
*Auf der Hallig
Wir leben jetzt auf einer Hallig!
Es bleibt nordisch, grün und windig.
Alles, alles ist plötzlich so weit weg, ein ganz neues Leben. Fast wie früher. Wir backen Kuchen, wir kniffeln und spielen Karten. Gern versuche ich zu gewinnen, aber oft hilft nicht einmal der vierte Wurf oder das Ziehen von zwei Karten zur Rettung der männlichen Ehre.
Das mit dem vierten Wurf ist natürlich lächerlich platt, aber beim Rommé vom Stapel eine Karte mit einem angefeuchteten Daumen von unten zu fassen ohne sie anzusehen, nur ganz kurz zu greifen und wieder zum weiteren Nachdenken auf den Stapel zurückzulegen um …. danach zwei zusammen pappende zu ziehen, …. das macht sogar Freude, wenn man verliert.
Ach, der „Umzug“.
Natürlich leben wir nur symbolisch auf einer Hallig, denn das Transportmittel in die andere Welt war nur ein defekter Router. Kein Telefon, kein TV, keine weltweite Vernetzung der Playstation, kein WLAN, nix.
Wunderbar.
Das kleine Kind hatte sich allerdings nach der morgendlichen, digitalen Hiobsbotschaft bereits auf dem Weg von der Schule das Passwort des Netzes der kleinen Nachbarin besorgt.
„Nach der – auf dem – von der – das – des – der“, sorry, das war mühsam, aber so ist eben das Deutsche. Kompliziert, aber beim zweiten Lesen halb verständlich.
Sie gibt es, das Wort, nicht weiter, sie hat offenbar ein Gelübde abgelegt und sie brauche es auch „nur für die Uploads bei Instagram“.
Das würde Oma überhaupt nicht verstehen und die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte, denkt auch zunächst an Instantkaffee. Das Netz ist jung und wir sind die Alten.
Ich lese auch wieder die ganze Tageszeitung, sogar die Traueranzeigen. Für den Router habe ich keine geschaltet, obwohl der ja heute schnell zu einem Familienmitglied wird.
Aber wenn der weg ist, bleiben die Augen trocken.
Erstmal.
Was wäre ich ohne ihn ???? Keine Geschichten mehr von Maddin !!!
Na ja, nicht ganz, denn man hat ja noch eine flat fürs Smartphone .
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