteil von mir besagt, dass Frauen gern das erste Date oder eine erste Verabredung „gestalten“ wollen, zum Beispiel ein Essen (zu lang, zu viele Probleme, wer zahlt … ach, keine gute Idee!), ein hübsches Cafe, ein angenehmes Ambiente soll es sein, nichts soll eine sich anbahnende Beziehung gleich welcher Art stören, am besten noch Sonne, die mit ihrem Haar spielt. Jede Frau sieht in der Sonne noch besser aus als in strömendem Regen. Es soll sogar welche geben, die vorher zum Frisör gehen, aber auf eine gute Kleidungswahl legen sie alle Wert, so mein weiteres Vorurteil, Ausnahmen bestätigen die Regel, siehe oben. Ich wette, dass viele zuhause mehrere Kleidungsvarianten vor dem Spiegel ausprobieren.
Leider klappt das alles nur im Film. In der Realität hat der Mann dann gerade Zahnschmerzen, redet ohne Punkt und Komma, um seine Unsicherheit zu überspielen oder um sich als großen Hecht darzustellen. Und so kann er ihre Bemühungen um ein perfektes Äußeres nicht goutieren, dann wirft er auch noch die Kaffeetasse um und ihr helles, kurzes Kleid bekommt einen Fleck, klar, die sehen sich nie wieder. Das Setting war perfekt. Aber die Realität ist es nie.
Es gibt kein perfektes Setting, man sollte sich das ganze komplett „abschminken“, es ist eine schlechte Idee. Eine ebenso „schlechte Idee“ ist es, wenn eine Frau sich mit einem Mann „zum Reden“ treffen will, das geht gar nicht. „Zum Reden“ treffen sich Frauen, aber nur Frauen, so glaube ich, Widerspruch ist hier gern gesehen, aber natürlich …. falsch.
„Du, Matthias, lass uns mal zum Reden treffen.“
Hat das schon mal ein Mann zu einem anderen Mann gesagt? „Zum Reden“?
„Zum Reden“ treffen, das ist für jeden Mann eine Art „Drohung“, es könnten Probleme gewälzt werden. Jede Frau sollte sich diese Formulierung dreimal überlegen, bevor sie diese einem Mann gegenüber wählt. Für den Mann klingt das so wie früher, wenn Mutti sagte „ich möchte etwas Wichtiges mit Dir besprechen, mein Sohn“. War man ein halbes Kind, ging es sicher um Fragen der Aufklärung bzw Verhütung. Finden alle Jungs furchtbar, die wissen alles, was sie wissen müssen und wenn sie etwas mehr wissen wollen, dann wirklich als Letztes von „Mutti“. Mutti kommt nämlich immer zu spät, immer.
Also, ein Beispiel.
Mit einem Mann kann man das als Frau so machen:
„Ich muss noch einkaufen, kannst ja mitkommen, danach irgendwo einen Kaffee? Mehr Zeit habe ich nicht.“
Dann redet man bei Edeka über Backpulver oder ob Fleischsalat besser ist als Geflügelsalat. Das interessiert den Mann kaum, aber er kann sich wenigstens entspannen oder ihr großherzig das Spülmaschinensalz holen. Weiß er sich in so einem Markt gar nicht zu orientieren: Finger weg von dem Typen, der wurde zu sehr verwöhnt, von Mutti und ihren Nachfolgerinnen. Jeder Ausstieg ist möglich, der Kaffee kann ganz kurz sein, kann sich aber auch ausdehnen, wenn sie die Einkäufe nicht allein tragen kann. Es soll Frauen geben, die dann absichtlich so viel kaufen, damit sie es nicht allein nach Hause bringen können.
Das ist eine andere Art von Plan, aber kein Filmsetting. Ganz ohne Plan geht es auch nicht.
Solche Sandalen hatte ich auch mal ! Aber leider keine weißen Tennissocken …. Beim ersten date hat sie (damals 14) bestimmt nicht auf die Schuhe geschaut. Ich auch nicht auf ihre. Und später war alles sowieso egal.
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