
*Ein Buch im Winter*
Alles, wirklich alles, hat Vor- und Nachteile.
Winter ist zum Beispiel schön, Schnee und Eis, ich liebe das bis zu einem gewissen Grade. Tee trinken, ins Kaminfeuer blicken, einen warmen Hund auf die Füße legen, wunderbar. Ehrlich gesagt endet dieses wohlige Gefühl aber oft an der Schwelle der Haustür. Und das speziell dann, wenn die Nachbarn „geräumt“ haben und mit Salz und Sand die Wege rutschsicher machten. Wer geht über Splitt, Sand und Salz? Also ich nicht, ich weiche dem aus, ich gehe auf dem festgefahrenen Schnee auf der Straße! Salz ist schlecht für Lederschuhe und den Sand trägt man im Profil nach Hause. Höchst unpraktisch. Natürlich würde ich mich auch über Leute beklagen, die überhaupt nicht räumen.
Auf Deutsch:
Alle sollen es genau so machen wie ich selbst. Schnee räumen und dann fegen, bis es rutschsicher ist.
„Alle sollen so sein wie ich“ ist auch so eine Krankheit unserer Zeit.
Und gestern wollte ich mir das 500seitige Buch vom kleinen Kind ausleihen. Die hatte das regelrecht verschlungen und ich wollte gern die ersten 20 Seiten lesen.
„Ja, ok“, sagte das kleine Kind und legte mir das dicke Taschenbuch in die Hände.
„Es wird nicht ‚aufgebogen‘! Du benutzt ein Lesezeichen, bitte! Keine Knicke in den Seiten! Du lässt es nicht aufgeschlagen umgedreht liegen! Beim Lesen wird kein Kaffee getrunken! Auch nicht essen, ich will keine Kekskrümel in meinen Büchern! Und wenn Du es mitnimmst, steckst Du es in eine Tüte!“
„Würdest Du mir erlauben, Dir lieber gleich dasselbe Buch nochmal zu kaufen?“
„Nein, dann sieht das ja ‚ungelesen‘ aus!“
Es ist etwas schwierig, wenn man erkennt, dass man gewisse Grundhaltungen auf folgende Generationen überträgt.